Papst Innozenz IV und Kaiser Friedrich II

Papst Innozenz IV. und Kaiser Friedrich II.

Die Wahl Papst Innozenz IV.

Über anderthalb Jahre blieb der päpstliche Stuhl nach Cölestins Tode erledigt. Schuld an dieser Verzögerung trägt Friedrich II., der das Gebiet um Rom besetzt hielt und die Freiheit der Papstwahl beeinträchtigte. Er wollte nach den Worten Ludwigs IX., des Heiligen, Papst und Kaiser zugleich sein. Nichts desto weniger schob er die Schuld auf die Kardinäle. Unter dem Vorwand, sie zur Papstwahl zu zwingen, verwüstete er mit seinen Sarazenen das Gebiet der Kirche und ließ sie allerhand Frevel an Kirchen und Heiligtümern verüben. Doch konnte er durch dieses schmachvolle Vorgehen niemanden täuschen. Die Kardinäle wollten stets eine Wahl veranstalten, aber eine freie und nicht eine erzwungene Wahl. Daher verlangten sie wiederholt von Friedrich, daß er die zwei gefangenen Kardinäle frei gebe und seine Truppen aus dem römischen Gebiet zurückziehe. Da er das nicht tat, im Gegenteil die zwei Kardinäle gefangen hielt und das römische Gebiet nicht bloß nicht verließ, sondern es arg verwüstete, bewies er vor aller Welt, daß es ihm nur darum zu tun war, die Kardinäle mürbe zu machen und sie zu zwingen, einen ihm willfährigen Papst zu wählen. Als aus Deutschland die dringende Bitte um Schutz und Hilfe gegen die Mongolen an ihn gerichtet, von ihm aber abgewiesen wurde, hieß es, er verstehe es besser gegen die Meßkleider als gegen die ungläubigen Krieg zu führen. Endlich musste er doch ablassen, weitere Hindernisse in den Weg zu legen und so wurde in Anagni am 15. Juni 1243 der Kardinalpriester Sinibald Fresko einstimmig und einträchtig zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Innozenz IV. an, um gleich anfangs zu zeigen, in wessen Fußstapfen er zu treten gedenke. Innozenz stammte aus einer vornehmen Familie Genuas, hatte in Bologna sich den Studien gewidmet, galt als ein Mann von großer Gelehrsamkeit und zeichnete sich besonders auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft derart aus, daß er „das Licht der Welt, der Monarch des Rechtes und der Gesetze“ genannt wurde. Honorius III. ernannte ihn zum Bischof von Albenga und Gregor IX. berief ihn ins Kardinalskollegium. Friedrich hatte sich über die Wahl nicht zu beklagen; er gesteht selbst, daß sich dieser als Kardinal gegen ihn „stets wohlwollend und günstig durch Wort und Tat gezeigt habe“. Friedrich beglückwünschte ihn daher sofort durch eine Gesandtschaft als alten Freund und drückte die Hoffnung aus, von ihm bald wieder als Sohn der Kirche aufgenommen zu werden. Daß ihm dessen ungeachtet nicht wohl zu Mute war, erhellt aus der von ihm geschriebenen Antwort an seine Vertrauten, die ihm zu dieser Wahl Glück wünschten: Er fürchte, einen Freund unter den Kardinälen verloren und im neuen Papst einen Feind erhalten zu haben, denn kein Papst könne Ghibelline sein. Durch diese Worte verurteilte Friedrich selbst seine Politik und erklärte sie als papst- und kirchenfeindlich. Innozenz drückte die größte Bereitwilligkeit für den Frieden aus und erklärte, der Kaiser möge selbst bestimmen, welche Genugtuungen er leisten wolle, um vom Bann frei zu werden; ferner schlug er vor, die Streitfragen, die zwischen dem Kaiser und dem Papst beständen, auf einem Konzil von geistlichen und weltlichen Richtern entscheiden zu lassen. Falle die Entscheidung zugunsten des Kaisers aus, so erkläre er sich zu jeder Genugtuung bereit. Friedrich wies dieses wahrhaft noble Entgegenkommen und diese Bedingungen ab; als er jedoch sah, daß die Reihen seiner Anhänger sich immer mehr lichteten, zeigte er sich entgegen kommender.

