Heiliger Bonfilius Stifter des Servitenordens

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiliger Bonfilius, der Erste der sieben heiligen Stifter des Ordens der Diener Mariä

Er wurde zu Florenz von vornehmen Eltern geboren, und erhielt in der heiligen Taufe den Namen Bonfilius, „guter Sohn“. Schon in seiner ersten Jugend war er ein Muster der Eingezogenheit und Sittsamkeit, so daß man an ihm einen Engel im Fleisch zu sehen glaubte. Besonders hatte er eine gar innige Andacht zu U. L. Frau, die ihn antrieb, ja nichts zu unterlassen, was ihr wohlgefällig sein könne. Deshalb ließ er sich in die damals zu Florenz blühende Bruderschaft vom Lobe Mairens einschreiben, und bemühte sich mit gleichgesinnten Brüdern, die Ehre der hohen Himmelskönigin überall zu befördern. An ihrem Himmelfahrtsfest hatte er das hohe, unaussprechliche Glück, die allerseligste Jungfrau, als er in ihrer Kapelle betete, im himmlischen Glanz, umgeben von den Chören der Engel, zu sehen und aus ihrem süßen Mund seinen Namen nennen und die Worte sprechen zu hören: „Verlasse die Welt und ziehe dich zurück an jenen Ort, den ich dir zeigen werde; ich werde allzeit mit dir sein und dich beschützen.“ Die nämliche hohe Gnade hatten mit ihm noch andere sechs gleichgesinnte vornehme Männer der Stadt Florenz, die, folgende dem Ruf der gebenedeiten Gottesmutter, mit ihm die Welt verließen und ihn wegen seiner Herzensgüte und Klugheit zu ihrem Oberen wählten. So entstand der berühmte Orden der Diener Mariä. Nachdem er Priester geworden, unterließ er keine Gelegenheit, sowohl bei öffentlichen Predigten, als auch gewöhnlichen Besprechungen das Lob der allerseligsten Jungfrau zu verkünden und die Liebe zu Jesus und zu ihr in allen herzen anzufachen. Im Jahre 1254 begann er den Bau eines Klosters und einer schönen großen Kirche zu Ehren U. L. Frau. Das Bildnis der heiligen Gottesmutter, welches in der kleinen Kapelle zu Cafaggio schon von alten Zeiten her verehrt wurde, war durch die Unbilden der Zeit und die Nachlässigkeit der Arbeiter, welche beim Umbau der Kapelle beschäftigt waren, ganz entstellt und in einen kläglichen Zustand versetzt. Er gedachte daher, ein neues an dessen Stelle zu setzen. Um aber seine Dankbarkeit gegen die göttliche Mutter, die sich gewürdigt hatte, ihn und seine Freunde unter dem Namen ihrer Diener zu berufen, an den Tag zu legen, und zugleich das nachahmungswürdigste Beispiel ihrer Demut aufzustellen, wollte er die allerseligste Jungfrau darstellen lassen, wie sie vom Engel begrüßt als die Mutter des Sohnes Gottes, in tiefster Demut sich eine Magd des Herrn nennt. Zu dem Ende berief er den berühmtesten Maler von Florenz, Bartholomäo genannt, um ein solches Bild zu entwerfen. Mit allem Aufwand der Kunst hatte der Maler bereist den Engel gemalt und war schon mit der Figur der seligsten Jungfrau fertig bis auf das Angesicht, an das aber Hand anzulegen er sich nicht entschließen konnte, weil er nicht wußte, wie er die himmlische Reinheit und Milde der göttlichen Jungfrau ausdrücken sollte. Oft hatte er schon den Pinsel ergriffen, aber immer wieder weg gelegt, und er war schon entschlossen, das Bild, unvollendet zu lassen. Doch nochmals versuchte er es, sich im Geist vorzustellen, wie er das himmlische Antlitz der Himmelskönigin malen könne. Da befiel ihn ein sanfter Schlummer, der ihn in eine Art Entzückung versetzte. Als er erwachte, sieht er zu seiner höchsten Verwunderung das Angesicht der allerseligsten Jungfrau mit einer unvergleichlichen Schönheit und übermenschlichen Kunst gemalt. Nur eine Engelshand konnte so malen! Hingerissen von diesem Anblick ruft er aus: Wunder! Wunder! Alsbald eilt Bonfilius mit den Brüdern herbei, und alle, die das herrliche Antlitz U. L. Frau sahen, bekannten, daß sei die Arbeit seines Engels und nicht eines Menschen. Das ist jenes berühmte Gnadenbild, welches noch heut zu Tage in der prachtvollen Kirche Annunziata (Verkündigung) zu Florenz verehrt wird. Die Kapelle, welche das wundertätige Bild enthält, ist von unglaublichem Reichtum, und jährlich kommen Tausende von Wallfahrern aus Nah und Fern, um da ihre Andacht zu verrichten.

Eine der vorzüglichsten Sorgen des seligen Bonfilius für seinen neu errichteten Orden der Diener Mariens, der sich bereits bis nach Deutschland und Polen verbreitet hatte, war, die Bestätigung des päpstlichen Stuhles zu erhalten. Zu wiederholten Malen reiste er deshalb nach Rom, und es gelang ihm, wenigstens die mündliche Gutheißung zu bewirken. Zur Danksagung für diese Wohltat ordnete er im ganzen Orden zu Ehren U. L. Frau das tägliche Gebet von 3 Psalmen und ebenso vielen Lektionen an. –

Sein Leben, das so ganz Gott und Maria gehörte, in welchem jeder Gedanke, jedes Wort und Werk jede Mühe und Arbeit, Freude und Leid nur ein Ausdruck der reinsten, himmlischen Liebe war, musste auch ein glorreiches Ende nehmen. Er hatte sich im hohen Alter auf den Berg Senario, in das Mutterhaus des Ordens, zurück gezogen.

Um Mitternacht am 1. Januar 1262 befiel seinen durch strenge Buße abgemarterten Körper ein heftiges Fieber; dennoch wollte er nicht unterlassen, der Mette beizuwohnen. Nachdem diese vollendet war, versammelten sich die Ordensbrüder zu geistlichen Gesprächen über das Geheimnis der Beschneidung des Herrn. Auch Bonfilius war zugegen, und da seine Seele in der Betrachtung der unendlichen Liebe Gottes versenkt war, wurde er gewürdigt, von der gebenedeiten Mutter des Herrn den letzten Ruf zum Himmel zu vernehmen: „Bonfili, mein guter Sohn, sprach sie, weil du immer hörtest auf das Wort meines geliebten Sohnes und dasselbe auch befolgtest, so komme nun, jenes Gut in Besitz zu nehmen, daß du immer liebtest.“ Nach diesen Worten hauchte er sanft seine Seele aus. Sogleich umgaben die Brüder seinen heiligen Leib; sie sahen sein Angesicht glänzen und himmlische Wohlgerüche durchströmten die Zelle. Und abermals ließ sich die nämliche Stimme also vernehmen: „Kommt, ihr Heiligen des Herrn, kommt ihr Engel des Himmels und führt in das Reich der Seligkeit diese Seele ein, die mir auf Erden so treu diente, und ihr, meine geliebten Diener, begrabt den Leib.“ Voll Verwunderung und heiligem Schauer legten die Brüder den heiligen Leib in einen steinernen Sarg und senkten ihn in ein Grab unter dem Hochaltar. Sein Andenken wird am 1. Januar gefeiert. (Marianischer Tugendspiegel.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 113 – Sp.116

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