Liebe zum Gottmenschen Jesus Christus

Die Liebe des Wohlgefallens und des Wohlwollens

Der hl. Thomas von Aquin zählt vier Hauptarten der Liebe auf, mit welchen wir den Gottmenschen Jesus Christus lieben sollen: die Liebe des Wohlgefallens, die Liebe des Wohlwollens, die Liebe der Wertschätzung, und die Liebe des Verlangens. Lerne von der hl. Birgitta, welche diese vier Arten der Liebe zu Jesus ihr ganzes Lebens lang in vorzüglichem Grade geübt hat, besonders die ersten zwei deinem göttlichen Erlöser entgegen zu bringen.

1. Die Liebe des Wohlgefallens an Jesus Christus hast und übst du, wenn du eine lebhafte Freude darüber empfindest, daß Er so groß und erhaben ist in seinem Wesen und in seinen Vollkommenheiten. Die erhabenste Größe und Liebenswürdigkeit hat Jesus auf Erden dadurch geoffenbart, daß Er sein Leben für uns, seine Geschöpfe, in dem ebenso schmachvollen als schmerzenreichen Kreuzestod hingegeben hat, um uns dadurch das ewige Leben und die himmlische Glorie zu erwerben. Um dieser unvergleichbaren Großtat willen hat Ihn Gott, wie der hl. Paulus sagt (Phil. 2) „erhöht, und Ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, auf daß sich vor Ihm alle Knie beugen im Himmel, auf Erden und unter der Erde.“ Die hl. Birgitta hat schon als Kind mit besonderer Innigkeit Jesus in seinen Leiden betrachtet, hat mit Tränen der Bewunderung und des Dankes Ihm ihr herzliches Wohlgefallen ausgedrückt und ihre Glückwünsche dargebracht, daß Er, der sich für uns aus Erbarmen bis zum Äußersten, bis zur Hinrichtung zwischen zwei Mördern erniedrigt hatte, nun in der triumphierenden Kirche zur rechten Hand Gottes erhoben ist und unbeschreibliche Ehre genießt. Betrachte nur oft und aufmerksam Jesus, deinen Bruder, deinen Erlöser, in seiner Schönheit und Größe, von dem du um so mehr Beistand und Trost erwarten kannst, je mächtiger Er ist, und je besser Er alle deine Bedürfnisse kennt: Dein Herz wird in süßer Wonne aufjubeln und begeistertes Wohlgefallen wegen aller seiner Vorzüge empfinden.

2. Die Liebe des Wohlwollens gegen Jesus Christus hast und übst du, wenn du ein lebhaftes Interesse für seine Ehre und Verherrlichung empfindest, wenn du ein warmes Verlangen in dir nährst, daß Er immer im Besitz seiner Größe und Herrlichkeit bleibe, und daß dieselbe mit jedem Tage durch neue Huldigungen seiner wahren Anbeter sich mehre. Denn wie Jesus Christus, so lange Er sichtbar auf Erden wandelte, mit jedem Tage eine neue Schönheit seines göttlichen Herzens offenbarte, mit jedem Tage den Menschen neue Beweise seiner Bereitwilligkeit gab, für die Rettung Aller zu leiden und zu sterben, wie Er im Himmel noch der unermüdliche Mittler und Fürsprecher beim Vater ist, um durch den beistand seiner Gnade die Sünder zur Buße zu führen, die Gerechtfertigten in der Tugend zu befestigen, Alle zu heiligen: ebenso ist es für uns eine Pflicht der Dankbarkeit, daß wir mit freudigem Wohlwollen für seine Ehre und Verherrlichung tätig seien, daß wir unsere Liebe und Anhänglichkeit öffentlich bekennen, aus allen Kräften Sünden und Ärgernisse verhüten, für die Ausbreitung des heiligen Evangeliums, für die Beobachtung seiner Lehren und Gebote Opfer bringen. Die hl. Birgitta hat im Kreise ihrer Familie, am königlichen Hof zu Stockholm und in der Hauptstadt der Christenheit keine Anstrengung gescheut, um die Interessen Jesu zu fördern, um ihre Liebe des Wohlwollens zu Ihm werktätig zu bewähren. Betrachte nur recht oft und aufmerksam die zwölf Glaubensartikel, die sieben heiligen Sakramente, die Macht und Mutterliebe der seligsten Jungfrau, die Tätigkeit des Papstes, der Bischöfe und der Priester, lauter Liebeswerke Jesu von unermesslicher Kostbarkeit für deine Beseligung: dein Herz wird und muss in Liebeseifer entbrennen, in aufrichtige Wohlwollen für seine Ehre tätig zu sein, Beleidigungen von ihm abzuwehren. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 748 – S. 749

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