Seliger Papst Urban V. (1362-1370)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste in Avignon

Das Pontifikat des seligen Papstes Urban V. (regierte von 1362 – 1370)

Das christliche Volk hätte den ausgezeichneten und hoch verdienten Kardinal Albornoz als Nachfolger des verstorbenen Papstes gewünscht. Allein auf ihn, als den Spanier, waren die französischen Kardinäle wegen seiner Talente, seiner Verdienste, seiner Tugenden, worin er alle übertraf, eifersüchtig. Er bewarb sich auch gar nicht um die Würde eines obersten Hirten der Christenheit, sondern blieb während der Wahlverhandlungen in Italien. So geschah es, daß am 28. Oktober des Jahres 1362 der Benediktinerabt Wilhelm Grimoard von St. Viktor in Marseille zum Papst erwählt wurde. Er nahm die Wahl an, nannte sich Urban und wurde am 6. November gekrönt. Er stand damals im dreiundfünfzigsten Lebensjahr. Der neue Papst war ein Franzose, der Sohn des Ritters Grimoard von Beauvoir und in der Nähe der Stadt Mende geboren. Urban wollte seinen Hof zum Muster des christlichen Lebens machen; alle Missbräuche sollten verschwinden. Der heilige Vater sorgte auch für würdige Verleihung der Kirchenämter, verfuhr streng gegen alle Ungehorsamen und erneuerte die Gesetze über Abhaltung von Kirchenversammlungen in den verschiedenen Ländern. Er förderte die gelehrten Studien und war selbst ein Muster von Arbeitskraft und Reinheit der Sitten. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 553

Als König Lusignan von Zypern 1363 in Avignon erschien und ein neuer Kreuzzug in Aussicht genommen wurde, trat Urban mit Begeisterung für denselben ein. Der Plan fand in Frankreich Anklang, aber wenig Unterstützung. Ein kleines Heer eroberte Alexandrien; da jedoch trotz der Bemühungen des Papstes die Unterstützung des Abendlandes ausblieb, musste die Eroberung wieder aufgegeben werden.  –
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste III. Band, 1907, S. 480

Er erkannte, daß der Aufenthalt in Avignon äußerst nachteilig für das Papsttum und für die Christenheit wäre; daher dachte er allen Ernstes daran, nach Italien zurück zu kehren. Ihm ging auch ein ausgezeichneter Ruf voraus. Wissenschaft und Bescheidenheit, Frömmigkeit, Liebenswürdigkeit und Beharrlichkeit, unermüdliche Arbeitskraft waren die glänzenden Tugenden, welche in diesem Manne vereinigt waren. Alle Gutgesinnten flehten zu Gott, es möchte der oberste Hirt Frankreich verlassen und wieder in Rom in der Nähe der Katakomben wohnen. Der berühmte Italiener Petrarca schrieb im Juni des Jahres 1366 von Venedig aus an den Papst, um ihn zu bestimmen, Avignon zu verlassen. Die heilige Brigitta, eine schwedische Prinzessin und Äbtissin eines Klosters, mahnte den Papst ebenfalls zur Rückkehr nach Rom.

Der heilige Vater schrieb an den deutschen Kaiser Karl IV., daß er entschlossen sei, die Stadt der Apostel wieder zu seinem Wohnsitz zu machen. Dieser kam im Mai des Jahres 1365 mit großem Gefolge nach Avignon und hatte mehrfache Besprechungen mit dem Papst. Der päpstliche Vikar in Rom erhielt den Auftrag, die Wohnung bei St. Peter in Rom herzurichten. Endlich wurde auf Ostern des Jahres 1367 die Abreise aus Avignon festgesetzt. Darüber kam aber das verblendete Frankreich in eine furchtbare Aufregung. Der König Karl V. von Frankreich schickte seinen beredtesten Gesandten nach Avignon, der dem Papst Vorstellungen machen und ihn überzeugen sollte, daß er in Frankreich bleiben müsse: 1) aus Dankbarkeit gegen Frankreich, das dem Statthalter Christi zu allen Zeiten Zuflucht geboten habe; 2) weil die Wissenschaft und der alte Ruhm von Rom mit Karl dem großen nach Frankreich gewandert seien. Am letzten April des Jahres 1367 sagte aber der heilige Vater dem verführerischen Avignon dennoch Lebewohl. Am 3. Juni stieg er bei Corneto in Italien ans Land, wo ihm die Römer in ihrer Freude die Schlüssel der Engelsburg zu Füßen legten.

