Maria Loreto zu Tersat in Kroatien

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Die Übertragung des heiligen Hauses von Nazareth nach Loreto; getragen von den Engeln; Maria die Muttergottes und ihr Sohn, der Heiland Jesus Christus auf ihrem Schoß, befinden sich auf dem Dach ihres Häuschen

Maria Loreto zu Tersatto in Kroatien

Hoch über der Hafenstadt Fiume erhebt sich ein steiler Felsen, auf welchem das uralte Stammschloss der Grafen Frangipani, Tersat oder Tersatto (kroatisch: Trsat), ruht. Um die steilste Seite des Felsens fließt in einem Halbkreis der Fluss Fiumara. An das Schloss stößt ein kleiner Bergflecken und an diesem liegt ein Franziskaner-Kloster mit einer viel besuchten Wallfahrtskapelle, Maria Loreto geheißen.

Im Jahre 1291, in der Nacht des 10. Mai, ward das heilige Haus von Nazareth von Engelshänden nach Tersat getragen. Fromme Landleute, die in der Frühe an ihre Arbeit gingen, fanden es auf dem Boden freistehend. Einfach und sachlicht war das Haus; die Türe war mitternachtwärts gewendet und das einzige Fenster gegen Niedergang. Das Dach trug ein kleines Glockentürmchen, das Gewölbe zierten goldene Sterne. Der Altar war mit Tüchern belegt und das Antependium war himmelblau. Auf dem Altar stand das Muttergottes-Bild mit dem Jesuskind; es war aus dem feinsten Zedernholz geschnitzt, dergleichen die Mönche auf dem Berg Libanon verfertigten. –

Damals residierte Nikolaus, Graf von Frangipani, Ban in Dalmatien, Kroatien und Slawonien, in der Stadt Modeus, die jetzt ein Dorf ist. Dieser reiste alsbald, wie er die Kunde vernahm, daß die Engel das Haus der allerseligsten Jungfrau gegen Tersat getragen, nach seinem Stammschloss und sandte mehrere glaubenswürdige Personen nach Nazareth, um zu erforschen, ob auch in der Tat das heilige Haus dort fehle. Nach vier Monaten kehrten die Pilger zurück und beschworen, daß sie in Nazareth das Haus nicht mehr gefunden, und daß es wahrhaft in Tersat stehe.

Doch siehe, nicht lange blieb das heilige Haus in Tersat; am 10. Dezember 1294 um die Mitternachts-Stunde verschwand es, und die Engel setzten es unweit Ancona auf einem Hügel des recanatischen Waldes nieder, und nicht lange darauf brachten sie es in ein Gehölz, das einer Edelfrau mit Namen Lauretta, gehörte, daher der Name „Loreto“. (siehe den Beitrag: Übertragung des heiligen Hauses von Loreto)

Voll Trauer über den großen Verlust ließ Nikolaus von Frangipani dem betrübten Volk eine, dem heiligen Haus im Äußeren ganz gleiche Kapelle erbauen, und Papst Urban V. sandte im Jahre 1362 ein Bild der Mutter Gottes nach Tersat, das der Evangelist Lukas eigenhändig auf eine Tafel von Zedernholz gemalt, und begnadigte die Kapelle mit vielen Ablässen. Damit begann der große Zulauf der Gläubigen, welcher von jeher Tersat zu einem der berühmtesten Wallfahrtsorte gemacht hatte, –

Martin Frangipani stellte hierauf eine größere Kirche her, gründete dabei ein Franziskaner-Kloster und versah es mit reichlichen Einkünften. Später erbaute man noch mehrere Kapellen an dem Gnadenort und die Fürsten von Österreich unterließen keine Gelegenheit, ihre besondere Verehrung für denselben an den Tag zu legen. Aber auch viele der zahlreichen Wallfahrer aus Kroatien, Krain und Istrien legten kostbare Spenden auf dem Altar der Gottesmutter nieder. Im Jahre 1715 schickte der heilige Vater zwei goldene Kronen hierher, mit welcher Jesus und Maria unter großen Feierlichkeiten gekrönt wurden. Tausende von frommen Pilgern besuchen noch immer alljährlich Unsere Liebe Frau von Loreto zu Tersat. (Kaltenbäck.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 510 – Sp. 511

Bildquellen

  • ott-marianum-uebertragung-loreto: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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