Gott droht mit Züchtigungen

Von Liguori: Neun Predigten über die Strafgerichte Gottes

Erste Predigt

Gott droht mit Züchtigungen, um uns von der Züchtigung zu befreien

Weh, Ich werde mich trösten an meinen Feinden, und Rache nehmen an meinen Widersachern. (Is. 1,24)

Merket euch wohl die Worte, meine Zuhörer, deren sich der Herr bedient, da Er von Züchtigung und Rache spricht: Er sagt, Seine Gerechtigkeit zwinge Ihn, Rache zu nehmen an Seinen Widersachern. Er lässt aber, was nicht zu übersehen ist, das Wort Wehe! vorausgehen. Dieses Wort ist, wie Cornelius a Lapide bemerkt, ein Ruf des Schmerzes, womit uns Gott zu erkennen geben will, daß, wenn Er zu weinen vermöchte, Er, ehe Er straft, bitterlich weinen würde, wenn Er gezwungen wird, uns, Seine Geschöpfe, zu strafen, die Er so innig geliebt, daß Er für sie Sein Leben hingegeben hat.

Dieser unser Gott, der ein Vater der Barmherzigkeit ist und der uns so innig liebt, hat keine Neigung, uns zu strafen und zu betrüben, nein, Er wünscht vielmehr nur, uns zu verzeihen, uns zu trösten. Ich weiß die Ratschläge, ich sinne über euch, spricht der Herr, die Ratschläge zum Frieden, nicht aber zur Trübsal. (Jer. 29, 11)

Wenn aber, wird vielleicht jemand sagen, Gott ein Vater der Barmherzigkeit ist, warum züchtigt Er uns alsdann? Oder, warum zeigt Er wenigstens, daß Er züchtigen wolle? Warum dies? Deshalb, weil Er uns Barmherzigkeit erzeigen will. Dieser Sein Unwille, den Er uns jetzt zu erkennen gibt, ist nur lautere Geduld und Barmherzigkeit; denn nicht deshalb zürnt der Herr, damit Er uns züchtige, sondern damit wir die Sünden aus unseren Herzen verbannen und Er uns dieselben verzeihen könne. Dies wird also der Gegenstand meiner heutigen Predigt sein:

Gott droht aus Liebe mit Züchtigungen

Die Drohungen der Menschen rühren gewöhnlich von ihrem Stolz und von ihrer Ohnmacht her; denn wenn sie sich rächen könnten, würden sie nicht drohen, wodurch ihre Feinde nicht Gelegenheit finden, sich ihrer Rache zu entziehen. Nur wenn ihnen die Macht fehlt, sich zu rächen, gebrauchen sie Drohungen, um wenigstens auf diese Weise ihren Zorn zu befriedigen und ihre Feinde mit Furcht zu quälen. Nicht so macht es Gott, wenn Er droht; Seine Drohungen sind ganz anderer Art. Er droht nicht, weil Er nicht strafen kann, denn Er kann allerdings strafen, wenn Er will; nein, Er erträgt uns, damit wir Buße tun, und von der Strafe befreit werden: Du bist nachsichtig gegen die Sünden der Menschen um der Buße willen. Weish. 11.24

Gott droht auch nicht aus Hass, um uns mit Furcht zu quälen; nein Er droht aus Liebe, damit wir uns bekehren und auf diese Weise der Züchtigung entgehen; Er droht, weil Er will, daß wir nicht zu Grunde gehen; kurz, Er droht, weil Er unsere Seelen liebt: Herr, der Du die Seelen lieb hast, Du schonest aller, denn Dein ist alles. (Weish. 11, 27).

Er droht, aber desungeachtet trägt Er einstweilen Nachsicht mit uns und hält die Züchtigung zurück, denn Er will nicht, daß wir verdammt, sondern gebessert werden: Er hat Geduld mit euch, und will nicht, daß jemand verloren gehe, sondern daß sich alle zur Buße wenden. (2. Petr. 3, 9). So sind also die Drohungen Gottes lauter zärtliche und liebreiche Zurufe Seiner Güte, womit Er uns von der Strafe befreien will, die wir verdient haben.

