Heiliger Vitalian Bischof von Kapua

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

16. Juli

Heiliger Vitalian, Bischof von Kapua

Dieser andächtige Diener U. L. Frau war zu Kapua in Italien geboren. Wegen seiner Tugenden war er zum Bischof seiner Vaterstadt erwählt und geweiht. – In englischer Keuschheit lebend, war er ein Vater der Armen, Witwen und Waisen, denen er beständig mit Almosen und Tröstung zu Hilfe eilte. Wer trauernd zu ihm kam, ging immer freudig von ihm fort und gar viele Kranke, die sich ihm nahten, entfernten sich gesund von ihm durchs ein gebet und seine Verdienste. Er war schön von Angesicht, reich an Kenntnissen und gerecht in allen Stücken. Man sah an ihm niemals einen Zorn oder Hass, nie sprach er ein böses Wort über seinen Nächsten; immer sah man ihn demütigen und einfältigen Sinnes wandeln vor dem Herrn. So folgte er alle Tage seines Lebens treu dem Heiland nach. Doch der böse Feind, der Allem, was heilig ist, Hass geschworen, reizte gegen ihn seine Genossen an, auf daß sie ihn ins Verderben stürzten.

Als er nämlich 70 Jahre alt geworden, hielten mehrere gottlose junge Männer, die ihn seiner Würde wegen beneideten, und seiner Tugenden wegen hassten, einen Rat, wie sie ihn aus seinem Amt vertreiben und einen anderen aus ihrer Mitte an seine Stelle setzen könnten. Sie kamen auf den teuflischen Gedanken, ihn des Umganges mit schlechten Weibspersonen zu beschuldigen. Zu dem Ende bestachen sie mehrere Verruchte mit Geld, welche des Nachts in das Schlafgemach des heiligen Bischofs stiegen und ihm die Kleider stahlen und statt deren andere nach Form und Zuschnitt von weiblichen Kleidern hinlegten. Als nun der heilige Bischof seiner Gewohnheit gemäß, um Mitternacht schnell sich zum Gebet der Metten erhob, zog er in der Eile und ohne sich lange zu besinnen, auch nichts Arges denkend, die Kleider an und eilte in den Chor. Zur Morgenstunde, als das Gebet vollendet war, versammelte sich das Volk zur Feier des Gottesdienstes. Nach Vollendung desselben ward es heller Tag. Diese Zeit benützten die gottlosen Verleumder; sie fingen zu lachen an, zeigten auf den Bischof und schrieen: „Hört, was dieser schändliche Bischof für ein Laster täglich begeht. Uns predigt er Keuschheit, er selbst aber wälzt sich im Laster der Unzucht mit schlechten Weibspersonen; er will, daß wir die Weiber fliehen und er selbst weilt bei ihnen Tag und nacht. Wollt ihr uns nicht glauben, so schaut ihn an, wie er sogar die Kleider jener Weiber trägt.“

Wie dies der Heilige hörte seufzte er tief auf; alsdann, gestärkt von Oben, gebot er Stillschweigen und sprach: „Hört mich, meine Söhne! Ihr habt Recht, ich bin ein Sünder und habe vor meinem Gott Übles getan, daher ihr dieses Leid über mich brachtet, und aufblickend zum Himmel sprach er: „Du, o Gott, der du Himmel und Erde mit deiner Rechten regierst, der du durchforschest Herzen und Nieren und Alles weißt, bevor es geschieht, vernichte dieses Werk des Verleumders.“ Nach diesen Worten entfernte er sich. Die Gottlosen aber folgten ihm, ergriffen ihn, nähten ihn in eine Haut und warfen ihn ins Meer.

Der Heilige aber rief zum Himmel um Hilfe und flehte zur allerseligsten Jungfrau um ihren Beistand, und siehe, das Meer warf ihn ans Ufer, er entkam unverletzt der Gefahr und gelangte gesund zum römischen Hafen, wo er sich verbarg. Von dem Tag an, wo das Verbrechen geschah, regnete es sechs Monate und vierzig Tage nicht mehr. Es trat ein solche Dürre ein, daß jede Hoffnung auf eine Ernte verschwand. Da erkannten die Bewohner der Stadt und der Umgegend, daß wegen des heiligen Dieners Gottes der Himmel von Gottes Hand verschlossen worden, auf daß es nicht mehr regne. Voll Reue suchten sie den heiligen auf, warfen sich zu seinen Füßen und baten ihn um Vergebung. –

Dieser aber vergalt nicht Böses mit Bösem, sondern verzieh Alles, suchte seine Feinde für Gott zu gewinnen und kehrte mit ihnen in die Stadt zurück. Kaum dort angelangt, fiel auf sein Gebet der Regen vom Himmel. Vitalian blieb aber nicht mehr zu Kapua; Gott zeigte ihm nämlich einen Ort, wo er das Ende seines Lebens und seinen Lohn erwarten sollte. So kam er auf den Berg Virgilius, wo er seiner Beschützerin Maria, die ihn aus der Gefahr gerettet, einen Tempel baute und sie bis zu seinem Tod kindlich verehrte. Er starb am 16. Juli; die Zeit seines Todes aber ist unbekannt. (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1638 – Sp. 1640

Category: Bischöfe, Ott
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