Das Zwölfte Jahrhundert für die Päpste

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Kampf der Päpste gegen die Mohammedaner

Der Investiturstreit, der den Päpsten des ausgehenden 11. Jahrhunderts so viele bittere Stunden und Leiden verursachte, wurde auch den Päpsten der ersten zwanzig Jahre des 12. Jahrhunderts übermacht. Nach allen Seiten hatten die Päpste sich gegen die Übergriffe der Fürsten zu wehren, die durch die Belehnung der Bischöfe mit Ring und Stab sich kirchliche Rechte anmaßten, die Freiheit der Kirche schädigten und ihr nach Willkür ihre Kreaturen als Prälaten aufdrängen wollten. Heiße Kämpfe hatten die Päpste mit den Königen von Frankreich und England in dieser Richtung zu bestehen, die heftigsten jedoch mit den deutschen Kaisern. Nach dem Tode Heinrichs IV. trat dessen treuloser Sohn Heinrich V. genau in die Fußstapfen seines Vaters. Erst nachdem durch die Rücksichtslosigkeit und den Trotz dieser beiden Fürsten unsägliches Übel über Kirche und Reich gebracht worden war, wurde der Streit unter Heinrich V. zugunsten der Kirche entschieden durch das Wormser Konkordat (1122).

Kaum war aber der Investiturstreit beigelegt, erhoben sich für die Päpste neue Wirren. In Rom traten Leute auf, welche auf alle Weise die Papstwahl zu beherrschen und einen ihrer Parteigänger auf Petri Stuhl zu bringen suchten. So entstand ein achtjähriges Schisma durch die Wahl eines Gegenpapstes. Andererseits regte sich der demokratische Geist unter den Römern, die, aufgehetzt durch fanatische Schwärmer, für Roms ehemalige Größe begeistert, die weltliche Herrschaft des Papstes abschütteln und Rom wie ehemals zum Mittelpunkt eines Weltreiches machen wollten. Die Römer von dazumal hatten wohl den Stolz und die Anmaßung der alten Römer geerbt, nicht aber ihre Tugend und Kraft.

Das Herrscherhaus der Hohenstaufen

Noch hatten die Päpste mit diesem republikanischen Geist zu kämpfen, als ihnen ein neuer Feind erwuchs in dem kraftvollen deutschen Herrscherhaus der Hohenstaufen. Die Kämpfe mit zweien der hohenstaufischen Kaiser füllen nahezu die zweite Hälfte des Jahrhunderts aus. Diese Fürsten wollten die Idee von der Weltherrschaft Roms in ihrer Weise verwirklichen; nicht eine Weltrepublik, sondern eine Weltmonarchie schwebte ihnen vor. Italien mit Rom sollte der Mittelpunkt des geträumten Reiches werden. Um den einmal gefassten Plan zur Ausführung zu bringen, setzten sie alles daran. Das Gelingen eines solchen Planes hätte die traurigsten Folgen für das Papsttum wie für die Kirche nach sich gezogen. Der Papst wäre ein abhängiger Hofbischof und die Kirche eine Magd kaiserlicher Willkür geworden, wie das ja auch in Konstantinopel der Fall war. Wie zum Schaden der Kirche hätte die Verwirklichung dieses Planes auch zum Schaden Deutschlands gereicht, da dieses dann ein Nebenland, eine Provinz des projektierten Reiches geworden wäre. Im hartnäckigen Kampf für diese Idee wurden die Rechte der Länder gewalttätig verletzt, das Reich wie die königliche und kaiserliche Würde geschädigt und der Frevel begangen, dem rechtmäßigen Papst Gegenpäpste entgegen zu stellen und so die Kirche zu zerreißen. Wie die Kirche ihre Errettung aus der Gewalt dieser Fürsten den Päpsten verdankt, so verdankt auch Deutschland ihnen die Wahrung seiner bisherigen Stellung und seines Ansehens.

Die Entstehung der Ritterorden im Kampf gegen die Mohammedaner

In gleicher Weise waren die kraftvollen Päpste dieses Jahrhunderts um die Rettung des Gelobten Landes aus der Gewalt der Ungläubigen bemüht. Durch ihr unermüdliches Drängen und energisches Eintreten brachten sie es zustande, daß zwei gewaltige Kreuzzüge unternommen wurden. Leider erfüllten diese nicht die glänzenden Hoffnungen, die man im Hinblick auf die großartigen Rüstungen und die außerordentliche Machtentfaltung in sie gesetzt hatte, sie scheiterten kläglich. Die Päpste förderten durch ihre Bestätigung und ihren Einfluss die Ritterorden, die schönste Blüte des Rittertums. Diese Orden entstanden infolge der Kreuzzüge und machten sich zur Aufgabe, die Pilger durch die Länder der Ungläubigen zu begleiten und das Heilige Land wie das Christentum mit bewaffneter Hand zu verteidigen, sowie die Armen und Kranken zu pflegen. Die Ritter dieser Orden, die außer den Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams auch das Gelübde, gegen die Ungläubigen zu kämpfen ablegten, fanden auf diese Weise eine würdigere Beschäftigung als sie zuhause durch gegenseitige Befehdung finden konnten.