Der Untergang Ninives war nur eine Drohung

Jonas rief aus: Noch vierzig Tage und Ninive geht unter. (Jon. 3, 4). O ihr armen Niniviten, rief er aus, schon ist die Zeit eurer Züchtigung gekommen, seht, ich verkündige es euch im Auftrag Gottes; wisset, daß in 40 Tagen Ninive zerstört und nicht mehr auf dem Erdboden zu finden sein wird. Aber es geschah, als Ninive hernach Buße tat, daß die Stadt nicht gezüchtigt wurde, denn Gott erbarmte sich. (Ib. 10). Jonas betrübte sich deshalb und klagte zum Herrn: Ich bin deshalb nach Tharsis geflohen, denn ich weiß, daß du ein gütiger und barmherziger Gott bist, der droht aber nicht straft. (Jon. 4, 2).

Darum floh er also von Ninive und ruhte aus unter einem Efeugewächs, um sich vor den brennenden Strahlen der Sonne zu schützen? Aber was tat der Herr? Er machte, daß das Efeugewächs verdorrte, worüber Jonas wiederum so traurig ward, daß er sich den Tod wünschte. Da sprach Gott zu ihm: Du hast Leid wegen des Efeugewächses, womit du doch keine Mühe gehabt, das du auch nicht wachsen ließest; und ich sollte kein Mitleid haben mit Ninive. (Jon. 4, 10). Du beklagst dich über das verdorrte Efeugewächs, das du nicht geschaffen hast, und willst nicht, daß Ich den Menschen verzeihe, die Ich mit meinen Händen gemacht habe. Es war also, sagt der heilige Basilius, der Untergang, den Gott Ninive verkünden ließ, nicht eine Prophezeiung, sondern nur eine Drohung, um dadurch die Stadt zu bekehren.

Der Heilige sagt auch, daß Gott oft erzürnt erscheine, um uns Barmherzigkeit zu erweisen, und daß Er uns bedrohe, nicht um uns zu strafen, sondern um uns die Strafe zu ersparen. Der heilige Augustin fügt hinzu: Wer dir zuruft: Aufgemerkt! Der will sich nicht stoßen. Gerade so macht es Gott mit uns: Er droht, uns zu züchtigen, um uns nicht züchtigen zu müssen, sondern uns von der Strafe zu befreien, wenn wir uns auf Seine Ermahnung bessern.

Mein Gott, sagt der heilige Gregorius, Du scheinst erzürnt, aber gerade dadurch suchst Du uns zu retten; Du drohst, aber durch diese Drohungen willst Du uns zur Buße rufen. Gott könnte die Sünder unvermutet strafen, indem Er sie eines plötzlichen Todes sterben ließe, ohne ihnen noch Zeit zur Buße zu geben; aber nein, Er zeigt Sich erzürnt, Er zeigt Sich uns mit der Zuchtrute in der Hand, damit wir uns zuvor bekehren, ehe Er straft.

Wenn ihr euch bekehrt

Der Herr sprach zu Jeremias: Sprich zu ihnen: vielleicht, daß sie hören und sich bekehren ein jeglicher von seinem bösen Weg, und daß Mich reuet des Übels, das Ich ihnen zu tun gedenke. (Jer. 26, 3). Geh, sagte Er, im Falle sie dich anhören wollen und sage den Sündern, daß wenn sie ablassen von ihren Sünden, auch Ich es unterlassen werde, jene Strafen zu senden, die Ich ihnen zugedacht habe.

Habt ihr es vernommen, meine Christen? Dasselbe spricht heute auch zu euch der Herr durch meinen Mund; wenn ihr euch bekehret, so wird der Herr den Urteilsspruch, den Er bereits gefällt, wieder zurücknehmen. Der heilige Hieronymus sagt: Gott zürnt nicht über die Menschen, sondern über die Sünden. Und der heilige Johannes Chrysostomus fügt noch hinzu, daß Er auch unserer Sünden vergesse, wenn wir nur ihrer gedenken; wenn wir uns nämlich verdemütigen, Buße tun und Ihn um Verzeihung bitten; denn Er Selbst hat versprochen: Weil sie sich gedemütigt, will Ich sie nicht verderben. (2. Paral. 12, 7).

