Beschneidung unseres Heilandes

Auf dem Bild sieht man einen bärtigen Mann, der das Jesuskind hält; vor ihm sitzt ein Mann, der wohl die Beschneidung vornimmt; links stehen Maria und Joseph

Die Beschneidung unseres Heilandes

Luk. 2, 21. Und als acht Tage um waren und das Kind beschnitten werden sollte, ward sein Name Jesus genannt, wie ihn schon der Engel genannt hatte, ehe er im Mutterleibe empfangen war.

Acht Tage nach der Geburt folgte dann die Beschneidung.

Bedeutung der Beschneidung

Die Bedeutung der Beschneidung lag vor allem und hauptsächlich darin, daß sie das Zeichen des Bundes, das Zeichen der Einverleibung in die jüdische Religion (Gen. 17, 9-14) und der Absonderung von andern Völkern war. Folgerichtig bedeutete dann die Beschneidung auch die Übernahme des Gesetzes, die Verpflichtung zu demselben (Gal. 5, 3) und im Falle der Übertretung den Fluch (Röm. 2, 25), sowie die Anteilnahme an dessen Segnungen und Verheißungen, namentlich der Verheißung großer Nachkommenschaft und des Messias. Endlich war die Beschneidung ein Zeichen der Sündhaftigkeit und der Notwendigkeit der Abtötung oder Beschneidung des Herzens (Deut. 10, 16; 30, 6). –

Bei der Beschneidung erhielt das Kind auch seinen Namen (Gen. 17, 5; 21, 3. 4; Luk. 1, 59). Jetzt fing das Kind erst in der Gesellschaft eigentlich an zu leben und hatte ein volles Dasein in der bürgerlichen und religiösen Ordnung. – Es war also die Beschneidung ungefähr wie unsere Taufe, die nicht bloß die Befreiung von der Erbsünde ist, sondern auch der Eintritt in die Kirche, die Angliederung an dieselbe mit der Verpflichtung u ihrem Glauben und Sittengesetz. Deshalb nennt sie der hl. Paulus ein Vorbild der Taufe (Kol. 2, 11; Phil. 3, 3).

Was das Äußere der Zeremonie betrifft, so musste die Beschneidung am achten Tage nach der Geburt stattfinden (Lev. 12, 3); sie konnte aber zu Hause oder an an jedem andern Ort vorgenommen werden und zwar von jedem Beliebigen. Gewöhnlich war es das Familienhaupt, das die Beschneidung vollzog und den Namen beilegte. Zu größerer Feierlichkeit wurden Verwandte und Nachbarn eingeladen, von denen zehn Zeugen sein sollten, und einer von ihnen, der zu den Gebeten antwortete, war gewissermaßen Pate.

Gründe, warum der Heiland sich dem Gesetz unterwarf

An und für sich war Christus dem Gesetz der Beschneidung nicht unterworfen. Als Gottmensch war er an ein menschliches oder überhaupt an ein positives Gesetz nicht gebunden, ebenso wenig als der Fürst bezüglich der Gesetze, die er seinen Untertanen als solchen gibt, z. B. Steuergesetze. Der Gottmensch war aber Gesetzgeber und Haupt des Alten Bundes und fiel als solcher nicht unter die Verpflichtung seiner Gesetze, wie er denn später oft diese Freiheit verteidigt (Matth. 12, 8; 17, 25). Er unterwarf sich also nur, weil er selber wollte, und zwar aus folgenden Gründen:

Beweis seiner wahren Menschennatur

Erstens wollte der Heiland durch die Beschneidung wieder einen Beweis seiner wahren Menschennatur geben, und zwar auch in dem Sinne, daß er in allem uns gleich werden wollte. Er nimmt eine menschliche Natur an, ein Vaterland, eine Nationalität, nun auch eine bestimmte Religionsform und einen Namen, er, der Urheber aller Menschen und Völker, der Namenlose und Unaussprechliche! Ebenso will er im vollständigsten Sinne sich ausweisen als einen Abkömmling Abrahams, der die Beschneidung annahm als Zeichen des Bundes und Glaubens (Gal. 3, 7). Sonst wäre er in keinem Fall von den Juden als ein wahrer Sohn Abrahams und als Messias angenommen worden.

Bestätigung des alten Gesetzes

Zweitens ließ sich der Herr beschneiden, um das alte Gesetz zu bestätigen, weil es ein göttliches Gesetz war und der Weg zu Christus. Ja er nahm die Beschneidung an, um das Gesetz zu erfüllen im höchsten Sinne des Wortes, d. i. durch vollkommene Beobachtung, durch Erfüllung der Vorbilder und Verheißungen, durch den Inhalt der Gnade und durch Erstehung der Strafen für die Übertretungen durch die Menschen, seine Brüder. Deshalb vergießt er heute zum ersten Mal sein Blut und bietet sich selbst zum Schlachtopfer an, und diese ersten Blutstropfen sind nur ein Unterpfand dafür, daß er später am Kreuz sein ganzes Blut und Leben zum Opfer bringen wird. Diese ernste Bedeutung hat für den Heiland die Beschneidung. Es ist dieses Blut wie ein unheimliches Morgenrot über dem Himmel seiner Kindheit, es deutet auf Sturm und Ungewitter (Matth. 16, 3; Gal. 3, 10. 13).

