Heiliger Cyrill und das Konzil zu Ephesus

Der heilige Cyrillus im Kampf gegen Nestorius und das Konzil von Ephesus

Zu der Zeit, wo die Ketzerei, angespornt von dem Geist der Lüge, alle ihre Kräfte aufbot, um das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes und unseres Heilands aus der allerreinsten, unbefleckten Jungfrau Maria zu vernichten, erweckte Gott den mutigsten und ausdauerndsten Verteidiger desselben in dem heiligen Cyrillus. Von seiner Kindheit an in den Kenntnissen der heiligen Schriften heran gebildet, hing er unerschütterlich an der Lehre der Väter des Altertums, und mit dieser doppelten Leuchte deckte er auf und beleuchtete er alle die dunklen Wege der Ketzer, und setzte die wahre Lehre in das hellste Licht.

Im Jahre 412 wurde er auf den Patriarchen-Stuhl von Alexandrien erhoben und von dieser Stunde an legte er das Schwert der Wahrheit im Kampf gegen die Lüge nicht mehr aus der Hand bis zu seinem Tod. Er war ein inniger Verehrer der allerseligsten Jungfrau, und vom Himmel ausersehen, ihre Ehre als Gottesmutter in Schutz zu nehmen. Deshalb ließ sie auch nicht zu, daß er, wenn auch ohne Vorsatz, einen Fehler beginge, der seinen Namen in den Augen des Volkes hätte beflecken können. –

Nestorius läßt seine Irrlehre verbreiten

Im Jahre 428 ward der Priester und Mönch Nestorius von Antiochien auf den erzbischöflichen Stuhl von Konstantinopel erhoben. Er war ein beredter Mann, der sich durch seine Predigten einziges Aufsehen erworben hatte, und sehr tugendhaft zu sein schien, weil er ein einsames rauhes Leben führte; allein er war nur ein abscheulicher Gleißner und Heuchler, und man entdeckte bald den Wolf unter dem Schafspelz; denn kaum nahm er von seiner Würde Besitz, als seine Bosheit zu Tage kam.

Er führte von Antiochia, wo er früher lebte, einen vertrauten Priester, Namens Anastasius mit sich, der aber von Irrtümern des Judentums angesteckt und ein geschworener Feind der heiligsten Jungfrau war, worin er seinem Meister Nestorius glich, der ihr die kostbarste Zierde, nämlich den Titel einer Gottesmutter, rauben wollte. – Dieses verschmitzten Mannes bediente sich Nestorius, um vorher die Gesinnungen des Volkes auszukundschaften. Anastasius hielt eines Tages in der Hauptkirche Konstantinopels eine Predigt, in welcher er vorbrachte, daß es ein Missbrauch und Irrtum sei, Maria Gottesgebärerin zu nennen, dieser Ehrentitel gebühre ihr nicht. Das gute, gläubige Volk erstaunte und wurde bald bei Anhörung dieser abscheulichen Lästerungen von Schauder ergriffen. Lautes Murren erhob sich, und das ganze Volk, welches über diese, Jesu Christo und seiner heiligen Mutter, zugefügte Schmach aufgebracht war, rief zum Patriarchen Nestorius um Untersuchung und Bestrafung des Frevels. Doch dieser, selbst ein Feind der Mutter Gottes, verstopfte seine Ohren, und suchte vielmehr die nämliche Gottlosigkeit einigen Leichtgläubigen beizubringen. Zu diesem Ende hielt er besondere Versammlungen, und ließ an einem andern Tag den unwürdigen Bischof Dorotheus die Kanzel besteigen, der in seiner Gegenwart sogar es wagte, diejenigen mit dem Kirchenbann zu bedrohen, welche da sagen würden, die Jungfrau Maria sei Gottesmutter. Nestorius bestätigte Alles und erklärte, daß es auf seinen Befehl geschehen sei.

Die Reaktionen des Volkes auf die Ketzerei

Da ergrimmte das Volk gegen seinen unseligen Patriarchen und gegen jene, die es mit ihm hielten. Es verließ mit äußerster Bestürzung die Kirche, lief durch alle Straßen und setzte die ganze Stadt in Bewegung. Da sich nun diese traurige Neuigkeit in Konstantinopel verbreitet hatte, waren sogleich alle, denen die Ehre Gottes am Herzen lag, darauf bedacht, der Unordnung vorzubeugen. Die Geistlichkeit, die Religiosen und die Vornehmsten der Stadt nahmen sich der Himmelskönigin an; weil sie aber ihren Patriarchen seiner Würde wegen hoch schätzten, faßten sie den Entschluss, zum Gebet ihre Zuflucht zu nehmen, und sein Herz durch demütige Vorstellungen zu erweichen.

