Wie die Kirche zur Sklaverei stand

Abschaffung der Sklaverei durch das Christentum

Wie die katholische Kirche zur Sklaverei stand

Rettung für die Sklaven brachte das Christentum

Rettung brachte erst das Christentum, welches ja wesentlich die Religion der Armen und Arbeitenden war und vor Allem Eingang in diese Klassen fand. Aus den Katakomben-Inschriften und Figuren kann man schließen, daß zahllose Handwerker der Kirche angehörten: Schmiede, Zimmerleute und Steinmetzen, Weber, Lastträger, Bildhauer, Maler und Schreiber, aber auch Landleute, Wirte, Krämer und Fruchthändler. Wenn dabei der Sklavencharakter nicht betont wird, so ist das kein Beweis, daß diese Handwerker keine Sklaven waren, da die Bezeichnung servus grundsätzlich vermieden wird… Man möchte wohl annehmen, daß die Arbeitssklaven zahlreicher vertreten waren, da sie nicht so unmittelbar unter der giftigen Atmosphäre des korrumpierten römischen Hauswesens standen und wohl etwas freier gestellt waren; allein in Wirklichkeit scheinen die Haussklaven mehr als die Handwerkssklaven und diese wieder mehr als die Ackerbau-Sklaven (coloni) vertreten gewesen zu sein. Wie die Bauern waren die Colonen noch lange nach Konstantin Heiden; das Konzil von Elvira setzt voraus, daß die Landarbeiter christlicher Herren noch so zahlreich dem Heidentum anhingen, und daß sie nicht einmal zur Bekehrung veranlaßt werden konnten. Das Christentum musste vor Allem auf das Familienleben und die Städte als die Sitze des heidnischenVerderbens einwirken; hier war der Hebel anzusetzen, um die Sklaverei innerlich zu überwinden. Dies gelang ihm auch in der Tat so gut, daß gerade das Haus-Sklaventum, die Ministerialität, zum Ausgangspunkt der Sklaven-Emanzipation wurde. Das Haus-Sklaven zu gute kamen. Die andere Bedingung der Emanzipation war der Übergang, wenn man so sagen will, der Rückfall zur Natural- und Hauswirtschaft, wovon weiter unten zu handeln ist.

Die faktische Gleichstellung von Sklaven und Freien in der Kirche

Das Christentum hat an der rechtlichen Natur der Sklaverei direkt nichts geändert, auch nachdem es vom Zeitalter der Verfolgung in das der Herrschaft überging. Nicht bloß die Apostel, sondern auch die späteren Kirchenväter haben von der einstigen völligen Aufhebung der Sklaverei noch nicht gesprochen. Diese war vielmehr das Werk einer langsamen wirtschaftlichen Entwicklung. Der Unterschied zwischen Herr und Sklave galt dem hl. Paulus nicht viel anders als der zwischen Mann und Weib, Grieche und Barbar. Wenn einer auch als Sklave berufen sei, sagt er, so solle er sich nicht darum kümmern, sondern sich bestreben, als Sklave berufen zu werden zum Reich Gottes (1. Kor. 7, 21f). Die Sklaven werden ermahnt, ihren Herren gehorsam zu sein, den harten wie den milden, genau wie die Christen überhaupt erinnert werden, auch der ungerechten Obrigkeit zu folgen. Die christlichen Herren aber werden ermahnt, ihre Sklaven, seien es heidnische oder christliche, zu behandeln, als seien sie keine Sklaven. Die gläubigen Sklaven sollen von allen Gemeindegenossen als gleichberechtigt und als ebenbürtige Brüder in Christo angesehen werden, denn in Christo gebe es keinen Unterschied zwischen Heiden und Juden, Sklaven oder Freien (1. Kor. 12, 13).

Die Sklaven wurden denn auch ganz gleich behandelt, und es konnte sogar vorkommen, daß ein Sklave, weil bereits getauft, vor seinem noch im Katechumenat stehenden Herrn den Vorzug genoss, der Feier der heiligen Geheimnisse bis zum Ende beiwohnen zu dürfen. Die Sklaven wurden mit den Freien zum Abendmahl zugelassen und mit ihnen bestattet, und keine Grabinschrift kennzeichnet ihren Charakter. Auch der Zutritt zu den heiligen Weihen wurde erst nach dem Sieg des Christentums von der Zustimmung der Herren abhängig gemacht. Deshalb hielt es bereits Ignatius für nötig, die Sklaven zu ermahnen, daß sie wegen der Gleichheit mit ihren Herren nicht übermütig werden oder gar begehren sollten, auf Gemeindekosten losgekauft zu werden. Nach Origenes machte man es dem Christentum zum Vorwurf, daß es sich der Sklaven zu sehr annehme, und daß es durch Sklaven sich in die Familie eindränge und Frauen und Kinder zu umgarnen suche. Infolge der unablässigen Predigt wurden unzählige Sklaven freigelassen. Schon unter Trajan soll der Präfekt Roms, Hermes, bei seiner Taufe 1250 Sklaven, Chromatius unter Diokletian 1400 Sklaven auf einmal freigelassen haben. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 11, 1899, Sp. 403 – Sp. 405

Fortsetzung: Abschaffung der Sklaverei in Europa

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