Die Flucht des Papstes Innozenz IV.

Es fanden nun Verhandlungen zwischen dem Papst und den Bevollmächtigten des Kaisers statt. Man kam überein, daß die kirchlichen Gebiete zurück gegeben, den gefangenen Anhängern der Kirche Freilassung, Verzeihung und Entschädigung gewährt werden soll und daß sich der Kaiser der Entscheidung des Papstes unterwerfe in Bezug auf jene Punkte, um derentwillen er von Gregor IX. gebannt worden sei. Friedrich jedoch verwarf die von seinen Bevollmächtigten beschworenen Abmachungen und suchte den Papst in seine Gewalt zu bekommen. Innozenz floh in der Nacht, als Reiter verkleidet, nach Civita vecchia, wo ihn verabredeter maßen genuesische Schiffe erwarteten, die ihn glücklich nach Genua brachten, wo er von der Bevölkerung mit lautem Jubel empfangen wurde. Daß Innozenz Grund genug hatte, den Friedens-Versicherungen Friedrichs nicht zu trauen und sich vor ihm durch die Flucht sicher zu stellen, bewies dessen bisherige Handlungsweise. Schrieb er doch, während er unter Gregor IX. sich öffentlich für eine Ausgleichung äußerte, seinem Sohn Konrad, er werde trotz der billigen päpstlichen Anerbietungen die Sache mit dem Schwert austragen und mit seinem Heer den Stolz des Hohenpriesters beugen, ja ihn so bitter behandeln, daß er nie mehr den Mund gegen den Kaiser zu öffnen wage. Als Friedrich Kunde von der Flucht des Papstes erhielt, tobte er vor Ärger und Wut, aber alles Toben half nichts. Der Papst stand jetzt in den Augen der Welt als Märtyrer, Friedrich als Verfolger da.

Das Konzil von Lyon und die Absetzung des Kaisers

Innozenz begab sich von Genua nach Lyon und berief dahin auf den 24. Juni 1245 ein Konzil, es ist das dreizehnte allgemeine Konzil. Auch den Kaiser lud er ein, damit er seine Sache vertrete. Dieser erschien nicht. Nach Prüfung der wider ihn erhobenen Anklagen wurde auf Aufforderung der Bischöfe in feierliche Weise über ihn wegen Meineid, Kirchenraub, Verdacht der Ketzerei und Vasallen- Untreue der Bann ausgesprochen und er aller Ehren und Würden entsetzt. Die Prälaten drückten der Absetzungs-Urkunde ihre Siegel bei. Da Innozenz voraus sah, daß es sich auf dieses Urteil hin um einen Kampf auf Leben und Tod handle, sprach er vor den versammelten Vätern seine Bereitwilligkeit aus, für die eben von ihm vollzogene Tat den Tod zu erdulden. Bei dieser Gelegenheit erteilte er auch den Kardinälen, deren Zahl auf sieben zusammen geschmolzen war, den roten Hut. Sie sollten durch denselben stets erinnert werden, daß sie auch mit ihrem Blut für die Rechte der Kirche Zeugnis ablegen müssen. Als der Bann und das Absetzungs-Urteil des Kaisers verkündet wurden, schlug der Anwalt Friedrichs, Thaddäus von Suessa, voll Schmerz sich an Stirn und Brust und rief: „Das ist der Tag des Zorns, des Unglücks und des Elends.“ Da entgegnete der Papst: „Ich habe das Meine getan, das Weitere möge Gott nach seinem Willen tun und lenken.“ Als Friedrich den Urteilsspruch des Papstes erfuhr, ließ er sich, außer sich vor Zorn, seine Kronen holen, setzte sich eine auf das Haupt und rief: „Noch habe ich meine Kronen und weder Papst noch Konzil soll sie mir ohne blutigen Kampf rauben.“ Infolge des Bannspruches und des Absetzungs-Urteiles wurde in Deutschland 1246 Heinrich Raspe und als dieser in einem Jahre starb, Wilhelm von Holland zum König gewählt. Zwischen diesem und Konrad IV., dem Sohn Friedrichs II., entspann sich ein heftiger Krieg.

Das Ende des Kaisers Friedrich II.

