A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Sodomie

Sodomie oder sodomitische Sünde (auch stumme Sünde genannt)

Sodomie (sodomia, Homo-Erotismus, Uranismus; bei Männern auch Knabenliebe, Pädophilie, Päderastie, bei Frauen Tribadismus, Lesbische Liebe, Sapphismus genannt) besagt geschlechtliche Hinneigung zum gleichen Geschlecht, manchmal verbunden mit Kälte, ja Widerwillen gegen das andere Geschlecht. Sie ist in sich Widernatur (Jud. 7), weil den Hauptzweck des Geschlechtsverkehrs, der Erhaltung der Art, zuwider. Daher ist Sodomie soweit freiwillig, schweres sittliches Vergehen, „himmelschreiende“ Sünde, in der Hl. Schrift als Gräuel (Lv. 18,22), als todeswürdig (Lv. 20,13), als widernatürliche Verirrung (Röm. 1, 26f), als der gesunden Lehre widerstreitend (1. Tim. 1,10f) gekennzeichnet und an Sodoma und Gomorrha mit Vernichtung durch Feuer und Schwefel bestraft (Gn. 19, 24).

Die Sodomie tritt bei Natur- wie bei Kulturvölkern auf, aber, abgesehen von Verführung, zumeist als Folge bestimmter äußerer Umstände, mit deren Aufhören sie verschwindet. An 1. Stelle steht da das lange abgeschlossene Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Personen in Erziehungsanstalten, Kasernen, Schiffen, Gefängnissen, Arbeitslagern u.ä. Auch der noch nicht deutlich entwickelte Geschlechtssinn von Jugendlichen kann vorübergehend zu Sodomie führen. Ein Zeichen sittlichen Verfalls ist es, daß man die Sodomie als normal, als eine andere Art des berechtigten Geschlechtssinnes, die Sodomiten (Urninge) als ein“drittes Geschlecht“ bezeichnen konnte.

Demgegenüber gilt der allgemein sittliche Grundsatz, daß eine angeborene Anlage und leidenschaftliche Neigung nur dann von der persönlichen Verantwortung entbindet, wenn sie als völlig unwiderstehlicher Zwang auftritt, sonst aber Verantwortung und Sünde höchstens mindert, nicht aufhebt. Der Trieb zur Sodomie, wäre er selbst offenbar angeboren, hebt an sich die Freiheit und Verantwortlichkeit nicht auf; um so weniger lässt sich Sodomie auch in anderen Fällen als nicht anrechenbar oder gar als sittlich indifferent bezeichnen.

Die Agitation für Abschaffung der strafgerichtlichen Verfolgung der Sodomie geht aus teils von der unsittlichen Annahme, Sodomie sei unanrechenbar, ja zulässig; teils von der Schwierigkeit der Strafverfolgung, besonders aber von der Gefahr, daß Sodomie leicht zu Erpressungs-Versuchen missbraucht wird. Die Beseitigung der Strafbestimmungen in Staaten, wo sie bisher bestehen, müsste unheilvoll sich auswirken und im Volk den Glauben erwecken, als sei Sodomie auch sittlich einwandfrei. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, Sp. 130 – Sp. 131

Anmerkung: Der Text ist in dem Kirchenlexikon unter dem Begriff „Homosexualität“ zu finden. Dieses Wort haben wir durch den Begriff Sodomie“ ersetzt. Im Band IX findet sich das Stichwort Sodomie, das auf den obigen Text unter dem Begriff „Homosexualität“ verweist.

Buch mit Kruzifix
Otto II.
Buch mit Kruzifix
Luitprand von Cremona

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Llorente Llorente, Johann Anton, der Repräsentant der Aufklärung unter dem spanischen Klerus an der Wende des 18. Jahrhunderts, ward aus einer adeligen Familie Aragoniens am 30. März 1756 geboren, studierte das weltliche und kanonische…
Buch mit Kruzifix

Investiturstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Investiturstreit Investiturstreit, der Streit um die Frage, wer in die kirchlichen Stellen, besonders die höheren, zu investieren, sie durch symbolische Verleihung zu besetzen habe. Nach altem römischen Kirchenrecht ging der Bischof aus der Wahl…
Buch mit Kruzifix

Maria Theresia

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Maria Theresia Maria Theresia, röm.-deutsche Kaiserin, * 13.5.1717, † 29.11.1780 zu Wien; trat als älteste Tochter Kaisers Karls VI. († 20.10.1740) auf Grund der pragmatischen Sanktion die Regierung der österreichischen Erblande an. Ihren Gemahl…
Buch mit Kruzifix

Oströmisches Reich

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Oströmisches Reich oder Byzantinisches Reich Die östliche Hälfte des römischen Reiches nach dessen endgültiger Teilung 395, die im Verlauf der Geschichte den Gegensatz zwischen der germanisch-romanischen und der griechisch-slawischen Welt zur Folge hatte. Das…
Buch mit Kruzifix

Josephinismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Josephinismus Joseph II., röm.-deutscher Kaiser 1765 bis 90 * 13.3.1741 in Wien, † 20.2.1790 ebd.; deutscher König seit 27.3.1764, seit 1765 Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, 1780 Alleinregent in den österreichischen Erblanden. Praktizierender Katholik,…

Weitere Lexikon-Beiträge

Es wurden keine Ergebnisse gefunden, die deinen Suchkriterien entsprechen.