Heiliger Kamillus von Lellis Ordensstifter

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

18. Juli

Der heilige Kamillus von Lellis Ordensstifter

In dem neapolitanischen Städtchen Bacchianico schenkte Gott einer geringen, bis ins Alter kinderlosen Soldatenfamilie ein Söhnlein – Kamillus – im Jahre 1550. Vor der Geburt desselben sah die Mutter in lebhaftem Traume, daß ihr Kind ein rotes Kreuz auf der Brust trage und noch andere, ebenso bezeichnete Knaben bei sich habe; aber sie starb sehr bald, lange, bevor dieses Traumgesicht so schön sich erfüllte. Der Knabe, der Mutter durch den Tod beraubt und vom Vater vernachlässigt, wuchs auf ohne Zucht und Ordnung. In der Schule lernte er nichts, desto besser in der Kneipe das Würfel- und Kartenspiel. Arbeitsscheu wurde er – achtzehn Jahre alt – Soldat, und wollte mit dem Vater, der Hauptmann war, gegen die Türken in den Krieg ziehen; aber beide erkrankten. Der Vater starb, und Kamillus erbte von ihm nichts als die Kleider und den Degen. Er genas zwar von der Krankheit, bekam aber schmerzliche Geschwüre an den Füßen. In kläglichem Zustand schleppte er sich nach Rom, um im St. Jakobs-Spital als Krankenwärter Brot und durch die Ärzte Heilung seiner Füße zu finden. Beides gelang ihm glücklich; aber die leidige Spielsucht und Arbeitsscheu machten seine Entlassung unvermeidlich.

Kamillus wurde wieder Soldat, um den Feldzug der Venetianer gegen die Türken mitzumachen; allein der baldige Friedensschluß gab ihm den Abschied. Bettelnd läutete er bei der Kapuzinerpforte zu Manfredonia. Des kräftigen Jungen erbarmte sich der Guardian und stellte ihn als Handlanger bei einem Bauer an; aber kaum hatte er einige Kreuzer verdient, so verspielte er sie wieder. Sein Elend an Leib und Seele war grenzenlos, nur die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe des frommen Guardian war noch größer. Dieser wurde nicht müde, dem armen Kamillus mit Bitten und Tränen Himmel und Hölle vorzustellen, bis er der Gnade das Herz öffnete und sich bekehrte, schon fünfundzwanzig Jahre alt. Voll Reue und Bußeifer wollte er in den Kapuzinerorden eintreten; aber wegen des wieder ausbrechenden und von den Ärzten für unheilbar erklärten Fußübels konnte er die Aufnahme nicht erhalten.

Auf Gott fest vertrauend ging Kamillus nach Rom in das St-Jakobs-Spital, um wieder als Krankenwärter zu dienen; und er diente unter der Leitung des heiligen Beichtvaters Philipp Neri mit erstaunlicher Liebe und Aufopferung Tag und Nacht den Kranken und Sterbenden, während er sich selbst in beharrlichem Gebet und in strengen Bußwerken heiligte. Nach vier Jahren Jahren wurde ihm die ganze Leitung des Spitals übertragen. Als Vorsteher hatte er nun oft Gelegenheit zu beobachten, wie die bezahlten Wärter nachlässig, hart und herzlos die Kranken traktierten. Deshalb faßte er den Plan, einen Verein frommer Personen zu stiften, welche nur um Jesu und um himmlischen Lohnes willen die Kranken leiblich und geistig pflegten. Er fand bald fünf Männer, die sich dazu verstanden.

Um sicherer zu dem schönen Ziel zu gelangen, ermunterte ihn der hl. Philipp Neri, Priester zu werden. Das war freilich eine Riesenarbeit; aber Kamillus, schon zweiunddreißig Jahre alt, schämte sich nicht, neben den kleinen mutwilligen Buben auf der Schulbank zu sitzen, und scheute nicht die unbeschreibliche Mühe, sich vom ABC empor zu arbeiten bis zu den theologischen Prüfungen, die ihn der Priesterweihe fähig und würdig erklärten. Nun wurde ihm die Seelsorge bei der Kirche zu Unserer Lieben Frau von den Wundern übertragen; aber sein Herz blieb doch vorzüglich bei den Kranken. Alsbald stiftete er mit Gutheißung des Papstes Sixtus V. den Orden „der Väter vom guten Tode“, kleidete die Mitglieder in schwarzen Habit und Mantel mit einem roten Kreuz auf der Brust, und verlangte von ihnen nebst den drei gewöhnlichen Gelübden ein viertes: „den Kranken bis zum Tode beizustehen“.

Jedermann freute sich über diesen Orden, der eine gar herrliche Blume der katholischen Liebe ist. Es läßt sich aber auch nicht beschreiben, mit welch` zarter Sorge, Aufopferung und Anstrengung der junge Verein die Kranken pflegte, besonders zur Zeit der Pest und Hungersnot, welche damals Italien heimsuchte. Die Seele des Ganzen war Kamillus. Die Bulle der Heiligsprechung bezeugt von ihm, daß die zärtlichste Mutter mit ihrem einzigen kranken Kinde nicht besser umgehen könnte, als Kamillus mit den Kranken. Er leistete ihnen jeden Dienst, reinigte ihre Geschwüre, verband ihre Wunden, und je ekelhafter sie waren, desto bereitwilliger war er zur Hilfe. Ganze Nächte durchwachte er bei den Sterbenden, obwohl er selbst beständig an den Füßen litt, und musste gar oft wegen völliger Erschöpfung ohnmächtig fort getragen werden, wenn er gar manche Pestkranke von den Straßen der Stadt auf seinen Schultern ins Spital hinein getragen hatte.

Das Wohlgefallen Gottes an diesem Orden zeigte sich unzweideutig. Denn in allen großen Städten Italiens konnte er Ordenshäuser errichten und die wirksamsten Tröstungen den Kranken und Sterbenden zuwenden. Gott belohnte seinen Eifer mit großen Gaben, namentlich der Gabe der Weissagung und der Wunder; er aber blieb beständig in tiefer Reue seiner Jugendsünden eingedenk, befliß sich der Bußwerke und konnte nur dadurch beleidigt werden, daß man ihn lobte. Seine Demut ruhte nicht, bis er das Amt als Oberer ablegen und im Kloster als einfacher Bruder dienen durfte. Die kranken Füße und das Steinübel, woran er litt, beschwerten sein Alter mit furchtbaren Schmerzen; sein Bußeifer jedoch freute sich darüber und nannte seine Leiden „die Erbarmungen des Herrn“. Seinen unermüdlichen Krankendienst krönte ein herrlicher Tod zu Rom am 14. Juli 1614. Papst Benedikt XIV. setzte ihn im Jahre 1746 in die Zahl der Heiligen. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 526 – S. 527

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