Die selige Dominika von Paradies

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

5. August

Die gottselige Dominika von Paradies

Dominika wurde in einem Dorfe nahe bei Florenz, Paradies genannt, von armen Eltern geboren. Von frühester Jugend an verrichtete sie fromme Andachtsübungen zur göttlichen Mutter, alle Tage der Woche fastete sie zur Ehre Mariens und am Samstag teilte sie dann die Speisen, welche sie sich selbst entzogen hatte, den Armen aus. — Als sie einmal hörte, daß die Blumen, welche Jemand Jesus und Maria opfere, nach seinemTode alle um das Grab herum gestreut würden, um den damit zu krönen, der in seinem Leben sie geopfert,glaubte sie in kindlicher Einfalt dieses recht fest.

An den Samstagen machte sie daher Kränze von Blumen, welche sie auf dem Feld sammelte, und bekränzte damit die Bildnisse Jesu und Mariä. Wenn sie aber keine natürlichen Blumen fand, bediente sie sich von der Hand gemachter Blumen. – Wegen ihrer innigen Liebe zur Gottesmutter und ihrer zarten Andacht trat sie, ohne es zu kennen, bald in den traulichsten Verkehr mit der Himmelskönigin, die sich so gerne zu unschuldigen Seelen herab läßt.

Dominika hatte frühzeitig ihren Vater verloren. Da erschien ihr eines Tages die göttliche Mutter und sprach zu ihr: „Deiner Mutter sei zu Hause recht gehorsam; gehe mit den Deinigen im Hause so behutsam, demütig und ruhig um, daß du ja keine Ursache zu Zank und Unfrieden gibst. Lieber halte eine glühende Kohle auf deiner Zunge, als daß du eine Lüge sagst; schweige und rede wenig. Deine Augen öffne nur für den Himmel und schließe sie aller Eitelkeit der Welt. Gib wohl acht, daß du keine menschliche Person berührest; siehe dich selbst nicht an und berühre nie einen Teil deines Leibes; hüte dich vor jeder Sünde und auf daß du nicht einen einzigen Fehler begehst, so tue nie Etwas, ohne zuvor die Einwilligung von deinem Jesus zu erhalten.“

Das fromme, einfältige Mädchen gehorchte willig der Gottesmutter, aber wie? Wenn sie die Hände waschen sollte, nahm sie in ihrer Einfalt ein weißes Tuch, umwickelte sich damit die Hand und selbes in ein Wasser tauchend, wusch sie sich damit die andere Hand, ihr Antlitz und ihre Arme. Weil ihr die ältere Schwester das Haupt waschen und kämmen sollte, wollte sie es nicht zulassen und rief die Liebe Frau um Hilfe an. Maria erschien ihr auch und sagte ihr, daß sie in ihrer Behutsamkeit nicht so weit gehen, daß sie sich waschen und von ihrer Schwester reinigen lassen sollte; denn dies sei notwendig und diese Berührung habe sie nicht gemeint. — Eines Tages brachte ihre Mutter Konstantia ein Stück Zeug und befahl ihr, daraus ein Kleid zu machen. Dominika verwunderte sich höchlich über das Begehren der Mutter, denn sie hatte bisher nur Feldarbeit getan und im Nähen sich nicht geübt. Doch, da die Mutter Gottes ihr befohlen hatte, in allen Stücken gehorsam zu sein, und sie nicht wußte, was sie anfangen sollte, flehte sie wieder zur Himmelsmutter um Hilfe; und siehe, die gütigste Frau ließ sich zu der Kleinen herab, segnete ihre Hände und sprach: »Nun so beginne und tue, was ich dir gezeigt habe.“ Von diesem Augenblick an konnte Dominika nähen.

Als sie an einem Samstag wie gewöhnlich wieder Blumen gesammelt und zu Kränzen gewunden hatte, um sie dem göttlichen Heiland und seiner glorwürdigen Mutter darzubringen, warf sie sich auf die Knie und betete in ihrer kindlichen Einfalt, Jesus und Maria möchten sich an dem Wohlgeruch der Blumen erfreuen. Doch während des Gebetes dachte sie, daß sie dieser Gnade nicht würdig sei, weil sie noch nicht ihr Almosen ausgeteilt habe. Sie steht daher auf und naht dem Fenster, um zu sehen, ob nicht etwa eine arme Person vorübergehe.