Allein Bitten und Vorstellungen waren vergeblich. Nestorius blieb verhärtet; er trieb nur sein Gespött mit den ehrwürdigen Männern, die ihn auf andere Gesinnungen zu bringen suchten, und wollte durch seine Kunstgriffe ihre Einfalt täuschen. Da er aber ihre Standhaftigkeit im wahren Glauben sah, geriet er in heftigen Zorn und Wut, ließ sie von seinen Trabanten schlagen und in das Gefängnis schleppen, wo sie lange schmachteten, ohne daß sich Jemand getraute, das Wort für sie zu führen; denn er hatte durch seine Tücke und Verstellungskunst die Vornehmsten des Magistrats für sich gestimmt und dafür gesorgt, daß selbst der Kaiser getäuscht wurde.

Nestorius verfaßt ketzerische Schriften, Abhandlungen und Briefe

Als er sah, wie gut seine Sache stehe, und selbst der kaiserliche Hof auf seiner Seite sei, ging er weiter und verfaßte verschiedene Schriften, Abhandlungen und Briefe – voll des ketzerischen Giftes – die er dann durch seine Söldlinge in verschiedene Provinzen und besonders in die Einsiedeleien und Klöster Ägyptens schickte, welche damals durch die Heiligkeit ihrer Bewohner berühmt waren, um die kindliche Einfalt der heiligen Einsiedler und Mönche zu hintergehen und mit seinem Geist anstecken, indem er glaubte, daß, wenn diese heiligen Männer verführt sein würden, auch die Weltleute ihrem Beispiel nachfolgen würden. –
Ja, er wagte es, sich sogar an den heiligen Papst Cölestin zu wenden, ihm seine Bücher zuzusenden, und von ihm die Gutheißung seiner gottlosen Lehre zu erschleichen.

Der hl. Cyrillus beginnt seinen Kampf gegen die Ketzerei

Kaum aber hatte der heilige Cyrillus von diesen schändlichen Umtrieben des Patriarchen Nestorius gehört, als er sogleich den festen Entschluss faßte, sich demselben mit allem Nachdruck zu widersetzen. Zuerst sandte er ein Rundschreiben an die Mönche und Einsiedler Ägyptens, wo bereits die gottlosen Schriften des Nestorius großes Unheil angerichtet hatten, in welchem er ihnen das ketzerische Gift aufdeckt und ihnen beweist, daß die heilige Jungfrau den Entscheidungen der Kirchen-Versammlung von Nizäa gemäß eine Gottesgebärerin genannt werden müsse. – Auch an Nestorius schrieb er liebevolle Briefe, um ihm die Augen zu öffnen; allein er erhielt von demselben nur verächtliche Antworten. – Aus Furcht, es könnte noch der junge Kaiser Theodosius, seine Gattin und seine heilige Schwester Pulcheria von der List des Betrügers hintergangen werden, schrieb Cyrill auch an den Kaiser, und schickte zwei schöne, gelehrte Abhandlungen an die Prinzessinnen, um sie im wahren Glauben zu stärken, und vor den Umtrieben des Erzketzers zu bewahren.

Sein Eifer ging aber noch weiter, denn er wachte wie ein liebevoller Hirt über den ganzen Kirchensprengel Konstantinopels, den er der Grausamkeit diese verkleideten Wolfes ausgesetzt sah. Demnach schrieb er an die Geistlichkeit dieser Kirche, und durch seine Worte ermuntert und gestärkt erklärten sie sich alle öffentlich gegen Nestorius.

Nun wandte sich der heilige Cyrill auch nach Rom an den Papst, weil er wohl wußte, daß die Wunde, welche Nestorius der Kirche schlug, nur durch das Oberhaupt der Kirche geheilt und der Ketzerei ein Ziel gesetzt werden könne. Er schickte also Gesandte an den heiligen Cölestin, den Stellvertreter Jesu Christi, und ließ ihm berichten, was sich in Konstantinopel und den andern Provinzen durch des Nestorius frevelhafte Umtriebe begeben habe. Zum Beweis übermachte er ihm die Briefe, die ihm Nestorius selbst geschrieben und all die Schriften, welche unter dessen Namen unter die Geistlichen und das Volk ausgestreut worden waren. Endlich bat er ihn, ein Urteil darüber z fällen, und die morgenländischen Bischöfe zu unterrichten, wie sie sich in dieser wichtigen Sache zu benehmen hätten.

