Papst Gregor XVI. (1831-1846)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste im Zeitalter der Revolutionen

Papst Gregor XVI. sitzt in seiner päpstlichen Kleidung auf einem verzierten Stuhl, die Arme auf den Stuhllehnen; er schaut ernst aus.

Papst Gregor XVI. (regierte von 1831 -1846)

Die Verhältnisse, unter welchen Gregor XVI. den päpstlichen Stuhl bestieg, waren keineswegs günstig. Schon unter seinem Vorgänger gärte durch die ganze Halbinsel eine tiefe Unzufriedenheit, während zu gleicher Zeit durch ganz Europa eine revolutionäre Lust wehte. Die Juli-Revolution hatte ihre Schwingungen bis nach Italien hin verbreitet. Während die Krönungs-Feierlichkeiten in Rom begangen wurden, brach in Bologna ein Aufstand aus, welcher sich in wenigen tagen fast über den ganzen Kirchenstaat ergoß und nur mit Hilfe österreichischer Bajonette unterdrückt werden konnte. Auch glimmte während seines ganzen Pontifikates das Feuer der Revolution im Verborgenen fort und drohte etliche Male in helle Flammen auszuschlagen. Mißlich war es für ihn, daß die katholischen Großmächte nicht einig waren und der durch die Juli-Revolution auf den Thron gekommene Bürgerkönig Österreich entgegen arbeitete. Übrigens war Gregor XVI. im Grunde nicht österreichisch gesinnt, wenn er auch im Verlauf seines Pontifikates durch die Umstände gezwungen wurde, in Abhängigkeit zu der verhaßten Metternich`schen Politik zu treten.

Ein schwieriges Werk war es, die Finanzen zu ordnen, welcher derart zerrüttet waren, daß der Papst sich genötigt sah, drei Millionen Scudi bei dem Juden Rothschild zu entlehnen. Um die Gemüter zu beschwichtigen, machte Gregor eine Reise durch die Provinzen, auf welcher er freilich von dem Volk mit Ehren und Freuden-Bezeugungen aufgenommen wurde. Doch hatte dieselbe keinen nachhaltigen Erfolg, abgesehen davon, daß sie die Finanzen mit zwei Millionen Franken belastete. Schon machten Mazzini und der revolutionäre Arzt Farini ihre unterminierende Tätigkeit geltend. Später trat Goberti mit einem neoguelfischen Programm auf, demzufolge der Papst das geistige und politische Haupt Italiens bilden solle, daß ein italienischer Bund unter den Auspizien des Papstes herzustellen sei etc., während der Marchese Capponi dahin seine Vorschläge machte, daß in der Person des Papstes das Kirchenoberhaupt von dem Regenten zu trennen, dem Kirchenstaat eine christliche, aber Laienregierung zu geben sei etc., Ideen, welche unter Gregors Nachfolger sich als unausführbar erwiesen. Alles zusammen genommen, machte die Schwierigkeit der Verhältnisse und die Ungenügendheit der Mittel, derselben abzuhelfen, es dem Papst, welcher überhaupt bei der Erfahrung, daß alle dem Zeitgeist gemachten Konzessionen doch keinen Erfolg hätten, eine immer strengere Haltung gegen die Liberalen einnahm, beim besten Willen unmöglich, zufrieden stellende Verhältnisse im Kirchenstaat anzubahnen und auf den Beistand fremder Bajonette zu verzichten. Übrigens waren die Anordnungen, welche Gregor in Beziehung auf die Verwaltung des Kirchenstaates machte, nicht wenige und nicht wertlos; doch hatten sie einen mehr administrativen als eigentlich politischen Charakter und waren daher von keiner durchschlagenden Bedeutung. Im September 1831 wurde zu Ehren des hl. Gregor d. Gr. der Gregorius-Ritterorden gestiftet. Eine Menge Verbesserungen und Verschönerungen wurden in Rom selbst vorgenommen…

Während seines Pontifikates hatte die Kirche besonders gegen einen alle Schranken des Rechts überschreitenden unchristlichen Staatsabsolutismus, dann aber auch gegen den ebenso gehässigen, falschen Liberalismus zu kämpfen, und wenn seine kräftige Stimme auch nicht immer Gehör fand, so wurde doch durch ihn das Prinzip der Freiheit der Kirche gewahrt und gegen die Unterdrückung der unverjährbaren Rechte derselben ein gewiß nicht auf immer unwirksamer Protest eingelegt. Im Jahre 1834 wurde das Verwerfungs-Urteil über Lamennais, des bisher so ausgezeichneten Verfechters der katholischen Sache in Frankreich, Paroles d`un croyant ausgesprochen, nachdem schon 1831 sein Grundsatz einer notwendigen absoluten Trennung von Kirche und Staat verworfen worden war. Ein Jahr später wurde die hermesische Lehre (siehe Hermes) und kurz darauf auch die der letzteren gegenüber stehende Lehre des Abbé Bautain, als dem katholischen System zuwider laufend, verurteilt.

