Gegenpäpste auf dem Konzil von Konstanz

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Gegenpäpste auf dem Konzil von Konstanz

Das Konzil wurde am 5. November feierlich eröffnet. Sie war eine der glänzendsten Kirchenversammlungen, welche die Welt je gesehen. 29 Kardinäle, 3 Patriarchen, 32 Erzbischöfe, ungefähr 150 Bischöfe, 1000 Äbte, 50 Pröpste, 300 Doktoren zählte es, als es am stärksten besucht war; viel größer noch war die Anzahl der anwesenden Laien, darunter erschienen König Sigismund, mehrere Herzöge und Fürsten und die Gesandten der verschiedenen Königreiche. Im ganzen waren damals in und um Konstanz durchschnittlich über 100000 Menschen mit ungefähr 30000 Pferden versammelt…

Die Abgeordneten Benedikts brachten, ohne etwas von Entsagung zu erwähnen, nur eine Zusammenkunft ihres Herrn mit Sigismund in Nizza in Vorschlag. Ebenso wenig wollte Cossa von einer freiwilligen Entsagung etwas wissen. Als Johann XXIII. sich aber nicht mehr aussah und immer mehr zur Abdankung gedrängt wurde, entfloh er mit Hilfe des Herzogs Friedrich von Tirol (Friedrich mit der leeren Tasche) aus Konstanz, indem er hoffte, dadurch das Konzilium zu sprengen. Dieser Plan schlug fehl. Die Versammlung schloß sich nur noch inniger zusammen, und als gegen ihn die schwersten Anklagen erhoben wurden, machte sie ihm nach angestelltem Zeugenverhör den Prozess und erklärte ihn für abgesetzt; er wurde gefangen genommen, worauf er sich zur Abdankung herbei ließ und sein Siegel übergab. Er blieb bis zum Jahre 1419 in Gefangenschaft, erlangte aber auf Verwenden des Papstes Martin V. die Freiheit, begab sich nach Italien und warf sich dem Papst zu Füßen. Von diesem zum Kardinalbischof von Frascati ernannt, starb er sechs Monate hernach als aufrichtiger Büßer.

Anders betrug sich der Gegenpapst Benedikt. Von einer Abdankung wollte er nichts wissen. Nach beinahe endlosen Verhandlungen erklärte ihn das Konzilium für abgesetzt. Nachdem ganz Spanien sich von ihm losgesagt hatte und dem Konzil beigetreten war, zog er sich nach Peniscola zurück, sprach über die ganze Welt den Bann aus und verharrte unversöhnt im Schisma bis zu seinem Tode 1424. Auf seinem Sterbebett ernannte er noch vier Kardinäle, von denen drei den Kanonikus Ägidius Munoz als Klemens VIII. zum Gegenpapst wählten. Der vierte, Johann Carriero, stellte einen eigenen Papst auf. So endete dieses Schisma mit dem Fluch der Lächerlichkeit. –
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste III. Band, 1907, S.488 – S. 489

