Das Pontifikat von Gregor XVI. (1831-1846)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste im Zeitalter der Revolutionen

Papst Gregor XVI. sitzt in seiner päpstlichen Kleidung auf einem verzierten Stuhl, die Arme auf den Stuhllehnen; er schaut ernst aus.

Das Pontifikat von Gregor XVI. (regierte von 1831-1846)

Aus dem Konklave ging der Kardinal Maurus Capellari (2. Februar 1831) als Papst Gregor XVI. hervor. Er war geboren am 18. September 1765 zu Belluno, einer Stadt im Venetianischen, aus einer angesehenen Familie. Mit 18 Jahren trat er in das Kamaldulenser-Kloster von Murano in Venedig und erhielt den Namen Maurus. Hervorgetreten ist er durch das Werk „Triumph des Hl. Stuhles und der Kirche“, welches von seinem unerschütterlichen Glauben wie von seiner umfassenden Gelehrsamkeit Zeugnis ablegte. Leo XII. erhob ihn zum Kardinal. Von demselben Papst wurde er zum Präfekten der Propaganda – des Institutes der Glaubens-Verbreitung – ernannt- Gregor XVI. war in der Tat ein Papst, wie ihn die Zeit bedurfte, würdig der großen Namensträger auf dem apostolischen Stuhl. Sowohl als Regent des Kirchenstaates wie als Oberhirt der Gesamtkirche entfaltete er eine zeitgemäße Tätigkeit.

1. Als weltlicher Regent suchte er das Wohl seiner Untertanen zu fördern. Vom Herzog von Leuchtenburg kaufte Gregor ausgedehnte Ländereinen und ließ sie parzellieren, um die Zahl kleiner unabhängiger Eigentümer zu vermehren. Ebenso war er bestrebt, Handel wie Ackerbau zu heben und in allen Zweigen der Staatsverwaltung Verbesserungen einzuführen. Unsterblich machte er sein Andenken durch die Anlegung großartiger Museen. Leider wurden die wohltätigen Unternehmungen des Papstes vielfach gehemmt durch die revolutionären Bestrebungen in Italien, gegen die er während seiner ganzen Regierung zu kämpfen hatte. Diese Verschwörungen hatten im Haß gegen die weltliche Herrschaft des Papstes und im Verlangen nach einer Republik ihren Grund. Sie wurden leider vielfältig vom Ausland begünstigt, besonders von England. So hatte sich am Anfang seines Pontifikates Bologna gegen die päpstliche Herrschaft erhoben, von wo sich der Aufstand rasch über den ganzen Kirchenstaat verbreitete. Durch das österreichische Militär wurde wieder Ruhe und Ordnung hergestellt; doch das Feuer der Revolution glimmte fort und brach zu wiederholten Malen da und dort in hellen Flammen aus. Da die Empörer die Provinzkassen plünderten und die Geldsendungen nach Rom abschnitten, sah sich der Papst genötigt, das erste Geldanleihen zu machen und Staatsdomänen unter ungünstigen Bedingungen zu veräußern. Die Folge war, daß die Finanzen in Unordnung gerieten, die Feinde des Papstes daraus Kapital schlugen und die päpstliche Misswirtschaft in den grellsten Farben schilderten.

2. Für die Reinheit des Glaubens suchte er zu sorgen, indem er den Indifferentismus und die falsche Aufklärung verurteilte und die lose Praxis bei gemischten Ehen in Deutschland rügte. Als der Erzbischof Klemens August von Köln entschieden für die kirchlichen Bestimmungen eintrat, wurde er (1837) als Staatsverbrecher ergriffen und auf die Festung Minden gebracht. (siehe: Kölner Wirren) Das gleiche Los traf den Erzbischof von Posen-Gnesen, Martin von Dunin. Ein Schrei der Entrüstung erhob sich über diese Gewalttat in der ganzen katholischen Welt. Gregor nahm sich seiner Brüder mit solchem Nachdruck an, daß Preußen endlich nachgeben, die Bischöfe in Freiheit setzen und den Bestimmungen der Kirche gerecht werden musste. Noch schlimmer standen die kirchlichen Verhältnisse in Russland. Kaiser Nikolaus I. (1825-1855) hatte durch alle Mittel von List und Gewalt über zwei Millionen Seelen (1839) der katholischen Kirche entrissen. (siehe den Beitrag: Papst Gregor XVI.) Dagegen erhob Gregor seine Stimme und ebenso nachdrücklich wider die Vergewaltigung, welche die Kirche in Spanien zu erdulden hatte durch den Bürgerkrieg, wobei die Kirche arg beraubt wurde. Er schrieb ein Jubiläum (1842) aus und forderte die Gläubigen der katholischen Welt zum Gebet für dieses schwer heimgesuchte Land auf. Um die Unverfälschtheit des Glaubens zu wahren, verurteilte Gregor XVI. die falschen Grundsätze des französischen Priesters Lamennais und des deutschen Professors Hermes.

Sehr tätig war Gregor XVI. für die Verbreitung des Glaubens unter den Heiden. Er verteidigte nicht bloß die Menschenwürde der armen Heiden, indem er die Verwerfungs-Urteile der früheren Päpste über den Sklavenhandel wiederholte, sondern suchte ihnen durch die eifrigste Förderung der Missionen den Weg zur Würde der Kinder Gottes zu bahnen. Die Missions-Tätigkeit nahm unter Gregor ihren herrlichen Aufschwung, so daß er in den verschiedenen Ländern 46 Bistümer und 38 apostolische Vikariate errichten konnte. Im Jahre 1839 veranstaltete er die Heiligsprechung des hl. Alfonsus und vier anderer Heiligen, eine glänzende Feier, die eine ungeheure Zahl Gläubiger herbei zog. Weiteren Trost gewährten ihm die zahlreichen Konversionen sowie das Erwachen kirchlichen und religiösen Eifers, der sich auf dem Gebiet der Wissenschaft wie in der Gründung den Bedürfnissen der Zeit entsprechender geistlicher Genossenschaften und in der mutigen Verteidigung der katholischen Grundsätze durch Laien kundtat. Es war ein glänzendes Pontifikat, dessen Ruhm noch erhöht wurde durch ausgezeichnete Männer, die Gregor mit dem Purpur schmückte, den Altertums-Forscher Angelo Mai († 1854), der einen Weltruf genießt, und das Sprachenwunder Mezzofanti († 1849), der mehr als 50 Sprachen vollkommen beherrschte. Gregor schied nach kurzer Krankheit am 1. Juni 1846 von hinnen und nahm den Ruhm eines ebenso gelehrten als frommen Mannes, die Liebe und Verehrung aller treuen Katholiken wie auch den Haß der Religionsfeinde verschiedener Länder mit sich ins Grab. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 613 – S. 615

Bildquellen

  • stangl-papst-gregor-xvi: Bildrechte beim Autor
  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum
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