Des hl. Papst Cölestins Warnung an Nestorius

Der heilige Vater, der ebenfalls von dem Ketzer Nestorius ein Schreiben erhalten hatte, über den ganzen Handel nun vollkommen verständigt, hielt sogleich eine Versammlung von mehreren Bischöfen in Rom und sandte dann ein Schreiben an Nestorius, worin er ihn väterlich, aber auch mit allem Ernst ermahnte, seine Irrtümer, die der Lehre der Kirche ganz entgegen seien, zu verlassen. „Solltest du aber“, fügte er hinzu, „binnen zehn Tagen nach Erhaltung des gegenwärtigen Schreibens diese Irrtümer nicht widerrufen, und die wahre Lehre der Kirche öffentlich bekennen, dann wisse, daß du in den wider dich erlassenen Kirchenbann gefallen, und als ein angestecktes, faules Glied vom Leib der heiligen Kirche getrennt seiest.“ Die Vollziehung des Urteils übermachte er dem heiligen Cyrillus, als seinen Legaten.

Der heilige Cyrillus hielt sogleich nach Empfang des päpstlichen Schreibens eine Versammlung angesehener Bischöfe, aus denen vier bestimmt wurden, zu Nestorius zu gehen und ihm den Ausspruch des Papstes kund zu geben. Allein Nestorius, ganz verblendet, nahm die Bischöfe gar nicht auf, und verjagte sie schändlich aus Konstantinopel, ja er ging mit unerhörter Frechheit so weit, selbst gegen den Papst, das Oberhaupt der Kirche, den Bannfluch zu schleudern, und auf den Kaiser sich zu berufen, den er hinterlistig betrogen hatte.

Einberufung einer Kirchenversammlung zu Ephesus

Als der heilige Cyrillus die Hartnäckigkeit des Nestorius sah und seine schändliche Hinterlist gegen den Kaiser, schien ihm nichts notwendiger, als die Berufung einer allgemeinen Kirchen-Versammlung, und bewirkte endlich, daß nach Ephesus eine solche Versammlung von Papst und Kaiser berufen wurde. – Sie sollte am Pfingstfest des Jahres 431 ihren Anfang nehmen; da man aber auf mehrere Bischöfe warten wollte, so wurde erst am 22. Juni eröffnet.

Der heilige Cyrillus führte im Namen des Papstes den Vorsitz; mehr denn 200 der würdigsten Bischöfe waren zugegen. Die große Kirche, der heiligen Jungfrau Maria geweiht, war der Versammlungsort. Man legte das heilige Evangelium auf einen mit Purpur belegten Thron, um anzudeuten, daß Jesus Christus selbst dieser Versammlung vorstünde; alsdann nahmen die Bischöfe Platz, jeder nach seinem Rang, und riefen feierlich den heiligen Geist an.

Nestorius, obgleich schon mehrere Wochen vor Pfingsten in Ephesus anwesend, wollte sich bei der ersten Sitzung nicht einfinden; er fürchtete, seine Betrügereien würden an den Tag kommen. Trotzend auf den Beistand des Gesandten des Kaisers, der sein Freund und mit Soldaten nach Ephesus gekommen war, blieb er in seiner Behausung. Soldaten bewachten die Türen. Dreimal sandten die Väter der Versammlung an ihn, und ließen ihn vorladen; allein, wer nicht erschien, das war Nestorius, der die Gesandten sogar durch Soldaten trotzig abweisen ließ.

Der Beschluss gegen Nestorius und seine Anhänger

Auf dieses hin beschloss die Versammlung, weiter zu schreiten. Man las des Nestorius Briefe, Sendschreiben und Predigten vor; man hörte mehrere glaubwürdige Zeugen ab, welche beteuerten, er habe die heilige Gottesmutter öffentlich gelästert und behauptet, Maria habe nicht den Gottmenschen Jesus, sondern bloß einen Menschen geboren; man bedachte alles sehr reiflich, untersuchte gewissenhaft, und endlich erklärten die Väter einstimmig, daß des Nestorius Lehre gottlos, gotteslästerlich und ketzerisch sei, fällten zugleich den Bann über ihn und seine Anhänger und entsetzten sie aller geistlichen Würden.

