Das Pontifikat von Papst Eugen IV.

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Auflehnung gegen die Statthalter Jesu Christi

Das Pontifikat von Papst Eugen IV. (regierte von 1431-1447)

Der Heilige Stuhl blieb nach dem Tode des Papstes Martin nur elf Tage erledigt; denn am 3. März wählten die Kardinäle den Kardinalpriester Gabriel Condolmieri aus einer sehr angesehenen und achtbaren Familie, einen Neffen des vormaligen Papstes Gregor XII., zum Papst. Er war im Jahre 1383 zu Venedig geboren und hatte eine gewisse Bariola zur Mutter, die ein Glück genoss, wie selten eine Mutter; denn sie sah aus ihrer Familie drei Männer den heiligen Stuhl besteigen. Ihr Bruder war nämlich der schon genannte Gregor XII., ihr Sohn Gabriel war Eugen IV. und ein Enkel von ihr wurde Papst unter dem Namen Paul II.

Der Ordensmann

In seiner Jugend war Eugen in das Kloster von St. Georg in Alga getreten. Nach dem Tode seines Vaters hatte er ein großes Vermögen geerbt, von dem er den besten Gebrauch machte. Von seinem Onkel, Papst Gregor XII., wurde er zu mehreren geistlichen Würden, zum Bischof von Siena und im Jahre 1408 zum Kardinal erhoben.

Anm.: Von Kindheit auf führte er ein heiliges Leben, entschlossen, der Welt zu entsagen, und ganz Gott und der Kirche zu leben… Auch als Papst behielt der die einfache Lebensweise eines Ordensmannes bei. Er trank keinen Wein. Seine Mahlzeit bestand aus einer einzigen Schüssel Fleisch mit Gemüse und Obst. In seiner Umgebung hatte er beständig vier Klostergeistliche und einen Weltpriester, lauter würdige Männer… Auf dem Totenbett bedauerte er, nicht in seinem Kloster sterben zu können. (Hamerle, S. 499)

Die Menschenfreundlichkeit des Papstes

Die Aufmerksamkeit der Mitwelt zog Papst Eugen im hohen Grade auf sich; er besaß ein sehr einnehmendes Äußere und einen großen Gleichmut. Den Armen war er der freigebigste Vater, den Kirchen ein unermüdlicher Wohltäter, den Dienern Gottes ein treuer Freund. Ein reger Eifer, den Glauben zu verbreiten, beseelte ihn. Widerwärtigkeiten ertrug er mit hochherziger Geduld.

Anm.: Die hl. Franziska Romana, die zu jener Zeit die Stadt mit dem Glanz ihrer Heiligkeit erfüllte, fand im Papst eine hochherzigen Förderer ihrer menschenfreundlichen Bestrebungen. Seinem Beispiel folgten viele Kardinäle. Unter Eugen wurde nach der Norm einer alten Verordnung der Kirche, wie es heißt, sie sogenannte „Visita Graziosa“ angeordnet, wobei die Magistrats-Personen des richterlichen Standes und die Armen-Sachwalter zweimal im Monat die Gefängnisse besuchten, jeden Verhafteten befragten, in Fällen die Strafen milderten, zwischen Schuldnern und Gläubigern Vergleiche schlossen, ja auch Gefangene in Freiheit setzten. Wie überall, wo es sich um das Wohl der Menschheit und die Übung der Wohltätigkeit handelt, finden wir auch in den Annalen des Gefängniswesens die Päpste unter den Ersten, welche dasselbe zu verbessern und das Los der Eingekerkerten zu erleichtern suchten. (Hamerle S. 499 – S. 500)

Die Regierung des Kirchenstaates erfuhr unter Papst Eugen eine große Veränderung. Als nämlich die Kardinäle nach dem Tode des Papstes Martin zur Wahl traten, beschworen sie einen Vertrag, daß von jetzt in dem Kirchenstaat die Kardinäle die obersten Räte des Papstes bilden sollten, ohne deren Zustimmung kein Papst wichtige Sachen entscheiden könnte. Nach der Wahl bestätigte der neue Papst diesen Vertrag.

Die Flucht des Papstes aus Rom

Bald kam Papst Eugen mit der Familie des verstorbenen Papstes in Streit, da sich diese des größten Teiles des päpstlichen Besitztums bemächtigt und im April des Jahres 1431 einen Teil der Stadt Rom besetzt hatte. Mit Hilfe der Königin Johanna von Neapel wurde aber der heilige Vater Herr über die feindliche Familie, die einen großen Teil der gestohlenen Gelder zurück geben musste.
Schon im dritten Jahr seiner dornenvollen Regierung musste Papst Eugen, um dem Tode zu entgehen, aus Rom fliehen, da die ihm feindlichen Parteien wieder Unruhen angezettelt hatten. Infolge derselben lebte der Papst acht Jahre in der Verbannung.

