Das Pontifikat von Papst Paul I. (757-767)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste werden unabhängige Fürsten

Der heilige Papst Paul I. (regierte von 757-767)

Ein Bruder seines Vorgängers, war er mit diesem unter Gregor III. in den Lateran aufgenommen worden und in den kirchlichen Wissenschaften unterrichtet. Papst Zacharias weihte beide zu Diakonen. Paul war von seinem Bruder im Dienst der Kirche als Gesandter benützt worden und leistete demselben in seiner Krankheit liebevollen Beistand. Ganz besonders wird an ihm ein unvergleichliches Mitleid gerühmt. Er besuchte mit seinen Dienern nachts die Kranken in ihren Häusern und versah sie mit Nahrungsmitteln und andern notwendigen Dingen. Ebenso besuchte er nachts die Gefängnisse, nahm sich der Verbrecher an, die er in Todesgefahr fand und bezahlte für die, welche Schulden halber gefangen gehalten wurden. Er war ein Vater der Witwen und Waisen, die Zuflucht aller Bedrängten und ein furchtloser Verteidiger des wahren Glaubens. Als Beherrscher Roms und des von Pippin der Kirche geschenkten Gebietes, hatte er manche Gehässigkeit zu überwinden. Der Kirchenstaat hatte zwei gefährliche Feinde: die Langobarden und die Griechen. Desiderius, der als König auf Aistulf († 757) gefolgt war, ertrug die Demütigungen und Verluste, die die Langobarden von den Franken erlitten hatten, sehr schwer und spann fort und fort feindselige Pläne gegen den Papst. Ebenso wollten die Griechen ihre Ansprüche auf das verlorene Gebiet nicht aufgeben. Da aber Pippin treu zum Papst hielt und ihn schützte, so blieben alle Bemühungen der Langobarden sowohl, also auch der Griechen erfolglos und Papst Paul konnte sich eines ziemlich ruhigen Besitzes des kirchlichen Gebietes erfreuen. Eifrige Fürsorge wendet der Papst den Katakomben zu. Die Langobarden waren unter Aistulf öfters in diese unterirdischen Grabstätten der Heiligen eingedrungen und hatten dieselben arg beschädigt. Um die heiligen Gebeine vor Entweihung zu bewahren, die von jeher Gegenstand großer Verehrung waren, ließ er viele derselben in Prozessionen unter Psalmen-Gesang in die Stadt bringen und an einzelne Kirchen verteilen.

Zu sehen sind in einer Kirche zwei Bilderstürmer, der eine will gerade ein Heiligenbild zerschmettern, der andere bedrängt eine Frau, die am Boden liegt und ihn von der Zerstörungswut abhalten will; der Prietser kniet auf den Stufen zum Altar, die Hände vor seinem Gesicht; auf dem Altar sieht man noch das Kruzifix und eine brennende Kerze

Die Verfolgung der Mönche unter Kroponymus

Sein elterliches Haus verwandelte er in ein Kloster und übergab es griechischen Mönchen, deren viele nach Rom kamen, um den Verfolgungen des Bilderstürmers Kroponymus zu entgehen. Dieser hatte im Jahre 754 in Konstantinopel eine Synode abhalten lassen, auf welcher leider 338 orientalische Bischöfe feige genug waren, den Launen eines gottlosen Tyrannen sich zu fügen und die Verehrung der Bilder zu verdammen. Mutig widersetzten sich einer solchen Niedertracht die Mönche, luden aber dadurch den ganzen Ingrimm dieses kaiserlichen Wüterichs auf sich, der dieselben grausam verfolgte. Nachdem er sie auf das schmählichste verleumdet und die Wut des Pöbels durch allerhand Kunstgriffe gegen sie aufgereizt hatte, ließ er sie scharenweise unter ausgesuchtesten Qualen töten. Besonders sollte der heilige Abt Stephanus seine Zorn fühlen. Da derselbe wegen seiner Tugend und Heiligkeit in allgemeiner Verehrung stand, war dem Kaiser alles daran gelegen, ihn für sich zu gewinnen. Alle Mittel, die man anwendete, Verheißungen, Drohungen, Misshandlungen, Verbannung waren vergebens. Als er endlich vor Kopronymus gerufen und aufgefordert wurde, die Bilder zu verwerfen, fragte Stephan den Kaiser, indem er ihm ein Geldstück zeigte: Herr, wessen ist dieses Bild und diese Inschrift? Betroffen erwiderte Kopronymus: Das der Kaiser, – sein Bild nämlich und seines Sohnes Leo. – Abt Stephan fragte weiter: Werde ich bestraft werden, wenn ich es zur Erde werfe und mit Füßen trete? Gewiß. Lautete die Antwort, denn es trägt das Bild und den Namen der unbesieglichen Kaiser! Wie groß, versetzte tief seufzend der Heilige, wird also die Strafe dessen sein, der das Bild Jesu Christi und seiner heiligen Mutter unter die Füße tritt und den Flammen überliefert. Alsbald warf er nun die Münze zu Boden und trat darauf. Die Höflinge wollten sich schon wie wilde Tiere auf den mutigen Mönch stürzen und ihn töten; der Kaiser aber wehrte es ihnen. Der Tyrann wollte eben grausamere Rache nehmen. Abt Stephan wurde ins Gefängnis gebracht, wo er 342 Mönche aus verschiedenen Gegenden fand, die um derselben Sache willen litten und auf verschiedene Weise verstümmelt worden waren. In diesem Gefängnis hatte der Heilige noch einige Zeit zu dulden, bis man ihn hervor holte, unter Schmähungen und Misshandlungen durch die Stadt schleifte, und endlich mit einem Knüttel tot schlug (767). Dieser ehrwürdige Bekenner Christi hatte den Mönchen schon früher geraten, um dem grausamen Henker zu entrinnen, nach Rom zu ziehen. Dort, an dieser Zufluchtsstätte der Armen und Verfolgten, fanden sie liebevolle Aufnahme und konnten in der Stille ihrem Herrn und Gott dienen.

