Diener Mariens

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Diener Mariens – der Servitenorden

Diener Mariens oder

Serviten (offiziell Ordo Servorum B.M.V.), religiöser Orden, dessen Gründung nach den Worten Leo`s XIII. in der Heiligsprechungs-Bulle der sieben heiligen Väter und nach früheren Erklärungen Roms der seligsten Jungfrau selbst zugeschrieben werden muss, entstand zu Florenz im Jahre 1240. Sieben vornehme Männer, Bonfilius Monaldi, Joh. Di Bonagiunta (Bonajuncta), Benedetto dell` Antella (Manettus), Bartolomeo degli Amidei (Amideus), Ricovero di Uguccione (Hugo), Gherardino di Sostegno (Sosteneus) und Alexius Falconieri, zogen sich einer am Fest Mariä Himmelfahrt 1233 gehabten Vision zufolge nach Camarzia bei Florenz und später auf den Monte Senario (4 Stunden von Florenz) zurück. Durch eine Erscheinung der seligsten Jungfrau wurden sie dort gegen ihre ursprüngliche Intention bestimmt, einen Orden zur Beförderung der Andacht zu den Schmerzen Mariä zu stiften; derselbe sollte nach der Regel des hl. Augustinus leben, ein schwarzes Kleid (Skapulier) tragen und „Orden der Diener Mariä“ heißen.

Der damalige Bischof von Florenz, Ardingho Trotti, aus der Familie Foraboschi, ward ihr Gönner und erlaubte ihnen auch in der Stadt selbst eine Niederlassung, aus welcher sich das nachmals so berühmte Kloster S. Annunziata entwickelte. Schon 1243 erhielt der Orden eine Niederlassung zu Siena und zu Pistoia, im folgenden Jahr auch zu Arezzo. Doch schien sein Bestand schon bald in Frage gestellt zu sein, da gegen ihn die Verordnungen des vierten Laterankonzils 1215 sowie des ersten Konzils von Lyon 1245, welche die Gründung neuer Orden untersagten, geltend gemacht wurden. Nur die Bemühungen des Großinquisitors Petrus Martyr, einzelne einer Bestätigung des Ordens gleichkommende päpstliche Erlasse, besonders von Alexander IV. (26. Mai 1255), vor Allem aber das Ansehen des fünften Ordensgenerals, S. Philippus Benitius, der nach dem Tode Klemens IV. 1268 nur durch die Flucht sich der Wahl zum Papst entzogen hatte, retteten die Serviten vor der Aufhebung ihres Ordens.

Nach dem Tode des hl. Philippus (1285) erhoben sich die Stürme auf`s Neue; einzelne Bischöfe verboten die Aufnahme der Novizen, die Abhaltung des Gottesdienstes usw., und so geschah es, daß um 1288 von der großen Zahl der Mitglieder (es sollen deren gegen 10000 gewesen sein) fast der dritte Teil den Orden in der Meinung, derselbe bestehe nicht mit Recht, verließ und entweder in andere Orden eintrat oder als Einsiedler lebte. Die Wirren legten sich allmählich, als Papst Nikolaus IV. einige Konvente unter den Schutz des apostolischen Stuhles nahm. Papst Benedikt XI. endlich erteilte dem Orden die förmliche kirchliche Bestätigung durch die Bulle Dum levamus vom 11. Februar 1304. Nun verbreiteten sich die Serviten rasch, besonders in Italien, wo sie sich in elf Provinzen gliederten. Zu Rom erhielten sie 1369 die Kollegialkirche S. Marcello (am Korso), wo bald der Ordensgeneral seinen Sitz aufschlug; ein zweites Kloster in Rom (S. Maria in Via) besitzen sie seit 1563. Von verschiedenen Päpsten erhielten sie große Privilegien, besonders von Innozenz VIII. (Mare magnum) 1487; Martin V. zählte sie den Mendikanten bei; Urban VIII. bestimmte sie als Beichtväter des päpstlichen Hofes (familiae pontificiae); zweimal im Jahr, nämlich am Fest der Epiphanie und am Passions-Sonntag, sollte ihr General-Prokurator in der päpstlichen Kapelle predigen usw. Im Jahre 1411 teilten sich die Serviten in zwei Zweigen, in sogenannte Observanten und Konventualen. P. Anton von Siena begann nämlich im neu restaurierten Kloster des Monte Senario eine Reform („Kongregation“), deren Konstitution von Eugen IV. bestätigt wurden. Der Eintritt des Bischofs von Bitetto, Anton Jacobi, verschaffte derselben bedeutendes Ansehen, und sie verbreitete sich rasch, besonders in Oberitalien, wo sie unter Anderem das dem Aussterben nahe Chorherrenstift San Alessandro in Brescia (1431) und das berühmte Sanktuarium Monte Berico bei Vicenza (1435) erhielt. Die Kongregation des Monte Senario hatte einen eigenen Generalvikar; die wiederholt gemachten Versuche, ganz selbständig zu werden, mißlangen. Dieses Bestrebens wegen, und wohl auch, weil die Observanten selbst wieder in mehrere Zweige sich teilten, vereinigte Pius V. 1570 sämtliche Zweige wieder zu einem Ganzen, was zuerst in Venedig und dann allmählich auch in den übrigen Klöstern durchgeführt wurde. –

