Der heilige Papst Cölestin I. (422-432)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

 Die guten Hirten auf dem Stuhl Petri

Der heilige Papst Cölestin I. (regierte von 422-432)

Er war einer der bedeutendsten Päpste der ersten christlichen Jahrhunderte. Als dieser am 10. September des Jahres 422 den Heiligen Stuhl bestieg, fand er das Römische Reich gänzlich zerrüttet. In dieser Zeit hätte auch die Kraft eines Julius Cäsar den Verfall und Untergang des Reiches nicht zu verhindern vermocht. Jetzt aber regierten den Erdkreis zwei – Frauen. In Konstantinopel saß Theodosius II., der Scheinkaiser, der ein Kind blieb bis zu seinem Tode, auf dem kaiserlichen Thron. Der Luxus am kaiserlichen Hof war unbeschreiblich, der Kaiser umgeben von elenden Schmeichlern. Theodosius war zwar ein fleißiger, gebildeter aber ein ein durchaus unfähiger Regent; so mußte er sich eine Demütigung um die andere gefallen lassen.

Weil Kaiser Theodosius sich um gar nichts kümmerte, regierte an seiner Stelle seine Schwester Pulcheria, die ebenfalls den Zeitverhältnissen keineswegs gewachsen war. So standen unter Papst Cölestin die Dinge im Morgenlande. Das Abendland war nicht glücklicher. Dort war Kaiser Honorius in dem Jahre 423 kinderlos gestorben.
Trauriger noch wurden die Zustände, als Valentin III., der Schwester-Sohn des Kaisers den Thron bestieg. Seine Mutter Placidia erzog ihn absichtlich in aller Weichlichkeit, um ungestört an seiner Statt regieren zu können.

In dieser Zeit gab Gott seiner heiligen Kirche einen obersten Hirten, der den Zeitverhältnissen vollauf gewachsen war. Von Jugend auf im Kloster erzogen, hatte er sich gründlich auf seinen hohen beruf vorbereitet. Papst Cölestin I. war tief durchdrungen von seiner Würde als Haupt der katholischen Kirche. Er suchte seine Pflichten stets treu und gewissenhaft zu erfüllen und bemühte sich redlich, die rechte des Papstes mit Kraft und Weisheit überall zu verteidigen. Den heiligen Glauben gegen das Gift der Irrlehre zu schützen, war seine erste und wichtigste Hirtensorge.

Obwohl die Anhänger des Pelagius bereits aus der Kirche ausgeschlossen waren, beunruhigten sie doch noch immer die Kirche. Nunmehr behaupten sie, daß die Menschen selbst ohne die Gnade Gottes den Anfang zum Guten machen könnten. Wenn aber der Mensch mit seinen natürlichen Kräften diesen Anfang gemacht habe, dann sei allerdings die göttliche Gnade notwendig, damit er auch gute Werke verrichten und sich Verdienste sammeln könne. Die Beharrlichkeit im Guten sei aber wiederum das Verdienst des Menschen allein. Eine solche irrige Lehre verkündete besonders der Abt eines Klosters zu Marseille in Frankreich, Johannes Cassianus. Gegen ihn wendete sich vor allem der heilige Augustinus, der aber schon im Jahre 430 starb. Nach seinem Tode nahmen besonders zwei Männer, Prosper von Aquitanien und Hilarius gegen diese Irrlehre den Kampf auf und suchten nun auch den Papst Cölestin zu bewegen, die Irrlehre zu verdammen und die Lehre des heiligen Augustinus als die richtige zu erklären. Der Papst schickte, durch diese beiden Männer veranlaßt, im Jahre 431 ein Schreiben nach Frankreich, in welchem er die Lehre des heiligen Augustinus als die rechte bezeichnete und die Bischöfe Frankreichs zur Unterdrückung der Irrlehre ermahnte.

Der heilige Augustin hatte einen jungen Mann, namens Antonius, mit Zustimmung des Papstes zum Bischof geweiht. Die Gemeinde, die Antonius als Hirt leiten sollte, war durch die Predigt des heiligen Augustin wieder gewonnen worden. Daher wollte der besorgte Oberhirt ihr einen recht würdigen Bischof geben; er täuschte sich aber an Antonius. Denn dieser gab durch seinen Geiz und und seinen unordentlichen Wandel schweres Ärgernis, so daß eine Kirchenversammlung von afrikanischen Bischöfen ihn seines Amtes entsetzte. Da dieser sich nicht fügen wollte, bat der heilige Augustin den Papst, das Urteil zu bestätigen, was auch geschah.

Kaum war diese Angelegenheit in Ordnung gebracht, da kam eine neue Verwicklung. Ein gewissenloser Heuchler, namens Apiarius, kam nach Rom und beschwerte sich über die Verurteilung, welche mehrere Bischöfe über ihn ausgesprochen hatten. Wie seine Vorfahrer sich jederzeit um die verfolgte Unschuld angenommen haben, so auch Papst Cölestin. Weil aber die Bischöfe von der Schuld des Apiarius überzeugt waren, blieben sie bei ihrem urteil, bis dieser schließlich seine Vergehen selbst eingestand.

Während das Abendland durch die Anhänger des Pelagius sich in beständiger Aufregung befand, begann im Morgenland wieder eine Irrlehre unter dem Patriarchen von Konstantinopel, Nestorius. Dieser zeigte einen übermäßigen Eifer gegen die bisherigen Irrlehrer und wurde so selbst zum Irrlehrer.
Es war am Weihnachtsfest, als dieser Patriarch in seiner Predigt sprach: „Wer die heilige Jungfrau „Mutter Gottes“ nennt, der ahmt die Torheit der Heiden nach. Der Sohn Gottes hat aus Maria nicht Fleisch und Blut angenommen, sondern hat in ihr wie in einem Tempel gewohnt.“ Diese der heiligen Jungfrau angetane Herabsetzung erregte den höchsten Unwillen der christlichen Welt. Doch Nestorius widerrief nicht. Er behauptete, man müsse Maria „Christusgebärerin“ und den aus ihr geborenen Menschen „Gottesträger“ nennen, der die Gottheit erst in sich aufgenommen hat. Damit war gesagt, daß Gottes Sohn nicht Mensch geworden ist, sondern bloß im Menschen Christus gewohnt habe.
So unerhört und töricht diese Irrlehre auch war, so fanden sich doch Bischöfe, welche sie verteidigten. So predigte Bischof Dorotheus von Marcianopolis eines Tages in Konstantinopel: „Wer behauptet, Maria ist die Mutter Gottes, der sei im Banne.“ Bei diesen Worten stieß das Volk einen Schrei des Unwillens aus und verließt die Kirche.

Das ganze Morgenland war in großer Erregung. Jetzt erhob sich mit Papst Cölestin der heilige Cyrillus, Patriarch von Alexandrien, gegen den Irrlehrer Nestorius. Schon im Jahre 429 legte der heilige Cyrillus in einer Osterpredigt die wahre Lehre über Jesus Christus und Maria dar. Dann wendete er sich in zwei Briefen an Nestorius selbst, um ihn zur Erkenntnis seines Irrtums zu bringen, aber er richtete nichts aus. Zugleich sandte er ein schreiben an die beiden kaiserlichen Frauen Eudoxia und Pulcheria, worin er ebenfalls die wahre Lehre der Kirche darlegte. Schließlich brachte er die Sache in einem ausführlichen Schreiben auch vor den Papst: „durch Gottes Forderung und durch die altkirchliche Sitte dazu verpflichtet.“ Der Papst war erstaunt über den Fortschritt, den der Irrtum bereits gemacht hatte, versammelte im August des Jahres 430 die Bischöfe in Rom, billigte die Lehre des heiligen Cyrillus und verwarf die des Nestorius. Er bedrohte den Irrlehrer mit der Absetzung und dem Ausschluß aus der Kirche, wenn er nicht widerrufe. Zu der allgemeinen Kirchenversammlung im Jahre 431 in Ephesus schickte der Papst zwei Stellvertreter. Hier gaben die Bischöfe der heiligen Jungfrau feierlich die hohe Würde wieder, welche man ihr im gottlosen Konstantinopel genommen hatte.

