Papst Benedikt VI. (973-974)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Freiheit und Knechtschaft

Papst Benedikt VI. (regierte 973-974)

Ein Römer von Geburt und Sohn des angesehenen Bürgers Hildebrand, wurde in Gegenwart der kaiserlichen Gesandten am 19. Januar des Jahres 973 auf den Heiligen Stuhl erhoben. Nach den übereinstimmenden Zeugnissen seiner Zeitgenossen war er auch vollauf würdig, das höchste Ehrenamt in der Christenheit zu erlangen, regierte nur ein Jahr und fünf Monate. Er bestätigte sofort die Vorrechte der erzbischöflichen Kirchen von Salzburg und Trier. (Stangl, S. 360)

Kaiser Otto I. der Große

Unter ihm starb Kaiser Otto I., der mit Recht den Namen des Großen führt; denn wahrhaft Großes hat er für Deutschland und auch für die Kirche geleistet. Den beklagenswerten Schritt, dessen er sich durch Aufstellung eines Gegenpapstes gegen den immerhin mit Recht übel beleumundeten, aber nichtsdestoweniger rechtmäßigen Papst Johannes XII. zuschulden kommen ließ, hatte er durch seinen Eifer für Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung in der Kirche, durch Förderung und Verbreitung des Glaubens unter den slawischen Völkern, durch Gründung von Bistümern und Klöstern, durch den Schutz des hart verfolgten Papstes Johannes XIII. wieder gut gemacht. Unter andern hat uns die Geschichte einen eines christlichen Kaisers würdigen Zug aufbewahrt. In der äußersten Bedrängnis den aufrührerischen Großen des Reiches gegenüber verlangte einer seiner Vasallen für treues Aushalten die Abtei Lorch. Hochherzig erwiderte Otto im Angesicht der Gefahr: „Was heilig ist, darf man nicht den Hunden vorwerfen; dieses Kloster ist den Priestern und den Armen geweiht. Willst du mich verlassen, so gehe nur gleich.“ Tief beschämt stürzte der Vasall nieder und gelobte ewige Treue. Ein anderer rührender Zug dieses großen Kaisers ist die innige Liebe zu seiner Mutter Mathilde, obschon sie mehr dem Bruder Ottos, Heinrich, zugetan war.

Diese heilige Frau lebte nach dem Tod ihres Gemahls Heinrich I. im Kloster Nordhausen, einzig nur mit Werken der Nächstenliebe und Frömmigkeit beschäftigt. Als eines Tages gegen den Abend ihres Lebens Otto bei ihr auf Besuch war, legte diese in Ahnung ihres baldigen Todes ihm noch ihre Stiftungen ans Herz. Unter Weinen sagten sie sich Lebewohl, während auch die Umstehenden in Tränen ausbrachen. Nachdem der Kaiser sein Pferd bestiegen hatte, kehrte Mathilde in die Kirche zurück, kniete an der Stelle, wo Otto die heilige Messe gehört hatte, nieder und küsste weinend die Fußstapfen ihres Sohnes. Als dieses dem Kaiser mitgeteilt wurde, sprang er vom Pferd, eilte in die Kirche, kniete vor seiner Mutter nieder und brach in die Worte aus: „O verehrungswürdige Frau und Mutter, wie kann ich jemals diese Tränen bezahlen!“

Nach einem mühevollen und tatenreichen Leben ereilte ihn der Tod am 7. Mai 973 zu Memleben. Am frühen Morgen besuchte Otto noch die heilige Messe und teilte dann nach seiner Gewohnheit Gaben unter die Armen aus; am Mittag erschien er zu der bestimmten Zeit heiter und vergnügt bei der Tafel, dann besuchte er die Vesper; gegen Schluss derselben, beim Magnifikat, fühlte er sich unwohl, von Fieber geschüttelt, musste er von den umstehenden Fürsten unterstützt, auf eine Bank sich niederlassen. Er fühlte das Herannahen seines Endes und verlangte die heiligen Sterbesakramente. Nachdem er sie in tiefer Andacht empfangen, gab er ruhig und still, ohne einen Todesseufzer, seinen Geist auf. (1)

(1) Die lateinische Grabschrift am Grabe dieses großen Kaisers lautet in deutscher Übersetzung: „König und Christ war er und der Heimat herrlichste Zierde – – den hier der Marmor bedeckt; dreifach beklagt ihn die Welt“.

Am folgenden Tag wurde sein Sohn Otto II., der bereits vom Papst die Krönung zum Kaiser erhalten hatte, zum König und Kaiser ausgerufen. Nachdem die Parteihäupter in Rom die Nachricht vom Tode Ottos I. vernommen und seinen Sohn in Deutschland beschäftigt sahen, erhoben sie sich mit Crescentius, einem Sohn der berüchtigten Theodora der Jüngeren, und dem ehrgeizigen Kardinal Franko an der Spitze, gegen die bestehende Ordnung. (Hamerle, S. 311 – S. 312)

Der Tod des Papstes Benedikt VI.

Nur die Furcht vor Kaiser Otto hatte die empörerischen Häupter bisher noch nieder gehalten. Nun war der kräftige Arm im Tod erlahmt. Sogleich erhob sich Graf Crescentius, bemächtigte sich der höchsten Gewalt und verstand es, die Abneigung der angesehensten Römer gegen die Deutschen zu benützen, um seinen Anhang zu verstärken. Der edle Papst widerstand zwar seinen Absichten, aber Crescentius warf ihn in das Gefängnis, wo er ihn im Juni des Jahres 974 erdrosseln ließ.

Zum Helfershelfer hatte der ruchlose Tyrann den mit ihm verwandten, verkommenen römischen Diakon mit Namen Bonifatius Franko. Dieser hatte die Gewissenlosigkeit, sich an die herrschende Partei anzuschließen, um seinen Ehrgeiz zu befriedigen. Er bemächtigte sich nach dem Tode des Papstes noch im Juni des Heiligen Stuhles und wollte unter dem Namen Bonifatius VII. als Nachfolger des heiligen Petrus gelten. Dabei beraubte er in schamloser Weise die Gräber der Apostelfürsten ihres Schmuckes. Das rief im römischen Volk, welches doch noch besser gesinnt war als der entartete Adel, einen so großen Unwillen hervor, daß Crescentius sich schon im Juli flüchten musste. Er nahm seine Zuflucht zu den Ränke süchtigen Griechen in Konstantinopel, die stets bereit waren, den Papstfeinden Unterstützung zu gewähren.

Das Verhalten des unrechtmäßigen Papstes Bonifatius war so empörend, daß die römische Geistlichkeit und das Volk schon nach einem Monat sich versammelte und unter Leitung der kaiserlichen Gesandten Benedikt VII. aus der Familie der Grafen von Tusculum und bisher Bischof von Sutri im Oktober des Jahres 974 zum obersten Hirten der Christenheit erwählte. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 360 – S. 361

Category: Papsttum, Stangl
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