Heilige Agape, Chionia und Irene, Märtyrerinnen

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

Heiligenkalender

3. April

Die heiligen Märtyrerinnen Agape, Chionia und Irene

Zu Thessalonich, jener Stadt in Mazedonien, wo einst der heilige Paulus gepredigt und eine christliche Gemeinde gegründet hatte, deren lebendiger Glaube an allen Orten bekannt war, lebten um das Jahr 304 drei fromme Jungfrauen. Die Eine hatte den schönen Namen Agape, zu deutsch Liebe, denn die heilige Gottes- und Nächstenliebe brannte in ihrem Herzen; die andere hieß Chionia, zu deutsch die Schneeige, denn ihre Seele war so rein und weiß die der Schnee; die dritte hieß Irene, zu deutsch Friede, denn der Friede Gottes lebte in ihrem Herzen. – Als unter dem grausamen Kaiser Maximian eine Christenverfolgung ausbrach, flüchteten sie sich auf einen hohen Berg, dort aber wurden sie ergriffen und vor den Statthalter Dulcecius geführt, mit ihnen zugleich ein Christ mit Namen Agatho und drei andere Frauen mit Namen Kasia, Philippa und Eutychia. Zuerst wendete sich der Richter an Agatho und fragte ihn, warum er nicht von dem Opferfleisch der Götter esse? Agatho antwortete: „Weil ich ein Christ bin.“ Darauf wandte sich der Richter zu Agape und sprach: „Was sagst du?“

Agape: „Ich glaube an den lebendigen Gott und will mein gutes Gewissen nicht verlieren.“ Der Richter wendet sich an Chionia: „Was sagst du dazu?“
Chionia. „Weil ich an Gott glaube, so wollte ich deswegen nicht tun, was du begehrst.“
Der Richter sprach zu Irene: „Warum hast du dem Kaiser nicht gehorcht?“
Irene: „Ich tat es aus Gottesfurcht.“
Der Richter fragte nun auch Kaisa: „Was sagst du?“
Kasia: „Ich will meine Seele retten.“ „Willst du also“, fuhr der Richter fort, „an unseren Opfern keinen Anteil nehmen?“
Kasia: „Keineswegs.“ „Und was sagst du, Philippa?“ fuhr der Richter fort.
Philippa. „Ich sage dasselbe; ich will lieber sterben, als von euren Opfern essen.“ „Aber du, Eutychia, was meinst du?“ fragte der Richter weiter.
Eutychia: „Auch ich sage das Nämliche; auch ich will lieber sterben, als tun, was du begehrst.“
Richter: „Hast du einen Mann?“
Eutychia: „Er ist gestorben.“
Richter: „Wie lange?“
Eutychia: „Vor beinahe sieben Monaten.“
Richter: „Du bist also in guter Hoffnung?“
Eutychia: „Ja, von meinem Mann.“
Richter: „Ich ermahne dich, daß du dem Befehl des Kaisers gehorchst.“
Eutychia: „Nimmermehr, denn ich bin eine Christin, eine Magd des allmächtigen Gottes.“
Nun ließ der Richter diese Frau ins Gefängnis führen, bis sie entbunden habe; dann wandte er sich wieder zu Agape und sprach: „Willst du dem Kaiser gehorchen?“
Agape: „Ich huldige dem Satan nicht; durch deine Worte wird meine Gesinnung nicht geändert, denn sie ist unerschütterlich.“
Der Richter zu Chionia. „Was sagst du?“
Chionia: „Unsern Entschluß kann Niemand umstoßen.“
Der Richter: „Habt ihr etwa Schriften oder Bücher von den gottlosen Christen?“
Chionia: „Wir besitzen keine mehr, die Kaiser haben sie uns genommen.“
Der Richter. „Wer hat euch denn den Entschluß, Christen zu werden gegeben?“
Chionia: „Der allmächtige Gott und sein eingeborener Sohn, unser Herr Jesus Christus.“
Der Richter: „Weil ihr denn die Gebote der Kaiser verachtet und bei dem gottlosen Namen der Christen verharrt, so vernehmt euer Unheil: Ich befehle, daß ihr des Feuertodes sterbet.“ – Nachdem er dieses gesprochen, fügte er noch hinzu: „Agatho aber, Kasia, Philippa und Irene sollen bis auf weiteren Befehl im Kerker verwahrt bleiben.“

