Apollinaris der Jüngere

  1. Start
  2. Irrlehren
  3. Apollinaris der Jüngere

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Apollinaris der Jüngere

Apollinaris der Jüngere, Sohn des Apollinaris des Älteren, * um 310 zu Laodicea, hier später Lektor und schließlich Bischof. Ein Mann von außerordentlicher Gelehrsamkeit und tadellosen Sitten, von Heiden und Christen geschätzt, mit Athanasius befreundet, von Epiphanius als Häretiker noch mit Hochachtung genannt; erwarb sich große Verdienste durch Bekämpfung des Arianismus, wurde aber mit ihm selbst nicht ganz fertig; er überwand zwar dessen theologischen (trinitarischen), nicht aber dessen christologischen Irrtum.

Lehre. Apollinaris verteidigte entschieden die wahre Gottheit des Logos, ließ jedoch anfangs wahrscheinlich ganz wie Arius den Logos an die Stelle der menschlichen Seele überhaupt, bald aber, an die platonische Trichotomie sich anschließend, an die Stelle der vernünftigen Seele getreten sein. Der Logos habe zwar den menschlichen Leib und die menschlich unvernünftige Seele, nicht aber die vernünftige Seele oder den geist angenommen; an Stelle des letzteren sei er selbst getreten. Apollinaris fürchtete nämlich, mit der Annahme (…) des in ihm wurzelnden freien, selbstmächtigen Willens würde sowohl die Einpersönlichkeit als auch die Sündelosigkeit des Erlösers und damit auch unsere Erlösung gefährdet. Zwei vollständige Wesen könnten nicht eines werden: (…). Hätte sich also in Christus die vollkommene Gottheit mit der vollkommenen Menschheit verbunden, dann wären es 2 Söhne Gottes, ein natürlicher und ein angenommener, und wir wären nicht von Gott, sondern von einem Menschen, d. h. gar nicht erlöst (ontologischer Grund; falscher Persönlichkeits-Begriff). Ferner wäre mit (…) veränderlichen freien Willen im Erlöser die Möglichkeit und Wirklichkeit der Sünde gegeben (…), und damit wäre unsere Erlösung abermals ausgeschlossen (ethischer Grund; falscher Begriff der Wahlfreiheit). Als Schriftbeweis diente ihm hauptsächlich Joh. 1, 14 (…) und Phil. 2, 7 (Christus sei den Menschen nur ähnlich geworden)…. –

Der Irrtum wurde durch das Konzil zu Alexandria 362, durch die römischen Synoden 374, 376 und 380 und durch das 2. allgemeine Konzil zu Konstantinopel 381 verworfen und durch Athanasius, die 3 großen Kappadokier (namentlich Gregor von Nyssa), Epiphanius und besonders durch die Antiochenische Schule (Diodor, Theodor von Mopsuestia und Theodoret) auch wissenschaftlich zurück gewiesen. Apollinaris trat um 375 aus der Kirchen-Gemeinschaft aus und weihte bald darauf Vitalis zum Bischof von Antiochien. Nach des Apollinaris Tod (um 390) spalteten sich die Apollinaristen in 2 Parteien: in Anhänger des Polemon (Polemius) und seines Schülers Timotheus, Bischofs in Berytus, Verfassers einer verloren gegangenen Kirchengeschichte, und in Anhänger des Bischofs Valentin. Dieser lehrte übereinstimmend mit Apollinaris, daß das Fleisch durch die Vereinigung göttlich geworden sei, während erstere behaupteten, daß es auch Gott (…) geworden sei. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 544 – Sp. 545

Buch mit Kruzifix
Eutyches
Buch mit Kruzifix
Unitarier

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Synode von Pisa

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Synode von Pisa (1409) Von den Synoden ist die von 1409 die bedeutendste. Enttäuscht und verärgert über das unschlüssige, widerspruchsvolle Verhalten Gregors XII. und des Gegenpapstes Benedikt XIII. in der Unionsfrage, entschlossen sich die…
Buch mit Kruzifix