Das Urteil lautet also: „Jesus Christus, unser Herr, an welchem Nestorius durch seine gotteslästerlichen Reden so schrecklich gefrevelt hat, erklärte durch den Mund diese heiligen Konziliums, daß eben dieser Nestorius seiner bischöflichen Würde entsetzt, und von der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen sei!“ Dieses Urteil wurde von 196 Bischöfen unterzeichnet. Die Zahl der den Nestorius verdammenden Bischöfe war aber 200.

Die Väter des Konziliums verharrten den ganzen Tag in der Kirche; denn sie wollten dieses wichtige Geschäft ohne den geringsten Verzug zu Ende bringen, weil sie befürchteten, die Entscheidung möchte, falls sie auf eine andere Sitzung verschoben würde, durch des Nestorius Hinterlist und Gewalt, die er zu Händen hatte, hintertrieben werden. Unterdessen stand das ganze gläubige Volk vor dem Tor der Kirche, wo die Väter versammelt waren, und erwartete mit Ungeduld den Ausgang und das Endurteil über den offenbaren Feind Jesu Christi und seiner glorwürdigen Mutter. Den ganzen Tag ließen die Epheser ihre Geschäfte ruhen, die Kaufmanns-Läden waren geschlossen; Alle waren nur um die Ehre der heiligsten Jungfrau besorgt, gegen welche sie eine besondere Verehrung zeigten, weil sie die letzte Zeit ihres Lebens die Stadt Ephesus mit ihrer Gegenwart beehrt, und sich mit dem Lieblingsjünger Jesu, dem heiligen Apostel Johannes, hier aufgehalten hat.

Das Volk begrüßt das Ergebnis des Konzils

Es war bereits Nacht, als die Pforten der Kirche sich öffneten, und nun, nachdem Stille geboten war, mit lauter Stimme das Verdammungs-Urteil gegen Nestorius verlesen wurde. Da brach das ganze Volk in lauten Jubel und in die innigsten Danksagungen aus. Gleich Engeln vom Himmel gesandt, wurden die aus der Kirche heraus tretenden Bischöfe von der frohlockenden Menge begrüßt. Mit flammenden Wachsfackeln, in unabsehbaren Reihen geordnet, wurden sie nach ihren Wohnungen begleitet. Die angesehensten und vornehmsten Einwohner der Stadt führten den Zug; Frauen und Jungfrauen, ausgezeichnet durch Rang und Geburt, trugen ihnen goldene und silberne Gefäße vor, in welchen die kostbarsten Rauchwerke des Morgenlandes brannten und mit ihrem Wohlgeruch die Lüste erfüllten. Die ganze Stadt war beleuchtet; alle Straßen ertönten von dem Lob Gottes von dem Preise der hohen Gottesmutter Maria und den Lobeserhebungen und Segnungen der Bischöfe. In allen Häusern wurde das Gedächtnis des göttlichen Erlösers und Andenken an dessen holde und erhabene Mutter in frommen Vorsätzen und heiligen Entschließungen gefeiert.

Am folgenden Tag kam das Volk scharenweise in die Kirche der heiligsten Jungfrau, um Gott Dank zu sagen und sich über den Sieg zu erfreuen, den die Mutter Gottes über ihre Feinde errungen hatte. Auch die Bischöfe fanden sich allda ein. Dann bestieg der heilige Cyrillus die Kanzel und hielt eine beredte und schöne Predigt von der Vortrefflichkeit und den Vorzügen der allerseligsten Jungfrau. In derselben wendete er sich mit nachfolgenden, merkwürdigen, lieblichen Worten an die hohe Himmelskönigin:

