Auflehnung gegen die Statthalter Christi (1303-1455)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Auflehnung gegen die Statthalter Jesu Christi

Einleitung

Sie regierten vom Jahre 1303 – 1455 und heißen:

Hl. Benedikt XI. 1303-1304
Klemens V. 1305-1314
Johann XXII. 1316-1334
Benedikt XII. 1334-1342
Klemens VI. 1342-1352
Innozenz VI. 1352-1362
Hl. Urban V. 1362-1370
Gregor XI. 1370-1378
Urban VI. 1378-1389
Bonifatius IX. 1389-1404
Innozenz VII. 1404-1406
Gregor XII. 1406-1415
Martin V. 1417-1431
Eugen IV. 1431-1447
Nikolaus V. 1447-1455

Wir beginnen jetzt die zweite Abteilung der Geschichte der Statthalter Jesu Christi auf Erden. Sie umfaßt sechshundert Jahre und ist nicht minder lehrreich als der vorausgehende. Jedoch werden wir ganz neue Verhältnisse und Zustände kennen lernen. Notwendiger Weise muss ein allgemeiner Überblick voraus geschickt werden.

Diese neue Zeit zeigt uns vorerst ein Sinken der päpstlichen Macht. Ohne ihre Schuld wurden die Päpste in den zwei voraus gehenden Jahrhunderten in schwere Kämpfe mit dem Kaisertum verwickelt. Dadurch ist das Papsttum schwer geschädigt und zum Anschluß an Frankreich genötigt worden, das wegen des alten innigen Verhältnisses zum Römischen Stuhl sehr hohe Ansprüche machte. Die Päpste wurden vielfach von Frankreich und seinem herrschsüchtigen Hofe abhängig. Daraus ergab sich auch die Verlegung des päpstlichen Sitzes von Rom nach der Stadt Avignon in Frankreich.

Allerdings kehrten die Päpste nach ungefähr 70 Jahren wieder nach Rom zurück. Aber das Bestreben Frankreichs, die errungenen Vorteile zu erhalten, führte zu einer vierzigjährigen, großen Spaltung. Diese schwächte das Ansehen und verminderte den Einfluß des Apostolischen Stuhles noch mehr und erzeugte Widerspruch und Uneinigkeit in der Kirche selbst.

Aus dem Gesagten darf aber nicht der Schluß gezogen werden, als hätten die Päpste, welche in dieser neuen Zeit auf dem Heiligen Stuhl saßen, nichts geleistet. Auch sie sendeten Missionare in alle Teile der Welt und wendeten jenen Ländern, die sich noch in der Finsternis des Heidentums befanden, ihre wärmste Liebe, Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu; auch sie förderten Wissenschaft und Kunst. Es werden auch noch Heilige auftreten und die Welt durch ihre Tugenden in Erstaunen setzen. Es wird den Statthaltern Jesu Christi, ungeachtet ihres verminderten Ansehens, noch gelingen, als Friedens-Vermittler aufzutreten und blutige Kriege zu verhindern. Eines aber konnten die Päpste nicht mehr abwenden, die Welt verlor teilweise die alte Glaubens-Innigkeit und Glaubens-Treue, verfiel vielfach der Auflehnung gegen die rechtmäßige Obrigkeit, was namenloses Elend im Gefolge hatte.

Was diese neue Zeit uns ferner zeigt, ist eine ungerechtfertigte Überhebung der Staaten und das Überhand-Nehmen ihrer Übergriffe auf kirchlichem Gebiet.

Bis in die Zeit des Papstes Bonifaz VIII. hat man der Kirche die oberste Stelle eingeräumt. Von jetzt an beansprucht diese der Staat oder vielmehr der König oder Fürst eines Landes oder Ländchens. Ob dieses der Menschheit zum Heile gereicht hat, beweist bereits die Erfahrung. In Deutschland wurde die Kaisermacht gebrochen, der Glanz des Reiches erblaßte. Einst stand das römische Reich deutscher Nation gleich einer mächtigen Festung zum Schutz Europas da; einst ordneten die Kaiser mit den Päpsten die Angelegenheiten der Völker. Anders kam es jetzt, wo die fremden Völker Deutschland in Unordnung brachten. Das Reich wurde schwach, dann verkleinert, endlich zertrümmert. Der deutsche Kaiser verschwand vom Schauplatz. Die übrigen Völker gewannen dabei nichts: Frankreich musste die göttliche Strafe zuerst empfinden, indem es in einen hundertjährigen Krieg mit England verwickelt wurde, und an den Rand des Verderbens kam. England geriet in gänzliche Unordnung, das oströmische Reich wurde vernichtet; die schönsten Teile Europas eroberten die Türken. Man kann es nicht laut genug sagen: die Eroberung Konstantinopels durch die Türken ist eine Schmach für die damalige Welt. Die Zerrüttung musste weit gediehen gewesen sein, weil diese Erniedrigung den Ländern Europas nicht erspart geblieben ist.

Die Fürsten Europas hatten fleißig auf Beschränkung der geistlichen Macht des Papsttums hingearbeitet. Nun wollte man auch ihre weltliche Gewalt beschränkt wissen. Und als man das letztere auf gütlichem Wege nicht erreichte, versuchte man es durch Gewalt. Es wurden auf diese Weise nach und nach die Brennstoffe zusammen getragen, aus denen bald eine hell lodernde Flamme sich erhob. Nur erwuchs daraus dem Staat und den Fürsten mehr Unglück als dem heiligen Stuhl.

Nach dieser allgemeinen Betrachtung gehen wir in das Einzelne ein. Wir werden diesen zweiten Teil unserer Geschichte in drei Unterabteilungen zerlegen. Zuerst beschreiben wir die Auflehnung gegen die Statthalter Jesu Christi, von Frankreich eingeleitet, von Deutschland nachgeahmt, von England fortgesetzt. Dann weisen wir auf die ersten Folgen hin, welche aus dieser Auflehnung hervor gingen: den hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England, die Zerrüttung des Deutschen Reiches, und die Gründung eines Türkenreiches. Daran reihen wir in der zweiten Unterabteilung die Türkenkriege an, in denen die Päpste wiederum als Retter Europas erscheinen. Sie allein haben das Eindringen der Türken lange Zeit aufgehalten, und als das Unglück infolge der Untätigkeit der einzelnen Länder unabwendbar geworden war, versäumten sie nichts, um wenigstens einem weiteren Vordringen der Türken ein Ziel zu setzen.

In der dritten Unterabteilung zeigen wir die reifen Früchte am Baume der Auflehnung. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 529 – S. 532

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor

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