Von Friedrich selbst wich das Glück, in Oberitalien fielen die Städte nacheinander von ihm ab, vor Parma erlitt er eine empfindliche Niederlage und in der Schlacht von Fossalta (1249) wurde Enzio, des Kaisers Lieblingssohn, von den Bolognesen gefangen. Umsonst bot Friedrich für dessen Freilassung alles an. Enzio blieb bis zu seinem Tode (1272) Gefangener in Bologna. In Sizilien brach unter dem Druck der Gewaltherrschaft Friedrichs eine Verschwörung aus, die er durch die schrecklichsten Grausamkeiten selbst an den Frauen und Kindern der am Aufruhr Beteiligten rächte. Unter dem Fluch dieser unglücklichen Opfer starb er auf dem Schloß Fiorentino am 13. Dezember 1250. Dem Tode nahe, erinnerte er sich des Glaubens seiner Jugend, der Freigeist verschwand und der Christ kam wieder zum Vorschein. Er beichtete dem Erzbischof von Palermo und erhielt von ihm die Lossprechung. In seinem Testament suchte er zum Teil sein schweres Unrecht wieder gut zu machen. Zum Seelenheil des Kaisers sollen 100000 Goldunzen für das Heilige Land verwendet, der heiligen römischen Kirche, seiner Mutter, die Besitzungen, den Klöstern und Kirchen ihre Rechte und den Templern ihre Güter zurück gegeben werden. Schließlich wünschte er, im Dom von Palermo an der Seite seines Vaters und seiner Mutter bestattet zu werden.
Dort ruht er noch in einem Porphyrsarg…

Die Tugenden des Papstes und ein Vorwurf

Innozenz zog unter dem Jubel des Volkes nach dem Tode Friedrichs nach Italien zurück. Die Reise von Genua bis nach Neapel war ein Triumphzug. Konrad IV., der Sohn Friedrichs II., war mit einem Heer nach Italien gekommen, starb aber 1254 und hinterließ ein Kind Konradin. Innozenz sicherte demselben das Königreich Jerusalem, das Herzogtum Schwaben, wie alle Privatrechte zu. In Unteritalien dauerte der Kampf noch fort. Manfred, ein illegitimer Sohn Friedrichs II., siegte bei Foggia über die Anhänger des Papstes und unterwarf sich Apulien. Während dieser Vorgänge kam auch für Innozenz das Ende seiner Tage heran. Nach Empfang der heiligen Sterbesakramente hauchte er in Neapel am 7. Dezember 1254 seine Seele aus und fand in der Kathedrale des hl. Januarius seine letzte Ruhestätte. Trotz der Kämpfe, die Innozenz während seines ganzen Pontifikates zu bestehen hatte, verlor er die Angelegenheiten der Gesamtkirche nie aus den Augen, im Gegenteil entfaltete er nach allen Seiten hin eine unermüdliche Tätigkeit. In England schützte er die königlichen Rechte gegen die Übergriffe der Barone.

Erhaben und edel steht Innozenz IV. in der Geschichte da, würdig, dem großen Innozenz III. an die Seite gestellt zu werden. Die Zeitgenossen, insoweit die Parteileidenschaft sie nicht zur Ungerechtigkeit verleitet hat, feierten seine Tugenden, seine über Glück und Unglück erhabene Größe, seine unermüdliche Tätigkeit. Nur ein Vorwurf wird wider ihn von der Nachwelt erhoben, daß er mehrere seiner Verwandten zu hohen kirchlichen Würden erhoben und zwei Neffen zu Kardinälen ernannte hat. Wenn er auch in der bedrängten Lage, in welcher er sich befand, Männer an seine Seite ziehen musste, die mit ihm in unentwegter Treue die Schlachten zu schlagen bereit waren, so war doch das Beispiel dieses großen und würdigen Papstes in der Folge für die Kirche zum Nachteil… (siehe dazu den Beitrag: Bischof Grosseteste im Widerstreit mit Papst Innozenz IV.)

Während Friedrich ein ruhmloses Ende fand, schied der Papst als Sieger aus dem Leben. Das Recht hatte triumphiert, wie es der sterbende Gregor IX. gehofft und voraus verkündet hatte. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, I. Band, 1907, S. 429 – S. 435

Category: Mittelalter

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