Der Zweig der Eremiten

Ein anderer Zweig der Serviten waren die Eremiten (Barfüßer) des Berges Senario. Ihr Urheber ist Bernhardin von Ricciolini. Er hatte bei den Kamaldulensern das Eremitenleben kennen gelernt und dasselbe mit Erlaubnis Klemens VIII. und des Generals Lälius 1593 unter den Serviten des genannten Klosters eingeführt. Paul V. schenkte diesen Eremiten große Aufmerksamkeit und Begünstigungen. Die Barfüßer zeichneten sich durch Strenge der klösterlichen Zucht, durch Frömmigkeit und außerordentliche Bußübungen aus. Der Genuss von Fleischspeisen war das ganze Jahr untersagt, das Chorgebet um Mitternacht dauerte zwei Stunden. Sie hatten in Italien mehrere Niederlassungen, so zu Cibona, Monte Saxano, St. Georg bei Ajola. Aus ihnen ging die spätere deutsche Observanz hervor, während sie selbst den Neuerungen des Großherzogs Leopold von Toskana (1778) erlagen. Der Hauptstamm des Ordens blühte vorzüglich in Italien, und wenn auch seine Wirksamkeit dem demütigen Geist des Ordens gemäß vielfach ohne Geräusch und aufsehen blieb, so zählte er doch viele durch Wissenschaft und Kunst hoch berühmte Männer, welche auch Lehrstühle an Akademien und Universitäten (besonders zu Pisa beinahe stabil) einnahmen. Später führt er in seinen „Lebensbildern“ 400 Männer des Ordens an, die nicht bloß als Zierden monastischen Lebens durch Heiligkeit und als Spiegel des Eifers in der Seelsorge und auf der Kanzel, sondern auch als Gelehrte, als Männer der Wissenschaft und Kunst sich auszeichneten. War auch Heinrich von Gent nicht Mitglied des Ordens, wie man früher allgemein annahm, so hat sich doch der Orden durch die Herausgabe und durch Kommentare seiner Werke viele Verdienste erworben.

Von Serviten, die als Theologen oder Philosophen einen Namen haben, seien erwähnt: P. Johannes a Fonte Almati (14. Jahrhundert), Alex. Bolano (gest. 1431), Andreas Zinai (gest. 1423), der auch in Tübingen Philosophie tradierte, Ambrosius Speira (gest. 1454), Augustin Bonnucci (gest. 1553), der auf dem Konzil von Trient hervorragte, Philipp Ferrari (gest. 1626), Gerald Baldi (gest. 1660), genannt theologus eminens, Angelo Canali (im 18. Jahrh.) und Constantin Battini (gest. 1832), dessen sechsbändige Dogmatik sehr geschätzt wird, u. A. die Prinizpien des entarteten Srpi fanden natürlich im Orden keinen weiteren Anklang; im Gegenteil verfaßte der General Anton Vivolus mit fünf anderen Theologendes Ordens 1607 eine Polemik gegen jenen. Berühmte Künstler waren u. A. Arsen. Mascagni (gest. 1634), von dem z. B. die früheren Fresken des Salzburger Doms herrührten; Alexander Mellino (gest. 1557), von Leo X. zum Chormeister der vatikanischen Kapelle ernannt; Joh. Vinc. Cas. (gest. 1500), Hofbaumeister des Herzogs von Medici und Erbauer der Rennbahn und des Königshafens zu Neapel.

Der Servitenorden schenkte der Kirche 10 Heilige, eine große Zahl von Seligen, 14 Kardinäle, zahlreiche Erzbischöfe und Bischöfe. Mancher der demütigen Diener Mariä hat hohe Kirchenwürden abgelehnt. Der Orden erfreut sich des Besitzes vieler Wallfahrtsorte, und P. Karl vom hl. Alois konnte in der 1. Aufl. des Kirchenlexikons X, 98 mit Recht schreiben, der Servitenorden habe sich mit einem Siegesflug über ganze Länder ausgebreitet und in vielen Millionen Menschen die Verehrung gegen die Gottesmutter erweckt oder doch neu belebt. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 11, 1899, Sp. 204 – Sp. 210

Ludwig der Bayer
Riegger

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