Heilige Klara von Assisi Ordensstifterin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

12. August

Die heilige Klara hält das Allerheiligste hoch, gegen die eindringenden Sarazenen gerichtet; diese stürzen zu Boden; hinter der Heiligen sind drei Mitschwestern zu sehen, die auf den Knien beten

Die heilige Klara von Assisi Ordensstifterin

Gerade in der Zeit (1193) als der hl. Franz von Assisi durch die Stiftung seines Ordens eine außerordentliche religiöse Bewegung in den höheren wie in den niederen Ständen bewirkte, wurde in derselben Stadt Klara, die Tochter einer sehr reichen, adeligen Familie geboren. Die fromme Mutter unterrichtete den kleinen Engel selbst in der heiligen Religion, und das Töchterlein bewährte sich als fleißige Schülerin. Das Beten war ihr das Liebste, fast bei jeder Mahlzeit sparte sie sich einen Teil ab, um ihn heimlich in die Hand eines Hungernden zu legen, und trug unter dem noblen Standeskleid ein härenes Bußgewand. Der 18jährigen Jungfrau zeigte die Welt die glänzendsten Aussichten und huldigte ihr mit den vornehmsten Heirats-Anträgen; aber die eilte zu dem armen Franziskus und bat ihn um Hilfe, auf daß auch sie, wie er, der Welt entsagen und nur Gott lieben könne. Er versprach ihr auf den Palmsonntag 1212 das Ordenskleid.

Da Klara die Zustimmung ihrer Eltern nicht erlangen konnte, entfloh sie heimlich aus dem Hause und ging mit einigen gleich gesinnten Jungfrauen in die Kirche von Portiuncula; und sie empfingen am Altar aus der Hand des hl. Franziskus das rauhe Gewand der Buße – einen groben Rock mit einem Strick als Gürtel. Weil der hl Franziskus noch keine Häuser für Nonnen eingerichtet hatte, führte er sie vorläufig in das Kloster der Benediktinerinnen zu St. Paul. Hier gab sich Klara ganz dem Gebet und der Betrachtung hin.
Die Eltern entdeckten bald den Aufenthalt der Tochter, erschöpften alle Versprechungen und Drohungen, um sie vom Ordensstand abwendig zu machen, und scheuten sich nicht, Gewalt zu brauchen. Klara entfloh in die Kirche, der Vater eilte ihr nach; sie umklammerte den Altar, er zerrte an ihrem Kleid, bis es zerriß; sie entblößte ihr Haupt, wies auf die abgeschnittenen Haare hin und sprach mit flammendem Ernst: „Wer will mich von der Liebe Christi scheiden? Wisset, daß ich Ihm verlobt bin und nie einen andern Bräutigam anerkenne, daß mein Haupthaar unter der Schere gefallen ist, und ich nie ein anderes Gewand mehr tragen werde, als dieses Kleid der freiwilligen Armut, daß ich mit reifster Überlegung Ihn mir erwählt habe.“ Klara blieb Siegerin in dem heißen Kampf. Inzwischen hatte der hl. Franziskus die Kirche und das Kloster St. Damian bei Assisi für Klara und ihre Gefährtinnen eingerichtet, bestimmte Klara zur Oberin und gab ihnen eine Regel, welche von Papst Honorius III. gut geheißen wurde. So entstand der Orden der „Armen Frauen“ oder „Klarissinnen“ und St. Damian blieb das Stammkloster, welches seine Zweige über die ganze Welt ausgebreitet hat.

Klara war in der Tat eine würdige Äbtissin, gegen sich selbst übte sie unerbittliche Strenge, nie trug sie Schuhe an den Füßen, nie schlief sie in einem Bett, nie dispensierte sie sich vom Fasten und das strengere Bußkleid wechselte sie mit dem milderen nur so lange, bis das blutende Fleisch wieder etwas geheilt war. Für ihre Untergebenen dagegen war sie eine zärtlich besorgte Mutter: sie verrichtete die niedrigsten Dienste, zündete in der Frühe die Lampen an, läutete zum Gebet, wartete bei Tisch auf, wusch den Schwestern die Füße, pflegte die Kranken, wie Jesum selbst, und wenn sie eine Schwester traurig sah, ruhte sie nicht, bis sie den rechten Balsam für das wunde Herz gefunden hatte. Auf die Bitten der Mitschwestern, sie möge doch ihre Strenge mäßigen und ihre Gesundheit schonen, antwortete sie lächelnd: „Ich werde gewiß nicht eher sterben, als wann es dem Herrn gefällt; es wird noch mancher Weltmensch, der sich nichts versagt und in Weichlichkeit lebt, vor mir sterben; wenn ich bedenke, was mein Gott für mich getan hat und noch tut, so muss ich mich billig schämen, daß ich so wenig für Ihn tue.“