Papst Paul I. starb am 28. Juni 767 und wird an diesem Tage von der Kirche als Heiliger gefeiert. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, I. Band, 1907, S. 235 – S. 236

Weder vorher noch nachher kennt die Geschichte ein Beispiel, daß nacheinander zwei Brüder den Heiligen Stuhl einnahmen.

Die erste Handlung des neuen Papstes war ein zärtlicher Brief an den Frankenfürsten Pippin den Kleinen. „Sei versichert“, schrieb er ihm, „daß ich und mein Volk die Freundschaft bewahren, welche der verstorbene Papst, mein Bruder, mit Dir geschlossen hat.“ Die Antwort Pippins war die eines echt christlichen Fürsten; er ermunterte die Römer zur Treue im Glauben und zur Hingabe an den heiligen Stuhl. Man sieht hieraus, daß er sich seiner Aufgabe wohl bewußt war, ein Schützer der Kirche und der wahren Religion zu sein. Der Papst war nun wirklicher Herr des neuen Landes, besprach sich aber in allen wichtigen Fragen mit König Pippin, seinem Schutzherrn.
Als dem großen Frankenkönig bald darauf eine Tochter geboren wurde, bat er den Papst, die Patenstelle anzunehmen und schickte ihm zugleich die herrlichsten Geschenke. Der Papst verehrte dem König seinerseits eine Uhr, zur selben Zeit ein gar seltenes Ding, und verschiedenen Bücher.

Um diese Zeit suchte auch der sittenlose Kaiser Konstantin eine engere Verbindung mit dem Frankenkönig anzuknüpfen, indem er durch Gesandte um seine Tochter anhielt. Pippin lehnte aber jedes Anerbieten ab. Durch allerlei listige Pläne suchte nun der oströmische Kaiser das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Papst und dem Frankenkönig zu stören. Aber Pippin hielt treu an den dem heiligen Vater gegebenen Versprechungen fest; er empfing die griechischen Abgesandten immer nur in Gegenwart des päpstlichen Gesandten und ließ sich besonders in keine Religions-Streitigkeiten ein, ohne von Rom aus unterrichtet zu sein. Zugleich ließ er im Jahre 767 in der Anwesenheit der griechischen Gesandten in Gentilly eine Kirchenversammlung halten, welche die Bilderstürmerei des Morgenlandes mit dem Banne belegte.

Pippin tat gut daran, sich mit den treulosen Morgenländern nicht weiter einzulassen; denn auch zur Zeit des gegenwärtigen Papstes wütete bei ihnen noch die Bilderstürmerei

… Ebenso war der Papst um die Einheit des Kirchengesanges in allen katholischen Ländern besorgt. Hierin stand ihm auch der Frankenkönig Pippin mit seiner Hilfe zur Seite. Um das Jahr 760 sandte der Papst an Pippin die römischen Kirchen-Gesangbücher; von da an wurde in den Schulen Frankreichs allgemein nach römischer Weise gesungen. So fanden die Katholiken in verschiedenen Ländern die volle Einheit des Gottesdienstes.

Sein Tod war für Rom ein schweres Unglück; denn es folgte ein Jahr der Verwirrung. Ein Herzog mit Namen Toto war nämlich mit einer Schar Soldaten in die Stadt gekommen und ließ seinen Bruder Konstantin zum Papst ausrufen. Da dieser noch nicht einmal Priester war, ließ ihn der Herzog nach der Laterankirche führen und zwang den Bischof von Präneste ihn zum Priester zu weihen. Das Volk wurde gezwungen, dem Eindringling päpstliche Ehren zu erweisen. Erst nach 13 Monaten, im Juli des Jahres 768, gelang es den Römern mit Hilfe der Langobarden, den falschen Papst vom Thron zu stoßen. Aber die Langobarden hatten nur Hilfe geleistet, um einen Priester namens Philippus, ohne Zustimmung der Römer zum Papst zu erheben, der aber noch an demselben Tage vertrieben wurde.
Sobald die Ruhe hergestellt war, schritt die Geistlichkeit zu einer rechtmäßigen Wahl. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 258 – S. 260

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