Das Los der verworfenen Menschen

Welches ist das Los der gefallenen Engel und der verworfenen Menschen?

Predigt auf das Fest des heil. Erzengels Michael, gehalten in Berg am Naim bei München den 29. Sept. 1846, von Dr. Jos. Dinsler, Stadtkaplan bei St. Moritz in Augsburg.
Et factum est proelium magnum in coelo. Michael et Angeli ejus proeliabantur cum dracone et draco pugnabat et angeli ejus.“ Apoc. XII, 7.

Ich schreite nun zur Beantwortung der zweiten Frage :

2. Welches ist das Los der gefallenen Engel und der verworfenen Menschen? Die Antwort ist kurz: Die Hölle ist ihr Anteil, die äußerste Finsternis ihre Wohnung, Heulen und Zähneknirschen ihre Sprache, der Hunger ihre Speise, die Hitze des ewigen Feuers, des Feuer- und Schwefelpfuhles ihre peinliche Empfindung. Denn dieser Ausdrücke bedient sich die heil. Schrift. Welches ist das Los der Verdammten? der schalkhaften Geister und der unbußfertigen Menschen? Wer ist im Stande, von der ewigen Pein der Verworfenen ein Gemälde zu entwerfen, das grell und schwarz genug wäre, um uns von dem beklagenswerten Schicksal der Verdammten einen rechten Begriff zu verschaffen? Wenn uns die Heiligen Augustinus und Franz Sales versichern, daß schon die Leiden der armen Seelen im Fegefeuer schärfer und größer seien, als alle Leiden dieser Welt; was soll man dann erst von den Qualen der Hölle sagen? Denken wir uns den heil. Laurentius mitten in seinem Martyrtum. Nackt wird er auf den glühenden Rost geworfen. Seine Haare werden versengt wie Flachs im Feuerofen; sein edles Blut wallt und kocht in den Adern wie strudelndes Wasser; seine Haut schrumpft zusammen und wird verzehrt, wie Papier, wenn man es über die Flamme gehalten. Wer beschreibt die Qual des heil. Märtyrers? Allein das Leiden hat bald ein Ende, es dauert kein Jahr, es dauert keinen Tag, es dauert nur wenige Minuten. Allein die Qual des Verdammten übersteigt alle Leiden dieser Welt, und kennt dennoch kein Ende.

Unsere verzärtelte Welt mag zwar Nichts von der Hölle vernehmen; sie verachtet den Priester, der es wagt, die Hölle schwarz auszumalen, sie versetzt den Prediger unter die Klasse der Ungebildeten, welcher von einem ewigen Feuer in der Hölle spricht, welcher, wie sie sagt, dem Volke die Hölle heiß macht. — Allein es gilt von dieser Stimme der Welt das Wort des Apostels: Sie werden Lehrer um sich versammeln, die die Ohren kitzeln. Die heil. Schrift ist es selbst, — die sich der stärksten Ausdrücke bedient, wenn sie die Peinen der Verdammten schildert; hadert mit ihr, und nicht mit dem Prediger; der Herr Jesus ist es, welcher die Hölle so schwarz und heiß gemacht, mit ihm streitet und nicht mit seinem Diener, ihm macht diese Vorwürfe, mit ihm unterhandelt, wenn ihr die Hölle in einem leidlichen Bild erblicken wollt.

Welches ist das Los des großen Drachen, den Michael bekämpft und besiegt?

welches ist das Schicksal der gefallenen Geister und der verworfenen Menschen? Der heil. Johannes beantwortet diese Frage im 21. Kap. der Apokalypse: »Der Teufel, der die Völker verführt, ward geworfen in den Feuer- und Schwefelpfuhl, wo auch das Tier und der falsche Prophet ist. Und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.« Die Verdammten wohnen in der äußersten Finsternis, denn die Hitze des höllischen Feuers erdrückt die Sehkraft des leiblichen Auges, denn der Dampf des Schwefelpfuhles verdunkelt den Gesichtskreis, denn die Leuchte der Herrlichkeit Gottes ist ihnen genommen, wie des Nachts dem Firmament die Sonne. Daher sagt der Herr selbst:

