Hl Franziska von Rom sieht den Himmel

Die heiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Heiliger Geist als Taube und Christus auf dem Thron, umgeben von Engeln und von Heiligen aus allen Ständen

Die Heilige Franziska von Rom sieht den Himmel

In der Woche nach dem Fest Mariä Lichtmeß sieht die Heilige in einer Verzückung einen weiten Kreis, welchen ein ungeheures und sehr helles Feuer mit einem übernatürlichen Licht erfüllt und unter welchem sich die dickste Finsternis ausdehnte. Mitten in den Flammen steht ein Tabernakel, dienend als Träger des Thrones Jesu Christi. Franziska kann den Glanz des Angesichtes unseres Herrn nicht ertragen, sie sieht aus jeder Wunde herrliche Strahlen hervorgehen welche sich über die heiligen Seelen ausbreiten, sie mit strahlendem Schein umfließen und mit Licht durchdringen. Sie gewahrt auch die Seelen einiger noch auf Erden Lebender, welche an dieser göttlichen Klarheit Teil nehmen; sie erfährt, daß diese Seelen treu in der Gottesliebe verharren, ohne sich durch Versuchungen oder Trübsale, welche von dem irdischen Dasein unzertrennlich sind, abwenden zu lassen. Franziska erkennt die heilige Maria Magdalena unter den Seligen, welche im Gefolge des Heilandes sind: die heilige Agnes, die heilige Katharina etc. Es wird ihr geoffenbart, daß, wer da Teil nehmen will am Genuß der ewigen Liebe, sich von aller inneren und äußeren Anhänglichkeit an irdische Dinge losschälen müsse, um Jesu allein zu folgen und so zur wahren Armut des Geistes und zur vollkommenen Losschälung von aller Kreatur zu gelangen. – Magdalena mit ihren Gefährtinnen sangen hierauf abwechselnd diese Worte.

„Drei Dinge sind es, welche der Arme im Geist dem Herrn ohne Rücksicht übergibt: Sein Gedächtnis, um Alles, außer Gott, zu vergessen. Seinen Verstand, um sich nur allein mit Ihm zu beschäftigen. Seinen Willen, um nichts zu wollen, außer was Er will.“
„Der Arme im Geist haßt das Lob; er weiß, daß alle Ehre Gott allein gehört. Er erfreut sich im Unglück und Leiden. Er stößt alle weltlichen Freuden von sich. Er ahmt die Gerechtigkeit Gottes nach und rächt sich nur an sich selbst mit einem heiligen Haß über die begangenen Fehler.“
„Er liebt die, so ihn verfolgen, und ihm Leiden bereiten. Er dankt Gott für jeglichen Schmerz. Er ist gierig nach Verachtung und bleibt in demütiger Vernichtung in seinen Augen. Er setzt sein Glück nicht darein, reich zu sein, aber darein, mit Wenigem befriedigt zu werden.“
„O Herr, o Herr, der Überfluß ist nur dem nötig, dem du nicht genügst.“
„Heilige Jungfrau, deren Haupt mit drei Kronen geschmückt ist, du allein warst vollkommen arm im Geiste. Dein Wille war immer vereint mit dem göttlichen Willen. Deshalb bist du Königin des Himmels und über alle Chöre erhoben. Alle sollen dein Lob singen; denn durch deine Demut und Frömmigkeit hast du uns vom Untergang und dem Tode befreit!“ …

Ein anderes Mal ward Franziska nach der heiligen Kommunion verzückt und in eine weite, blütenreiche Ebene geführt; inmitten derselben befindet sich Jesus in Gestalt eines weißen Lammes. An seiner Seite steht ein junger, schöner Mann, bekleidet mit einer Tunika, wie sie die Diakonen tragen, und sein Haupt schmückt ein wohl duftender Kranz. Eine Menge Personen, beiderlei Geschlechts, alle schön, alle mit Blumen bekränzt, umgeben das Lamm; jede Person hat einen Engel neben sich, ähnlich de, der bei Franziska steht. Die Seligen gehen vor dem Herrn vorüber, neigen sich tief und sagen Dank für die Wohltat der Erlösung. Unterdessen sieht unsere Heilige aus dem Berg, auf welchem das Lamm thront, fünf Ströme in verschiedenen Farben hervor strömen. Die Anwesenden trinken daraus, und fordern Franziska auf, ein Gleiches zu tun; sie gehorcht, und fühlt sich von Freude und ganz unaussprechlicher Zufriedenheit durchdrungen. Darauf naht sich ihr der Jüngling in der Tunika und sagt zu ihr: „Diese fünf Ströme stellen die fünf Wunden des Erlösers vor und ihre verschiedenen Farben haben eine geheimnisvolle Bedeutung.

Der Erste ist rot, um uns an die brennende Liebe Jesu zu erinnern, mit der er sein Blut vergossen hat, um zu retten, was verloren war. – Die zweite ist weiß, und bedeutet die Reinheit und Unschuld., die den Menschen durch das Verdienst des Leidens des Herrn wieder gegeben worden ist. Die dritte ist grün, weil wir durch das Verdienst des Blutes von dem Mensch gewordenen Wort die Hoffnung des ewigen Lebens haben. Die vierte, welche blau ist, ist das Sinnbild des vollkommenen Gehorsams des Sohnes Gottes, welches sich dem Tode hingegeben, um den Willen seines Vaters zu tun. – Diese Tugend ist der wahre Schild der Getreuen Jesu Christi; durch diesen bemächtigen sie sich aller Früchte seines Leidens. Der letzte Strom hat die Farbe des Diamanten, um uns zu erinnern, daß der starke, reine Glaube die Seele erhebt, sie in Gott allein ruhen läßt und ihr niemals erlaubt, sich von dem höchsten Gute zu trennen.“ – aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 357-364; S. 367-39

siehe auch den Beitrag: Die hl. Franziska von Rom sieht die Hölle

Bildquellen

  • Hattler Wie Sieht Dein Himmel Aus: Bildrechte beim Autor
Category: Himmel, Ott
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