Die Verehrung der Bilder der Heiligen

Von der Verehrung der Bilder der Heiligen

Es ist fast kein Artikel unseres heiligen Glaubens und kein ehrwürdiger Gebrauch, den nicht die Feinde der katholischen Kirche angegriffen haben. Dies ist also auch der Fall hinsichtlich der Verehrung der Bildnisse Christi und seiner Heiligen. Schon die Christen in den ersten dreihundert Jahren die Bilder der Heiligen verehrt, obschon sie mitten unter Götzendienern lebten. So fand man und sieht heut zu Tage noch in den Gräbern der heiligen Märtyrer zu Rom schön gemalte Bilder aus dem alten Testament, auch Bilder Jesu und seiner gebenedeiten Mutter Als die Christenverfolgung unter Kaiser Konstantin aufgehört hatte, erhoben sich überall prachtvolle Gotteshäuser und wurden mit den kunstvollsten Bildern geschmückt, ein Beweis, daß die Bilder der Heiligen schon frühzeitig in der katholischen Kirche verehrt wurden.

Merke wohl, lieber Leser, das Wort „verehrt“, denn die Bilder darf man nicht anbeten und ihnen keine Ehre erweisen, wie Gott selbst, denn das wäre Abgötterei und eine große Sünde. Wir Katholiken ehren, achten und schätzen die Bilder nur wegen der Person, welche sie vorstellen; und wenn wir vor den Bildern das Haupt neigen oder entblößen, wenn wir sie küssen oder selbst die Knie davor beugen, so geht die Ehrenbezeigung nur auf Christus selbst oder seine Heiligen, welche durch die Bilder vorgestellt werden. Beugen ja doch auch die Menschen ihr Haupt und selbst ihre Knie vor Königen und Fürsten aus Ehrfurcht, ohne daß sie dieselben dadurch anbeten wollen. Die Irrgläubigen, und selbst aufgeklärte, gleichgültige Katholiken, schmähen über die Verehrung der Bilder, indem sie sagen: „Gott habe ja verboten, Bilder zu machen, aber sie vergessen, daß Gott ausdrücklich zugesetzt hat: „um sie anzubeten“. Anbeten darf kein katholischer Christ die Bilder, sondern nur ehren. – Übrigens hat die katholische Kirche die beste Absicht, wenn sie die Verehrung der Bilder gestattet. Die Bilder sind wie ein Buch, durch welches man an himmlische Dinge erinnert wird; ein schön gemaltes Bild Jesu, seiner heiligen Mutter oder eines Heiligen bewegt das Herz gewiß zu Andacht und heiliger Betrachtung. Wie viele Menschen haben schon durch das einfache Betrachten der Bilder des leidenden Heilandes oder seiner schmerzhaften Mutter Trost und Stärke in ihren Leiden gefunden; wie viele sind schon durch Bilder der Heiligen zu einem frommen Leben angespornt worden!

Was aber die heilige katholische Kirche von der Verehrung der Bilder meint, das hat ganz deutlich das heilige Konzil von Trient erklärt, indem es sagt: „Man müsse die Bilder Christi, der jungfräulichen Gottesgebärerin und anderer Heiligen in den Tempeln haben, beibehalten und ihnen die schuldige Ehre bezeigen, nicht, als glaube man, es sei eine Gottheit darin oder eine Kraft, wegen welcher man ihnen Ehre erweisen müsse, oder als dürfe man seinVertrauen auf Bilder heften, wie es sonst geschah von den Heiden, sondern weil die Ehrenbezeigung auf die Urbilder sich bezieht, welche jene vorstellen…“

Du wirst aber schon öfters von wundertätigen Bildern gehört haben? Nein, Bilder aus Holz, Stein oder Leinwand können keine Wunder wirken, aber merke wohl, Gott kann durch Bilder Wunder wirken, z.B. Kranke heilen etc. Steht ja in der heiligen Schrift, daß durch das Schweißtuch des heiligen Paulus, ja durch den Schatten des heiligen Petrus selbst Kranke geheilt wurden. Nicht der Schatten und nicht das Schweißtuch wirkten das Wunder, sondern Gott. Gott belohnt das Vertrauen auf seine Macht und die Fürbitte seiner Heiligen gar oft durch große Gnaden und will auch die Heiligen, seine treuen Diener und Freunde, verherrlichen.

Gebet.
O Jesus, du Anfänger und Vollender alles Heiles, gib mir die Gnade, daß ich dir ähnlich werde, indem ich in die Fußstapfen deiner Heiligen trete, deren Bildnisse ich verehre und dadurch auch heilig und selig werde. Amen. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 720 – S. 722

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