Werfet den unnützen Knecht hinaus in die äußerste Finsternis, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird. Die Verdammten werden von Ewigkeit zu Ewigkeit in dem Ofen eines unauslöschlichen Feuers gequält; denn der Herr hat ihnen zugedonnert: Weichet ihr Verfluchten in’s ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist; und der heilige Johannes schreibt: Der Teufel ward geworfen in den Feuer- und Schwefelpfuhl, da wird er mit den Seinigen gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. —

Warum rede ich in wenigen Worten von dem traurigen Los Luzifers, der gefallenen Engel und der verworfenen Menschen? Was sollt ihr, christliche Zuhörer! daraus für eine Lehre, was für eine Frucht ziehen?

Keine andere als diese, daß ihr euch von der alten Schlange nicht wie die unglückseligen gefallenen Engel verführen und betören laßt. Denn wie der Satan den dritten Teil der Sterne des Himmels auf die Erde geschleudert, so sucht er auch das Menschengeschlecht mit in den Abgrund des Verderbens zu ziehen. Darum schreibt der Apostelfürst Petrus: Brüder, seid wachsam und nüchtern; denn der Satan geht herum wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlinge; widersteht ihm im Glauben.

Die alte Schlange war es, die unsere Stammeltern verführt; der große Drache war es, der die sieben Männer der Sara im unkeuschen Ehebett erwürgt; der Satan war es, der in den Judas gefahren, und ihn zum Verräter an seinem Herrn und Meister gemacht; der Teufel war es, der sogar den glaubensstarken Petrus im Glauben wankend machen wollte, weswegen der Herr zu Petrus gesprochen: Siehe! der Satan sucht dich zu sieben wie Weizen, ich habe aber für dich gebetet, auf daß dein Glaube nicht erlösche. Luzifer, den Michael besiegt, ist es, der heut zu Tage noch bemüht ist, Unkraut unter den Weizen zu säen, damit dieser erſticke; der Teufel ist es, der sich wie an Christus selbst so auch an den frommen Job so fast an alle Heiligen Gottes versuchend gemacht hat; der Teufel ist es, der so häufig bereit ist, im Herzen des Menschen die Flamme der Unzucht und Feindschaft anzufachen, um so dem Menschen nach Leib und Seele in’s ewige Verderben, in die Flammen der Hölle zu stürzen.

Streitet also, ihr Christen! mutig und tapfer wie Michael gegen den Mörder von Anbeginn, den Vater der Lüge, damit ihr nicht des Loses der gefallenen, sondern der guten und standhaften Engel teilhaftig werdet!

Welches ist aber das Los der guten Engel und der gebenedeiten Menschen des himmlischen Vaters?

3. Welches ist aber das Los der guten Engel und der gebenedeiten Menschen des himmlischen Vaters? — Wie sollten wir im Stande sein, jene Freude, jene Glorie, jenes Leben, jene Krone, jenen Lohn zu beschreiben, so den guten Engeln und Menschen zu Teil wird, — da nicht einmal der heil. Apostel Paulus dies zu beschreiben im Stande war, der doch schon in diesem Leben die Freuden des Himmels verkostet, und bis in den dritten Himmel verzückt worden?
Selbst dem Paulus mangelten die Worte, um den ewigen Jubel der Seligen auszusprechen, und er vermochte nichts Anderes als auszurufen:
»Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.« —

Was muss es nicht für ein Jubel, was nicht für eine Freude sein, den unendlich liebevollen Gott in seiner unbegrenzten Herrlichkeit zu sehen ?