Ermunterung zur wahren Beschneidung des Herzens

Drittens wollte der Heiland uns durch die Beschneidung ermuntern, alle Mittel, die Gott zeitweilig vorschreibt und gibt, zu gebrauchen, um der Sünde zu entgehen, Gehorsam und Buße zu üben und die Abtötung, die wahre Beschneidung des Herzens vorzunehmen (Matth. 3, 15) und jedes Ärgernis zu vermeiden (ebd. 17, 26).

Mit der Beschneidung Erwerb der Herrlichkeit des Namens Jesus

Viertens endlich wollte sich der Heiland durch die Beschneidung den Namen Jesus und seine Herrlichkeit erwerben. Diese Herrlichkeit des Namens Jesu besteht zuerst in seinem Ursprung. Urheber dieses Namens war Gott selbst. Er teilte ihn Maria (Luk. 1, 31), Is. 7, 14) und Joseph (Matth. 1, 21) mit, der ihn dem Heiland als gesetzlicher Vater gab. –

Ferner besteht die Herrlichkeit dieses Namens in der Bedeutung. Er bedeutet „Gott ist Heil, Heiland“ und bezeichnet so, voll und kräftig, sowohl die Natur, das Wesen, als auch die Aufgabe des Gottmenschen. Als Heiland war er von den Propheten verkündet (Is. 12, 2; 62, 1; Mich. 7, 7; Zach. 9, 9; Hab. 3, 18). Es ist also Jesus der persönliche und volle Name des Gottmenschen. –

Endlich besteht die Herrlichkeit des Namens Jesu in seinen Wirkungen und Segnungen für uns und für den Heiland. Für uns ist er ein wahres Sakramental. Alles, was der Heiland uns geworden, ist uns auch sein Name, nämlich Unterpfand der Verheißung unserer Sünden, der Erhörung unserer Bitten und Gebete (Joh. 16, 23), Unterpfand des Trostes in Versuchungen, im Leben und Tod, ja alles Segens (Apg. 4, 12). Für den Heiland aber ist der Name das Werkzeug der Glorie und Herrlichkeit, indem ihm durch denselben alle Ehre zu Teil wird: Anrufung, Vertrauen, Ehrfurcht, Anbetung, Liebe und die Glorie der Wunder, die in diesem Namen gewirkt werden. Es ist dieser Name gleichsam die glorreiche Vergeltung des schweren Erlösungswerkes, so daß nun in diesem Namen alle Knie sich beugen im Himmel und auf Erden und unter der Erde (Phil. 2, 10). Es ist gewiß ein großer und glorreicher Name. Der Gottmensch hatte viele Namen (Is. 7, 14; 9, 6; Zach. 6, 12; Dan. 7, 13), aber keiner war ihm lieber und teurer als dieser, namentlich weil er ihn stets an uns erinnerte. Deshalb klingt er auch überall wieder; er wird genannt bei seiner Wiege und er steht über seinem Kreuz.

Schlussfolgerungen aus der Beschneidung Jesu

Es folgt aus dem Gesagten vor allem, daß wir den göttlichen Heiland lieben, der uns so in allem gleich und ähnlich sein, selbst einer Religion angehören will und nun wirklich die Gestalt des Knechtes, des Sünders und Sühnopfers und einen Namen annimmt, durch welchen er uns alles sein will.

Ferner folgt aus dem Geheimnis für uns, daß wir bereitwillig und großmütig uns allem unterziehen, was unsere Religion und unser Beruf uns auferlegt an Pflichten und Opfern (Kol. 2, 11. 12). er hat durch die Beschneidung und den Namen, den er annahm, ganz andere Pflichten aus Liebe zu uns übernommen. Er sollte zur Sühnung unserer Sünden sterben. Und er hat es erfüllt. Er konnte diesen seinen Namen nie sehen und hören, ohne sich angetrieben zu fühlen, alles für uns zu tun und zu leiden. Sollten wir denn das nicht auch aus Liebe zu ihm?

Die letzte Schlussfolgerung ist, daß wir den Namen Jesu auch ehren, gebrauchen und verherrlichen. Ehren können wir ihn durch andächtiges Aussprechen in Ehrfurcht und herzlicher Liebe, wie der Engel sie fühlte, als er zum ersten Mal diesen Namen sprach; wie Maria und Joseph, die ihn so oft auf ihren Lippen führten; wie alle guten Christen und treuen Anhänger Jesu; wie alle Apostel und Blutzeugen, die ihn bekannten und in demselben ihr Leben aushauchten. –

Gebrauchen aber können wir ihn, indem wir ihn auf alle unsere Werke setzen, alles in ihm tun, ihm anrufen in allen gefahren und Versuchungen (Hohel. 8, 6). – Wir verherrlichen ihn endlich, indem wir ihn als Christen mit Ehren tragen und seine Kenntnis und seinen Dienst nach Kräften erweitern, alles ihm dienstbar zu machen suchen. Jede Art dieses Gebrauches und dieser Verehrung umgibt den Namen Jesu mit einem neuen Glorienschein im Himmel. –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes, Bd. 1, 1912, S. 132 – S. 136

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