Da sah sie auf der Straße eine sehr schöne Frau, ernsten Antlitzes, ihr Söhnlein an der Hand führend, und beide die Hände ausstrecken und ein Almosen begehren. Sogleich holte Dominika ein Stück Brot, aber plötzlich, ohne daß sich die Türe geöffnet hätte, standen Mutter und Kind neben ihr. Da bemerkte Dominika, daß der Knabe an Händen, Füßen und der Brust Wunden habe. Sie fragte die schöne Frau, wer doch wohl das kleine Kind so verletzt habe? „Die Liebe“, antwortete die Frau. Dominika, die von der Schönheit und Eingezogenheit des kleinen Knaben ganz entzückt war, fragte ihn, ob ihm seine Wunden nicht wehe täten? Das Kind antwortete nur mit freundlichem Lächeln. Als Beide hierauf ganz nahe zu dem Bilde der Mutter Gottes mit dem Kinde getreten waren, das Dominika in ihrem Zimmer hatte, da sprach die schöne Frau zu dem Mädchen:„Sage mir, meine Tochter, warum hast du dies Bild mit Blumen verziert?“ „Die Liebe zu Jesus und Maria“ erwiderte Dominika, „hat mich dazu bewogen.“ „Wie sehr liebst du sie denn?“ fragte die Frau. „So sehr ich nur kann“, entgegnete das fromme Mädchen. „Aber wie sehr kannst du sie denn lieben?“ „Soviel als sie mir helfen.“ – Da sprach die Frau: „Fahre fort, liebes Kind, Jesus und Maria recht lieb zu haben und glaube mir, sie werden es dir im Himmel einmal vergelten.“

Dominika konnte stets unterdessen an der lieblichen Schöne des kleinen Knaben und seiner Mutter nicht satt sehen und näher hinzutretend, bemerkte sie, daß ein ganz himmlischer Wohlgeruch aus den Wunden des Knaben hervor kam. Sie fragte daher die Mutter: „Mit was für einen Balsam salbst du denn die Wunden deines Sohnes, daß sie solchen Geruch von sich geben?“ „Mit dem Balsam der Liebe“, entgegnete die Mutter. „Wie kann ich solchen Balsam erhalten“, sagte Dominika. „Durch Glauben und Liebe und gute Werke erhältst du ihn“, sprach die Mutter. Nun wollte Dominika die Wunde an der Brust des Kindes mit einem Tuch abtrocknen, aus welcher ein noch herrlicherer Wohlgeruch entströmte, aber die Frau gestattete es nicht und der kleine Knabe wich zurück. Da reichte Dominika dem Knaben das Stück Brot hin und sprach: „Komme her, mein Kind, ich will dir Brot geben.“ „Seine Speise“, versetzte die Frau, „ist die Liebe“, sage ihm: „Mein Jesus, ich liebe dich“, so wirst du ihm die größte Freude machen.

Als der Knabe den leiblichen Namen Jesus hörte, da wurde er ganz freudig bewegt und fragte das kleine Mädchen, wie sehr es denn Jesum liebe? „ich liebe ihn so sehr“, entgegnete Dominika,, „daß ich Tag und nacht immer an ihn denke und nichts anderes suche, als ihm zu gefallen, so gut ich nur kann.“ „Fahre fort, ihn zu lieben“, antwortete der Knabe, „und dann wir die Liebe dich besser lehren, was du zu tun hast, um ihm wohl zu gefallen.“ Als nun der gute Geruch, der aus den Wunden kam, immer stärker wurde, da rief Dominika aus: „Dieser Wohlgeruch macht, daß ich vor Liebe beinahe sterbe. Wenn der Wohlgeruch eines Knaben hienieden so lieblich ist, o welch ein Wohlgeruch wird erst im Paradiese sein!“ Doch siehe, jetzt war plötzlich Alles verändert. Das Antlitz des Kindes fängt an zu glänzen und zu leuchten wie die Sonne und umgibt seine Mutter mit seinen leuchtenden Strahlen; er nimmt die Blumen, die Dominika opferte, und streut sie über das Haupt des seligen Mädchens aus, welches, da es erkannt hatte, Jesus und Maria seien es, die ihr erschienen sind, auf die Knie gefallen war und voll Freuden ihren Heiland anbetete. So endete die Erscheinung.

Später trat Dominika in den dritten Orden des heiligen Dominikus, woselbst sie im Jahre 1553 am 5. August im Ruf der Heiligkeit starb. (Auriema. St. Liguori.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1797 – Sp. 1800

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