Denn das ist die höchste Belohnung, das macht den Himmel zum Himmel, daß wir Gott selbst sehen werden, wie der heil. Johannes schreibt, wir werden ihn sehen, so wie er ist, und wie der Herr selbst gesprochen:

Selig sind die, so eines reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen. — Was muss es für eine Freude sein, wenn wir im Himmel unsere Eltern, Geschwistern, Freunde und Verwandte wieder sehen; was muss es für ein Vergnügen sein, den Chören der seligen Geister beizuwohnen, und die Loblieder der Heiligen Gottes anzuhören, wie der Psalmist schreibt, ihre Kehlen werden Loblieder singen. — Selbst unser Leib wird an diesen Himmelsfreuden Teil nehmen, und er wird ein auf alle Weise verklärter sein; denn der Apostel schreibt: »Die Gerechten werden glänzen, die Einen wie die Sonne, die Andern wie der Mond, die Andern wie die Sterne; gesät wird in Verweslichkeit, auferstanden wird in Unverweslichkeit; gesät wird in Schande, auferstanden wird in Herrlichkeit; gesät wird in Schwäche, auferstanden wird in Stärke; gesät wird ein tierischer Leib, auferstehen wird ein geistiger Leib.«

Denken wir uns den glücklichsten Menschen auf Erden; denken wir uns den König Salomon auf seinem erhabenen Thron von Gold und Elfenbein, mitten unter seinen Schätzen von Gold, Silber und Edelgestein, mitten unter den wollüstigen Umarmungen seiner Tausend der schönsten Weiber; — was ist das Los des glücklichsten Erdbewohners im Vergleich zum Loſ eines Himmelsbewohners? Nichts als Eitelkeit, nichts als Bitterkeit, nichts als Schatten und Vergänglichkeit; denn Salomon hat dies selbst gestanden, indem er ausgerufen: »Ich habe mir alle Genüsse erlaubt und keine Lust versagt, und nun muss ich ausrufen: o Eitelkeit über Eitelkeit, und Alles ist eitel, außer Gott lieben und ihm allein dienen.« — Hier auf Erden st auch der glücklichste König der Krankheit, dem Schmerz und dem Tod ausgesetzt; dort aber in den ewigen Wohnungen weiß man von keinem Kummer, von keiner Versuchung, von keinem Leiden, wie geschrieben steht: »Gott wird alle Tränen von ihren Augen trocknen; und kein Tod wird mehr sein, kein Leiden, kein Geschrei kein Schmerz.«

Um uns von den ewigen Freuden des Himmels einigen Begriff zu verschaffen, bedient sich die heil. Schrift verschiedener Bilder und Gleichnisse; so vergleicht sie das Himmelreich einem königlichen Hochzeitsmahle, und einer überaus glänzenden Stadt. Wo herrscht hier auf Erden mehr Glanz und Jubel, wo wird das Herz des Menschen mehr erfreut, als auf einem Mahl, das ein König seinem Sohn gibt, der Hochzeit hält ?

Und einem solchen Mahl wird das Himmelreich verglichen, um auszusprechen, wie groß der Jubel der Seligen sei. Der heil. Johannes sieht in seiner Offenbarung das Himmelreich unter dem Bilde einer Stadt, von der er folgende Beschreibung macht: »Die Stadt liegt viereckig, ihre Länge ist so groß als ihre Breite; und das Gebäu ihrer Mauer war
Jaspis; die Stadt aber war reines Gold, gleich einem Kristall; die Grundsteine der Stadtmauer waren voll von allerlei Edelsteinen geschmückt. Und die zwölf Tore sind zwölf Perlen, und jedes Tor ist eine Perle; und die Gassen der Stadt sind reines Gold, wie durchschimmernder Kristall; einen Tempel sah ich nicht darin; denn ihr Tempel ist der Herr, der alleinige Gott, und das Lamm, die Stadt bedarf auch weder der Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Ihre Tore werden am Tage nicht geschlossen, denn Nacht ist nicht daselbst.«