Anm.: Die Verwandten seines Vorgängers hatten Teile des von Martin für einen Türkenkrieg gesammelten Schatzes sich angeeignet. Eugen machte ihnen den Prozess. Pochend auf ihre Macht und ihren Einfluss erhoben sie sich gegen den Papst, wurden aber aus der Stadt vertrieben und blieben seine unversöhnlichen Feinde. Der Graf Franz Sforza entriss dem Papst die Mark Ancona, der Söldnerführer Fortebraccio, der anfänglich in päpstlichen Diensten stand, verband sich mit dem Herzog von Mailand, einem heftigen Gegner Eugens, und verwüstete das römische Gebiet. In Rom (1434) wurde die Republik ausgerufen. Der Papst musste verkleidet fliehen und gelangte nach Florenz. (Hamerle, S. 500)

Das Baseler Konzil

Diese Verbannung oder gewaltsame Vertreibung war noch nicht der bitterste Tropfen im Kelch der Leiden, der diesem Papst gereicht wurde. Gleich an seinem Krönungstag, den 12. März des Jahres 1431, hatte Eugen die Bestimmung seines Vorgängers bestätigt, daß eine Kirchenversammlung abgehalten werden sollte. Als Versammlungsort wurde Basel bestimmt. Dort war am Eröffnungstag, im März des Jahres 1431, nur der Abt von Vezelay in Burgund erschienen. Erst später kamen auch andere Kirchenfürsten an, während der Papst eine Stellvertreter namens Julian sandte. Aber der Krieg König Sigismunds von Deutschland gegen die Anhänger des Irrlehrers Hus, der englische Krieg in Frankreich, die Unruhen in Italien und Spanien brachten viele Schwierigkeiten: Auf der Kirchenversammlung selbst herrschte keine Einigkeit.

Am 14. Dezember nannten sich drei Bischöfe, vierzehn Äbte und zahlreiche Doktoren, die in Basel versammelt waren, „allgemeine Kirchenversammlung“, die über dem Papst steht. „Zu andern Zeiten“; schreibt Kardinal Hergenröther, „wäre eine solche Anmaßung der Versammelten, die katholische Kirche darstellen zu wollen, lächerlich erschienen. Damals konnte sie aber auf Erfolg rechnen, teils wegen der irregeleiteten öffentlichen Meinung und der herrschenden Begriffsverwirrung, teils wegen der Gunst der Fürsten.“

Die „Basler“ erklärten sich für eine allgemeine Kirchenversammlung, die ihre Gewalt unmittelbar von Gott habe, die ohne eigene Einwilligung von niemand aufgehoben, verlegt, verschoben und von niemand ohne einen von ihr selbst gebilligten Grund verlassen werden dürfe.

Was tat der Papst, der fast allein dastand, selbst vom deutschen Kaiser bedrängt und von Vielen verlassen ward? Er zeigte sich nachgiebig bis zu der äußersten Grenze, aber er wahrte die alte apostolische Ordnung der Kirche. Darum erklärte der Papst im Dezember desselben Jahres die Versammlung für aufgelöst und bestimmte, es solle in 1 ½ Jahren eine neue Zusammenkunft zu Bologna in Italien stattfinden. Doch rief der Papst dadurch eine große Missstimmung gegen sich hervor. Die Basler fügten sich der Weisung des Papstes nicht. Auch König Sigismund, der von der Basler Versammlung Hilfe für den Krieg gegen die Anhänger des Hus hoffte, war gegen die Auflösung. Im April des folgenden Jahres wurde der heilige Vater aufgefordert, seine Bestimmung zurück zu nehmen. Immer schärfer und beleidigender traten die Basler gegen den heiligen Vater auf. Der friedliebende, kranke und von vielen verlassene Papst war wiederum nachgiebig.

Auf mehrfache, eindringliche Mahnung der weltlichen Fürsten hin erlaubte Eugen endlich im Jahre 1433, daß die Versammlung in Basel noch bestehen dürfe. Die päpstlichen Gesandten übernahmen wieder den Vorsitz, und so wurden dort verschiedene wichtige und heilsame Bestimmungen getroffen. Aber die Papstfeinde stellten ihr böses Spiel nicht ein, so daß selbst König Sigismund sich wiederholt verletzt fühlte.

