Papst Gregor V. (996-999)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Freiheit und Knechtschaft

Papst Gregor V. (regierte von 996 bis 999)

Der erste deutscher Papst

Seit dem Syrer Zacharias waren in 250 Jahren unter 47 Päpsten nur ein paar nicht aus Rom, aber diese zwei waren wenigstens noch Italiener. Nunmehr war ein deutscher Geistlicher von einem deutschen König auf den päpstlichen Stuhl erhoben worden. Seine Jugend berechtigte zur Hoffnung, er werde sehr lange und auch glücklich regieren. So standen also zwei edle Jünglinge, ein 24-jähriger Papst und ein 16-jähriger Kaiser, an der Spitze der Christenheit, beide aus dem sächsischen Königsgeschlecht. Es schienen darum auch für den päpstlichen Stuhl bessere Tage zu kommen. Gregor selbst war groß durch seine Geburt aus kaiserlichem Geschlecht, groß durch seine erhabenen Geistesanlagen und durch sein tugendhaftes Streben. (1)

(1) Otto III. war auf seinem Marsch nach Rom mit seinem Heer in Ravenna angelangt, als die römische Gesandtschaft aus dem Klerus, dem Senat und dem Volk vor ihm mit der Bitte erschien, er möge ihnen denjenigen bezeichnen, welchen er für den würdigsten des päpstlichen Stuhles halte, um ihn dann wählen zu können. Otto wies auf seinen Kaplan und Vetter Bruno hin, einen Enkel Ottos des Großen, von dessen Tochter Luitgarde. Sein Vater war Herzog von Kärnten gewesen. Bruno wurde tatsächlich gewählt und am 3. Mai als der erste deutsche Papst geweiht. Er nahm den Namen Gregorius an, aus Liebe und Verehrung für Gregor den Großen, den er sich zum Vorbild wählte… er besaß ausgezeichnete Geistesgaben, einen hohen Sinn, strenge Grundsätze, eine gute weltliche Bildung, tiefe Gottesfurcht gepaart mit kindlicher Bescheidenheit. Doch trotz all dieser Vorzüge fand er in Rom wenig Sympathien. Der Nationalstolz der Römer fühlte sich durch die Wahl dieses Ausländers beleidigt. (Hamerle, Bd. II, S. 316)

Wenige Tage nach der Papstwahl zog König Otto III. in Rom ein, und, wie sein Großvater Otto I. von dem 16-jährigen Johann XII., so wurde er, der 17-jährige Jüngling von dem 24-jährigen Verwandten am Christi Himmelfahrtstag den 21. Mai zum Kaiser gekrönt. Sogleich begann der Kaiser dem neuen Statthalter Christi Ruhe zu schaffen dadurch, daß er die Feinde mit Waffengewalt niederwarf. Crescentius wurde in der Engelsburg belagert und endlich gefangen genommen. Der Kaiser wollte ihn streng bestrafen, allein der heilige Vater verwendete sich für den Empörer und erflehte Gnade und Verzeihung vom Kaiser. Diese Milde war eines Papstes würdig; aber nur zu bald solle es offenbar werden, daß der treulose Italiener diese Gnade nicht verdiente.

Sogleich nach dem Abzug des Kaisers Otto begann die Verwirrung wieder von Neuem. Crescentius schloss ein Bündnis mit dem Griechen Philagathos, den die kaiserliche Gnade zum Bischof von Piacenza gemacht hatte. Diese beiden einander würdigen Männer stützten sich auf den Schutz des kaiserlichen Hofes in Konstantinopel. Als im April des Jahres 997 ein Aufstand ausbrach, musste Papst Gregor fliehen und rettete nichts als das bloße Leben. (2) Der Grieche Johannes bemächtigte sich des päpstlichen Thrones und nannte sich Johann XVI., wodurch er sich ebenso undankbar gegen den deutschen Kaiser erwies, als er die Freiheit der Kirche und ihre Ordnung in große Gefahr brachte.

(2) Statt seiner wurde von Crescentius und dem Volk der Erzbischof von Piacenza, welcher den Byzantinern das abendländische Kaisertum zu überliefern versprochen hatte, auf den päpstlichen Thron erhoben… Gregorius verständigte sofort den Kaiser von dem ausgebrochenen Aufruhr und berief ein Konzil in Pavia zusammen. Energische Verordnungen zur Beobachtung der Kirchengesetze wurden erlassen, und namentlich strenge Maßnahmen ergriffen gegen die Bischöfe, welche gegen die kirchlichen Satzungen arge Verstöße sich hatten zuschulden kommen lassen. (Hamerle, S. 316f)

Papst Gregor schlug wegen der herrschenden Unruhen in Rom seine Residenz in Pavia auf. Vertrauend auf sein Recht und auf die Reinheit seiner Sache verlor der heilige Vater den Mut nicht und hielt in Pavia eine Kirchenversammlung, der drei Angelegenheiten zur Verhandlung vorlagen. Die Erzdiözese Reims hatte noch immer die zwei Erzbischöfe, Arnulf und Gerbert. Der letztere war ein Verwandter des deutschen Kaisers und vertrauter Freund des Papstes. Mithin hatte es den Anschein, daß er Recht bekommen würde. Allein die Gerechtigkeitsliebe und der unerschütterliche Mut des Papstes kannten keine Rücksicht. Schon sein Vorgänger auf dem Heiligen Stuhl, Johannes XV., hatte Gerbert, obwohl er ein Freund des Kaisers war, abgesetzt, und auch Gregor urteilte nicht anders. Arnulf erhielt darum im Jahr 997 sein Erzbistum wieder, …