Zum Himmel gelangt man nicht ohne Kampf

Wer sollte sich nun nicht nach den ewigen Wohnungen des Friedens, wer nicht nach diesem königlichen Mahl, wer nicht nach diesem himmlischen Jerusalem sehnen? Wer sollte nicht mit dem Psalmisten ausrufen: Wie ekelt mich die Erde an, wenn ich den Himmel betrachte? und mit dem Apostel seufzen: Ich wünsche aufgelöst zu werden, und mit Christus zu sein. Allein zu diesem glorreichen Sieg gelangt man nicht ohne heißen Kampf; zu diesem überaus großen Lohn kommt man nicht ohne harte Arbeit. Darum sagt der Herr Jesus: Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die, so Gewalt brauchen, reißen es an sich; und schreibt der Apostel: Niemand wird gekrönt werden, der nicht gesetzmäßig gestritten hat. Groß und mächtig sind die Feinde, gegen die wir in die Schranken treten müssen, Fleisch und Blut, Hölle und Welt müssen überwunden werden. Wer hat es nicht schon erfahren, wie schwer wir von Fleisch und Blut versucht werden? Wahr ist es, was geschrieben steht: »Die Begierde zur Sünde sucht dich zu locken«; der Sinn des Menschen ist von Jugend an zum Bösen geneigt; — aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken: Hurerei, Ehebruch, Mord und Diebstahl. In der Tat, unser Herz ist nicht bloß der Keim zu den schönsten Taten und edelsten Früchten; es ist auch die fruchtbare Wurzel, die beständig giftige Geschosse treiben will; es ist nicht bloß der sanfte Funke zur flammenden Liebe Gottes und des Nächsten; es ist auch die gefährliche Feuerstätte, aus der die Flammen der Unzucht, des Hasses und der Feindschaft auflodern wollen. Diese gefährliche Wurzel des Bösen muss durch Abtötung und Selbstverleugnung, durch Wachen, Beten und Fasten ausgerissen, dieses gefährliche Feuer unseres Herzens muss durch das Wasser der heil. Sakramente ausgelöscht werden. (siehe auch den Beitrag: Der zweite im Bunde der Versuchung ist das Fleisch)

Ein eben so gefährlicher Feind unseres Heiles ist der Satan, der, wie er den dritten Teil der Engel verführt hat, so auch beständig bereit ist, uns Menschen in sein verderbliches Netz zu verstricken, und in den Abgrund der Hölle zu schleudern. Darum schreibt der Apostel: Wir haben nicht bloß gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Fürsten und Mächte, gegen die Finsternisse dieser Welt, gegen die bösen Geister in der Luft. Wie der Wanderer, der sich im fremden Land in unwirtbare Wälder verirrt, von allen Seiten bald von Räubern, bald von wilden Tieren bedroht und angegriffen wird, so sehen wir uns Menschen auf unserer irdischen Wanderschaft von dem höllischen Drachen und den schalkhaften Geistern belagert und bestürmt.

Der dritte Feind, gegen den wir zu kämpfen haben, ist endlich die Welt, d. h. die Menge der bösen Menschen mit ihren ärgerlichen Reden und Gesängen, die Welt mit ihren verführerischen Beispielen, mit ihren rauschenden, sündhaften Vergnügungen, die Welt, mit ihren Schau- und Lustspielen, mit ihren Reizen und Tänzen, die Welt, von der Johannes sagt: sie liege ganz im Argen. Dies sind die drei Feinde, Fleisch, Hölle und Welt, die der überwinden muss, welcher zur kleinen Zahl der Auserwählten gehören, der ewigen Verdammnis entgehen, und des ewigen Lebens teilhaftig werden will.

Zieht die Waffenrüstung Gottes an

Darum rufe ich euch, geliebteste Zuhörer! mit den Worten des Apostels zu: Brüder! stärkt euch im Herrn durch die Macht seiner Kraft; zieht an die Rüstung Gottes, damit ihr den Nachstellungen des Teufels widerstehen möget; denn wir haben nicht bloß gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Fürsten und Mächte, gegen die Finsternisse dieser Welt, gegen die bösen Geister in der Luft. Darum ergreift die Rüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand tun, und in allen Stücken vollkommen bestehen könnt. »Steht also, umgürtet euere Lenden mit der Wahrheit, und zieht den Panzer der Gerechtigkeit an. Beschuht die Füße mit der Bereitwilligkeit, das Evangelium des Friedens auszubreiten. Vor Allem ergreift den Schild des Glaubens, durch welchen ihr alle feurigen Pfeile des schalkhaften Geistes auslöschen könnt; nehmt den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist.« — Siehe! hier bietet dir der Apostel die volle Waffenrüstung an, mit der du siegreich gegen deine Feinde kämpfst. (siehe auch den Beitrag: Der Kampf gegen die Geister der Finsternis) Der Apostel sagt zuerst: umgürte deine Lenden mit Wahrheit, d. h. sei reinen Herzens, auf daß du dereinst Gott anschauest; schreibe es tief und mit unauslöschlicher Schrift in dein Herz: kein Unkeuscher wird in das Reich Gottes eingehen; sei der festesten Überzeugung, daß alle Genüsse und Wollüste des Fleisches nichts als Eitelkeiten, nichts als Wege und Stufen in die Hölle sind. —

Der Apostel sagt sodann: ziehe den Panzer der Gerechtigkeit an, d. h. gib Gott was Gottes, und dem Nächsten was des Nächsten ist; – bleibe Niemanden etwas schuldig, als die Liebe, oder mit andern Worten: du ziehe den Panzer der Gerechtigkeit an, wenn du die Liebe Gottes im Herzen trägst; — und warum solltest du deinen Gott nicht lieben? hat er dich denn nicht zuerst geliebt? hat dich der himmlische Vater nicht so sehr geliebt, daß er seinen einzigen, seinen eingebornen Sohn für dich dahingegeben? wie geschrieben steht: So sehr hat Gott die Welt geliebt etc.; — hat dich der Sohn Gottes nicht so sehr geliebt, daß er aus Liebe zu dir den Himmel verlassen, auf die Erde herab gestiegen und ein Kindlein geworden? hat er dich nicht so sehr geliebt, daß er für dich den letzten Blutstropfen vergossen, daß er sich in der heil. Kommunion sogar auf deine Zunge, auf deine Lippen legen läßt, und in deinem Herzen Einkehr nimmt? Sage an, Mensch! hätte Gott noch mehr tun, hätte er dich noch mehr lieben können? und du sollst ihn nicht wieder lieben? du solltest so kalt wie Eis sein, und dein Herz am Feuer seiner Liebe nicht wie Wachs schmelzen lassen? Ziehe also den Panzer der Gerechtigkeit an, gib Gott, was ihm gebührt, schenke ihm dein Herz, liebe ihn von ganzer Seele, liebe ihn mehr, als ein Kindlein seine Mutter liebt, da er auch dich mehr geliebt, als eine Mutter ihr Kindlein, wie er selbst bezeugt: Wenn auch die Mutter ihres Kindleins, wenn auch die Mutter ihres Säuglings etc. etc.

Das Evangelium des Friedens verbreiten

Als dritte Waffe nennt der Apostel: die Füße zu beschuhen mit der Bereitwilligkeit, das Evangelium des Friedens zu verbreiten; — wenn du also Gelegenheit hast, Frieden zu stiften, zwei hadernde Feinde zu versöhnen, o so unterlasse dies nicht; denn es steht geschrieben: Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden; oder wenn du im Stande bist, deinen Nächsten überhaupt von einer Sünde abzuhalten, etwa ihn zu vermögen, ein gewisses Haus zu meiden, ein gewisses sündhaftes Verhältnis aufzugeben, so tue es, beschuhe deine Füße mit der Bereitwilligkeit, das Evangelium des Friedens auszubreiten; denn wenn es dir gelingt, wenn du deinen Bruder gewinnst, wenn du die Seele deines Bruders rettest, so hast du deine eigene Seele gerettet; denn so schreibt der heil. Jakobus: Wer die Seele eines Andern gerettet, der hat auch die seinige gerettet. — Vor Allem aber, fährt der Apostel fort, vor Allem aber, ergreife den Schild des Glaubens, mit welchem du alle feurigen Pfeile des schalkhaften Geistes auslöschen kannst. Auch der heil. Michael ergriff den Schild des Glaubens, auf welchen er die Worte des Glaubens, wer ist wie Gott, eingeschrieben; und mit diesem Schild des Glaubens hielt er die giftigen Geschosse und den verderblichen Biß der alten Schlange ab, und stürzte sie in den Abgrund der Hölle. —