Die Wahl eines Gegenpapstes auf dem Konzil

Sigismund wurde inzwischen vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt. Da brachen in Italien neue Unruhen aus. Der Herzog Philipp von Mailand griff den Kirchenstaat an und bedrängte selbst Rom. Verkleidet musste der heilige Vater im Jahre 1434 nach Florenz entfliehen, während die Römer die Empörung gegen ihren rechtmäßigen Herrn teuer büßen mussten und immer mehr verarmten. Im Jahr 1436 schickten sie Abgeordnete nach Florenz zum Papst und baten ihn, er möge wieder nach Rom zurück kehren. Eugen ging aber nicht darauf ein, sondern verließ Florenz und begab sich nach Bologna. Da sich auch in Basel keine Besserung zeigte, hob der Papst die Versammlung im September des Jahres 1437 endgültig auf. Aber die dort versammelten Bischöfe, Äbte und Gelehrten folgten seinem Wort nicht mehr. Im Juni des Jahres 1437 erklärten sieben Bischöfe, dreihundert Priester und Doktoren: „Gabriel, früher Papst Eugen genannt, wird als Aufrührer gegen die Befehle der Kirche, als Verächter der Beschlüsse, als Zerstörer des Kirchenfriedens, als Irrlehrer aller seiner Würden entsetzt und verworfen.“ Damit war dem bösen Werk die Krone aufgesetzt. Die Basler wählten am 5. November des Jahres 1439 den Herzog Amadeus von Savoyen, der keine kirchliche Weihe und gar keine theologische Bildung hatte, zum Papst. Er war mit den meisten europäischen Fürsten verwandt, angesehen und reich. Das Letzte war den „Baslern“ das Wichtigste; denn sie hatten 140000 Dukaten Schulden gemacht. Der neue Papst nannte sich Felix V. Wer ihn nicht anerkannte, wurde mit dem Bann belegt.

Anm.: Am 9. Juni 1435 wurden vom Konzilium alla Annaten, Palliengelder, Taxen und andere Besteuerungen aufgehoben. Vergeblich fragten die päpstlichen Legaten, wovon die Beamten der Kurie besoldet, die Legationen ausgerüstet, vertriebene Prälaten unterstützt die Feinde der Kirche bekriegt werden sollten, wenn dem Papst alle Mittel entzogen werden… Was man in Basel eigentlich wollte, sprach ein Franzose, der Bischof von Tours, in einer Sitzung ganz offen aus: „Entweder müssen wir den apostolischen Stuhl aus den Händen der Italiener reißen oder ihn so rupfen, daß nichts daran liegt, wo er bleibt.“ Dieses aufrührerische Betragen bestimmte die edelsten Männer, wie Cesarini und Nikolaus von Cusa, dieses Konzil zu verlassen. (Hamerle, S. 501

Die Zustände in Basel hatten dem gut gesinnten Kaiser Sigismund die Augen geöffnet. Leider starb er während des Streites und konnte so nicht mehr einschreiten gegen Männer, welche die ganze Christenheit verwirrten.

Sein Schwiegersohn und Nachfolger auf dem deutschen Königsthron, der ritterliche Habsburger Albrecht II., stand ebenfalls auf Seiten des Papstes. Auf ihn blickten alle Guten mit Stolz und Freude. Doch vernichtete auch bei ihm der Tod alle gehegten Hoffnungen mit einem Schlag. Albrecht starb bei einem Zug gegen die Türken, beklagt von ganz Deutschland wie selten ein Herrscher vor ihm.

Einberufung des Konzils von Ferrara – Florenz durch den Papst

Während die Versammlung von Basel den heiligen Vater kränkte und viel Unheil stiftete, eröffnete Eugen in Ferrrara in Italien am 8. Januar des Jahres 1438 eine neue Kirchenversammlung, zu der er noch im Januar selbst eintraf. Diese rechtmäßige Versammlung hatte sich zur Aufgabe gestellt, die griechische Kirche wieder mit Rom zu vereinigen und ihr auf diese Weise ein neues Leben zu geben. Anwesend waren außer dem Papst der Patriarch Joseph von Konstantinopel, der griechische Kaiser und sein Hof. Im Februar des Jahres 1439 musste die Versammlung wegen Pestgefahr nach Florenz verlegt werden. Wirklich legten die Griechen im Juli des Jahres 1439 das katholische Glaubensbekenntnis in feierlicher Weise ab, indem sie erklärten:

„Wir bekennen, daß der römische Bischof der Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, der Stellvertreter Christi, das Haupt der ganzen Kirche und aller Christen Vater und Lehrer ist.“

Die Verhandlungen währten bis zum 26. August. Das Morgen- und Abendland hatten sich hier zum letzten Mal die Hand zum Bund gereicht. Die Freude über die Vereinigung der so lange getrennten Kirchen wurde noch erhöht durch die Rückkehr der Armenier, Jakobiten, der Syrer, Mesopotamier, Maroniten und Chaldäer in die katholische Kirche.

