Heiliger Hroznata von Tepla Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

14. Juli

Heiliger Hroznata von Tepla, Märtyrer

Unter der Herrschaft des Königs Ottokar, der das Königreich Böhmen 1192 bis 1230 glücklich regierte, nahm unter den Großen des Reiches Hroznata, aus fürstlichem Geschlecht, den ersten Platz ein. Er war reich, aber auch vom Herzen fromm, daher ein liebevoller Tröster der Betrübten, ein Vater der Waisen, ein Unterstützer der Notleidenden und gab Gott in Demut, was Gottes, und in Gehorsam und Treue dem König, was des Königs ist.

Seine Mutter brachte ihn vor der Zeit und wie tot zur Welt. Sie schauderte vor der toten Geburt und befahl, das Kind so schnell als möglich aus ihren Augen zu entfernen und zu begraben. Doch die Amme nahm das Kind auf ihre Arme und sprach zu wiederholten Malen zur Mutter: „Nimm, o Herrin, nimm das Kind auf deine Arme und opfere es der seligsten Jungfrau Maria, der Mutter Christi, durch dessen Geburt ja die Welt erleuchtet und belebt wurde.“ Als die Amme diese und ähnliche Worte ihrer Herrin öfters wiederholte, so nahm diese endlich, gleichsam gezwungen durch den Eifer der Zuredenden, zitternd und schaudernd das todstarre Kind auf ihre Arme, brach in Tränen aus, richtete ihre Augen gen Himmel empor und betete in frommer Andacht ihres Herzens: „O Herr Jesus Christus, der du für das Heil des menschlichen Geschlechtes von einer Jungfrau Fleisch anzunehmen und zu sterben dich gewürdigt hast, mache, ich bitt dich, auch dieses leblose Kind lebendig zur Ehre der glorwürdigen Jungfrau, deiner Mutter, der ich es darbringe, und zum Lob deiner Majestät, der du gepriesen bist in alle Ewigkeit.

Und wunderbar! Nach diesen Worten wurde der kalte steife Körper des Kindes allmählich warm und weich, der Knabe öffnete die Augen und schrie nach Art der neugeborenen Kinder. Als die Mutter dies sah und hörte, freute sie sich und pries die Mutter der Barmherzigkeit, welche die nicht verläßt, die auf sie hoffen, und deren Sohn das Leben und die Auferstehung ist.

Von dieser Zeit an gehörte Hroznata der Mutter Gottes an, die ihn wunderbar in Schutz nahm, und seine Wege leitete, auf daß er ein Heiliger wurde.

Zu Krakau war seine Schwester Woyzlava mit dem Statthalter vermählt. Hierher war Hroznata, bereits ein Jüngling, der zu schönen Hoffnungen berechtigte, seiner Schwester gefolgt. Als er nun einmal seinen Altersgenossen an dem Weichselfluss spielte, fiel er ins Wasser und lag von der dritten Stunde des Tages bis zum Abend auf dem Grund. Als nun die Nachricht hiervon zu den Ohren seiner Schwester drang, kam diese wie außer sich, lief, kaum halb bekleidet und in Angst um das Leben ihres Bruders, zum Fluss und ließ hier an dem Ort, wo er versunken war, mit verschiedenen Fischergeräten nachsuchen, um wenigstens den Toten aus dem Wasser zu fischen. Als die Fischer lange vergeblich sich abgemüht, warfen einige Jünglinge, die des Schwimmens kundig waren, ihre Kleider von sich, tauchten unter das Wasser, und siehe! Einer von ihnen fand den Toten, ergriff ihn beim Haar, zog ihn aus dem Wasser und legte ihn vor die Füße der Schwester an das Ufer.

