Heiliger Alexius aus dem Servitenorden

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Der heilige Alexius aus dem Servitenorden

Dieses selige Kind der hoch gebenedeiten Mutter des Herrn stammte aus dem berühmtesten, edelsten Geschlecht der Falkonieri aus Florenz, und war der Erstgeborene seiner frommen, im höchsten Ansehen stehenden Eltern. Diese bemühten sich vor Allem, seinem jugendlichen, für alles Gute empfänglichen Herzen den Anfang der Weisheit, die heilige Gottesfurcht einzuflößen, und hielten ihn auch an, den Wissenschaften obzuliegen. Er machte hierin auch solche Fortschritte, daß er nicht nur alle seine Mitschüler übertraf, sondern auch die Verwunderung seiner Lehrer erregte.

Dessen ungeachtet war er immerfort vom Herzen demütig und vernachlässigte nie seine frommen Übungen des Gebetes und der geistlichen Lesung. Frühzeitig schon hatte er der unbefleckten Mutter des Herrn sich geopfert mit dem Gelübde ewiger Keuschheit, und wählte sie zu seinem Vorbild, dem er getreu nachkommen wollte. Er hatte zwar viele Kämpfe zu bestehen, da er sich unter Mitgenossen befand, die nicht immer die erbaulichsten Gespräche führten, auch suchten ihn die feindlichen Parteien, welche sich damals in den Städten Italiens mit dem größten Hass gegenüber standen und ihr Vaterland verwüsteten, auf ihre Seite zu ziehen, allein er dachte an Gott, an seine liebe Mutter im Himmel und so überwand er glücklich alle Versuchungen, und entging allen Fallstricken, die seiner Tugend gelegt wurden.

Als ein eifriger Verehrer der göttlichen Mutter ließ er sich in die Bruderschaft der Laudesi aufnehmen, deren Mitglieder sich zur Aufgabe machten, U. L. Frau immer dar zu loben und ihre Verherrlichung zu erhöhen und zu verbreiten. – Er wurde auch von Maria berufen, ihr Diener zu werden und ein vollkommenes Leben zu führen, indem sie auch ihm, wie den andern 6 seligen Vätern erschien. (siehe den Beitrag: Die sieben Stifter des Servitenordens)

Zwar gedachten seine Eltern, ihn, als den Erstgeborenen, zu verehelichen, allein da sei seine innige Andacht und Gottesfurcht und seine Liebe zur Jungfräulichkeit sahen, so wollten sie dem höheren Ruf, der an ihn ergangen, nicht widerstehen, und ließen ihm volle Freiheit.

Sogleich teilte er, was er nur immer sein nennen konnte, unter die Armen, und bezog mit dem Segen seiner Eltern und des Bischofs von Florenz die Einsiedelei in Camarzia und dann mit seinen 6 Gefährten den Berg Senari. Die Strenge seiner Bußwerke übersteigt allen Begriff, Geißelstreiche, scharfe Bußgürtel und Fasten wendete er an, um sein Fleisch zu zähmen. Immerwährend war er in Betrachtung versunken. Sein liebstes Geschäft war, vor den Häusern der Reichen und selbst seiner Eltern Almosen zu sammeln, wobei er niemals seine Andachten und Bußwerke unterließ. Bis zu seinem Tod bekleidete er das mühevolle Geschäft des Almosensammelns, demütig vom herzen wie Jesus und Maria. – Maria, die seligste Jungfrau, würdigte sich aber auch, ihren getreuen Diener und zwar durch den Mund der unmündigen Kinder verherrlichen zu lassen.

Als endlich durch ein wunderbares Gesicht die göttliche Mutter ihre Diener zur Gründung eines Ordens aufforderte, und das Kleid ihnen sehen ließ, das sie tragen sollten, da zog er mit Freuden dieses Kleid der Trauer an, zur Erinnerung an die Leiden des Heilandes und der Schmerzen seiner glorwürdigen Mutter, deren Betrachtung sein Labsal war, die ganze Zeit seines Lebens, und woraus er jene flammende Liebe und jene tiefe Demut schöpfte, die ihn auszeichnete.

Nachdem der Orden gegründet war, sollte er wie die andern Väter Priester werden. Allein er hielt sich dieser hohen Würde ganz und gar unwert, er brachte so viele Beweise hierfür vor und wandte so herzliche Bitten an, daß man seinem Wunsch nachgab, und ihn im Stande eines dienenden Laienbruders ließ. Er hatte aus Liebe zu Jesus und Maria gewählt, im Hause des Herrn einer der niedrigsten Knechte zu sein, daher nahm e auch, ohne das Geschäft des Almosensammelns je aufzugeben, die gemeinsten und verächtlichsten Arbeiten auf sich. Jedes Lob war ihm verhaßt; bemerkte er nur die geringste Ehrenweisung, dann floh er, und konnte er nicht entfliehen, dann wies er solche mit Entschiedenheit zurück, alle Ehre nur Gott dem Herrn gebend.

