Die Heiligkeit des Papstes Pius X.

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Über die Heiligkeit des Papstes Pius X.

Pius X. in weißer Papstkleidung sitzt auf dem päpstlichen Stuhl, die Arme auf den Stuhllehnen, im Gesicht ist ein leichtes Lächeln zu sehen

Weil Pius X. wirklich danach strebte, das Leben Christi nachzuleben, wie er dies als Aufgabe aller Priester hingestellt hatte, darum war wohl der hervorstechendste Zug an ihm seine Güte und Hilfsbereitschaft. Ein Priester sagte von ihm: „Es war unmöglich, ihm zu nahen, ohne ihn lieb zu gewinnen; denn seine Güte und Milde sind unwiderstehlich.“ Auch vom Heiland sagte ja das Volk unwillkürlich: „Er ist gut“ (Joh. 7, 12). Als am 28. Dezember 1908 ein Erdbeben zwei blühende italienische Städte, Messina und Reggio di Calabria, zerstörte und etwa 100000 Menschen unter den Trümmern begrub, da öffnete Pius X. sofort das Hospiz von Santa Martha im Vatikan für die Flüchtlinge und Waisen, stellte eine Million Lire zur Verfügung und organisierte eine wo wirksame, von seinem getreuen Staatssekretär Merry del Val persönlich überwachte Hilfeleistung, daß selbst der berüchtigte damalige Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan, nicht umhin konnte, dem Papst seine persönliche Bewunderung auszusprechen.

Auch eine große Freimaurer-Zeitung in Frankreich schrieb damals: „Dieser Papst, von dem man sagte, daß seine einzige Politik das Evangelium und das Credo, seine einzige Diplomatie die zehn Gebote seien, dieser Papst hat wirklich die Seele der Welt ergriffen durchs eine apostolische Unerschrockenheit, seine Liebe, seine Demut, seine Einfachheit und seinen großen Glauben.“

Dies zeigte sich aber in den täglichen Vorkommnissen nicht weniger als bei den außergewöhnlichen Anlässen. Und dies konnte er nur, weil er zugleich einen ganz großen und lebendigen Glauben an die göttliche Vorsehung hatte. Wie im Leben aller Heiligen, so kehrt auch bei Pius X. sehr oft das Wort wieder: „Die göttliche Vorsehung versagt niemals.“ Wir vernehmen es von den Lippen des jungen Studenten Sarto und in den Gesprächen des „Don Giuseppe“, wir hören es in den Ansprachen und lesen es in den Briefen des Bischofs, des Patriarchen und des Papstes.

Nach seiner Wahl zum Papst war einer seiner ersten Gedanken, 100000 Lire für die Armen Roms und 2000 Lire für jene von Venedig zu verwenden. Auf die Einwendungen des päpstlichen Elemosiniere (Almosenverteilers), das sei eine viel zu hohe Summe bei dem wenigen verfügbaren Geld, erwiderte Pius X. im Ton gütigen Vorwurfs: „Ist dies Euer Vertrauen auf die Vorsehung? Wißt Ihr nicht: wer mehr gibt, empfängt auch mehr?“ Als im Jahr 1911 die portugiesischen Bischöfe und Priester vertrieben wurden, kam einer ihrer Vertreter nach Rom und bat den Papst um Hilfe. Dieser, mit Tränen des Mitleids in den Augen, fragte, wieviel nötig wäre. „Eine Million, Heiliger Vater!“ war die Antwort. „Eine Million! Soviel habe ich im Augenblick nicht. Kommen Sie aber morgen wieder! Ich will unterdessen sehen, wieviel ich zusammen bringen kann.“ Am nächsten Tag hatte der Papst eine Million Lire bereit. Bald nachher empfing er eine reiche Ausländerin in Audienz, die ihm eine Gabe von einer Million anbot. Ruhig wandte sich der Heilige an seinen Privatsekretär, der gerade eintrat, und rief ihm zu: „Schau, die Vorsehung Gottes! Eine Million ist hinaus gegangen, und eine Million ist herein gekommen!“

