A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Sigismund deutscher Kaiser (1361 bis 1437)

 

Sigismund deutscher Kaiser, 1433, unbekanntem böhmischen Meister zugeschrieben

Sigismund, Deutscher Kaiser, *15.2.1361 zu Nürnberg, †9.12.1437 zu Znaim. Sigismund erhielt von seinem Vater Karl IV. 1378 die Mark Brandenburg. Als Gemahl der ungarischen Erbin Maria musste er lange ums ein Erbrecht kämpfen, wurde 1387 zum König von Ungarn gekrönt, das er aber nur mühsam behauptete, da zu den inneren Kämpfen noch die Türkenkriege kamen. 28.9.1396 schlug ihn der Sultan Bajesid vor Nikopolis.

Nach dem Tod des Königs Ruprecht wurde er 20.9.1410, besonders auf Betreiben des Kurfürsten v. Trier, zum deutschen König gewählt gegen Jost v. Mähren, seinen Vetter, der 1411 starb, worauf Sigismund allgemein anerkannt wurde; nur behielt sich sein Bruder, der einst abgesetzte Wenzel, den Königs- und Kaisertitel vor. Sigismund war hoch begabt und gebildet, ritterlich und von großen Plänen beseelt, freilich auch prachtliebend und genusssüchtig, unstet und ohne strategische Begabung.

Seine Aufgabe als deutschen König nahm er in Reich und Kirche ernst. Er versuchte jedoch vergeblich eine Reichsreform. Dem für seine Wahl tätigen Burggrafen Friedrich v. Nürnberg überließ er 1415 die Mark Brandenburg. Mit Erfolg verwandte er sich für den von den Polen mit Vernichtung bedrohten Deutschorden.

Unter ihm schien nochmals das Kaisertum an die Spitze des Abendlandes zu treten und die Kirche aus tiefem Verfall zu retten, wenngleich sich in seine Kirchenpolitik auch Fehler mischten. Zur Beilegung des Schismas lud Sigismund, nachdem er sich mit dem Pisaner Papst Johannes XXIII. verständigt, zum Konzil nach Konstanz ein, wo er 24.12.1414 erschien und eine wichtige Rolle spielte. Als Johann XXIII. Konstanz heimlich verließ, hielt Sigismund das Konzil zusammen und zwang den Herzog Friedrich IV. v. Österreich, die Beschützung Johanns aufzugeben.

Nachdem dieser abgesetzt war, reiste Sigismund nach Südfrankreich und erreichte, dass Benedikt XIII. von seinen Anhängern aufgegeben wurde. Als Sigismund aber dann in Gegensatz zu Frankreich kam, verminderte sich in Konstanz sein Einfluss auf das Konzil, das gegen seinen Wunsch, zuerst die Kirchenreform durchzuführen, die Wahl Martins V. vornahm. Um die böhmischen Streitigkeiten zu beenden, hatte Sigismund Johann Hus nach Konstanz geladen, indem er ihm eine Geleitbrief ausstellte; nach seiner Verurteilung übergab er ihn dem Feuertod. Als in der Empörung, die deshalb in Böhmen ausbrach, Wenzel 1419 starb, fiel Sigismund die Herrschaft über Böhmen zu, das ihm aber heftig widerstrebte.

Da das Land in den Husitenkriegen nicht zu bezwingen war, so wünschte Sigismund einen Kompromiss, wie ihn das Baseler Konzil betrieb. Dieses besuchte er, nachdem ihn Eugen IV. 31.5.1433 in Rom zum Kaiser gekrönt hatte. Erst 1436, nach der Verkündigung der Kompaktaten zu Iglau, konnte Sigismund seinen Einzug in Prag halten. Auf dem Konzil v. Basel suchte er zwischen Papst und Konzil zu vermitteln und mahnte letzteres zur Mäßigung. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 550

Siehe auch seine Biographie auf Kulturstiftung.org

Bildquellen

  • Kaiser_Sigismund_(1369-1437)_-_GG_2630_-_Kunsthistorisches_Museum: wikimedia
Tags: Konzil
Buch mit Kruzifix
Synode von Pisa
Buch mit Kruzifix
Passauer Vertrag

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Strauß

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Strauß Strauß, David Friedrich, freigeistiger protestantischer Theologe, * 27.1.1888 zu Ludwigsburg (Württ.), † 8.2.1874 ebd. Im Seminar zu Blaubeuren war F. Chr. Baur sein Lehrer. Winter 1831/32 kam er zu Berlin in persönliche Beziehung…
Buch mit Kruzifix

Sibyllen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sibyllen Die Sibyllen waren heidnische Jungfrauen, welche in strenger Enthaltsamkeit lebten und von denen man deswegen glaubte, daß sie besonderer göttlicher Offenbarungen gewürdigt wurden. Ihre Weissagungen von der Ankunft des Erlösers und von seiner…
Buch mit Kruzifix

Geheimbünde

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Geheimbünde Geheimbünde sind Vereinigungen, die ihre Existenz selbst oder ihre Verfassung, Lehren, Gebräuche und Ziele geheim halten. Die Eingeweihten, meist erst nach einer Prüfung und oft unter kultischen Reinigungen aufgenommen, sind streng zum Schweigen…
Buch mit Kruzifix

Gürtelbruderschaften

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gürtelbruderschaften Gürtelbruderschaften, religiöse Vereinigungen, deren Mitglieder gemäß Psalm 17,33 u. 40; Lk. 12,35 usw. zum Zeichen ihrer Verbundenheit mit Gott und den betreffenden Heiligen, der Abtötung und Buße (vgl. Cilicium) sich gürten: 1) Erzbruderschaft…
Buch mit Kruzifix

Marcus Magus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Marcus Magus Marcus Magus Gnostiker, Schüler des Valentin, Zeitgenosse des Irenäus, der des Marcus Anhänger, die Markosier, im Rhonetal kennen lernte. Ausführlich berichtet Irenäus (Adv. Haeres. I c. 13-21) von ihren unsinnigen Zahlenspekulationen. (siehe…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Bilderstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bilderstreit Bilderstreit. I. Im Orient. Die Kirche suchte von Anfang an, besonders bei weiterer Ausbildung der Bilderverehrung, Ausartungen zu verhüten; so Papst Gregor der Große gegen Bischof Serenus v. Marseille (Migne PL 77, 1027). In der griechischen Kirche hatte man aber doch allmählich die sichere kirchliche Regel überschritten. Ob…
Buch mit Kruzifix

Synode von Pisa

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Synode von Pisa (1409) Von den Synoden ist die von 1409 die bedeutendste. Enttäuscht und verärgert über das unschlüssige, widerspruchsvolle Verhalten Gregors XII. und des Gegenpapstes Benedikt XIII. in der Unionsfrage, entschlossen sich die meisten Kardinäle beider Obedienzen, ihre Päpste zu verlassen, und vereinbarten 29.7.1408 auf der Zusammenkunft v.…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner