Rosenkranz der neun Ave Maria

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

Rosenkranz der neun Ave Maria mit Betrachtungen

von Pater Karl Spinola aus der Gesellschaft Jesu

Die Gnade eines so glorreichen Todes hatte er nach Gott besonders der Verehrung der allerseligsten Jungfrau zu verdanken. –

Von Kindheit an ehrte und liebte er die gebenedeite Mutter des Herrn; dies leuchtete aus allen seinen Reden hervor. Zu seinen täglichen Gebeten fügte er immer die Worte: „O Herr! Durch das Herz der allerseligsten Jungfrau gib mir die Gnade, daß ich dich durch keine Sünde beleidige, sondern allzeit deinen Willen vollziehe.“ Alle Vorabende der Feste U. L. Frau fastete er. Während seines vierjährigen Gefängnisses betete er neben den kirchlichen Tagzeiten auch noch die Tagzeiten U. L. Frau oder den Rosenkranz und die Litanei.

Endlich hatte er zu Ehren der neun Monate, in welchen Jesus der göttliche Heiland, unter dem Herzen seiner heiligsten Mutter geruht hat, einen Rosenkranz von neun Ave Maria, mit besonders schönen, anmutigen Betrachtungen gebetet,, und auch andere beten gelehrt. Diese Art Andacht besteht im Folgenden:

Bei einem jeden Ave Maria soll man eines der besonderen Vorrechte oder Privilegien betrachten, welche der allerseligsten Jungfrau von Gott während der neun Monate verliehen worden, als sie dem göttlichen Erlöser Herberge unter ihrem Herzen gegeben hat. Mit der Betrachtung soll man Lob- und Danksagungen gegen Gott dafür verbinden, und dann für sich auch eine besondere Gnade verlangen.

Die neun Ave Maria

Bei dem ersten Ave betrachte also, daß Maria wahrhaftig durch Überschattung des heiligen Geistes eine Mutter Gottes geworden sei. Lobe und danke Gott dafür und bitte, daß auch du geistlicher Weise eine Mutter Christi werden mögest, nach dem Versprechen des Herrn bei Matth. 12, 50: „Wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der selbst ist mir Mutter, Schwester und Bruder.“

Bei dem zweiten Ave betrachte, wie Maria eine fruchtbare Mutter wahrhaft gewesen, und dennoch Jungfrau geblieben ist. Lobe und danke Gott dafür und bitte, daß auch du deinen Stand in aller Reinigkeit haltest und fruchtbar werdest an guten Werken zum Wohlgeruch Christi.

Bei dem dritten Ave betrachte, daß die gebenedeite Mutter den Herrn Jesus ohne Beschwerde unter ihrem Herzen mit der höchsten Süßigkeit trug. Lobe und danke Gott dafür und bitte, daß er dir fühlen lassen möge, wie die Bürde der Gebote Gottes so süß und sein Joch so leicht sei.

Bei dem vierten Ave betrachte, daß Maria ohne alle Schmerzen entbunden hatte. Danke und lobe dafür und bitte die jungfräuliche Mutter, daß sie dir die Gnade erwerbe, Christum geistlicher Weise zu gebären, indem du deine guten Vorsätze auch ins Werk setzest und ritterlich alle Versuchungen überwindest.

Bei dem fünften Ave betrachte, wie Maria dadurch, daß sie den Herrn Himmels und der Erde in ihrem Leib umschlossen und ihm Herberge gegeben, er dafür für sie mit allen möglichen Gnaden und Gaben überschüttet hat, so daß sie alle Engel und Heilige übertrifft. Lobe und danke Gott dafür und bitte den Herrn, er wolle auch dir jene Gnaden geben und derselben dich fähig machen, welche er schon von Ewigkeit her für dich bestimmt hat, so du anders denselben kein Hindernis setzest.

Bei dem sechsten Ave betrachte, wie Christus aus dem reinsten Fleisch und Blut der allzeit reinen unbefleckten Jungfrau sich das Kleid seiner heiligsten Menschheit gemacht, und sich gleichsam wie ein Hoherpriester damit bekleidet und geheiligt hat. Lobe und danke Gott durch die allerseligste Jungfrau, daß er dich in der heiligen Taufe zu einem Tempel des heiligen Geistes gemacht und bitte, daß er dich begnade, daß du diesen Tempel niemals verunreinigst, sondern keusch und rein bewahrst.

Bei dem siebenten Ave betrachte, daß Christus, das wahre Weizenkörnlein, unter dem Herzen der heiligen Jungfrau wie in einer Scheune bewahrt und für uns zum Brot des Lebens bereitet worden ist. Lobe und preise Gott dafür und bitte, daß dir Gott durch die Fürbitte Mariens die Gnade gebe, Jesum immer würdig im heiligsten Sakrament zu genießen.

Bei dem achten Ave betrachte, daß, sowie Christus von den Aposteln Vater genannt, durch welchen wir aus Kindern des Zornes angenommenen Kinder Gottes geworden, also auch Maria die andere Eva und Mutter der Lebendigen in Christo wurde. Lobe und danke Gott, und habe ein herzliches Zutrauen zu Maria als ihr Kind wie zu einer leiblichen Mutter, und bitte sie, sie wolle als andere Eva dich zu ihrem Kind annehmen.

Bei dem neunten Ave betrachte, wie Maria, nachdem sie auf Erden so viele Monate eine Wohnung des Sohnes des Allerhöchsten gewesen, sie jetzt ein wahres Paradies im Himmel, ja ein Himmel selbst ist, an welchem sich die himmlischen Heerscharen nicht genug erfreuen können. Lobe und preise Gott dafür und bitte, daß er auch deine Seele in eine Wohnung seiner Majestät umwandle, indem er dir helfe, daß du die Disteln und Dornen der bösen Neigungen aus deinem Herzen ausreutest… (Balinghem Calend.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 2044 – Sp. 2045

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