Aschermittwoch

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Aschermittwoch Aschermittwoch (feria IV cinerum), der Mittwoch vor dem 1. Fastensonntag. Mit ihm begann im 7. Jahrhundert, vielleicht schon in den letzten Jahren Gregors des Großen, die Fastenzeit, daher kam für den Aschermittwoch der…
Buch mit Kruzifix

Menander

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Menander Menander (Menandros), gnostischer Sektenstifter, *zu Kapparetäa in Samarien, Schüler Simons des Magiers, von dem er jedoch in der Auffassung von der Erlösung (Unsterblichmachung durch die ihm eigene Taufe) und in der Ablehnung des…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rippel, Anton Gregor Rippel, Anton Gregor, Kontroversist, eine Stütze der älteren Restaurations-Bewegung im deutschen Katholizismus, * 10.6.1681 in Schlettstadt, † 6.1.1729 zu Fessenheim (Unterelsaß); 1700-15 Jesuit, seit 1719 Pfarrer von Fessenheim mit Filiale Nordheim.…
Buch mit Kruzifix

Aufklärung

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Aufklärung Aufklärung als geschichtliche Erscheinung ist die theoretische und praktische Tendenz, von der christlichen Offenbarung und Kirche und allem, was mit ihr zusammen hängt, als einer „Verfinsterung des Geistes“ sich frei zu machen und…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Waldenser

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Waldenser Waldenser, auch Waldesier, mittelalterliche Sekte, benannt nach ihrem Stifter Waldes (Valdus, Valdesius) – der Vorname Petrus wird erst 1368 erwähnt – aus Lyon. Nach den sich ergänzenden Berichten im Chronicon universale anonymi Laudunensis (MGSkript XXVI 444ff) und bei Stephan von Bourbon (Tractatus de VII donis Spiritus Sancti c.…
Buch mit Kruzifix

Eudoxius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudoxius Eudoxius, einflußreicher arianischer Bischof, * ca. 300 zu Arabissus (Kappadokien), † 370 als Bischof von Konstantinopel. Wahrscheinlich in der antiochenischen Schule gebildet (lucianischer Einfluß), wurde Eudoxius nach 330 Bischof von Germanicia, nahm als Anhänger der eusebianischen Partei an den Synoden von Antiochien 341, Sardica 343, wohl auch Sirmium…
Buch mit Kruzifix

Doketen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Doketen Doketen, zusammenfassender Name für einen vielgestaltigen christologischen Irrtum. Gemeinsam ist den Doketen der Ausgangspunkt: Die Materie ist böse, Ursache der Sünde, kann deshalb nicht in hypostatischer Verbindung mit dem Sohn Gottes treten. Aus Irenäus ergibt sich für das Ende des 2. Jahrhundert ein vierfache Form der Irrlehre: 1)…
Buch mit Kruzifix

Hus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hus Hus, Jan, tschechisch-nationalkirchl. Vorkämpfer, * um 1370 zu Husinec (wovon sein Name), 1393 Baccalaureus in artibus, 1394 in theol., 1396 Magister in artibus, 1401-02 Dekan der philosophischen Fakultät, im Wintersemester 1402/03 Rektor der Universität in Prag und eifriger Förderer der seit König Karl wachsenden tschechischen Bewegung; seit 1400…
Buch mit Kruzifix

Ekthesis

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ekthesis Ekthesis, Glaubenserklärung des Kaisers Heraklius vom Jahre 638, vom monotheletischen Patriarchen Sergius I. von Konstantinopel verfaßt. Sie behauptet einen Willen in Christus und verbietet, von einer oder zwei Energien zu sprechen, weil beide Ausdrücke sich häretisch deuten lassen. 2 Synoden zu Konstantinopel 638 und 639 bestätigten die Ekthesis,…
Buch mit Kruzifix

Jovinian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jovinian Jovinian, Irrlehrer, † vor 406. Zuerst Aszet, kam bald nach 385 nach Rom und warb durch Wort und Schriften (nicht mehr erhalten) für seine neuen Ideen. Nach der Darstellung seiner Gegner lehrt er: Unterschiedslosigkeit des jungfräulichen, Witwen- und Ehestandes vor Gott; Wertlosigkeit des Fastens; Heiligung sei bloße Bewahrung,…
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner