Heiliger Fulgentius Bischof zu Ruspe

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

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1. Januar

Der heilige Fulgentius Bischof zu Ruspe

Der heilige Fulgentius wurde im Jahre 468 n. Chr. G. zu Telepte, einer angesehenen Stadt in Afrika geboren. Sein Vater Claudius, ein eifriger, katholischer Christ, wohnte zuerst in Karthago, und wurde dort von den Arianern, welche die Gottheit Jesu leugneten, verfolgt. Er verlor ungerechter Weise sein Haus, und musste es arianischen Priestern räumen. Deswegen zog er nach Telepte, und ließ sich dort häuslich nieder. Bald nachdem ihm sein Weib Mariana den Knaben Fulgentius geboren, starb er. Die Mutter, nun frühe Witwe, nahm sich mit der zärtlichsten Sorgfalt um ihr Kind an. Selbst innig fromm senkte sie ihm die Wurzeln christlicher Frömmigkeit in das Herz. Als das Kind die Jahre der Vernunft erreicht hatte, übergab sie es geschickten Lehrern, welche es in den damals gangbaren Wissenschaften unterrichten mussten. Die sorgsame Lieber seiner Mutter vergalt aber Fulgentius mit unermüdlichem Fleiß in den Studien und mit dem kindlichsten Gehorsam. Bei jeder Gelegenheit suchte er die häuslichen Lasten seiner Mutter zu erleichtern und ihre Mühen zu versüßen. So wie er an wahrer Weisheit zunahm, so auch an Frömmigkeit und Tugend. Beständig wandelte er vor Gott, in seinen Augen las man deutlich die Unschuld seines Herzens. Die so lieblichen Tugenden des Heilandes, Sanftmut und Demut, blühten in seinem Herzen, und erwarben ihm die Liebe und Achtung Aller, die mit ihm in Berührung kamen. Da der Ruf von seinen Kenntnissen und Tugenden immer mehr bekannt wurde, übertrug man ihm die Stelle eines Obersteuer-Einnehmers in der Provinz Byzazene. Aber kaum hatte er diese Stelle angetreten, so verlor er auch bald den Geschmack an weltlichen Geschäften und unaufhörlich fühlte er in sich den Drang, der Welt zu entsagen, und Gott sich gänzlich zu weihen.

Da er sich neben seinen amtlichen Geschäften beharrlich dem Gebet und dem Lesen gottseliger Bücher hingab, traf es sich, daß er einst eine Predigt des heiligen Augustin über die Eitelkeit der Welt und der Kürze des Lebens zu Gesicht bekam. Er las sie und wurde von ihrem Inhalt so ergriffen, daß er den Entschluss faßte, sein Amt nieder zu legen und sich dem Klosterleben zu widmen.

Alsbald führte er seinen Entschluss auch aus. Er begab sich zu dem Bischof Faustus, der in Byzazene ein Kloster errichtet hatte. – Allein der Bischof, der ihn prüfen wollte, wies ihn mit rauhen Worten ab. „Gehe hin“, sprach er, „und lerne erst in der Welt ihre Vergnügungen verachten. Ist es glaublich, daß du, erzogen in der Weichlichkeit und dem Wohlleben, dich plötzlich zu unserer ärmlichen Lebensweise, zu unsern rauhen Kleidern, zu unsern Wachen und Fasten bequemen könnest? Bescheiden, aber mutig gab Fulgentius zur Antwort: „Derjenige, welcher mir den Willen, ihm zu dienen, eingeflößt hat, kann mir auch wohl die nötige Kraft geben, daß ich meine Schwachheit besiege.“

Der Bischof, von dieser Antwort überwunden, willigte in sein Begehren. Fulgentius, 23 Jahre alt, trat in das Kloster. Kaum hatte aber seine Mutter von diesem Schritt ihres Sohnes gehört, als sie zum Bischof Faustus eilte und mit jammervoller Stimme ihr Kind zurück verlangte. Die Klagen der liebenden Mutter waren eine harte Prüfung des Sohnes; allein dieser blieb treu dem Rufe Gottes, gedenkend des Wortes des göttlichen Heilandes: „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Matth. 10,37. – Fulgentius hatte nun das sehnlich erwünschte Ziel erreicht; froh, den Schlingen der Welt entflohen zu sein, durchlebte er unter den frommen Brüdern des Klosters die zeit der Prüfung als Noviz. Seine Güter überließ er zur Verwaltung seiner Mutter, bis solche ein jüngerer Bruder übernehmen konnte, er aber wählte sich die Armut zu seiner Gefährtin, und übte die strengsten Bußübungen.

Da die Flamme der Verfolgung, von neuem durch die wütenden Arianer angefacht, wieder ausbrach, musste Bischof Faustus die Flucht ergreifen. Auf seinen Rat begab sich Fulgentius in ein benachbartes Kloster, das unter Leitung des frommen Abtes Felix stand. Sobald dieser die Heiligkeit des neu angekommenen Bruders erkannte, wollte er ihm sein Amt abtreten, allein da Fulgentius sich dessen weigerte, musste er mit ihm die Verwaltung teilen. Sechs Jahre standen sie mit herzlicher Eintracht dem Kloster vor. Felix besorgte das Zeitliche Fulgentius den Unterricht. – Durch einen verheerenden Einfall der wilden Numidier vertrieben, welche das ganze Land verheerten, zogen sie sich nach Sikka-Veneria, einer Stadt im innern Afrika, zurück. Nicht lange weilten sie dort, als ein arianischer Priester, der erfahren hatte, daß sie treue Verfechter des Glaubens an die Gottheit Jesu seien, die beiden Männer verhaften und mit Prügeln grausam schlagen ließ. Unmenschlich war die Misshandlung, welche Fulgentius um Jesu willen erduldete, selbst die Arianer wurden darüber aufgebracht, und als der arianische Bischof den grausamen Priester strafen lassen wollte, wenn Fulgentius es verlangte, gab dieser zur Antwort: „Einem Christen sei die Rache untersagt, und er wolle weder die Frucht der Geduld, noch die Ehre, für Jesus Schmach gelitten zu haben, verlieren.“ Um der Wut der Verfolger zu entgehen und voll des Verlangens nach höherer Vollkommenheit, faßte Fulgentius den Entschluss, die Einsiedler Ägyptens zu besuchen und dort in tiefer Einsamkeit Gott zu dienen. – Zu diesem Zweck bestieg er ein Schiff, und kam auf der Reise nach Sizilien, wo damals der gottselige Bischof Eulalius lebte und wirkte. Von diesem wurde er gütig aufgenommen, aber, als er ihm den Plan seiner Reise entdeckte, von seinem Vorhaben abwendig gemacht. Er erfuhr nämlich aus dem Munde des Bischofs, daß leider ein großer Teil der Mönche Ägyptens von der Gemeinschaft des päpstlichen Stuhles zu Rom getrennt und der Irrlehre sich hingegeben hätte. Dies schreckte Fulgentius ab, denn ihm lag die Einigkeit der heiligen Kirche tief im Herzen und er wollte um keinen Preis den heiligen Glauben verlieren. Er beschloß also, in Sizilien zu bleiben. Obgleich sein Lebensunterhalt, den ihm Bischof Eulalius reichte, gering war, fand er doch noch Mittel, die Armen zu unterstützen, so, daß sich der Bischof selbst an seiner Liebe erbaute. Lange aber hielt sich der Heilige hier nicht auf, ihn trieb es nach Rom zu den Gräbern der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus. Er reiste auch wirklich dahin ab, und traf gerade zu der Zeit in Rom ein, als Theodorich, König von Italien, dort selbst im Jahre 500 n. Chr. Seinen ersten Einzug hielt. Er sah diesen König auf öffentlichem Platz, umgeben von dem glänzendsten Hofstaat, auf einem herrlich geschmückten Thron sitzen. Bie diesem Anblick rief der Heilige aus: „Ach, wenn das irdische Rom so schön ist, wie muss erst das himmlische Jerusalem sein! Wenn in diesem vergänglichen Leben Gott die Anhänger und Liebhaber der Eitelkeit mit so großem Glanz umgibt, welche Ehre, welche Herrlichkeit, welche Seligkeit muss er erst seinen Heiligen im Himmel vorbereitet haben!“

Kurze Zeit nachher kehrte Fulgentius wieder nach Afrika zurück, wo er mit unglaublicher Freude empfangen wurde. Zu Byzazene stiftete er ein Kloster, in dem sich bald eine Anzahl frommer Männer zusammen fand. Da man ihn aber zum Vorsteher des Klosters erheben wollte, zog er sich heimlich in ein kleines, am Meeresufer gelegenes Kloster zurück. Hier brachte er seine Zeit mit Gebet und Arbeit zu; wurde aber entdeckt, und musste auf Befehl des Bischofs Faustus seine Einsamkeit verlassen, die Leitung seines Klosters übernehmen und sich zum Priester weihen lassen. Durch die Verfolgung der Arianer waren damals viele Bischofssitze in Afrika leer geworden; das Volk wollte dieselben besetzen und unter andern frommen Männern auch Fulgentius zum Bischof wählen. Der demütige Mann aber hielt sich während der Wahlzeit verborgen, und erst als er glaubte, man hätte seiner vergessen, trat er aus seiner Verborgenheit wieder hervor. Allein Gott fügte es anders. Die Stadt Ruspe hatte noch keinen Oberhirten, und Fulgentius wurde nun wider Willen aus seinem Kloster genommen und zum Bischof erwählt und geweiht. Auch in seiner neuen Würde führte er seine strenge Lebensweise fort; seine Kleidung bestand aus einem ärmlichen wollenen Unterkleid; seine Füße ließ er unbeschuht, seine Lagerstätte war der harte Boden, seine Decke war sein Kleid, seine Speise waren Gemüse, Wurzeln und Eier; sein Trank war Quellwasser, das er erst im hohen Alter mit etwas Wein vermischte; nie aß er Fleisch, nie waren seine Speisen gewürzt. – Mit dieser so leiblichen Strenge verband er die größte Bescheidenheit, Sanftmut und Demut, wodurch er sich die Liebe aller Menschen, sogar seiner Feinde erwarb. Seine Liebe zur Einsamkeit verließ ihn auch als Bischof nicht; um derselben Genüge zu tun, wollte er ein Kloster neben der Kirche erbauen, allein bevor er seinen Plan ausführen konnte, verbannte ihn der arianische König Trasimund mit noch andern sechs Bischöfen nach der Insel Sardinien. Auch in diesem Ort der Verbannung erwarb sich Fulgentius die Liebe seiner Leidensgenossen. Er tröstete sie, gab ihnen oft Rat in ihren Zweifeln, und stärkte sie in ihrem Glauben und Vertrauen. Mit einigen derselben führte er ein klösterliches Leben und bald leuchtete er auch hier im Glanz aller Tugenden. Die Betrübten suchten Trost, die Armen Hilfe bei ihm, bei den vorkommenden Zwistigkeiten suchte man seinen Rat und sein Urteil wurde jedesmal geachtet. In dieser Zeit verfaßte er auch mehrere Trostbriefe an die Verbannten und an seine verlassene Gemeinde, um sie im Glauben zu stärken.

