Der heilige Papst Stephan IV. (768-772)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste werden unabhängige Fürsten

Der heilige Papst Stephan IV. (regierte von 768-772)

Noch während der letzten Krankheit des Papstes Paul hatte der Herzog Toto von Nepi Truppen gesammelt, um sich mit Gewalt der Stadt Rom zu bemächtigen, den Papst in seine Gewalt zu bringen oder zu töten und seinen Bruder Konstantin auf Petri Stuhl zu erheben. Was ihm aber, so lange Paul lebte, nicht gelang, führte er nach dem Tode desselben aus. Konstantin war noch Laie. Sofort erhielt er die Weihen und das Volk wurde gezwungen, dem Eindringling zu huldigen. Nach 13 Monaten wurde Toto getötet, Konstantin gefangen genommen, vom Klerus und Volk als Eindringling erklärt, und Stephan der Priester an der Kirche der hl. Cäcilia, rechtmäßig zum Papst gewählt.

Aus Sizilien gebürtig, war er als Knabe schon nach Rom gekommen, von Gregor III. dem von ihm gestifteten Kloster des hl. Chrysogonus übergeben und vom Papst Zacharias zum Priester geweiht worden. Bei seinem Vorgänger stand Stephan in hohem Ansehen. Nach seiner Wahl berief er eine Versammlung von Bischöfen und Geistlichen, bei welcher Konstantin seiner angemaßten Würde entkleidet wurde. Das erbitterte Volk nahm Rache an den Anhängern Konstantins und ließ sich sogar zur Mißhandlung und zur Blendung des Eindringlings hinreißen. Zur Herstellung der Ordnung berief Stephan (769) eine Synode, welcher auch mehrere Bischöfe aus dem Frankenreich anwohnten. Auf dieser Synode wurde den Bildern die bisher übliche Verehrung zuerkannt und die Synode von Konstantinopel vom Jahre 754 verworfen. Ein böses Spiel spielte der Langobardenkönig Desiderius mit dem Papst. Zuerst war er bemüht, durch Familien-Verbindungen mit den Franken diese für sich zu gewinnen und dem Papst mehr zu entfremden. Dann hatte er es darauf abgesehen, die zwei einflußreichsten Beamten am päpstlichen Hof und die Beschützer des Papstes zu verderben. Er verdächtigte diese bei Stephan, als ob sie ihm nach dem Leben strebten, und forderte deren Auslieferung. Desiderius heuchelte, ein Verteidiger des Papstes und seiner Rechte zu sein, und machte diesem die glänzendsten Versprechungen.

Obschon der Papst die Beamten nicht ausliefern wollte, sahen dieselben doch ihre Lage gefährdet und griffen zu den Waffen, konnten sich aber nicht behaupten. Sie wurden von Paul Asiarta, einem Anhänger des Desiderius, in der Peterskirche angegriffen und geblendet. Desiderius war nämlich mit einem großen Heer bis vor die Mauern Roms heran gerückt und hatte so seiner Partei zum Siege verholfen. Da nun der Papst den König an sein gegebenes und oft wiederholtes Versprechen erinnerte und die Herausgabe der ihm gehörigen Gebiete beanspruchte, wurde er schnöde abgewiesen.

Ein anderer Umstand bereitete dem Papst eine große Schwierigkeit und brachte ihn in eine sehr bedenkliche Lage. Desiderius hatte eine Verehelichung Karls mit seiner Tochter zustande gebracht, obschon Karl bereits eine Frau hatte. Karl verstieß diese und nahm, besonders auf Drängen seiner Mutter, die Tochter des Desiderius zum Weibe. Dem Papst verheimlichte man die Verhandlungen. Groß war die Gefahr, in welche durch eine solche Verbindung der Papst geriet. Der heftigste Gegner des Papstes gewann den eifrigsten Beschützer desselben zum Schwiegersohn, und durch eine Ehe, die dem Christentum Hohn sprach. Der Papst als Hüter und Wächter des christlichen Glaubens, wie des christlichen Sittengesetzes, stand keinen Augenblick im Zweifel, wohin er sich zu stellen habe, – auf Seite des verletzten Rechtes. Noch bevor er von der vollzogenen Verbindung Kenntnis erhalten, schrieb er in ernstem und nachdrücklichem Ton an Karl und drohte mit der Exkommunikation, wenn er von diesem Unterfangen nicht abstehe. Als das Schreiben ankam, war die Ehe bereits geschlossen. Die Folge dieses energischen Schrittes von Seiten des Papstes war es hauptsächlich, daß Karl die Tochter des Desiderius wieder zurückschickte, ein Umstand, der diesen gegen den Papst um so mehr erbitterte. Stephan starb im Anfang des Jahres 772.

aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, I. Band, 1907, S. 236-238

Die erste Hauptaufgabe des neuen Papstes war, im Jahre 769 eine Kirchenversammlung zu berufen, um die durch den Gegenpapst Konstantin gestörte Ordnung wieder herzustellen. Außer der Geistlichkeit von Rom erschienen aus Frankreich zwölf Bischöfe. Sie waren schon von Karl dem Großen geschickt; denn Pippin war am 24. September des Jahres 768 gestorben.

Um für die Zukunft ein ähnliches Ärgernis, wie es Konstantin hervorgerufen hatte, zu verhüten, wurde bestimmt, daß keiner zum Papst gewählt werden könnte, der nicht schon Priester oder wenigstens Diakon wäre. Ferner verbot der Papst unter der Strafe des Ausschlusses aus der Kirche jedem Nichtpriester, der Wahlhandlung beizuwohnen, die er ausschließlich den Bischöfen und den versammelten Geistlichen übertrug. Die zu dieser Zeit in Rom abgehaltene Kirchenversammlung beschäftigte sich auch noch mit dem Bilderstreit, der im Morgenland mit der alten Heftigkeit fortdauerte. Die Entscheidung lautete: „Wenn wir hoffen, einst unter die Zahl der Seligen aufgenommen zu werden, so müssen wir sie und auch ihre Bilder, die uns an sie erinnern, verehren. Wenn daher in der Zukunft jemand sich weigert, die Bilder Jesu Christi, seiner heiligen Mutter und der Heiligen zu verehren, der sei aus der Kirche ausgeschlossen.“

aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 260-261

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