Ergreife also auch du den Schild des Glaubens, d. h. halte dich an den alten Glauben deiner Mutter, der heiligen katholischen Kirche. Unter dem Mantel dieser Mutter, der katholischen Kirche, unter dem Schutz des heiligen Vaters, des römischen Bischofs bist du sicher; denn an diesem Schild prellen die Pfeile der Hölle ab, da der Herr gesprochen: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Nehme den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist. Was will der Apostel sagen, wenn er dich ermahnt, den Helm des Heiles zu nehmen? Nichts Anderes als dieses: Erhebe dein Haupt, und richte deinen Blick in das Jenseits; erinnere dich der unverwelklichen Krone, die Jenen zu Teil wird, die gesetzmäßig gestritten haben; nehme den Helm des Heiles, d. h. bewaffne dich mit der Hoffnung der ewigen Glückseligkeit. Denn, wie der Apostel schreibt, sind die Leiden dieser Zeit Nichts im Vergleiche zur künftigen Glorie. Siehe, auch Michael und die guten Engel nahmen den Helm des Heiles, sie gedachten des herrlichen Erbteiles, das ihnen zufallen sollte, wenn sie getreu blieben. Siehe, den Helm des Heils, die Hoffnung des ewigen Lebens nahmen auch die heiligen Märtyrer. Man ließ ihnen die bange Wahl, zwischen der Beibehaltung des Glaubens und den ausgesuchtesten Martern einerseits, und der Verleugnung des Glaubens und den Freuden der Welt andererseits.

Um nur ein Beispiel anzuführen, so bot man der heil. Philomena die Kaiserkrone, alle Reichtümer, Ehren und Wollüste dieser Welt an, wenn sie den christlichen Glauben verleugnen würde. Allein Philomena und alle heil. Märtyrer setzten sich den Helm des Heiles auf, sie verachteten die Güter dieser Welt und trachteten nach den himmlischen, die ihnen nun schon lange zugefallen.

Ergreife das Schwert des Geistes

Endlich sagt der Apostel, du sollst das Schwert des Geistes ergreifen, welches das Wort Gottes ist. — Das Schwert des Geistes, die Anhörung des Wortes Gottes, wird deine Seele wie das Samenkorn das Erdreich, befruchten, und zu rechter Zeit Regen und zu rechter (Zeit) wieder Wärme und Sonnenschein verleihen, auf daß der Same dieses göttlichen Wortes aufgehe, wachse und vielfältige Früchte bringe. — Das also ist das Zeughaus, aus welchem du die Waffen hernehmen musst, um deine Seelenfeinde zu bekriegen, und dich gegen jeden Anfall sicher zu stellen. Wohlan denn also! waffne dich mit dieser Rüstung! Ziehe mutig aus wie Michael, — und eine ganze Schar von Kampfgenossen wird dir wie ihm zur Seite stehen. Kämpfe den guten und großen Kampf, und das Los des Michael und aller guten Engel und Menschen wird dir zu Teil werden! Amen. –
aus: Predigt-Magazin in Verbindung mit mehreren katholischen Gelehrten, Predigern und Seelsorgern, Hrsg. Franz Josef Heim, 17. Bd., 1848, S. 151 – S.163

Der erste Teil der Predigt: Das Los der guten und bösen Engel

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