Heiliger Philippus Benitius Ordensgeneral

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

23. August

Der heilige Philippus Benitius Ordensgeneral

Gegen Ende 1233 kamen zwei Serviten in das Haus der Adelsfamilie Benizi in Florenz und baten um ein Almosen. Die Hausfrau, ihr fünf Monate altes Knäblein auf dem Arm tragend, zögerte mit der Gabe. Da fing zur größten Überraschung das kleine Kind an, Fürbitte einzulegen und sprach: „Siehe da, die Diener Mariä, gib ihnen ein Almosen!“ Aus diesem kleinen Fürbitter ist der große Diener Jesu und Mariä, der berühmte hl. Philippus geworden.

Nachdem er zu Haus sehr gut unterrichtet und erzogen worden, schickten ihn die Eltern auf die Hochschule nach Paris, wo er mit Auszeichnung Philosophie und Theologie studierte, und dann nach Padua, damit er der Arzneiwissenschaft sich widme. Philipp gehorchte, nicht aus Neigung für diese Wissenschaft, sondern aus Ehrfurcht gegen die Eltern; erwarb sich den Doktorhut und kam heim als zwanzigjähriger, schöner Jüngling. Schöner aber war seine Seele geworden durch die zahllosen Siege über Versuchungen und Gefahren, die er für seine Keuschheit und Liebe zu Gott heldenmütig bestanden hatte.

Italien war damals gespalten in zwei mächtige Parteien, die Guelfen und Ghibellinen, welche mit Mord und Raub gegen einander wüteten. Über die Gräuel so wilder Leidenschaft trauerte bitter der hochherzige Philipp, hielt sich dem politischen Getriebe vollkommen fern und betrachtete fleißig die heiligen Schriften. Gerne flüchtete er sich in ein stilles Kirchlein und betete inbrünstig zu Jesus und Maria um den Frieden für das Vaterland.

Eines Tages war er in der Servitenkirche ungewöhnlich andächtig bei der heiligen Messe; er hörte in der Epistel von der Begegnung des Diakon Philippus mit dem Kämmerer der Königin von Äthiopien, und wurde dabei von den Worten: „Philipp, geh` hin und nähere dich dem Wagen“ (Apg. 8,29), als wären sie zu ihm und für ihn gesprochen, wundersam ergriffen und verzückt; er sah sich in einer schauerlichen, von schroffen Felsen und tiefen Abgründen umgebenen Wildnis, von zischenden Schlangen und schnaubenden Drachen bedroht; zitternd vor Angst und hilflos hob er die Hände und Augen zum Himmel und sah einen goldenen Wagen daher fahren, auf welchem in strahlender Herrlichkeit Maria saß, das Kleid des Servitenorden in der Hand trug und ihm huldvoll zurief: „Philipp, geh` hin und nähere dich dem Wagen!“ In dieser Erscheinung erkannte Philipp ganz klar seine himmlische Berufung aus den gefahren der Welt in den Servitenorden, bat demütig um Aufnahme als Laienbruder – denn er verheimlichte seine theologische Ausbildung – und erhielt sie.

Der adelige Novize unterzog sich mit freudigem Gehorsam allen, auch den niedrigsten Arbeiten im Hause, in der Küche, im Garten, sowie auch dem Almosen sammeln. Nach einem Jahr schickte man ihn auf den hohen Berg Senario, wo er in einer Felsengrotte wohnen und mit harter Arbeit das Feld bepflanzen musste. Wegen seiner seltenen Tugend wurde ihm das Amt eines Novizenmeisters im Kloster Siena übertragen, obwohl er nur Laienbruder war und erst vierundzwanzig Jahre zählte. Auf dem Wege dahin traf er zwei Dominikaner an, welche der italienischen Sprache unkundig, ihn lateinisch anredeten, und in ein langes Gespräch über die Zustände der Kirche verwickelten. Philipp sprach so gewandt die lateinische Sprache und verriet so große und tiefe Kenntnisse, daß sie sich über den gelehrten Laienbruder höchlich verwunderten und in Siena den Vorfall erzählten. Philipp musste die Priesterweihe empfangen und bald darauf das Amt des Ordensgeneral übernehmen. Er waltete seines Amtes mit solcher Liebe und Milde, daß er mehr durch sein Beispiel als durch seine Autorität regierte, mehr zur Nachfolge einlud, als zum Gehorsam aufforderte, er war gütig und freundlich gegen Alle, streng nur gegen sich selbst; er gab dem neuen Orden eine feste Regel, die von allen Mitgliedern bereitwillig angenommen und vom Papst bestätigt wurde, so daß er als der eigentliche Stifter angesehen werden muss.

