Heiliger Basilius der Große Kirchenlehrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

14. Juni

Der heilige Basilius steht, an beiden Händen angekettet, vor dem Präfekten, hinter ihm sind Anhänger des Arianismus, die wohl seine Verurteilung fordern; nahe bei dem Heiligen knien Christen

Der heilige Basilius der Große Kirchenlehrer

Basilius, den die Geschichte „den Großen, die Leuchte der Welt, die Ehre und Zierde der Kirche, den Diener der Gnade, den Herold der Wahrheit“ nennt, stammte aus einer sehr vornehmen Familie von Cäsarea in Kappadozien, und seine Großeltern, Eltern und neun Geschwister werden in der Kirche als Heilige verehrt. Die ungewöhnlichen Anlagen des Knaben erhielten im elterlichen Haus eine vortreffliche Erziehung und dann auf den Hochschulen zu Cäsarea, Konstantinopel und Athen eine wissenschaftliche Ausbildung, welche allgemeine Bewunderung erregte, wie auch die heilige Freundschaft, die er mit Gregor von Nazianz in Athen geschlossen. Lehrer und Schüler dieser Stadt gaben sich alle Mühe, ihn als die Zierde der Hochschule sich zu erhalten; er aber glaubte die Dienste seiner Talente dem Vaterland schuldig zu sein, kehrte nach Cäsarea zurück, errichtete eine Schule der Beredsamkeit und trat bisweilen als Anwalt in Rechtsfällen auf. Der ungeheure Beifall, den sein Genie erntete, veranlaßte ihm Versuchungen zum Stolz, vor dem ihn jedoch die Zartheit des eigenen Gewissens, die Liebe seiner Schwester Makrina und die Treue seines Freundes Gregor rechtzeitig warnte. Mit einem Schlage besiegte er diesen bösen Geist: er empfing die heilige Taufe, verteilte seine Habe unter die Armen und besuchte auf einer Rundreise durch Ägypten, Palästina und Syrien die berühmtesten Einsiedler, um von ihnen durch lebendige Anschauung die wahre, evangelische Weisheit kennen zu lernen. Das Leben dieser Helden, ihr Wachen und Beten, ihr Fasten und Entsagen, ihre brüderliche Liebe und gottinnige Fröhlichkeit füllte sein staunendes Auge mit Tränen der Rührung und Reue, daß er den Frühling seines Erdenlebens nur mit Haschen nach eitler Vielwisserei zugebracht und vertändelt habe.

In einen neuen Menschen umgewandelt, eilte er in die Einsamkeit bei Neucäsarea in Pontus, wo in der Nähe seine Mutter und Schwester mit einigen Jungfrauen in klösterlichem Verein Gott dienten. Bald sammelten sich mehrere Einsiedler – auch sein Freund Gregor – um ihn zu stiller Betrachtung und strenger Tugendübung. Er verfaßte für diese Genossenschaft eine Lebensregel, die heute noch in den Klöstern der getrennten griechischen Kirche und in einzelnen katholischen Klöstern von Italien, Ungarn und Polen fortlebt.

Nach vier Jahren gottseligen Friedens in dieser Verborgenheit wurde Basilius von seinem Bischof Dianius in die Heimat gerufen, um das Amt eines Lektors zu verwalten, und nach zwei Jahren (364) von Eusebius, des Dianius Nachfolger – wider seinen Willen – zum Priester geweiht. So auf den Schauplatz der großen Welt gestellt, entfaltete er eine erstaunliche Arbeitskraft: er predigte mit hinreißender Beredsamkeit, bekämpfte die Arianer mit siegreicher Geistesschärfe, stärkte die Gläubigen durch die Macht seines Tugend-Beispiels und riß die Herzen aller an sich durch seine Mildtätigkeit, die bei einer Hungersnot 367 und 368 das ganze, ihm von der Mutter zugefallene Erbe und den letzten Heller seines Einkommens austeilte.

