Papst Alexander VII. (regierte von 1655-1667)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Zeitalter der Revolutionen

Das Pontifikat von Papst Alexander VII. (regierte von 1655 bis 1667)

Aus dem Konklave ging der Kardinal Fabeo Chigi als Papst Alexander VII. hervor am 7. Mai 1655.

Geboren in Siena aus einer sehr reichen Familie 1599, hatte er sich auf dem gebiet der Wissenschaften wie als Nuntius in Deutschland derart ausgezeichnet, daß ihm sein Vorgänger 1652 den Purpur verlieh. Mit seinen Talenten und Kenntnissen standen Frömmigkeit und Sittenreinheit in vollstem Einklang. Sofort nach der Wahl ließ er das Silbergeschirr, das er als Kardinal besaß, verkaufen und den Erlös für fromme Zwecke verwenden, Gefangenen schenkte er die Freiheit, Schuldnern die Schuld. In den ersten Tagen des Pontifikates ließ er sich einen Sarg anfertigen und ihn in seinem Schlafgemach aufstellen, als eine beständige Mahnung an den Tod und die Nichtigkeit alles Irdischen. Zugleich faßte er den Plan, alle Fürsten zum Kampf gegen den Erbfeind des christlichen Namens, gegen die Türken, zu vereinigen. Blieb diese Idee auch nur ein frommer Wunsch, so unterstützte er doch die Venetianer und den Kaiser in ihren Kämpfen mit den Türken und den Polenkönig im Krieg mit den Schweden.

Von vielen Seiten wurde ihm vorgestellt, es sei unanständig, daß die Verwandten des Papstes in Siena als einfache Bürger lebten, zudem würden die Gesandten fremder Höfe zu einem fremden Minister nie so viel Vertrauen haben wie zu einem Verwandten des Papstes. Als von Gesandten selbst eindringliche Vorstellungen gemacht wurden und die Kardinäle die Frage, ob er sich zum Dienst des apostolischen Stuhles der Verwandten bedienen dürfe, bejahten, rief er die Verwandten herbei und beförderte sie. Sie erlangten aber auf die Regierung geringen Einfluss, da Alexander die Behandlung der wichtigsten Geschäfte des Staates und der Kirche den Kardinal-Kongregationen überließ. Wenn der Papst auch besonders gerne mit den Gelehrten verkehrte und ein besonderer Freund der Literatur war, so hat er doch die kirchlichen Interessen „tätig und umsichtig gefördert“. Bittere Demütigungen hatte der gute Papst von dem „allerchristlichsten König“ Ludwig XIV. zu erdulden. (*) Durch das hochmütige, herausfordernde Wesen des französischen Gesandten kam es zwischen seinem Gefolge einerseits und der päpstlichen Polizei und Leibwache andererseits zu Kämpfen, in welchen ein Diener des Gesandten getötet und mehrere verwundet wurden. Ludwig XIV. ließ dafür die päpstlichen Besitzungen in Frankreich, Avignon und Benaissin, besetzen, den Nuntius über die Grenze schaffen und drohte mit einem Heer nach Rom zu ziehen. Alexander, vom Kaiser Leopold I. wie von Spanien nicht unterstützt, musste sich zu demütigender Abbitte verstehen und die Korsen, die sich hauptsächlich an dem Krawall beteiligt hatten, entfernen.

(*) Es ist oben bemerkt worden, daß dieser Papst dem westfälischen Frieden, der Deutschland ruinierte, entgegen arbeitete. Auf recht unedle Weise suchte sich deswegen der französische König Ludwig XIV. an ihm zu rächen. Der französische Gesandte beim heiligen Stuhl hatte, wie die folgenden Ereignisse klar beweisen, keine andere Aufgabe, als dem Papst das Leben zu verbittern. Der Gesandte mischte sich überall ein und suchte absichtlich Streitigkeiten mit den päpstlichen Beamten und Soldaten. Endlich ließen sich diese hinreißen, die Franzosen anzugreifen, wobei zwei französische Soldaten das Leben verloren. Der Gesandte wies nun jede Genugtuung und jede Vermittlung der europäischen Fürsten und Gesandten zurück, verließ Rom und schrieb von Toskana aus an den heiligen Vater, um ihm die Bedingungen anzugeben, unter denen eine Versöhnung erzielt werden könnte… Endlich musste der Papst im Jahr 1664 einen demütigenden Frieden zu Pisa annehmen. – (Stangl)

Erfreulich für den Papst war die Rückkehr der Königin Christine von Schweden zur katholischen Kirche.

Sie, die Tochter Gustav Adolfs II., des furchtbaren Bedrängers Deutschlands und der Kirche, hatte, wie sie selbst gestand, von Jugend auf Abneigung gegen den Protestantismus.“Ich glaubte nichts von der Religion, in der ich erzogen worden war. Alles, was man mir davon sagte, schien mir Gottes unwürdig.“ Durch eifriges Studium in der Heiligen Schrift – sie lernte selbst Hebräisch – und der Kirchenväter wie durch den Verkehr und die Unterredungen mit den vorzüglichsten Gelehrten ihrer Zeit gewann sie die Überzeugung, daß die katholische die einzig wahre Kirche Christi sei. Das Alter, die Scharen der Märtyrer, die Lehre von der Unfehlbarkeit, die Hochschätzung des Zölibats, diese schimmernde Edelsteine, mit denen die katholische Kirche geschmückt ist, zogen sie mächtig an. Endlich entschlossen, katholisch zu werden, leistete sie auf die Krone Schwedens Verzicht und begab sich nach Belgien. Sie legte am 24. Dezember 1654 im stillen, am 3. November 1655 in Innsbruck öffentlich das katholische Glaubensbekenntnis ab. Auf die Einladung des Papstes begab sie sich nach Italien. Im St. Petersdom fand sie ihre Ruhestätte. Ihr Grundsatz war: „Wie kann man Christ sein, ohne katholisch zu sein?“ Von dieser Überzeugung durchdrungen, hat sie Krone und Reich der Wahrheit zum Opfer gebracht.

Alexander starb, von Alter und Schmerz gebeugt, am 22. Mai 1667. An ihn erinnern die großartigen Kollonaden des Petersplatzes, die er errichten ließ. Sie bestehen aus 284 Säulen und 88 Pfeilern. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 579 – S. 580

Mitten unter diesen Drangsalen, welche über den heiligen Vater kamen, blieb er doch ein standhafter Verteidiger des heiligen Glaubens. Der letzte Papst des vorigen Zeitabschnittes hatte auf seine Totenbett die Bitte und den Wunsch ausgesprochen, man solle die Irrlehre des Jansenismus ausrotten. Diesem Wunsch des seligen Papstes entsprach Alexander und bekämpfte mit allen Mitteln die Irrlehre. Papst Alexander sprach auch den gottesfürchtigen Franzosen Franz von Sales heilig; ferner verordnete er, daß die Verehrung der unbefleckten Empfängnis Mariä allgemein durchgeführt werde, und verbot unter schwerer Strafe, die Lehre der unbefleckten Empfängnis anzugreifen. Auch sandte der heilige Vater drei neu geweihte Bischöfe als Missionare nach China. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 665 – S. 666

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
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