Papst Benedikt XII. (regierte von 1334-1342)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste in Avignon

Das Pontifikat von Papst Benedikt XII. (regierte von 1334 – 1342)

In dem Konklave nach dem Tode Johannes XXII. hatte der Kardinal Johannes von Cominges alle Aussicht, Papst zu werden. Als aber die Kardinäle von ihm das Versprechen forderten, den heiligen Stuhl in Frankreich zu erhalten, so erwiderte er entrüstet, lieber auf die Würde verzichten zu wollen, als sie durch ein solches versprechen zu erkaufen. Die Stimmen fielen nun auf den Kardinal Jakob Fournier, ohne daß er verpflichtet worden war, in Frankreich zu bleiben.

Er legte sich den Namen Benedikt XII. bei. Geboren in dem Städtchen Saverdun als eines Müllers Sohn, war er frühzeitig in den Zisterzienser-Orden eingetreten; er wurde Abt, Bischof und von Johannes XXII. zum Kardinal ernannt. Als solcher trug er beständig sein Ordenskleid, weshalb er nur der weiße Kardinal genannt wurde. Wohl gesinnt und tätig, brachte er den kirchlichen Geist und den evangelischen Ernst mit auf den erhabenen Thron. Diese Gesinnung offenbarte er gleich zu Beginn seines Pontifikates in dem Bestreben, die Reform der Kirche durchzuführen. Er widerrief die meisten der von den früheren Päpsten erteilten Versprechungen und Anwartschaften auf Bistümer und Abteien, forderte von denen, die sich um ein kirchliches Benefizium bewarben, eine entsprechende Prüfung und ließ die Pfründen lieber unbesetzt, als sie Unwürdigen anzuvertrauen. Eine Herzens-Angelegenheit für den neuen Papst war die Reform der religiösen Orden. Die Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner wie auch die Bettelorden bildeten den Gegenstand seiner unermüdlichen Sorgfalt. In der unter seinem Vorgänger angeregten Streitfrage über den Zustand der Seligen im Himmel (siehe den Beitrag: Johannes XXII. ein katholischer Papst) traf er die Entscheidung, daß sie auch schon vor dem letzten Gericht die klare Anschauung Gottes genießen.-
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste III. Band, 1907, S. 474 – S. 475

Er war der dritte Papst, welcher zu Avignon residierte. Am 8. Januar des Jahres 1335 ließ er sich im Dominikaner-Kloster zu Avignon krönen. Als er auf Bitten der Römer ernstlich an die Rückkehr nach Italien dachte, leisteten die französischen Kardinäle heftigen Widerstand. Nachdem der Papst eine schwere Krankheit überstanden hatte, beschloss er nach Bologna überzusiedeln; da aber dort Unruhen ausgebrochen waren, blieb er wieder in Avignon. Er ließ die Lateran- und Peterskirche in Rom renovieren und sandte den Römern bei einer Teuerung große Geldsummen und viel Getreide.

Eine der ersten Sorgen des Papstes war, die Frömmigkeit in den Klöstern zu heben und ihre Zucht zu verbessern. Gegen seine Verwandten war er sehr streng. Er war selbst ein hervorragender Gelehrter und verlangte auch Frömmigkeit und Wissenschaft von denen, die eine kirchliche Stelle antreten wollten. Dem König von Frankreich, der ihn mit verschiedenen unwürdigen Anträgen belästigte, entschuldigte er sich mit den Worten: „Wenn ich zwei Seelen hätte, so würde ich Eurer Majestät eine davon opfern. Weil ich aber nur eine habe und diese zu retten wünsche, so möget Ihr Eure Bitten so beschränken, daß nichts in denselben vorkomme, was Gott beleidigt und meine Seele in Gefahr bringt.“

Das Volk nannte diesen Papst einen Heiligen. Den schönen Beruf aller Päpste, Friedensboten zu sein, übte auch er mit vielem Erfolg. In Rom versöhnte er die streitenden Parteien; einen drohenden krieg zwischen England und Frankreich wendete er für den Augenblick ab. Ja, er erlangte sogar infolge einer begeisterten Predigt, die er in Avignon hielt, von mehreren Fürsten das Versprechen, keinen Krieg mehr gegen Christen zu führen, sondern nur die Mohammedaner zu bekämpfen. Der erste Kreuzzug in Spanien endete auch wirklich mit einem glorreichen Sieg über die Mohammedaner bei Tarifa.

