Papst Stephanus über die Ketzertaufe

Zur Zeit der Päpste der Katakomben: Taufe in einer Katakombe; Eine Frau wird vom Priester getauft, während Taufzeugen knien

Der hl. Bischof Cyprian im Streit mit dem Papst

Der heilige Papst Stephanus über die Ketzertaufe

Allenthalben machte dieser Papst seine oberhirtliche Autorität geltend, die er vom hl. Petrus als dessen Nachfolger herleitete. In Gallien wie in Spanien, in Afrika wie in Kleinasien, übte er seine apostolische Gewalt aus. Von ihm berichtete Dionysius, der große Bischof von Alexandrien, daß er den alten Ruhm des Römischen Stuhles in der Sorgfalt für die geistlichen und leiblichen Bedürfnisse auch der entferntesten Kirche bewährte. Am berühmtesten ist Stephanus geworden durch seine energische Stellung, die er im Streit über die Ketzer-Taufe einnahm und die Entscheidung, die er in dieser Frage getroffen. Die Lehre der Kirche, für die Stephanus eintrat, ist, daß auch die Taufe der Irrlehrer und Ketzer gültig sei, wenn sie nach der Anordnung Jesu Christi auf den Namen der Heiligen Dreieinigkeit taufen. Cyprian bestritt dies und erklärte die Taufe der Ketzer für ungültig. Auf Synoden wurde in Afrika und Kleinasien in diesem Sinn entschieden. Stephanus aber hielt im vollen Bewusstsein seines Primates – obersten Hirtenamtes – sich auf die Nachfolger des hl. Petrus berufend, die römische Überlieferung fest und verwarf die entgegen stehenden Synoden-Beschlüsse. Cyprian kam bei diesem Streit in eine schiefe Stellung zum Oberhaupt der Kirche und zu seinen früher klar ausgesprochenen Lehren. Er hatte Rom als „die Hauptkirche“ erklärt, „aus welcher die Einheit des Priestertums entsprungen ist“ (Epist. 59, Kap. 4), als „die Mutter und Wurzel der katholischen Kirche“ (Epist. 48, Kap. 3). Sie ist nach ihm von Christus auf Petrus gegründet, um der Einheit willen. (Epist. 70, Kap. 3) „Der Glaube der Römer“, schreibt er ferner, „ist vom Apostel (Paulus) belobt worden und Verderbnis des Glaubens kann bei ihnen keinen Zugang finden.“ (Epist. 59, Kap. 14)

Trotz dieser so klar ausgesprochenen Lehre, daß man sich Rom unterwerfen, mit ihm eins sein müsse und daß Rom nicht irren könne, widerstand Cyprian dem Papst. Cyprian, der gelehrte Bischof von Karthago, hatte geirrt mit seiner Ansicht von der Ketzer-Taufe; Stephanus, der Papst, hat das Richtige festgehalten. Man ersieht aus dem Vorfall wieder, wie schwer es ist, einer klar erkannten und ausgesprochenen Wahrheit zu folgen, wenn sie das Aufgeben einer eingewurzelten Ansicht oder Neigung fordert. Daß Cyprian, nach der feierlichen Entscheidung Stephans im Widerstand verharrte, wie die Gegner des Papsttums es so gerne haben möchten, kann nicht erwiesen werden. Wohl aber zeigt das weitere Betragen des edlen Bischofs, daß er sich nicht vom Papst trennte, sondern immer in der Verbindung mit der römischen Kirche verblieb. Wir ersehen dies daraus, daß er in den besten Beziehungen zum Nachfolger Stephans, den hl. Sixtus II. stand. Zudem löschte er den Fehler durch sein Blut aus, das er in mutigen Bekenntnis des Glaubens vergoß. Unter Kaiser Valerian verhaftet, rief er bei Verkündigung des Todesurteils: „Deo gratias“. Die zahlreich um ihn versammelten Gläubigen gerieten in heftige Aufregung und riefen: „Wir wollen mit ihm den gleichen Tod teilen!“ Auf der Richtstätte angekommen, legte Cyprian seine Oberkleider ab, verband sich selbst die Augen und ließ dem Henker fünfundzwanzig Goldstücke übergeben. Heldenmütig empfing er hierauf den Todesstreich (14. September 258). Cyprian wird daher nicht bloß als Heiliger verehrt, sondern auch im Kanon der Heiligen Messe genannt. Noch vor ihm erlitt Stephanus, nachdem er die wahre Lehre mutig verteidigt und zur Geltung gebracht hatte, während der Verfolgung durch Kaiser Valerian den Martertod (257) wie sein Nachfolger. –
Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, I. Band, 1907, S. 121 – S. 122

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