Nachdem er die Leitung des Ordens fest geregelt, berief er ein General-Kapitel, um sein Amt nieder zu legen, und begründete seinen Entschluss mit dem Verlangen, ganz in der Einsamkeit zu leben. Tiefe Bestürzung füllte die Augen Aller mit Tränen, und sie erklärten einstimmig, daß sie ihm das Amt nicht abnehmen würden. Philipp beharrte auf seinem Entschluss und begab sich zum Papst nach Viterbo. Auf dem Wege dahin bettelte ihn ein Pestkranker an. Da der General kein Geld hatte, schenkte er dem Bittenden sein Unterkleid. Dieser zog es an und ward plötzlich vollständig gesund. Der Ruf von diesem Wunder verbreitete sich weit über Viterbo hinaus, und der Papst wies Philipp mit seiner Bitte ab. Als bald darauf der Papst starb und die Kardinäle ihn zum Oberhaupt der Kirche wählen wollten, versteckte er sich drei Monate lang im Walde bei Siena, bis Gregor X. erwählt war; dann erst kehrte er zu den Seinigen zurück.

Nun begann er eine Visitationsreise seiner Klöster in Italien, Frankreich und Deutschland, auf welcher er zugleich für die katholische Großes wirkte, durch Bekehrung der Sünder und Frieden stiften in Städten und Dörfern. Oft wurde sein Eifer verkannt und er von den Gottlosen mißhandelt; aber seine Sanftmut war unbesiegbar. In Forli stürzten einige wütende Bösewichte auf ihn los, rissen ihm die Kleider vom Leibe und schlugen ihn grausam; er aber blieb so geduldig und sanftmütig, daß einer der Peiniger, von solcher Heiligkeit plötzlich gerührt, die Anderen abwehrte, den verwundeten Ordensgeneral um Verzeihung und sogar um Aufnahme in den Servitenorden bat, außerordentlich bußfertig lebte und im Rufe der Heiligkeit starb. In seiner Vaterstadt war die Gärung zum offenen Kriege ausgebrochen und seit zwölf Jahren, seit dem Tode des Erzbischofs, konnten sich die zankenden Parteien nie mehr vereinigen zur Wahl eines Nachfolgers. Philipp predigte Frieden und versöhnte glücklich die Bürgerschaft, die ihn dann einstimmig zu ihrem Bischof ausrief. Allein Philipp verschwand und setzte sein Friedenswerk in andern Städten fort.

Nachdem er viele Jahre wieder die Last des Ordensgenerals segensreich getragen hatte, und seine Kraft durch übermäßige Anstrengungen gebrochen war, ließen sich endlich die Brüder erbitten und nahmen ihm das Vorsteheramt ab. Freudig zog er sich nach Todi im Kirchenstaat zurück, wo er am 14. August ankam, die ganze Nacht im Gebet durchwachte und am Fest Mariä Himmelfahrt seine letzte Predigt hielt über die Vorzüge der Gnadenvollen mit so hinreißender Beredsamkeit, daß die Zuhörer einen verklärten Heiligen zu hören glaubten. Gleich nach der Predigt warf ihn ein Fieber auf das Sterbebett, das er mit häufigen Bußtränen benetzte. Nach Empfang der heiligen Sterbe-Sakramente geriet er außer sich drei Stunden lang, so daß man ihn für tot hielt. Wieder erwacht erzählte er, welch harter Kampf er mit dem Satan gekämpft, wie dieser ihm alle Sünden vorgeworfen und ihn zur Verzweiflung gereizt, wie aber die gütige Mutter Maria ihn verteidigt und getröstet habe. Nachdem er dann den Brüdern noch liebreiche Ermahnungen gegeben, sank er zurück auf das Bett und lispelte: „Mein Buch, gebt mir mein Buch!“ Sie reichten ihm dieses und jenes; aber keines war das rechte. Endlich bemerkten sie, daß sein Auge auf das Kruzifix an der Wand gerichtet war, und gaben es ihm. Mit glühender Innigkeit preßte er es an die Brust und an die Lippen und – hauchte seine heilige Seele aus am 22. August 1285. Seine Heiligsprechung vollendet erst Papst Klemens X. im Jahre 1671. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 622 – S. 624

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