Ebenso streng, wie mit Gerbert, verfuhr Papst Gregor mit König Robert von Frankreich, der seine erste Gemahlin verjagt und ohne kirchliche Erlaubnis eine Verwandte, namens Bertha, die Witwe des Grafen Boso, zur Frau genommen hatte. Er und jene Bischöfe, welche zu dieser unrechtmäßigen Ehe geraten hatten, mussten Genugtuung leisten. Im Jahr 998 belegte der Papst den König mit einer 7-jährigen Buße und setzte mehrere der pflichtvergessenen Bischöfe ab.

Während in Pavia der rechtmäßige Papst Recht und Gerechtigkeit handhabte, den Kirchengesetzen Achtung und Ansehen verschaffte, erreichte in Rom die Unordnung ihren Höhepunkt. Endlich erschien im Dezember des Jahres 997 Kaiser Otto in Pavia. Papst und Kaiser berieten gemeinsam die Maßregeln, welche zu ergreifen waren, um der Kirche den Frieden wieder zu geben. Otto eilte mit dem Papst im Februar des Jahres 998 nach Rom, das ihm bereitwillig die Tore öffnete. Der Gegenpapst suchte seine Rettung in der Flucht, der Tyrann Crescentius in der Engelsburg. Der Flüchtling wurde aber bald eingeholt, noch im Februar desselben Jahres vor eine Kirchenversammlung im Lateran gebracht, aller seiner Würden entsetzt, verstümmelt und endlich ins Gefängnis geworden, wo er durch einen armseligen Tod seine Verbrechen büßte. Man hat dem Kaiser einen Vorwurf daraus gemacht, daß er so streng mit diesem Aufrührer verfuhr; allein die Zustände waren so schlimm geworden, daß jede Mild für Schwäche gehalten werden müsste.

Nun war noch Crescentius übrig. Als sich dieser in seiner Engelsburg nicht mehr sicher wusste, eilte er in das Lager des Kaisers, um von ihm Gnade und Verzeihung zu erflehen. Aber der Kaiser ließ ihn in die Festung zurückjagen, wo er mit allen seinen Anhängern in die Kriegsgefangenschaft geriet. Sein Los war damit endgültig entschieden. Er wurde mit zwölf Rädelsführern am 29. September des Jahres 998 enthauptet.

Nachdem die Urheber der Unordnung, Crescentius und Philagathus, ihren Lohn empfangen hatten, konnte Papst Gregor endlich in Ruhe seine ganze Sorge dem Wohl der allgemeinen Kirche weihen. Da Gerbert das Bistum Reims an Arnulf abtreten musste, so entschädigte ihn der Papst im April des Jahres 998 mit dem Erzbistum von Ravenna. Er übertrug ihm sogar die bürgerliche Gewalt und die Verwaltung der Einnahmen jener Stadt, die dem Heiligen Stuhl zugehörte. Dadurch vereitelte er auf eine recht kluge Weise den Wunsch des deutschen Kaisers, Ravenna in Besitz zu nehmen. Der Papst weihte Harduin zum Erzbischof von Cambray und nahm die Güter dieser Kirche in seinen besonderen Schutz. Er hatte die trefflichsten Männer seiner Zeit zu Freunden, so den Erzbischof Willigis von Mainz, den gelehrten Gerbert, Erzbischof von Ravenna, den Bischof Bernward von Hildesheim, den Abt Abbo von Fleury und Notger von Lüttich. Dem Kloster Clugny in Frankreich bestätigte der heilige Vater alle Besitzungen, das freie Wahlrecht, die Befreiung von der bischöflichen Gerichtsbarkeit und das Recht der Ordensmitglieder, sich von jedem beliebigen Bischof die Weihen erteilen zu lassen.

So gewann der Papst die Achtung und die Liebe aller. Es ist darum nur zu beklagen, daß der unerbittliche Tod diesem teuren Leben ein so schnelles Ende bereitete. Wie Großes hätte dieser Papst wirken können, wenn ihm ein langes Leben beschieden gewesen wäre. 26 Jahre alt starb der unermüdliche Papst, nachdem er kurz zuvor noch eine Kirchenversammlung in Rom abgehalten hatte, plötzlich am 18. Februar des Jahres 999 und zwar, wie zwei alte Schriftsteller berichten, eines gewaltsamen Todes. Seine Weisheit und Festigkeit waren seinem Alter weit vorausgeeilt. Er verdient es, unter die glänzendsten Sterne am Firmament der Kirche gezählt zu werden. Obwohl mit den Sorgen der allgemeinen Kirche bis zum Erdrücken beschwert, vernachlässigte er seine geistlichen Aufgaben nie. Wenn er in Rom lebte, predigte er häufig in drei Sprachen. Die Armen waren seine Freunde, von denen er jeden Samstag zwölf kleidete und speiste. Seine irdischen Überreste ruhen in den Grüften von St. Peter in Rom in einem marmornen Sarg, der eine einfache Inschrift trägt. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 366 – S. 369

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