Sehr widerwärtig war der bald darauf ausbrechende Streit mit der preußischen Regierung über die gemischten Ehen (siehe Kölner Wirren), welcher erst unter der Regierung des Königs Friedrich Wilhelm IV. seine Erledigung fand. Vergeblich indes waren die Bemühungen Gregors XVI., welcher doch die polnischen Bischöfe vor der Einmischung in die politische Bewegung ihres Volkes gewarnt hatte, den russischen Kaiser, welcher nicht bloß einige Millionen griechisch Unierter durch gewaltsame Mittel von der Einheit der Kirche wieder ablöste, sondern auch die in den zum ehemaligen Königreich Polen gehörigen Provinzen lebenden Katholiken aufs Härteste bedrückte, zur Einhaltung eines gerechteren Verfahrens zu bestimmen. Um die katholische Christenheit zu überzeugen, daß er in dieser Beziehung seine Pflichten als oberster Regent der Kirche nicht vernachlässigt habe, wurden von ihm, nachdem er schon in einer Allokution an die Kardinäle (im Juli 1842) sich hierüber ausgesprochen, in einer besondern Denkschrift alle Verhandlungen mit dem Zaren dem Urteil der öffentlichen Meinung und der Geschichte übergeben. Großes Aufsehen erregte in der christlichen Welt die Art und Weise, wie der greise Papst im Dezember 1845 dem Oberhaupt der russischen Kirche bei einem Besuch gegenüber trat. „Mit wahrhaft apostolischer Freimütigkeit und mit einer für einen 80jährigen Greis bewunderungswürdigen Energie ging er auf alle Einzelheiten jener Bedrückungen und Grausamkeiten ein, unter denen namentlich die polnischen Gläubigen schmachteten. Bei dem zweiten Besuch, den der Kaiser vor seiner Abreise dem Papst abstattete, kehrte letzterer mit verdoppelter Kraft auf diesen Gegenstand zurück und übergab dem Zaren schriftliche Beweise, Anklagepunkte, Beschwerden und Vorstellungen einer Unzahl von Katholiken und religiösen Körperschaften, welche alle so barbarische Grausamkeiten erduldet hatten… Aus seinem Munde musste der Kaiser nochmals alle jene Anschuldigungen vernehmen, welche der Katholizismus ihm und seinen Ministern angesichts der ganzen Welt machte, und der Nachfolger Petri zeigte in seiner Hilflosigkeit einen wahrhaft heiligen Mut, um mit den lebhaftesten Ermahnungen die Klagen zu unterstützen, welche er dem russischen Alleinherrscher vortrug.“ In der Allokution vom 19. Januar 1846 sprach er dann den Kardinälen gegenüber die Hoffnung aus, daß die eingeleiteten Unterhandlungen mit dem Kaiser von Russland zu einem glücklichen Ende geführt werden würden. Für die spanische Kirche, welche ebenfalls unter dem furchtbaren Druck eines unkirchlichen Regiments litt, forderte er im J. 1842 die gesamte Kirche unter Ankündigung eines Jubiläums zum Gebet auf. Die Differenzen mit der portugiesischen Regierung wurden durch die Bemühungen des gewandten Capaccini endlich im J. 1841 ausgeglichen. Auch für die unterdrückte Freiheit und die Rechte der Kirche in der Schweiz und in der oberrheinischen Kirchenprovinz trat er in mehreren Breven auf. –

Im Mai 1839 fand unter großem Zulauf von Gläubigen die feierliche Kanonisation des hl. Alfonso di Liguori und anderer ausgezeichneter Persönlichkeiten statt. Im Dezember desselben Jahres wurde das Verwerfungs-Urteil früherer Päpste über den Sklavenhandel in der Bulle In supremo apostolatus fastigio constituti wiederholt. Besondere Aufmerksamkeit wandte Gregor XVI. dem Missionswesen zu. Unter seinem Pontifikat machte die katholische Kirche besonders in Amerika große Fortschritte.

Eine Menge Bistümer und apostolische Vikariate wurden sowohl in der neuen als in der alten Welt entweder unmittelbar von ihm oder durch die Propaganda gegründet. Den vielen Missions-Vikariaten schrieb er die während seiner Regierung vorgekommenen äußerst zahlreichen Konversionen zu. Wie einst Gregor XIII. durch eine japanische Gesandtschaft erfreut wurde, so erhielt Gregor XVI. im Jahre 1831 von Häuptern der katholisch gewordenen Irokesen und Algonkins Zeichen ihrer Ehrfurcht und Dankbarkeit. –

Mitten während seiner gewohnten Tätigkeit starb der Papst nach einer kurzen Krankheit am 1. Juni 1846. „Mit ungewöhnlichen Talenten“, sagt das Diario romano über den Charakter seiner Wirksamkeit, „mit Klugheit und Energie des Charakters, in theologischen Dingen mit außerordentlichen Kenntnissen ausgerüstet, setzte er Alles daran, das Dogma der katholischen Kirche von Neuerungs-Theorien rein zu erhalten und die Grenzen der sichtbaren Ecclesia bis in die äußersten Winkel der bewohnten Erde auszubreiten. Daher seine strengen Proskriptionen von Irrlehren und gottlosen Vereinen, das Interdikt gegen den Sklavenhandel, seine Einsprache gegen die, den Bischöfen jenseits der Alpen angetane Unbill, seine stets helfende Schirmherrschaft für alle des Glaubens halber Verfolgten. Eine seiner Hauptsorgen war, das Institut der Missionen wieder zu beleben; alles Gelingen schien ihm dabei von der Gegenwart von Bischöfen abzuhängen, weshalb neue Bistümer geschaffen wurden etc.“ –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 5, 1888, Sp. 1151 – Sp. 1155

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