Die christliche Krankenpflege

Christliche Krankenpflege und Krankendienst

Zu den allerschönsten Zierden und Vorzügen, welche die katholische Kirche als die „göttliche Stiftung zum Heil der Menschen“ beglaubigen, gehört die Krankenpflege. Die hoch gebildeten Griechen hatten für das Volk die einträgliche Sklaverei, die olympischen Spiele und kostspieligen Venustempel, aber keine Krankenhäuser; das heidnische Rom hatte abscheulich blutige Gladiatoren-Gefechte; aber keine einzige Krankenanstalt; im Morgenland galt der Grundsatz: „Wo eine gute Regierung ist braucht man weder Armen- noch Krankenhäuser!“ Seitdem aber Jesus Christus vom Himmel gekommen ist, um der Kranken willen, die des Arztes bedürfen; seitdem Er die rührend schöne Tat des barmherzigen Samaritans vollbracht und Allen, welche das ewige Leben besitzen wollen, befohlen hat: „Geht hin und tut desgleichen“, blüht die Krankenpflege wundervoll in der ganzen Christenheit. Schon der hl. Basilius baute zu Cäsarea ein Krankenhaus, das an Umfang fast einer Stadt gleich kam; und das vom hl. Chrysostomus errichtete Spital war kaum kleiner. Seit der Ordensstiftung des hl. Benedikt war es Sitte, fast bei jedem Kloster eine Zufluchtsstätte für Kranke zu errichten. Im viel gelästerten Mittelalter baute das katholische Abendland, als eine fürchterliche Pest wütete, zur Pflege der Erkrankten 20000 Spitäler. Doch wer zählt die Helden und Heldinnen im Krankendienst von den Diakonen und Diakonissinnen der apostolischen Zeit bis zu den „Barmherzigen Brüdern und Schwestern“ in unsern Tagen? Betrachte ernstlich den hl. Kamillus; denn auch du kannst und sollst ihn nachahmen.

1. Du kannst ihn nachahmen, du kannst die Kranken besuchen und eine kleine Erquickung durch Nahrung, Wäsche oder Geld mitbringen; du kannst in oder außer dem Hause eine notwendige Arbeit für sie tun, einige Stunden in der Nacht bei ihnen wachen, für sie zu dem entfernt wohnenden Arzt gehen; du kannst vielleicht, wenn du selbst keine Unterstützung zu bieten vermagst, die wohltätigen Hände Anderer für sie öffnen oder deren persönliche Hilfe ihnen zuwenden, oder eine milde Sammlung veranstalten; du kannst in kluger Weise dafür sorgen, daß gefährlich Kranke rechtzeitig mit den heiligen Sterbesakramenten getröstet und gestärkt werden; du kannst für sie um Genesung, Geduld und Beharrlichkeit beten. O dispensiere dich niemals von diesem herrlichen Dienste aus nichtigen und erlogenen Gründen!

2. Du sollst ihn nachahmen. Der hl. Kamillus pflegte die Kranken vorzüglich aus zwei Gründen: a) zur Buße, um für seine vielen Jugendsünden der göttlichen Gerechtigkeit Genugtuung zu leisten, eingedenk der Zusicherung, die Jesus der Sünderin Magdalena gegeben mit den Worten: „Weil du viel geliebt hast, sind dir viele Sünden vergeben.“ (Luk. 7,47) Und dieser Grund, bei wem ist er nicht vorhanden? Diese Genugtuung durch liebevollen Krankendienst ist ja viel leichter als die Genugtuung in der heißen Glut des Fegefeuers! b) Kamillus pflegte die Kranken ferner aus Dankbarkeit für die Gnade der Bekehrung. Was wäre wohl aus dem verabschiedetenSoldaten und arbeitsscheuen Handlanger geworden, hätte Jesus ihn, der an der Spielsucht und sittlichen Verdorbenheit schon viele Jahre krankte, nicht heimgesucht und gesund gemacht? Das sahKamillus immer besser sein, je weiter er in der Tugend fortschritt; darum wurde auch sein Eifer, dem gütigen Erlöser durch den Krankendienst für diese göttliche Wohltat zu danken, immer größer. Diese Dankespflicht liegt auch dir ob und zwar in noch viel höherem Grade, wenn die göttliche Güte dir eine glücklichere Jugend geschenkt, dir einen frömmeren Vater gegeben und dich vor dem sittlichen Elend des Kamillus bewahrt hat. Denke darüber öfter und ernsthaft nach! –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 527 – S. 528

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