Mit Recht schrieb Prälat Baudrillart, der Rektor des katholischen Instituts von Paris, nach dem Tode des Papstes: „Manche Menschen, auch solche der Kirche, setzen ihr Vertrauen auf die menschlichen Mittel und Bemühungen und auf die menschliche Klugheit. Pius X. tat gerade das Gegenteil: er war ganz übernatürlich und setzte sein ganzes Vertrauen auf Gott. Die Worte, die er gern, bei kleinen und großen Anlässen, wiederholte: Deus providebit, waren der unwillkürliche und ehrliche Ausdruck seines innersten Gewissens. Es fehlte ihm weder die Gelehrsamkeit noch die Intelligenz, die zum Amt des Stellvertreters Christi nötig sind, aber um sich selbst und andere zu führen, rechnete Pius vor allem auf das Gebet und die besondere Gnadenhilfe, die Gott den Seinen gewährt. Er suchte in sich weder das eigene Licht noch die eigene Kraft: er war wirklich der Mann Gottes.“

Es sprach sich bald herum und ward allgemein bekannt, daß der Segen oder das Gebet des Papstes Pius X. nicht selten auch wunderbare Hilfe brachte. Der Papst selbst scherzte zwar: „Jetzt spricht und schreibt man, daß ich mich darauf verlege, Wunder zu wirken, – als ob ich nicht anderes zu tun hätte!“ – „Der Glaube ist es, der alles wirkt; es ist die Macht der höchsten Schlüsselgewalt. Ich tue nichts dabei.“ So pflegte er in allen Fällen zu sagen, wo die Tatsache der wunderbaren Hilfe unleugbar war. Der Privatsekretär des Papstes, Monsignore Bressan, erzählte auch, die Schwestern des Papstes hätten kaum genug Strümpfe besorgen können, die der Papst einmal getragen habe; denn viele Leute behaupteten, dadurch Erleichterung und auch wunderbare Hilfe erfahren zu haben. Als man dem Heiligen davon berichtete, sagte er in lächelnder Einfachheit: „Merkwürdig! Mir tun die Füße weh, wenn ich die gleichen Strümpfe trage.“

Die gleiche Einfachheit und Demut ließ ihn auch nach einem Gespräch mit einigen Arbeitern in den vatikanischen Gärten zu einem Begleiter sagen: „Vielleicht ist mancher von diesen Gärtnern, obwohl arm und von niedriger Stellung, vor Gott wohlgefälliger als Wir!“ Eine begeisterte und wenig taktvolle Dame rief einst vor dem Papst aus: „Ich höre, daß Sie ein Heiliger (Santo) sind!“ Worauf der Papst schlagfertig in einem nur im Italienischen möglichen Wortspiel erwiderte: „Sie irren in einem Konsonanten: Nicht santo, Sondern Sarto bin ich!“ – und damit ging er über die Bemerkung hinweg. –

Das Durchbrechen dieser heiteren Ader zeigt vor allem, wie vollkommen Papst Pius X. das schwere Kreuz der Verantwortung zu tragen wußte, das er mit der Annahme der Papstwahl auf sich genommen hatte. Zuweilen überkam ihn wohl eine gewaltige Sehnsucht, aus der tatsächlichen Gefangenschaft des Vatikans heraus treten und seine venezianische Heimat wiedersehen zu können, und es kam auf seine Lippen das Wort: „Heraus, heraus!“ Aber gleich faßte und verbesserte er sich und fügte hinzu: „Jeden Tag bitte ich den Herrn, daß der Papst keine eigenen Wünsche mehr habe!“ –
aus: Ferdinand Baumann SJ, Pius XII. erhob sie auf die Altäre, S. 149 – S. 151

siehe auch den Beitrag: Pius X. ein Heiliger mit auffallender Heilkraft

Bildquellen

  • Papst Pius X: Bildrechte beim Autor
  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor
Category: Bischöfe
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