Als ihr aber der hl. Franziskus und der Bischof von Assisi befahlen, nicht erst alle vier Tage, sondern jeden Tag etwas zu essen und wenigstens auf einem Strohsack zu schlafen, gehorchte sie pünktlich. Nur bezüglich der Armut bewilligte sie keine Milderung: in Nahrung und Kleidung gestattete sie das Notwendige, Vorräte duldete sie nicht, ihre Klöster wollte sie ganz vom Almosen abhängig wissen. Dem Papst Innozenz IV., welcher aus Besorgnis, ob sie wohl genug freiwillige Almosen bekommen würde, eine Abänderung der Ordensregel in Bezug auf die Armut vorschlug, antwortete sie voll Ehrfurcht: „Wenn eure Heiligkeit je gegen meine arme Person eine Erleichterung vornehmen, so bitte ich, solches an meinen Sünden, nicht an meinen Gelübden zu tun. Gott hat auf wunderbare Weise gezeigt, wie weit wir auf Ihn bauen dürfen; sollen wir jetzt gegen Ihn mißtrauisch werden? Ich bitte inständigst und stehe nicht eher vom Boden auf, als bis uns die Gnade bewilligt wird, in vollkommener Armut und ohne alle Einkünfte bleiben zu dürfen.“

Der gütige Gott verherrlichte ihr Vertrauen oft wunderbar. Von dem Heere, das Kaiser Friedrich II. gegen den Papst führte, hauste eine Abteilung – meist Sarazenen – schrecklich im Tal von Spoleto und stürmte auf das Kloster der hl. Klara los. Schon kletterten die Soldaten auf Leitern über die Mauern und verbreiteten Todesangst in der Klostergemeinde. Nur Klara, welche krank im Bett lag, fürchtete sich nicht; sie tröstete die jammernden Schwestern, ließ sich, die heilige Hostie in silberner Kapsel in der Hand haltend, unter die Klosterpforte tragen und kniete vor dem Allerheiligsten nieder zum Gebet. Augenblicklich befiel die Soldaten Angst und Zittern; von unsichtbarer Macht geschlagen, stürzten sie von den Leitern, sprangen atemlos davon, und das Kloster samt der Stadt war gerettet. Für diese Schmach schwor der kaiserliche General Vital Aversa Rache und – belagerte Assisi. Klara betete mit ihren Schwestern zu Gott für die Stadt, aus der sie das meiste Almosen bekommen. Ganz unerwartet starb Aversa eines jähen Todes, und die Belagerung wurde aufgegeben.

Der Glanz von Klara`s Weisheit und Tugend leuchtete weithin, zahlreiche Jungfrauen baten um Aufnahme in ihren Orden; viele Frauen, deren Männer in den Orden des hl. Franziskus getreten, stellten sich unter ihre geistliche Leitung, sogar Prinzessinnen und Königinnen baten um die Gnade, in Mitte der „Armen Frauen“ die Nachfolge Christi mitleben zu dürfen. Ein süßer Trost war es für Klara, daß auch ihre zwei jüngeren Schwestern und die Mutter nach dem Tode des Vaters das Kleid ihres Ordens nahmen. In ihrer letzten Krankheit besuchte sie der Papst Innozenz IV. mit vier Kardinälen, um ihr die General-Absolution zu erteilen und die Weisheit ihrer Reden und die Demut ihres Herzens zu bewundern. Er sprach zu seinen Begleitern: „Wie glücklich schätzte ich mich, wenn meine Seele auch so rein wäre vor Gottes Angesicht, wie die Seele dieser heiligen Tochter!“ Das Weinen und Schluchzen der Schwestern, welche um das Bett der Sterbenden knieten, war ein rührendes Zeugnis, wie überaus hoch sie ihre teure Mutter ehrten. Klara tröstete sie und starb das Kruzifix küssend, am 11. August 1253. Papst Alexander IV., der als Kardinalbischof ihr die Leichenrede gehalten hatte, nahm sie schon zwei Jahre nach ihrem Tode in die Zahl der Heiligen auf. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 596 – S. 597

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