Nach des Eusebius Tod musste Basilius, trotz der Ränke der Ketzer, den erzbischöflichen Stuhl von Cäsarea besteigen. Im erzbischöflichen Palast lebte Basilius wie der abgetötetste Mönch und verwendete die großen Einkünfte für die Bildung tüchtiger Priester, für Gründung von Schulen und eines weltberühmten Hospitals von riesenhafter Größe für Arme, Kranke, Waisen, Fremde ohne Rücksicht auf ihre Religion; es enthielt Schulen, Werkstätten, Wohnungen für Priester, Ärzte, Wärter und jede erwünschte Bequemlichkeit. Er predigte selbst auch an Werktagen des Morgens und Abends, und seine Zuhörer waren immer sehr zahlreich; das Volk empfing am Sonntag, Mittwoch, Freitag und Samstag und an allen Festen der heiligen Märtyrer die heilige Kommunion; er stand in lebhaftem Verkehr mit Papst Damasus, mit dem großen Athanasius und andern hervorragenden Kirchenfürsten zum Widerstand gegen die Ketzereien, und bekehrte sehr viele Irrgläubige.

Darüber wurde der arianische Kaiser Valens sehr erbost, und Basilius sollte für den Arianismus gewonnen oder vernichtet werden. Diesen Plan wollte der Kaiser bei seiner Reise nach Syrien ausführen und schickte seine Präfekten Modestus nach Kappadozien voraus. Dieser beschied den Basilius zu sich, suchte ihn zur Nachgiebigkeit gegen die Arianer zu bereden und drohte im Falle der Weigerung mit dem Zorn des Kaisers. Der Erzbischof erwiderte ruhig: „ Den Zorn des Kaisers fürchte ich nicht; denn was kann er mir antun: die bischöflichen Güter einziehen? O wer nichts besitzt, fürchtet die Einziehung seiner Güter nicht; ich brauche nur einige Bücher, ein Stück Schwarzbrot und einige Fetzen für meinen geringenLeib; mich verbannen? Aber die ganze Welt ist mir ein Ort der Verbannung, nur der Himmel ist mein Vaterland; mich foltern? Das erschreckt mich gar nicht; denn mein Leib ist so mager und schwach, daß schon die ersten Schläge Leben und – Leiden enden; mich töten? Desto besser, dann komme ich zu Gott, dem ich allein lebe; sage also dem Kaiser: Ich fürchte ihn nicht.“ Verwundert meinte Modestus: „So kühn hat noch Niemand zu mir gesprochen!“ Basilius: „Nun, so hast du es auch noch mit keinem katholischen Bischof zu tun gehabt.“ Bei dieser Unterredung war auch der kaiserliche Küchenmeister zugegen und wollte sein Salz dazu tun, aber Basilius wies ihn höflich an seinen Platz – in die Küche.

Valens kam selbst nach Cäsarea, fühlte sich aber von der majestätischen Ruhe und Würde des Erzbischofs so überwältigt, daß er seinen Plan aufgab. Allein die Arianer hetzten ihn mit Lügen und Verleumdungen, bis er das Verbannungs-Urteil über Basilius sprach. Im gleichen Augenblick erkrankte sein sechsjähriger Prinz tödlich. Die Kaiserin behauptete, diese Krankheit sei eine Strafe Gottes wegen des Unrechts gegen Basilius. Dieser wurde gerufen und erklärte dem Kaiser. „Dein Sohn wird gesund, wenn du ihn in der katholischen Kirche taufen lässest. „ Valens versprach es, und der Sohn ward sogleich gesund, aber er hielt sein Versprechen nicht; er ließ den Prinzen von einem ketzerischen Bischof taufen. Der Getaufte erkrankte und starb. Die Arianer benutzten den Schmerz des Kaisers, ihn zu reizen, daß er den Tod des Sohnes an Basilius räche. Wirklich verurteilte Valens den Erzbischof zur Verbannung, aber dreimal zerbrach die Feder, mit der er das Urteil unterschreiben wollte; er verlangte eine vierte, da befiel Hand und Arm ein heftiges Zittern: voll Schrecken zerriß er das Papier und ließ den Erzbischof in Frieden. Aber zu bald nahte des Basilius Lebensende: von Fasten, Arbeiten und Leiden erschöpft, starb er am 1. Januar 379, kaum fünfzig Jahre alt. Seinen Sarg umstanden 100000 Menschen, Christen, Juden, Heiden weinten und klagten: „Unser Vater ist tot!“ Im Gedränge wurden mehrere erdrückt und – man pries sie glücklich wegen ihres Todes an einem solchen Tage.

Die ganze Christenheit, seine Verdienste und Tugenden bewundernd, legt ihm den Namen „der Große“ bei und ehrt ihn wegen seiner hinterlassenen Schriften als „Kirchenlehrer“. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 454-456

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