Welche Freude aber die Schwester empfand, als sie staunend ihren einzigen Bruder atmen sah, ist nicht zu beschreiben. Als sie den Geretteten fragte, wie er so lange unter dem Wasser habe leben können, erwiderte er: „Es hab ihm geschienen, als hätte deine Frau von ausgezeichneter Schönheit, in jungfräulicher Gestalt, die Hände über seinen Scheitel gehalten, und nicht zugelassen, daß ihn das Wasser bedecke. Das sei, glaube er fest, die Mutter der Gnade gewesen. Nun wurden zu Ehren der seligsten Jungfrau Freuden- und Jubellieder gesungen und von dieser Zeit an faßte Hroznata in seinem Innern eine besondere Ehrfurcht für die seligste Jungfrau, seine Retterin, die er besonders damals bezeigte, als er sich und all das Seinige ihr weihte.

Er hatte sich nämlich, zum Mann heran gewachsen, mit einer frommen Jungfrau vermählt, mit der er in glücklichster Ehe lebte. Sie hatte ihm einen schönen Knaben geboren, der die Freude seines Herzens war. Doch Gott nahm ihm das Kind und bald darauf die Gattin. Hroznata, ein Mann vom starken standhaften Geist, entschlug sich nach einiger Zeit der Trauer und Klage wegen des Todes seiner Gattin und seines Sohnes, richtete seine Gedanken zu Gott und überlegte, wie er von nun an der göttlichen Majestät gefallen möge. Er beschloss, sich nicht mehr zu verehelichen; entsagte der Welt und sann nur darauf, wie er seine Güter nach dem Willen Gottes verwenden, sich selbst aber heiligen könne.

Die Gnade des Herrn, die an sein Herz klopfte, und der er Gehör gegeben, wandelte ihn bald zu einem Gott ergebenen Mann um. Von Liebe zum leidenden Heiland entbrannt, machte er das Gelübde, nach Jerusalem zu ziehen und dort die heiligen Stätten zu besuchen. Als er aber an das Ufer des Meeres kam, ängstigte ihn die Gefahr der Überfahrt, und er beschloss nach Rom zu gehen, und den Papst dort selbst um Rat zu fragen, was er ferner zu tun habe. Der heilige Vater dispensierte ihn von dem Gelübde der Wallfahrt nach Jerusalem unter der Bedingung, daß er zu Ehren der seligsten Jungfrau, der Mutter Christi, ein Kloster unter der Oberaufsicht des regulierten Prämonstratenser-Ordens gründe und es hinlänglich ausstatte, damit eine angemessene Zahl Ordensbrüder den heiligen Dienst dort versehen und das Kloster eine besondere Zufluchtsstätte für Betrübte und Notleidende sein könne.

Hroznata warf sich dem heiligen Vater zu Füßen, dankte ihm mit Tränen für seine heilsamen Ermahnungen und Ratschläge, und von dessen Hand gesegnet, reiste er getröstet und freudig nach Böhmen zurück. Als er nun einen passenden Platz sich ausersehen, fiel er betend nieder und sprach: „O Herr, der du dich gewürdigt hast, von einer Jungfrau geboren zu werden, bereite hier an diesem Ort eine Wohnung, tauglich für deine Dienste.“ Dann stand er vom Gebet auf, nahm eine Hacke, grub den Boden etwas auf, trug zuerst vor Allen einige mit Erde Erde gefüllte Körbe aus dem Fundament auf seinen schultern weg und gab dem zu erbauenden Kloster den Namen Tepla von einer benachbarten Stadt, die von den Einwohnern gewöhnlich Tepla (jetzt Teplicz) genannt wird.

Als das herrliche Kloster in der wunderschönen Gegend vollendet da stand, sollte die Kirche von dem Prager Bischof Johannes eingeweiht werden. Da zeigte sich ein wunderbares Zeichen am Himmel. Über dem Kloster der Mutter Gottes stand ein glänzender Stern, über dessen Anblick alle Anwesenden sich wunderten, besonders weil er in der Zeit sich zeigte, wo die Sonne zu glühen und die Luft heiter und hell zu sein pflegte. Dieser Stern strahlte sein Licht aus, nicht nur bis zur Vollendung der Einweihung der Kirche, sondern zeigte sich auch nach deren Vollendung noch den ganzen Tag den menschlichen Augen sichtbar, bis er mit Anbruch der Nacht unter die übrigen Sterne sich verlor. Unter diesem Stern glaubten Alle, die ihn sahen, eine schönes Bild der Mutter Gottes zu erkennen, welche von der Kirche bedeutungsvoll der Stern des Meeres genannt wird, indem sie alle, die zur ihr auf dem stürmischen Meer dieser Welt ihre Zuflucht nehmen, sicher geleitet in den Hafen des ewigen Friedens.