Als der irrgläubige König Trasimund erfahren hatte, daß Fulgentius der gelehrteste Verteidiger des hl. Katholischen Glaubens sei, ließ er ihn von Sardinien zurück rufen und zu sich nach Karthago führen. Hier ließ er dem heiligen Mann eine Schrift mit Einwürfen gegen den wahren Glauben zustellen mit dem Befehl, eine deutliche kurze Antwort zu geben. Fulgentius tat es so bündig, daß der ketzerische Fürst ihm erlaubte in Karthago zu bleiben. Mit dem größten Eifer, aber auch mit aller christlicher Klugheit trat der Heilige hier den Irrlehrern entgegen, befestigte die Gläubigen in ihrer treue und deckte die Schleichwege der Ketzer auf. Da die Anzahl der rechtgläubigen durch die Bemühungen des hl. Fulgentius immer größer wurde, ergrimmten die Ketzer, verklagten den Heiligen beim König Trasimund und bewirkten, daß er aufs Neue nach der Insel Sardinien verbannt wurde. Die treue und Standhaftigkeit seines Dieners belohnte nun Gott mit der Gabe der Wunder; der Heilige aber suchte die Kenntnis derselben zu verheimlichen und pflegte zu sagen: „Man kann die Gabe der Wunder haben und dennoch seine Seele verlieren. Die Wunder geben noch keine Sicherheit des Heiles, sie können zwar Hochachtung und Beifall verschaffen; allein was würde es einem Menschen nützen, auf der Welt hoch geschätzt zu sein, wenn er nachher zur höllischen Pein verdammt wird.“ Nicht lange währte, wie es auch der Heilige vorhergesagt, die Verbannung. Schon nach drei Jahren starb König Trasimund und Fulgentius wurde nun von dessen Sohn Hilderich zurück gerufen. Ungeheuer war der Jubel und das Frohlocken des Volkes, als der geliebte heilige Bischof in Karthago einzog. –

Die ganze Stadt frohlockte in heiliger Freude; das Gedränge des Volkes war so groß, daß den Heiligen einige Männer umgeben und beschützen mussten, damit er nicht erdrückt werde. Obgleich der Regen in Strömen herab fiel, zerstreute sich doch die Menge nicht; und die angesehensten Männer zogen ihre Oberkleider aus, um das entblößte Haupt des geliebten Oberhirten gegen den Regen decken. Nicht minder groß war die Freude der Einwohner von Ruspa, als ihr geliebter Hirt und Vater sich der Stadt näherte. Sie zogen ihm mit Fackeln und Baumzweigen entgegen, und führten ihn unter den lebhaftesten Äußerungen der Liebe und des Dankes in die Stadt. Kaum aber angekommen, begann er sogleich mit allem Eifer sein heiliges Amt wieder zu verwalten und die während seiner Abwesenheit da eingeschlichenen Missbräuche auszurotten. Es gelang ihm durch sanfte Schonung die verstocktesten Sünder zu gewinnen, und durch unausgesetzten Unterricht viele Verirrte auf den Weg der Wahrheit zu leiten. Doch die gewaltige, unausgesetzte Anstrengung in Erfüllung seines heiligen Amtes verzehrte seine Kräfte. Er fühlte das Ende seines Lebens nahen, und um sich auf einen glückseligen Tod vorzubereiten, zog er sich in ein Kloster auf einer nahe gelegenen Insel zurück. – Allein das Weheklagen seiner Herde rief ihn wieder nach Ruspe. Während seiner letzten schmerzlichen Krankheit, die sechzig Tage dauerte, wiederholte er unaufhörlich die schönen Worte: „Herr, verleihe mir jetzt Geduld und nachher die Verzeihung.“ Sterbend ließ er seine Geistlichen und Mönche um sich versammeln, und da alle in Tränen ausbrachen, tröstete er sie, bat jene, die er möchte beleidigt haben, um Verzeihung und verschied endlich ruhig, nachdem er ihnen noch kurze aber rührende Lehren erteilt hatte, im Jahre 533 dem 65. seines Lebens, und wurde wegen der Heiligkeit seines Lebens, wider die Gewohnheit der damaligen Zeit, in der Kirche zu Ruspe begraben. Seine heiligen Reliquien ruhen jetzt in der Kirche zu Bourges in Frankreich. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 23 – S. 30

Category: Bischöfe, Ott
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