Agape und Chionia wurden nun auf einem schon zubereiteten Scheiterhaufen lebendig verbrannt und erlangten so die doppelte Krone der Jungfräulichkeit und des Martyrertums. Irene aber ließ der Statthalter Dulcecius wieder vor sich kommen und sprach zu ihr: „Man hat bei dir viele Bücher, Hefte und Blätter jener Schriften gefunden, die bei den gottlosen Christen gebräuchlich sind; denn als man sie dir vorlegte, hast du sie als solche erkannt, obgleich du geleugnet hast, solche zu besitzen. Du verdientest also Strafe, aber ich will noch einmal Güte walten lassen. Du kannst von aller Qual dich befreien, wenn du jetzt die Götter anerkennst. Wohlan, willst du Opferfleisch essen und den Göttern opfern?“
Irene: „Nein, nein, bei jenem allmächtigen Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, das Meer und Alles, was darin ist; denn die größte aller Strafen, das ewige Feuer, ist denen angedroht, welche Jesum, das Wort Gottes verleugnen.“
Richter: „Wer hat dich denn bewogen, daß du die Schriften bis auf den heutigen Tage bewahrtest?“
Irene: „Jener allmächtige Gott, der uns befohlen hat, ihn bis in den Tod zu lieben. Darum haben wir es auch nicht gewagt, ihn zu verraten, sondern wollen lieber lebendig verbrannt werden, als solche Schriften ausliefern.“
Richter: „Wer wußte denn, daß sie in dem Haus verborgen waren, wo du wohntest?“
Irene: „Das wußte der allmächtige Gott, der Alles weiß, außer ihm aber Niemand. Unsern Hausgenossen trauten wir nicht, weil sie unsere offenbaren Feinde sind, und zeigten daher die Schriften Niemand.“
Richter: „Wo warst du voriges Jahr, als die Kaiser ihre Befehle ergehen ließen?“
Irene: „Dort, wo es Gott gewollt, auf den Bergen.“
Richter. „Aber, wer gab euch zu essen?“
Irene: „Gott, der Allen Speise gibt.“
Richter. „Wußte euer Vater um dieses Alles?“
Irene: „Nein, er wußte davon nicht das Geringste.“
Richter: „Wer wußte also von euren Nachbarn um die Sache?“
Irene: „Du kannst sie fragen und die Plätze aufsuchen lassen, wo wir uns befanden.“
Richter. „Als ihr von den Bergen herab kamet, habt ihr dann die Schriften in Gegenwart von Andern gelesen?“
Irene: „Sie waren versteckt, und wir waren sehr betrübt, da wir sie nicht lesen konnten.“
Nun sprach Dulcius: „Deine Schwestern sind bereits gestraft; du aber, obgleich du dein Leben auch verwirkt hast, weil du die Schriften verborgen hieltest, sollst nicht so schnell sterben, du sollst vielmehr von dem Gerichtsdiener und Henker entblößt und zur Schau ausgestellt werden und alle Tage ein Brot bekommen. Wehe aber dem, der dich entwischen läßt.“

Irene wurde nun wirklich von dem Henker an den für sie bestimmten Ort geführt; aber Gott beschützte ihre jungfräuliche Keuschheit wunderbar. Niemand getraute sich ihr zu nahen oder ein unehrbares Wort vor ihr zu reden. Nach einiger Zeit wurde sie vor den Statthalter und Richter Dulcecius geführt und von ihm gefragt: „Willst du noch immer in deiner Widersetzlichkeit verharren?“
Irene: „Es ist keineswegs Widersetzlichkeit, sondern nur Treue gegen Gott, in welcher sich verharre.“
Richter. „Du willst also nicht gehorchen, darum sollst du auch die wohl verdiente Strafe leiden.“

Nun nahm er eine Schreibtafel und schrieb darauf folgendes Urteil: „Weil Irene sich noch immer weigert, dem Kaiser zu gehorchen und den Göttern zu opfern, so soll sie wie ihre Schwestern lebendig verbrannt werden.“ Sogleich wurde das Urteil vollzogen. Irene bestieg unter Lobpreisungen Gottes den Scheiterhaufen und vollendete siegreich ihren Kampf am 5. April 304.

Die drei Schwestern Agape, Chionia und Irene werden abgebildet in jungfräulicher Kleidung, stehend auf einem brennenden Scheiterhaufen.

aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Erster Teil, 1904, S. 505-508

Bildquellen

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Category: Märtyrer, Ott
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