Die ersten Monate nach seiner Rückkehr aus Frankreich hatte Papst Urban in Viterbo gewohnt. Am 16. Oktober des Jahres 1367 betrat er endlich die ewige Stadt, wo man seit mehr als sechzig Jahren keinen Papst mehr gesehen hatte. Urban zog unter dem Jubel des Volkes nach dem Vatikan und feierte auf dem Altar des heiligen Petrus die heilige Messe. Von St. Peter begab er sich nach dem Lateran, um die Reliquien der Apostel Petrus und Paulus zu verehren. Bei seinem Zug durch die Stadt weinte er, als er die Ruinen der Kirchen und die allgemeine Verwüstung bemerkte.

Zu Rom erhielt der edle Papst den Besuch zweier Kaiser. Der römisch-deutsche Kaiser Karl kam im Jahre 1368 nach Viterbo und ging mit dem heiligen Vater nach Rom, wo seine Gemahlin am 1. November desselben Jahres vom Papst zur Kaiserin gekrönt wurde. Im folgenden Jahr kam der Kaiser des Morgenlandes, Johann Paläologus von Konstantinopel, um von Urban sich Hilfe gegen die Türken zu erbitten. Er legte das römische Glaubens-Bekenntnis ab und erwies dem obersten Hirten der Christenheit die gebührende Huldigung. Aber es durchschnitt dem Papst das Herz, daß keiner der abendländischen Herrscher diesem Kaiser gegen die Türken Hilfe brachte. Die europäischen Fürsten blieben gleichgültig, während die Türken fast das ganze Reich des oströmischen Kaisers eroberten und ihn zu einem schimpflichen Frieden nötigten.

Papst Urban fand Rom und Italien in viel schlimmerer Lage, als er geglaubt hatte. Auch Kaiser Karl vermochte die Ruhe nicht herzustellen. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 553 – S. 554

Nach dem baldigen Abzug des Kaisers wurde jedoch die Lage des Papstes eine recht bedrängte. Die Söldnerbanden durchzogen brandschatzend Italien und machten alles unsicher. Perugia hatte sich gegen die päpstliche Herrschaft empört und in Mailand hatte Viskonti neue Feindseligkeiten eröffnet, um sich Bolognas zu bemächtigen. Unter diesen Umständen gab der gutmütige Papst dem Drängen der unzufriedenen Kardinäle nach und entschloss sich zur Rückkehr nach Avignon. (Hamerle, S. 480 – S. 481)

So erklärte denn der heilige Vater im Mai des Jahres 1370 wieder nach Avignon zurück kehren zu wollen. Kaum war dieser Entschluss bekannt geworden, da mahnte die heilige Brigitta, welche in Rom wohnte und die von Gott der Gnade der Offenbarungen gewürdigt wurde, den Papst ernstlich davon ab. Sie sagte voraus, daß Urban unmittelbar nach seiner Ankunft in Avignon sterben würde.

Und es geschah, wie sie gesagt hatte. Am 5. September des Jahres 1370 bestieg der heilige Vater in Corneto, wo er drei Jahre und drei Monate vorher gelandet hatte, wieder das Schiff und kam am 16. September nach Marseille in Frankreich. Ganz Italien jammerte über diese Tat des Papstes. Am 24. September hielt Urban wieder seinen Einzug in Avignon, wo ihn die Franzosen mit Begeisterung empfingen; da ergriff ihn plötzlich eine schwere Krankheit, welche seinem Leben rasch ein Ende machte. Mit der größten Anstrengung hatte der Papst in den letzten Tagen noch die Regierungs-Geschäfte geleitet, als ihn rasch die Kräfte verließen. Mit glühender Andacht bereitete er sich auf sein Ende vor. Am 19. Dezember ließ er alle Türen des päpstliches Palastes öffnen, damit alle Gläubigen sehen sollten, wie ein Papst stirbt. Auf einem schlechten Bett mit dem Benediktiner-Habit bekleidet, das Kreuz in den Händen, hauchte er seine Seele voll Ergebung in Gottes Willen aus. Er starb im Rufe der Heiligkeit. Bei seinem Tode war die Bestürzung allgemein, die Beweise der Liebe und Achtung gegen den heiligen Vater waren unzählige. Die Heiligsprechung dieses Papstes unterblieb aber infolge der beständigen Unruhen. Erst Papst Pius IX. bestätigte im Jahre 1870 die diesem Papst erwiesene Verehrung eines Seligen mit der Festfeier am 19. Dezember. (Stangl, S. 554 – S. 555)

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
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