Der erste war der Ritterorden der Johanniter oder Hospitaliter. Er entstand aus einem Verein italienischer Kaufleute aus Amalfi, welche 1048 ein Spital in Jerusalem für kranke Pilger gegründet hatten, die sich daher Hospitalbrüder zum hl. Johannes nannten. Im Jahr 1113 traten dem Verein viele Ritter bei, dessen Regel Papst Paschalis II. bestätigte. So erwuchs aus dem ursprünglichen Verein zur Pflege der kranken und armen Pilger ein Ritterorden, der 1120 sich organisierte. Dieser Orden hat viel Gutes geleistet zum Wohl der Kirche und der Pilger, im Kampf gegen die Ungläubigen und in der Pflege der Armen. Als Palästina an die Sarazenen verloren ging, zogen die Johanniter nach Rhodus, weshalb sie später auch Rhodiserritter hießen. Dort behaupteten sie sich bis zum Jahr 1522, in welchem sie nach heldenmütiger Gegenwehr der Übermacht der Türken erlagen. Kaiser Karl V. räumte ihnen hierauf die Felseninsel Malta ein. Sie werden jetzt Maltheserritter genannt. Sie tragen einen schwarzen Mantel mit einem achteckigen weißen Kreuz.

Der zweite Ritterorden ist der der Templer, von französischen Rittern 118 gegründet. Der König von Jerusalem, Balduin II., räumte ihnen eine Flügel seines Palastes ein, der an die Stätte des salomonischen Tempels stieß, daher der Name Templer. In der Eidesformel erklärte der Ritter: „Ich werde nie vor drei Ungläubigen die Flucht ergreifen, selbst wenn ich allein bin.“ Sie trugen einen weißen Mantel mit rotem Kreuz.

Der dritte große Ritterorden entstand aus einer im Jahre 1128 zur Pflege erkrankter deutscher Pilger zu Jerusalem gegründeten Bruderschaft. Aus dieser Bruderschaft entwickelte sich (1190) der deutsche Orden, der nur deutsche Ritter aufnahm. Die allerseligste Jungfrau war Patronin des Ordens, weshalb die Ritter auch Marianer genannt wurden. Ihr Abzeichen ist ein weißer Mantel mit einem schwarzen Kreuz. Bald verdunkelte dieser Orden durch seine Taten die beiden anderen Ritterorden. An seiner Spitze stand der Hochmeister, der nach dem Fall Akkons (1291) seinen Sitz zuerst nach Venedig und im Jahr 1309 nach Marienburg im Ostpreußen verlegte. Als Preußen protestantisch wurde (1525), wurde der Sitz nach Mergentheim in Württemberg verlegt, jetzt ist er in Österreich. (1)

(1) Als in den Kämpfen mit Saladin mehrere Ordensritter nach tapferer Gegenwehr gefangen worden waren, ließ der Sultan sie vorführen und gestattete ihnen die Wahl, entweder Mohammeds Lehre anzunehmen oder zu sterben, sie aber gaben zur Antwort: „Jesus Christus, der ewige Sohn des ewigen Vaters, empfangen vom Heiligen Geist, geboren von Maria der gebenedeiten Jungfrau, ist unser Gott, den wir anbeten, lieben, loben und preisen; aber deinen Mohammed, diesen Lügenpropheten, verachten wir ebenso sehr, wie deine Drohungen.“ Nach diesem Bekenntnis wurden sie in Gegenwart Saladins enthauptet.

Der hl. Bernhard von Clairvaux

Im Kampf für die Rechte der Kirche stand während 30 Jahren in diesem Jahrhundert an der Seite der Päpste ein Mann, der das Orakel seiner Zeit genannt wurde, eine der erhabensten Persönlichkeiten aller christlichen Jahrhunderte. Es ist dies der hl. Bernhard.

Der zweite Kreuzzug verdankte gerade dem hl. Bernhard, den Papst Eugen III. mit der Aufgabe, denselben zu predigen, betraut hatte, seinen viel versprechenden Anfang. Mit seinen flammenden Worten begeisterte der einfache Mönch hoch und nieder, Fürsten und Völker, so daß (1147) Tausende und abermals Tausende nach dem Kreuz griffen und den Zug ins Gelobte Land unternahmen. Leider endete der von Konrad III. von Deutschland und Ludwig VII. von Frankreich unternommene Heereszug recht kläglich. Dieses Unglück brachte dem Heiligen bittere Vorwürfe und erfüllte seine letzten Lebenstage mit Trauer und Schmerz. Von unermüdlichen Arbeiten und Übungen beständiger, strenger Buße aufgerieben, fiel er in eine schwere Krankheit. Seine letzten Bitten und Ermahnungen an seine Mitbrüder waren so rührend, daß alle laut aufschluchzten. Sanft und selig verschied er am 20. August 1153. Alexander III. erhob ihn unter die Zahl der Heiligen.

Die Päpste dieses Jahrhunderts, 16 an der Zahl, waren lauter edle, ihres erhabenen Amtes würdige, selbst zum Teil große Männer. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, II. Band, 1907, S. 364 – S. 367

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