Hroznata gründete auch noch ein Kloster für Frauen desselben Ordens, in welches seine Schwester nach dem Tod ihres Gemahls trat, und darin gottselig bis zu ihrem Tod lebte. Hierauf nahm er selbst das Ordenskleid und brachte so sich selbst Gott und der Lieben Frau zum Opfer, nachdem er all sein Gut schon hingegeben hatte. Er lebte gehorsam dem Abt, mitten unter den Brüdern wie der geringste und erregte durch sein Beispiel der Demut, durch seinen Eifer in Übung der Geduld die Bewunderung Aller, die ihn sahen. Auch als ihn der Abt mit Unbild und Schmach behandelte, zürnte er nicht, sondern ertrug Alles mit Ergebung, bis der Sturm sich legte und der Abt zur Einsicht kam. Einmal besuchte er seine Schwester und verfiel bei ihr in eine schwere Krankheit. Da geschah es, daß er auf dem Krankenbett plötzlich wie außer sich mit lauter Stimme rief: „Siehe da werde ich gefangen und von Feinden weg geführt.“ –

Die Schwestern, welche ihn pflegten, staunten und sagten ihm, er habe keine Gefangennehmung zu fürchten, sondern liege in seinem Haus durch göttliche Fügung krank darnieder. Aber es trat bald ein, was er im prophetischen Geist vorher gesagt hatte.

Denn als er nicht lange darnach wieder gesund geworden, beichtete er offen und reumütig am Tag der Himmelfahrt Christi, bat die Brüder, laut zu singen und für ihn zu beten; darauf empfing er unter Tränen und mit großer Andacht am Altar den Leib und das Blut Christi und zu Allem so vorbereitet, als ob er jetzt von der Welt scheiden sollte, reiste er dann, gesegnet vom Abt, nach Hroznetin ab, um die Güter der Kirche einzusehen, deren Verwalter er war. Hier wurde er von einigen Feinden aus der Provinz Eger, die deshalb gegen ihn aufgebracht waren, weil er gegen ihre Angriffe die Güter der Klöster mutig verteidigte, gefangen genommen, ins Gefängnis geworfen und daselbst mit Hunger, Durst, Kälte und verschiedenen anderen harten Strafen gepeinigt, um Geld von ihm zu erpressen. Hroznata aber ertrug Alles für den Namen Gottes mit Geduld und betete ohne Unterlass, Gott möge sich würdigen, ihn zu sich zu rufen, geschmückt mit der Krone der Märtyrer.

Als der Abt und die Brüder von Tepla erfuhren, was Hroznata begegnete, brachten sie alsbald unter Tränen und Klagen eine Summe Geldes zusammen, um ihn loszukaufen. Hroznata aber wollte lieber für Jesus sterben, als die Güter der Kirche zu Schaden kommen lassen. Im Namen Gottes beschor er den Abt und die Brüder und verbot ihnen auch nur einen Denar für die Erkaufung seines Lebens zu geben; ja er wünschte so sehr, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein, daß er sie bat, sie möchten seinem Martertod nicht hindernd in den Weg treten.

Und was er so sehnlich wünschte, das wurde ihm auch zu Teil. Am 14. Juli des Jahres 1217 starb er im Gefängnis. Seinen Leichnam kaufte der Abt um eine Summe Geldes los und begrub ihn ehrenvoll vor dem Hochaltar in der Kirche zu Tepla. (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1619 – Sp. 1623

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