Eine Predigt des hl. Cyrillus

„Wir grüßen dich, o Mutter Gottes, wir benedeien dich, zu verehrender Schatz der ganzen Welt, du Lampe, die du nie verlöschest. Du Krone der Jungfrauschaft, du Zepter der heilsamen Lehre, du immerwährender Tempel und Wohnsitz desjenigen, welcher in keine Behausung eingeschlossen werden kann. Wir benedeien dich, dich sage ich, durch welche die Dreieinigkeit verherrlicht und angebetet wird; durch welche das kostbare Kreuz unseres Seligmachers erhöht und verehrt ist; durch welche der Himmel triumphiert, die Engel sich erfreuen, die Teufel verjagt, die Versucher überwunden werden und die schwache Natur bis zum Himmel erhoben wird. Durch dich ist die vernünftige Kreatur, welche durch die Abgötterei eingenommen war, zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt; durch dich erhalten die Gläubigen die heilige Taufe und werden mit dem heiligen Freudenöl gesalbt. Durch dich sind alle Kirchen in der Welt gestiftet und alle Völker zur Buße gebracht. Was soll ich weiter sagen? Durch dich hat das Licht der Welt, der einzige Sohn Gottes, erleuchtet alle diejenigen, welche im Finstern und im Schatten des Todes saßen; durch dich haben die Propheten das Zukünftige vorher gesagt, die Apostel das Heil den Völkern verkündigt; durch dich werden die Toten auferweckt, und durch dich regieren die Könige!“

Am Schluss seiner Rede sagte er: Durch die Fürbitte der Mutter Gottes sei das Konzil zu Stande gekommen; von ihrer mütterlichen Hand geleitet, seien die Bischöfe in Ephesus angelangt, unter ihrem Schutz hätten sie das Wichtigste ihres Auftrages vollbracht, und unter ihren auch noch fernerhin schützenden Flügeln hofften sie das Wenige, was noch zu tun übrig wäre, schnell zu ordnen und dann in friede und wechselseitiger Liebe wieder zu ihren Kirchen zurück zu kehren.

Nestorius will sich rächen

Vollkommen entschieden schien nun der Triumph der Wahrheit. Mehr als 200 morgenländische Bischöfe hatten den Nestorius und seine Lehre verdammt; verdammt hatten ihn auch der heilige Papst Cölestin und die bei einem Konzil zu Rom versammelten Bischöfe des Abendlandes. Nichts, hätte man glauben sollen, würde wenigstens für jetzt den Frieden und die Ruhe der Kirche gefährden können. Aber der alte Drache, als er sich zu Boden gestürzt sah, ergrimmte gegen das Weib und ging fort, um zu kämpfen gegen die übrigen ihres Samens, die da halten die Gebote Gottes und bleiben bei dem Zeugnis Jesu.“ (Joh. Offenbarung 12. Kap.) – Die Liebe und Treue des heiligen Cyrillus und seiner Mitbrüder gegen Jesus und Maria sollte geprüft werden.

Nestorius, der unselige Ketzer, statt sich zu demütigen und sich zu bekehren, wurde nur noch hartnäckiger und faßte den verzweifelten Entschluss, sich zu rächen, koste es, was es wolle. – Er hatte den Statthalter des Kaisers Theodosius auf seiner Seite und ließ nun mit Beihilfe desselben durch Soldaten alle Straßen und Wege der Stadt Ephesus besetzen, um die Briefe, welche vom heiligen Konzil würden abgeschickt werden, aufzufangen und so über die Begebenheiten zu Ephesus keine Nachricht nach Konstantinopel gelangen könnte. – Zur nämlichen Zeit aber schrieben er und seine Anhänger an den Kaiser und verleumdeten den heiligen Cyrillus und andere katholische Bischöfe. Er beklagte sich auch boshafter Weise, daß er aus Hass und ohne Gerichtsform von einigen Bischöfen sei verdammt worden, die ihm keine Zeit gestattet hätten, sich zu rechtfertigen. Einige Bischöfe, die ihm anhingen und die fast alle schon wegen anderer Verbrechen im Bann waren, brachten die nämlichen Klagen an den Kaiser, welche der hinterlistige Statthalter bestätigte.

Der hl. Cyrillus wird ins Gefängnis geworden

Kaiser Theodosius ward dadurch hintergangen und gab anfangs den Verleumdungen Gehör; doch blieb er unentschlossen und schickte deshalb einen seiner vornehmsten Hofbeamten mit voller Macht nach Ephesus, um alles, was zur Herstellung des Friedens nützlich sei, zu veranstalten. Aber auch dieser war ein Anhänger des Nestorius. Als er ankam, befahl er sogleich, den heiligen Cyrillus und den ehrwürdigen Bischof Memnon von Ephesus in das Gefängnis zu werfen. Den Nestorius aber übergab er zur Bewachung dem Statthalter, der einer seiner vertrautesten Freunde war.