Benedikt XIII. (1394 bis 1417) – Gegenpapst

Benedikt XIII., Gegenpapst in Avignon, 28.9.1394 bis 26.7.1417, vorher Pedro de Luna, aus aragonischem Adel, sittlich unbescholten, doch ehrgeizig und starrköpfig, Lehrer des kanonischen Rechts in Montpellier und angesehener Jurist (seine Schriften in Auswahl hrsg. von F. Ehrle in ArchLitKFMA VII 515/75), 1375 Kardinal bei Gregor XI., nach Ausbruch des Schismas eifriger Parteigänger Klemens ‚ VII. von Avignon, der ihn als Legaten in verschiedenen Ländern verwendete. Bisher voll Eifer für die Union, entsprach er nach der Wahl trotz beschworenen Versprechens den Erwartungen so wenig, daß Frankreich, Kastilien und Navarra ihm 1398 bis 1403 den Gehorsam entzogen (Subtraktion), alle Kardinäle bis auf 5 von ihm zurücktraten und er im Papstpalast zu Avignon belagert und 4 Jahre gefangen gehalten wurde. Die nach Wiederherstellung der Obedienz mit Bonifatius IX. gepflogenen Unterhandlungen (1404) zerschlugen sich infolge seiner Unnachgiebigkeit; die mit Gregor XII. im Vertrag von Marseille (1407) verabredete Zusammenkunft zu Savona zwecks gemeinsamen Rücktritts kam wegen des Misstrauens des römischen Papstes nicht zustande. Frankreich entzog Benedikt 1408 wieder die Obedienz, das Konzil von Pisa, gegen das er eine unebdeutende Synode nach Perpignan (seine Residenz seit 1408) bereif, setzte ihn 5.6.1409, das Konzil von Konstanz 26.7.1417 als „Häretiker und Schismatiker“ ab. Der persönliche Versuch Kaiser Sigismunds, ihn 1415 zu Perpignan zur Abdankung zu bewegen, scheiterte. Obwohl von allen Mächten aufgegeben, behauptete Benedikt seine Rechte eigensinnig in der heimatlichen Templerfeste Peniscola bei Valencia bis zum Tod 23.5.1423. In dem Kanonikus Munoz v. Barcelona wurde ihm, wahrscheinlich auf Betreiben des Königs Alfons v. Aragon, als Klemens VIII. Ein Nachfolger gegeben, der aber nur etwa 2000 Anhänger hatte und 1429 resignierte. Ein zweiter gleichzeitig aufgestellter Gegenpapst Benedikt XIV. Ist völlig bedeutungslos. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. II, 1931, Sp. 142

Johannes XXIII. (1410 bis 1415) – Gegenpapst

Johann XXIII. 17.5.1410 bis 29.5.1415 Gegenpapst gegen Benedikt XIII. und Gregor XII.; Balthasar Cossa aus Neapel, kam nach bewegtem vorleben (Soldat und Seemann) unter Bonifaz IX. an die Kurie, stieg hier, ehrgeizig und rücksichtslos in der Wahl der Mittel, rasch empor; 1402 Kardinal, als Legat in Bologna wegen seines Verwaltungs-Talentes geschätzt, aber beim Volk durchs eine Härte verhasst, wenige Tage nach Alexanders V. Tod zum Papst gewählt. Johannes verteidigte den Kirchenstaat gegen Ladislaus v. Neapel anfangs geschickt. Die Synode v. Rom 1412 wurde bald wegen Bedeutungslosigkeit vertagt. Durch Ladislaus 1413 aus Rom vertrieben, näherte er sich dem deutschen König Sigismund, der ihm nach längeren Verhandlungen in Lodi die Zustimmung zu einer allgemeinen Synode in Konstanz abnötigte. Ende Oktober 1414 dort angelangt, sichte Johannes sich dem Druck des Konzils, das zur Herstellung der Einheit alle 3 Obedienzen beseitigen wollte, durch abenteuerliche Flucht nach Schaffhausen (dann nach Freiburg und Breisach bzw. Neuenburg) zu entziehen. Das Konzil löste sich nicht auf, wie er hoffte, sondern setzte ihn mit beschleunigtem Verfahren 29.5.1415 ab. Als Gefangener blieb er (zuerst in Gottlieben, dann in Mannheim u. Heidelberg) bis 1419 in der Hut des Pfalzgrafen Ludwig. Nach Italien gebracht, warf er sich, nach Fehlschlag neuer Intrigen, in Florenz dem allgemein anerkannten Martin V. zu Füßen, der ihn zum Kardinal-Bischof v. Tusculum ernannte. 23. (nach der Grabschrift 22.) 12. 1419 starb Johannes; er wurde auf Staatskosten in Baptisterium zu Florenz beigesetzt, wo die Medici ihm das viel bewunderte Grabmal von Michelozzo, mit liegender Bronzestatue von Donatello errichten ließen. Sind auch alle auf dem Konzil erhobenen Anklagen nicht ganz beweisbar, so war Johannes doch ein minderwertiger Charakter, dem es an Interesse für die Einheit der Christenheit und an religiöser und kirchlicher Gesinnung gebrach. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, Sp. 475

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Hamerle, Papsttum
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