Der fromme Papst Benedikt vergaß auch Deutschland nicht, sondern bemühte sich, Ludwig den Bayer für sich zu gewinnen. Durch eine feierliche Gesandtschaft versprach der Kaiser der Kirche die gebührenden Rechte zurück zu geben, wenn er die Lossprechung vom Bann erhielte. Papst Benedikt versprach, hoch erfreut über dieses Zugeständnis, die erbetene Lossprechung. In diesem Augenblick drangen aber die Gesandten der Könige von Frankreich und Neapel in den päpstlichen Palast ein und drohten: Der Papst möge einem Anhänger der Irrlehre nicht trauen und ihn den gläubigen Königen von Frankreich nicht vorziehen. Der Papst antwortete, daß er die Versprechungen des deutschen Königs für aufrichtig halte. „Ein friedlicher Kaiser Ludwig ist gefährlicher als ein feindlicher“, antworteten die Gesandten. Der Papst handelte mit Klugheit und Umsicht, aber er vergaß, daß Avignon in Frankreich lag. Man nahm den Kardinälen ihr Einkommen und drohte dem Papst, ihn noch schlimmer zu behandeln, als König Philipp Bonifaz VIII. Behandelt hatte. Frankreich fürchtete eben, daß der Friede mit Ludwig dem Bayer dem Papst die Tore Roms wieder öffnen könnte. Daher musste um jeden Preis die Aussöhnung vereitelt werden und der Hass der Deutschen gegen das Papsttum erhalten bleiben.

Frankreich triumphierte, als es den Frieden zwischen dem Statthalter Jesu Christi und dem Deutschen Reich vereitelt hatte. Überhaupt fing in dieser Zeit eine verderbliche Eifersucht zwischen Deutschland und Frankreich an. Die Fürsten der beiden Länder arbeiteten mit wenigen Ausnahmen auf ihren gegenseitigen Untergang hin. Frankreich suchte die Päpste auf seine Seite zu bringen, um mit ihnen Deutschland zu vernichten. Die Kriege, die aus dieser Eifersucht hervor gingen, und das Blut, welches infolgedessen floss, die Leiden, die über die beiden Völker kamen, sind die Folgen der Auflehnung gegen den heiligen Stuhl.

Nicht bloß für Frankreich, auch für Deutschland kamen bittere Tage. Der stolze Ludwig der Bayer bildete sich ein, als Kaiser von Gottes Gnaden und gekrönt von einem falschen Papst, brauche er auf kein göttliches und menschliches Gesetz mehr zu achten. Nun kam noch ein weiteres schweres Vergehen des deutschen Kaisers hinzu. Die Markgräfin Margareta Maultasch hatte das schöne Land Tirol geerbt und sich dann mit dem König Johann Heinrich von Böhmen vermählt. Diese Ehe war vor Gott geschlossen und konnte also von niemand, auch nicht vom Papst, gelöst werden. Dennoch verheiratete Ludwig der Bayer Margareta mit seinem Sohn, der mit ihr noch dazu blutsverwandt war. Auf diese Weise musste Ludwig auch Papst Benedikt, der bisher sein persönlicher Freund war, sich zum Gegner machen. Wir sehen, daß die Regierung unseres Papstes eine sehr dornenvolle war. Der heilige Vater war, wie hervorragende Schriftsteller berichten, als Herrscher weniger groß wie sein Vorgänger Johannes XXII. Dagegen zierten ihn alle Tugenden eines Heiligen.

Ihm lag, wie allen Päpsten, die Ausbreitung des Glaubens sehr am Herzen. Da bereits ganz Europa dem Christentum gewonnen war, so schickte er Glaubensboten zu den Tataren, einem Volk, das tief in sein wohnte. Die Bekehrung dieses Volkes und der Mongolen nützte Europa viel; denn die Türken bekamen dadurch in ihrem Rücken mächtige und gefürchtete Gegner.

Nach einer siebenjährigen Regierung starb Papst Benedikt XII. am 25. April des Jahres 1342 infolge einer langwierigen Krankheit. Sein Leben blieb auch auf dem päpstlichen Thron das des Ordensmannes; denn Papst Benedikt war ein Feind jedes äußeren Glanzes und Prunkes und duldete an seinem Hof auch keine Schmeichler und ehrgeizigen Beamten.

Seine Regierung ist deshalb auch besonders lehrreich, weil sie uns zeigt, daß kein Papst unabhängig und frei ist, der nicht in seinem eigenen Land wohnt. Benedikt hatte zwar den edelsten Willen, aber er konnte Deutschland nicht nützen, weil es Frankreich nicht wollte, von dem er abhängig war. Wenn je einmal, so erkennen wir hier, daß die göttliche Vorsehung nicht umsonst dem Heiligen Stuhl ein Land gab, damit der Papst dort unabhängig und unparteiisch alle Christen der Welt regieren könne, ohne durch kleinliche Eifersucht weltlicher Fürsten gehindert und beschränkt zu sein. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 545 – S. 547

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
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