Das Kreuz und der Halbmond
Der heilige Papst Pius V. (regierte von 1566-1572)
Auf nachdrückliches Betreiben des hl. Karl Borromäus wurde der Kardinal Michael Ghislieri am 7. Jänner 1566 zum Papst gewählt und nahm den Namen Pius V. an. Er stammte aus einer alten, aber verarmten bolognesischen Familie und wurde zu Bosco im Mailändischen 1504 geboren. Mit 14 Jahren trat er in den Dominikaner-Orden und zeichnete sich durch ein heiliges, reines Leben wie durch eine unerschütterliche Charakterfestigkeit aus. In Norditalien, wo die Irrlehren aus der Schweiz eindrangen, hatte er das Amt eines Inquisitors zu versehen. Als man ihm bedeutete, daß sein Leben bedroht sei, wenn er seines Amtes streng walte, erwiderte er: „Als ich die Mission übernahm, habe ich mich bereit erklärt, den Tod zu erleiden und bei einer rühmlicheren Gelegenheit werde ich mein Leben nicht verlieren können“. Paul IV. hatte ihn zum Kardinal und Großinquisitor ernannt.
Als Papst blieb Pius der demütige, barmherzige, aber auch unbeugsame Mönch. Die Erhaltung des Glaubens, die Verbesserung der Sitten, die Bekämpfung der Türken waren die die Aufgaben, denen er seine Kräfte und Sorgen widmete. Um die Reinheit des Glaubens zu bewahren, veröffentlichte er den römischen Katechismus, ein für die Priester vortreffliches Handbuch zur Unterweisung der Gläubigen in der Religion. Er verbesserte das Brevier und das Missale. Die Fürsten ermunterte er, mit allem Nachdruck für die Reinheit des Glaubens zu sorgen, so den Kaiser Maximilian II. Tatkräftig unterstützte er die Katholiken Frankreichs im Kampf gegen die Hugenotten; für die von Elisabeth von England gefangen gehaltene unglückliche Maria Stuart tat er alles, um sie zu retten. Leider vergeblich. Mit Ernst war er auf die Hebung der Zucht und Sitte bedacht. Er gab selbst das schönste Beispiel. Seine Residenz schien eher ein Kloster als ein Palast zu sein, alles atmete Einfachheit, Stille und Frömmigkeit. Sein Glück war das gebet, das er so inbrünstig verrichtete, daß es ihm häufig Tränen entlockte. Wenn er barfuß ohne Kopfbedeckung, ganz in Andacht versunken, die feierlichen Bittgänge hielt, so meinten die Römer, einen so frommen Papst habe es wohl niemals gegeben. Dabei war er überaus leutselig und barmherzig. Eines Tages blieb Pius vor einem Aussätzigen stehen, der eben am Schutzstein einer Mauer lag. Da ging ein junger, vornehmer, protestantischer Engländer des Weges und sah, wie der Papst die Wunden dieses Unglücklichen verband und ihn tröstete. Dieser Anblick ergriff den Engländer dergestalt, daß er auf die Knie fiel und katholisch wurde.
Groß waren die Verdienste des Papstes um die Christenheit durch seinen Eifer in der Bekämpfung der Türken, deren Macht noch immer im Fortschreiten begriffen war. Was Pius II. nicht gelungen, einen Hauptschlag gegen die Türken zu führen, gelang diesem Heiligen. Er brachte eine Vereinigung zwischen Venedig und Spanien zustande, stellte selbst Schiffe und leistete Unterstützungen, wie er nur konnte, und so gelang es der christlichen Flotte unter Don Juan d`Austria den herrlichen Sieg über die Türken bei Lepanto zu erringen und dem weiteren Vordringen derselben vorläufig ein Ziel – 6. Oktober 1571- zu setzen. Fast die ganze türkische Flotte war vernichtet, 160 feindliche Schiffe wurden genommen. 32000 Türken verloren das Leben, 3500 gerieten in Gefangenschaft, 12000 gefangene Christen wurden aus der Sklaverei befreit. Leider hinderte die Uneinigkeit der Christen die weitere Ausnützung des Sieges. Der Papst, der während des Kampfes zu Rom im Gebet lag, verkündete infolge einer Offenbarung gleichzeitig in der Stunde der Schlacht den Sieg und setzte zur Dankbarkeit in die lauretanische Litanei die Anrufung: „Du Hilfe der Christen, bitte für uns!“
Große Schmerzen bereitete dem Papst ein Steinleiden, das er mit frommer Ergebung trug. „Herr, vermehre mein Leiden, aber vermehre auch meine Geduld!“ war sein beständiger Bittseufzer, Gottselig wie er gelebt, starb er am 1. Mai 1572. Als man ihm bei seiner Wahl die Mitteilung machte, daß sich das Volk über seine Erhebung auf den Stuhl des hl. Petrus beklage – man fürchtete eben seine Strenge – sagte er: „Desto mehr werden sie bei meinem Tode klagen.“ Das Wort ging in Erfüllung. Er wurde vom Volk tief betrauert; es hatte wohl seine Strenge erfahren, aber auch seine Gerechtigkeit und Herzensgüte, seine Selbstlosigkeit seine Hingabe und Großmut. Er wurde wie schon zu Lebzeiten so nach dem Tode als ein heiliger gepriesen. Gott verherrlichte Pius V. durch Wunder und Klemens XI. Erkannte ihm die Ehre der Altäre zu. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 557 – S. 560