Der heilige Cyrillus führte im Namen des Papstes den Vorsitz. Nestorius erschien aber nicht vor den versammelten Vätern, weshalb man seine Schriften in seiner Abwesenheit prüfte. Sobald die Untersuchung beendet war, riefen die Bischöfe wie aus einem Munde: „Verdammt seien diese Gottlosigkeiten, verdammt sei jeder, der solche Lehren ausspricht wie Nestorius, die der Heiligen Schrift und der Überlieferung der Väter widersprechen. Bald trafen auch die Abgesandten des Papstes ein, die einen Brief desselben mitbrachten. Der Brief wurde vorgelesen, dann zu den Akten gelegt und hierauf folgendes Urteil gefällt: „Nestorius hat sich geweigert, vor uns zu erscheinen und die an ihn gesendeten Bischöfe aufzunehmen. Er ist überführt durch seine Briefe, Schriften und Predigten, Irrlehren verbreitet zu haben. Deswegen sind wir durch die kirchlichen Gesetze, durch den Brief unseres heiligen Vaters Cölestin, Bischof von Rom, gezwungen, gegen Nestorius das Urteil auszusprechen: „Unser Herr Jesus Christus, der gelästert worden ist, hat durch diese heilige Versammlung beschlossen, daß Nestorius seiner bischöflichen Würde beraubt und aus der Kirche ausgestoßen werde.“

Das katholische Volk von Ephesus wartete den ganzen Tag vor den Toren der Kirche, in der die Bischöfe versammelt waren. Kaum war das Urteil bekannt, als alle Anwesenden in lautem Jubel ausbrachen. Die zurückkehrenden Bischöfe wurden von einer frohlockenden Menge umringt. Der greise Patriarch Cyrillus zog unter ungeheurem Jubel am 31. Oktober des Jahres 431 in Alexandrien ein und sprach die Gefühle des Volkes mit folgenden Worten aus: „Wir grüßen dich, o Mutter Gottes, Maria! Krone der Jungfrauen, Zepter des wahren Glaubens, unzerstörbarer Tempel, Mutter und Jungfrau, durch die gepriesen ist, der „da kommt im Namen des Herrn“!

Obwohl Nestorius verurteilt und der Irrlehre überführt war, machte er doch noch einen Versuch, seinem Schicksal zu entgehen. In Konstantinopel hatten die Anhänger des Nestorius alle Briefe, die von der Kirchenversammlung zu Ephesus dahin an den Kaiser und die Geistlichkeit geschickt wurden, abgefangen, bis es endlich einem als Bettler verkleideten Abgesandten gelang, einen Brief in den kaiserlichen Palast zu bringen. Sobald Theodosius die Wahrheit über Nestorius erfuhr, wurde der Irrlehrer verbannt und starb eines unseligen Todes. Die Kirche aber erhielt den Frieden wieder, indem sich Papst Cölestin eifrig bemühte, in den aufgeregten Gemeinden des Morgenlandes Ruhe und Eintracht wieder herzustellen.

Über der Sorge für die Reinerhaltung des wahren Glaubens vergaß der Papst keineswegs die Verbesserung des kirchlichen Lebens.Die Glaubensverbreitung förderte der Papst, indem er im Jahre 429 den Bischof Germanus von Auxerre nach England schickte, um die dortigen Bewohner, welche der Pelagianer Agricola abtrünnig gemacht hatte, wieder zum katholischen Glauben zurück zu führen. In demselben Jahre übertrug er dem Bischof Palladius nebst vier andern Missionären die Bekehrung Irlands. Nach dem Tode des Palladius setzte der heilige Patricius im Auftrage des Papstes die Bekehrung des Landes mit größerem Erfolg fort.

Die Geistlichen verpflichtete der Papst, wie ein liebender Vater, sich aller Eitelkeit in der Kleidung zu enthalten, und darin die von den Vorfahren überlieferte Sitte zu bewahren. Ferner verbot der Papst unnötige Strenge gegen die Gläubigen. Es wurde nämlich hie und da ohne gerechten Grund den Sterbenden die Lossprechung verweigert.

Nach einer fast zehnjährigen Regierung starb der heilige Papst Cölestin am 27. Juli des Jahres 432. Er hatte zweiunddreißig Priester und sechsundvierzig Bischöfe geweiht. Man begrub ihn in der Katakombe der heiligen Priscilla. Der Grabstein des heiligen Cölestin besagt, daß dieser Papst ein ausgezeichneter Hirt der Christenheit war, geliebt und geehrt von der ganzen Welt. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 100 – S. 104

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
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