Unterdessen entdeckten die Väter des Konziliums, daß alle Briefe, welche sie nach Konstantinopel und anders wohin schrieben, aufgefangen wurden, daß alle Wege dahin von Nestorius verlegt seien, und derselbe den Kaiser durch seine Günstlinge bearbeiten lasse. Sie waren nun auf ein Mittel bedacht, die Wahrheit an den Tag zu bringen. Sie schrieben nun abermals an mehrere gute Freunde, unter diesen an den heiligen Dalmatius, Vorsteher aller Klöster in Konstantinopel, stellten alle Begebenheiten vom Anfang des Konzils der Wahrheit getreu dar, schilderten die Treulosigkeit des Nestorius und seiner Anhänger und ihre Verfolgungen, und übergaben die Briefe einem vertrauten Mann, der dieselben in ein ausgewähltes Rohr steckte und dann als Bettler verkleidet glücklich nach Konstantinopel brachte.

Der Kaiser erkennt endlich die Wahrheit

Dort überreichte er seine Briefe dem hl. Dalmatius, der bei dem Kaiser im höchsten Ansehen stand. Von Schmerz ergriffen, liest Dalmatius die Briefe der Bischöfe; ihn jammert der traurige Zustand der frommen, jetzt so grausam unterdrückten Väter in Ephesus; noch tiefer aber schmerzt ihn der nahe Triumph der Gottlosen. Auf die Erde nieder geworfen, fleht er laut zu Gott: „Herr! Wollest doch deiner Kirche dich erbarmen; sie ist ja dein Eigentum!“ Kaum hatte er einige Augenblicke gebetet, als er eine Stimme hört, welche ihm befiehlt, sein Kloster zu verlassen, in den kaiserlichen Palast zu gehen, und die Sache Gottes und seiner heiligen Kirche vor dem Kaiser zu vertreten. Dalmatius folgt dem Ruf Gottes, versammelt um sich die Ordens-Geistlichen der Stadt und zieht an der Spitze der in unabsehbaren Reihen geordneten Mönche unter lautem Psalmen-Gesang zum Palast des Kaisers, dem er nun alle Vorgänge zu Ephesus, allen Trug, alle Hinterlist und Grausamkeit des Nestorius und seiner verschmitzten Freunde aufdeckt. Dem Kaiser gingen jetzt die Augen auf und ob ihn gleich die Anhänger der Erzketzers abermals zu hintergehen suchten, nahm er sich doch der treuen Katholiken an. Denn seine heilige Schwester Pulcheria vertrat bei ihm kräftig die gute Sache, die Geistlichkeit der Kirche von Konstantinopel erklärte sich gegen Nestorius, und mit ihnen vereinigten sich mehrere ehrwürdige, heilige Mönche, worauf der Kaiser verordnete, daß jenes, was das Konzil zu Ephesus entschieden habe, in Erfüllung gebracht werde: der hl. Cyrillus und der ehrw. Memnon sollten in ihre Ämter und Würden wieder eingesetzt, Nestorius hingegen seiner Würde beraubt sein, ohne Hoffnung, je mehr zur selben zu belangen.

Das Schicksal der Nestorius

Er befahl zum Beweis seines Abscheus gegen dessen Ketzerei, seinen Namen aus allen Kirchenbüchern zu löschen und verbot, seine Anhänger Nestorianer zu nennen. Unter der strafe des Verlustes aller Güter verbot er die Lesung und Aufbewahrung der Bücher des Nestorius; endlich verbannte er ihn in die afrikanischen Wüsteneien, wo er, verhärtet in seinen Irrtümern, nicht aufhörte den Sohn Gottes Jesus und seine heiligste Mutter zu lästern, bis er, endlich aus gerechtem Urteil Gottes an seiner gotteslästerlichen Zunge mit einem Geschwür befallen wurde, und Würmer dieselbe verzehrten. Unbußfertig starb er dahin, beladen vom Fluch der heiligen Kirche. –

Der hl. Cyrillus stirbt reich an Verdiensten

Der heilige Cyrillus aber, der treu zur Fahne Jesu und seiner heiligen Mutter gestanden, und unermüdlich selbst in Banden noch für die heilige Sache unverzagt gekämpft hatte, zog im Triumph in die Stadt Alexandrien ein, wo er am 30. Oktober 431 anlangte. Alsbald suchte er, den gestörten Frieden in der Kirche wieder herzustellen, die Reinheit des Glaubens überall zu erhalten und starb endlich reich an Verdiensten im Jahre 444. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 322 – Sp. 330

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