Lexikon für Theologie und Kirche
Stichwort: Seleukiden
Seleukiden, die vom Makedonier Seleukus I. Sohn des Antiochus und Heerführer Alexanders d. Gr., begründete Diadochen-Dynastie. Seleukus I. Nikator, erhielt 321 vom Reichsverweser Antipater die Satrapie Babylonien, floh, Nachstellungen des herrschsüchtigen Antigonus fürchtend, 316 nach Ägypten zu Ptolemäus I, siegte 312 bei Gaza über des Antigonus Sohn Demetrius und kehrte nach Babylonien zurück. Von da an datiert die seleukidischen Ära, beginnend mit dem 1. 10. 312 (nach griech. Kalender). Seleukus unterwarf nach und nach das ganze obere Asien bis zum Indus und Jaxartes, erhielt infolge der Entscheidungsschlacht bei Ipsus 301, in der Antigonus fiel, Syrien, durch den Sieg über Lysimachus 281 auch einen großen Teil des westlichen Kleinasiens. Er übergab 281 die Regierung seinem Sohn Antiochus I., setzte 280 nach Europa über und wurde von Ptolemäus Keraunus ermordet. Seleukus suchte hellenistisches Wesen nach dem Osten zu verpflanzen; daher gründete er zahlreiche Städte, darunter Seleukia am Tigris und Antiochia am Orontes.
Auf Antiochus I. Soter 281 bis 261 folgte dessen Sohn Antiochus II. 261 bis 246, diesem sein älterer Sohn aus der Ehe mit Laodike, Seleukus II. Kallinikus 246 bis 226. Die Ermordung seiner Stiefmutter Berenike und ihres Sohnes Antiochus veranlaßte den Rachezug ihres Bruders Ptolemäus III. Euergetes; zugleich bedrohte Attalus v. Pergamon die syrische Herrschaft in Kleinasien. Nach unglücklichem Treffen gegen Attalus starb Seleukus auf der Flucht. Von seinen beiden Söhnen regierte der ältere als Seleukus III. Keraunus 226 bis223, der in Phrygien einer Verschwörung zum Opfer fiel, der jüngere als Antiochus III. d. Gr. 223 bis 187.
Dessen Sohn und Nachfolger Seleukus IV. Philopator 187 bis 175 erscheint 2. Makk. 3,3 als Landesherr Palästinas. Schwere Finanznot infolge der im Frieden von 188 seitens Roms auferlegten Kriegskostenraten bewog ihn zu Erpressungen und brachte ihn in Konflikt mit dem jüdischen Staat (vl. 2. Makk. 2, 6ff); er endete durch das Gift Heliodor’s. Es folgte sein jüngerer Bruder Antiochus IV. Epiphanes 175 bis 164. Dessen Sohn Antiochus V. Eupator 164 bis 162, wurde durch Philopators Sohn Demetrius I. Soter 162 bis 150 beseitigt. Dieser fiel im Kampf gegen den Prätendenten Alexander Balas 150 bis 145, der seinerseits dem Sohn Soters, dem Demetrius II. Nikator 145 bis 138 unterlag. Diesem machte Diodotus, genannt Tryphon, ein Feldherr des Alexander Balas, für dessen unmündigen Sohn Antiochus VI. Epiphanes Dionysus die Herrschaft streitig, die er nach Beseitigung seines Schützlings (141) selbst an sich riss.
Nachdem Demetrius II. in parthische Gefangenschaft geraten war, setzte sein Bruder Antiochus VII. Sidetes den Kampf gegen Tryphon fort, der, schließlich überwunden, 138 sich selbst das Leben nahm. Antiochus VII. starb 129 auf einem Zug gegen die Parther. Der zurück gekehrte Demetrius II. herrschte nun zum zweiten Mal 129 bis 125. Gegen ihn stellte Ptolemäus Physkon den Alexander Zabinas auf, einen angeblichen Sohn des Alexander Balas. Demetrius wurde ei Damaskus besiegt und in Tyrus ermordet,s ein älterer Sohn und Nachfolger Seleukus V. 125 kurz nach seinem Regierungsantritt auf Veranlassung seiner Stiefmutter Kleopatra beseitigt.
Der jüngere, Antiochus VIII. Grypus 125 bis 113, besiegte den falschen Alexander Alexander und ließ ihn 122 hinrichten. Zeitweilig von seinem Vetter Antiochus IX. Kyzikenus verdrängt, kehrte er 111 zurück und entriss diesem das Herrschaftsgebiet außer Cölesyrien. So war das Reich geteilt, und die beiden bekämpften sich. Nach Antiochus‘ VIII. Tod 96 vererbten sich Reich und Ansprüche auf seinen ältesten Sohn Seleukus VI. Er besiegte 95 bei Antiochia den Kyzikenus, der sich selbst den Tod gab.
Die 5 Söhne des Grypus (Seleukus VI., Antiochus XI., Philippus, Demetrius III. Eukärus, Antiochus XII.) und Antiochus X. Eusebes bekämpften sich fast ununterbrochen, bis König Tigranes v. Armenien 83 das syrische Reich eroberte. Durch Lukullus 69 besiegt, überließ er Syrien dem Antiochus XIII. Asiatikus, dem Sohn des Antiochus X. Er war der letzte der Seleukiden. Im Jahr 64 machte Pompejus Syrien zur römischen Provinz. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 446 – Sp. 447