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Otto III. deutscher Kaiser

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Otto III., deutscher Kaiser

Otto III. 983 bis 1002. Beim Tode des Vaters (Otto II.) erst 3 Jahre alt, wurde Otto unter der Regentschaft von Adelheid und Theophanu sowie Willigis von Mainz durch seine griechischen und römischen Bildung heimischer Art entfremdet. Die eigentliche Erziehung lag in der Hand des Bischofs Bernward von Hildesheim und des Griechen Johannes von Nonantula. 994 erreichte die Vormundschaft ihr Ende. Schon 996 zog Otto, von Brun v. Querfurt begleitet, auf den Hilferuf des durch Crescentius bedrängten Papstes Johannes XV. nach Italien. Nach Johanns Tod veranlasste Otto die Wahl seines Vetters Brun zum (ersten deutschen) Papst (Gregor V.), der Otto Mai 996 zum Kaiser krönte.

Schon auf diesem Italienzug trat Otto dem Gerbert von Aurillac und dem hl. Adalbert nahe, durch den letzteren auch der mystisch-aszetischen Richtung. Die kirchliche Reformpartei, mit Gregor V. in den Besitz der päpstlichen Würde gekommen, nahm die universale Politik wieder in vollem Umfang auf.

Auch der von Otto nach Gregors Tod 999 zum Papst erhobene Gerbert (Silvester II.) setzte sie fort, während der Kaiser gleichzeitig auf seinem 2. Römerzug (998 bis 999) eine ausgesprochen imperiale Richtung einschlug: in Anknüpfung an die Mittelmeerpläne des Vaters und an die karolingische Politik suchte Otto Deutschland und Italien zu einem Reich zu verschmelzen, ja er zielte auf eine völlige Wiederherstellung des alten römischen Reiches ab mit Rom als Mittelpunkt und Residenz (vgl. Mél ArchHist 1905, 349ff).

An Stelle des bisherigen Kampfes gegen die Slawen nahm Otto eine völlig veränderte Haltung ein: er wallfahrte zum Grab seines als Blutzeugen gefallenen Freundes Albert in Gnesen, wo er ein Erzbistum mit den Suffragetten-Bistümern Breslau, Krakau und Kolberg stiftete. (1) So wurde Polen aus der kirchlichen Oberhoheit Magdeburgs gelöst, während sich gleichzeitig Ungarn dem deutschen Einfluss entzog (Errichtung des Erzbistums Gran). In Aachen ließ Otto das Grab Karls d. Gr. öffnen. Durch Aufstände wurde er im Jahr 1000 nach Italien und Rom gerufen, vor dessen Toren, in Paterno am Fuß des Sorakte, er 23.1.1002 unvermählt starb. Seine Leiche wurde in Aachen bestattet.

Wenn auch Otto dem Zauber Roms erlag, so nahm er doch schon Ideen vorweg, wie sie erst ein halbes Jahrtausend später in der Renaissance wieder auflebten. Der „Phaeton der deutschen Geschichte“, ist Otto an der Unvereinbarkeit seiner idealen Ziele mit der Wirklichkeit gescheitert. Er war ungemein begabt, dazu systematisch für seinen Beruf herangebildet; doch zeigten sich schon bald Überspitzungen und Übersteigerungen in der Politik des Kaiserjünglings.

Zwischen Extremen hin und her schwankend, bekundete er bald Neigung zum Leben eines Büßers und Mönches, bald zur glänzendsten Hofhaltung. Auch seine an sich echte und tiefe Frömmigkeit hat einen ungesunden, phantastischen Zug. Eine zweckmäßige Ordnung seiner Pflichtenkreise lag ihm fern. So endete seine Regierung mit einer Katastrophe, sein Leben in Tragik. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII., 1935, Sp. 840 – Sp. 841

(1) Otto III. machte auch eine Wallfahrt zum Grab seines verstorbenen Freundes anfangs des Jahres 1000. In der Nähe des Ortes, wo der heilige Märtyrer ruhte, stieg Otto III. vom Pferd, legte die Stiefel ab und wallte barfuß hin zur Ruhestätte des Heiligen. Weinend verrichtete er dort seine Andacht. (Hamerle, Bd. II, S. 318)

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