Der neu geschlossene Friede war freilich nur von kurzer Dauer. Ein paar griechische Bischöfe hatten sich der Einigung widersetzt und brachten sie auch bald wieder zu Fall.

Anm.: Am 6. Juli 1439 wurde die Vereinigungsurkunde unterschrieben. Feierlich wurde der Primat des römischen Papstes, als des Nachfolgers des Apostelfürsten Petrus und des wahren Stellvertreters Christi, festgestellt. Blieb die Vereinigung beider Kirchen bei dem Hass der griechischen Bevölkerung gegen die abendländischen Christen mehr auf dem Papier, als daß sie verwirklicht wurde, so war doch den Baslern imd den früheren Gegnern, die den Papst unter die Herrschaft des Konzils stellen wollten, der Todesstoß versetzt. Von Vertretern der morgen- und abendländischen Kirche wurde der monarchische Charakter der Kirche bezeugt und feierlich erklärt, daß der Papst der Vater der gesamten Kirche ist, der seine Gewalt nicht von den Gläubigen, sondern unmittelbar von Christus hat und daß er der Lehrer aller Christen ist, dem alle zu folgen haben. (Hamerle, S. 502)

Die Basler hatten unterdessen immer mehr an Ansehen verloren, so daß ihr Papst schon Ende des Jahres 1442 nach Lausanne übersiedelte.

Rückkehr des Papstes nach Rom und sein Tod

Es wurde oben gesagt, daß der heilige Vater die Flucht ergreifen und in der Verbannung leben musste, weil in Rom ein Aufstand ausgebrochen war. Im Jahre 1443 kam die Zeit, da die Gemüter in Rom ruhiger geworden und der edle Papst wieder in seine Hauptstadt zurück kehren konnte. Es begleiteten ihn dahin viele Griechen, Armenier, Jakobiten, d. h. morgenländische Christen, welche alle die Freundschaft des Papstes suchten. Eugen nahm alle, die von ihm Hilfe und Trost wünschten, liebevoll auf und unterstützte nicht bloß durch Rat, sondern auch mit großen Geldsummen die armen Morgenländer, welche daran waren, alles an die Türken zu verlieren. Mitten in diesen apostolischen Arbeiten ergriff ihn ein heftiges Fieber und machte seinem Leben nach eines 16jährigen äußerst mühevollen Regierung ein Ende. Papst Eugen starb am 23. Februar des Jahres 1447. Vor seinem Tode hatte der heilige Vater die Kardinäle um sich versammelt und redete sie also an:

„Möge mir Gott die Fehler verzeihen, welche ich während meiner Regierung begangen habe. Viele und großeStürme umtobten diesen Heiligen Stuhl; allein meine Absichten waren jederzeit gut. Und bei der Erinnerung an die nahe Stunde des Gerichtes tröstet mich das Bewusstsein, daß die göttliche Barmherzigkeit mehr auf den guten Willen, als auf den Erfolg sieht.“

Nach diesen ergreifenden Worten legte Eugen den versammelten Kardinälen ans Herz, bei der Wahl seines Nachfolgers nur die Ehre Gottes und das Wohl der Kirche vor Augen zu haben und einem Mann ihre Stimme zu geben, gegen den niemand etwas Nachteiliges vorzubringen vermöchte. Ein feierliches Begräbnis, wie es bei den Päpsten herkömmlich und üblich war, verbat er sich. Still und einfach wollte er der Erde übergeben werden. Alles, was er sein Eigentum nannte, schenkte er den Armen, denen er jederzeit ein zärtlicher Vater, Freund und Wohltäter war. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 572 – S. 577

So starb der edel Papst am 23. Februar 1447; er hinterließ den Ruhm eines heiligen Mannes, der nichts gesucht als Gottes Ehre, das Beste der heiligen Kirche und das Wohl der Menschheit. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 499 – S. 502

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
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