Aber obschon Alexius ganz verborgen und in tiefster Verachtung leben wollte und zu leben suchte, war er doch überall bekannt und geliebt. Den Glanz seiner Tugenden konnte er doch nicht verbergen, wodurch er allen seinen Mitmenschen voran leuchtete. Sein kindliches, einfaches, demütiges Wesen, der Liebreiz seines reinen Herzens, seine feurige Nächstenliebe, gewann ihm aller Herzen. Dabei benützte er jede Gelegenheit, durch herzliche Ermahnungen und liebevolle Worte seine Mitmenschen für Gott zu gewinnen. Beim Almosensammeln lenkte er immer seine Gespräche auf die Liebe Gottes, und hatte auch Jemand ein noch so verschlossenes, hartes Herz, seine Worte drangen ein, und entzündeten das Verlangen, Gott dem Herrn zu dienen. So machte er es mit einer seiner jungen Verwandten, Juliana mit Namen. Ihr noch unschuldiges Herz entflammte er mit solcher Liebesglut zu Gott, daß sie die Welt verließ, in welcher sie eine glänzende Stelle hätte einnehmen können, und unter seiner Anleitung den Orden der Dienerinnen Mariens stiftete, und jetzt als eine Heilige verehrt wird. –

Auch seinen Verwandten Albrigion bewog er, in den Dienst der allerseligsten Jungfrau zu treten, und dem Vater der heiligen Juliana benahm er seine übertriebene Liebe zu den Gütern der Erde, der dann ungemein Vieles zur Vollendung und Verschönerung der berühmten, prachtvollen Kirche Mariä Verkündigung mit dem berühmten Gnadenbild beitrug. Noch viele andere Mitbürger führte der demütige Laienbruder Alexius durch sein Wort und Beispiel zu Gott.

Doch er tat noch mehr! Obschon nicht Priester, und obschon er sich im Orden immer auf die niedrigste Stufe stellte, trug er doch ungemein Vieles zum Gedeihen des Ordens durch die Weisheit seiner Ratschläge und durchs eine Tätigkeit bei. Vor Allem lag ihm daran, den Orden nicht nur zur Pflanzschule der Tugend und Frömmigkeit zu erheben, sondern auch die Mitglieder desselben durch Wissenschaft und Gelehrsamkeit zu tauglichen und kräftigen Arbeitern in der Kirche Gottes zu machen. Allein, da wegen der zu großen Armut des Ordens, der vom täglichen Almosen lebte, es demselben nicht möglich war, die jungen Religiosen auf eine gelehrte Schule zu schicken und dort zu unterhalten, so sammelte er insbesondere zu diesem Zweck Almosen, das der Herr auch so reichlich segnete, daß mehrere seiner jungen Mitbrüder auf den berühmtesten Schulen in die Wissenschaft eingeführt werden konnten. Nachdem er dies Werk vollbracht, lag ihm noch besonders am Herzen, die Geschichte von den verschiedenen wunderbaren Gnaden-Erweisungen der allerseligsten Jungfrau bei der Gründung des Ordens ihrer Diener zur Ehre der Himmelskönigin der Nachwelt zu überliefern. –

Er teilte daher dem Pater de Todi, dem 8. Ordensgeneral, alle Ereignisse vom Anfang der Gründung mit und dieser schrieb sie getreulich auf. Es war rührend zu sehen, wie der hoch betagte Greis mit der größten Rührung die wunderbaren Erscheinungen der Mutter Gottes und ihre besonderen Gnaden erzählte, welche sie ihm mitteilte. Immer unterbrachen Tränen seine Rede, so sehr war sein Herz davon gerührt.

Unermüdlich in seinem heiligen Wirken erreichte er ein Alter von 110 Jahren. Obschon schwach und entkräftet wollte er sich doch keine Erleichterung gönnen, und seine Bußstrenge mäßigen. Nur etwas Fleisch und Wein genoss er, ums eine Kräfte zu erhalten, und eines Strohsackes bediente er sich, um seine alten, matten Glieder darauf auszustrecken.

Endlich fühlte er sein Ende heran nahen; er verlangte und empfing die heiligen Sakramente, gab seinen Mitbrüdern noch rührende Ermahnungen, und darauf erhob er seine Augen gen Himmel und betete 100 Ave Maria, die zu beten er keinen Tag unterließ.

Während des Gebetes sah er Scharen von Engeln in Gestalt von Tauben um sein armseliges Lager fliegen, und bald darauf erschien ihm Jesus selbst mit einem Kranz der schönsten Blumen, um ihn zu krönen und in den Himmel einzuführen.

Als er das letzte Ave Maria gebetet, umfloss himmlische Klarheit sein Antlitz, und er sprach zu den Mitbrüdern und dem Volk, das den Seligen sterben zu sehen gekommen war: „Kniet nieder, meine Brüder! Kniet nieder, seht ihr denn nicht meinen Erlöser Jesum Christum, der meine Schläfe mit dem schönsten Blumenkranz schmückt! O betet ihn an in Demut, denn auch euch wird er mit dem ewigen Lohn krönen, wenn ihr, als fromme Diener der seligsten Jungfrau, ihr in de Reinigkeit und Demut des Herzens nachfolgen werdet!“ –
Darauf hauchte er im 77. Jahr seines Ordenslebens nach 110 Jahren seines Alters seine reine Seele aus am 17. Februar 1310. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 483 – Sp.486

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