Damit wir Buße tun, müssen wir die Züchtigung fürchten

Damit wir aber Buße tun, müssen wir die Züchtigung fürchten, denn sonst werden wir niemals unser Leben ändern. Freilich ist es wahr, daß Gott diejenigen beschütze, die auf Seine Barmherzigkeit hoffen: Er ist ein Beschirmer aller, die auf ihn hoffen. (Ps. 17, 31). Aber wer auf Seine Barmherzigkeit hofft, der fürchtet auch zugleich Seine Barmherzigkeit, denn eine Hoffnung ohne Furcht artet in Kühnheit und Vermessenheit aus. Die den Herrn fürchten, hoffen auf den Herrn: Er ist ihr Helfer und ihr Beschützer. (Ps. 113, 19). Oft spricht der Herr in der heiligen Schrift von der Strenge Seiner Urteile, von der Hölle und der großen Anzahl derer, die den Leib töten; fürchtet den, der Macht hat, in die Hölle zu werfen. (Luk. 12, 4). Weit ist das Tor und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die da hindurch gehen. (Matth. 7, 13).

Aber warum tut Er das? Damit die Furcht uns herausreiße aus den Lastern, aus den Leidenschaften und den Gelegenheiten zur Sünde, und damit wir ein Recht erlangen, auf die ewige Seligkeit zu hoffen, welche nur den Unschuldigen und den Büßern, die auf Gott vertrauen und Ihn fürchten, zu Teil wird. O welche Gewalt hat die Furcht vor der Hölle, um uns von der Sünde zurück zu halten. Gerade deshalb hat Gott denn auch die Hölle geschaffen. Uns dagegen hat Er erschaffen und durch Seinen Tod erlöst, damit wir selig werden; ja Er hat uns sogar das Gebot gegeben, die ewige Seligkeit zu hoffen und muntert uns dazu auf, indem Er sagt, daß alle, die auf Ihn hoffen, nicht zu Grunde gehen werden: Alle, die auf dich warten, werden nicht zu Schanden. (Ps. 24, 2).

Gott verlangt, daß wir die ewige Verdammung fürchten

Dagegen will und verlangt Er aber auch noch von uns, daß wir unsere ewige Verdammung fürchten. Die Irrlehrer behaupten, daß alle Gerechtfertigten mit unfehlbarer Gewissheit glauben müssen, sie seien gerecht und zur Seligkeit vorher bestimmt, und der Besitz des Himmels könne ihnen nicht fehlen; aber mit Recht hat das Concilium von Trient diese Behauptung verdammt, weil eine solche Sicherheit für das Heil der Seelen ebenso nachteilig wäre, als die Furcht vor der Verdammnis heilsam ist. Diese Furcht wird euch zur Heiligung sein. (Is. 8, 14).

Ja, die heilige Furcht Gottes macht den Menschen heilig, und deshalb bat David um die Gnade der Furcht des Herrn, damit diese in ihm die Begierden des Fleisches ertöte. Durchbohre mein Herz mit der Furcht vor dir. Ps. 118, 120. Wir müssen also von heilsamer Furcht durchdrungen sein, um unserer Sünden willen; aber diese Furcht muss uns nicht niederschlagen, nein, sie muss uns vielmehr aufrichten zum Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, wie dies bei demselben Propheten der Fall war, da er zum Herrn sprach: Um deines Namens willen, Herr, sei gnädig meiner Sünde: denn ihrer ist viel. (Ps. 24, 11).

Wie kommt es aber, daß er Gott bittet, Er wolle ihm deshalb verzeihen, weil seiner Sünden viele sind? Das kommt daher, weil, je größer das Elend ist, desto klarer die Barmherzigkeit Gottes hervor leuchtet, und weil derjenige, welcher mehr Sünden begangen hat, auch die Barmherzigkeit Gottes mehr ehrt, wenn er nämlich auf Gott hofft, der all denen Rettung verheißen hat, die auf Ihn hoffen: Er errettet sie, denn sie haben auf ihn gehofft. (Ps. 36, 40). Deshalb heißt es in der heiligen Schrift, daß die Furcht Gottes nicht Pein, sondern Freude und Fröhlichkeit hervor bringe. Die Furcht des Herrn erfreut das Herz, gibt Lust und Wonne. (Eccl. 1, 12).

Durch die Furcht gelangt man zu einer festen Hoffnung auf Gott, welche die Seele glückselig macht. Wer den Herrn fürchtet, zittert vor nichts, denn er ist seine Hoffnung. Glückselig ist die Seele des Menschen, der den Herrn fürchtet. (Eccl. 34, 17). Ja, glücklich ist eine gottesfürchtige Seele, denn die Furcht entfernt den Menschen von der Sünde: Die Furcht des Herrn vertreibt die Sünde (Eccl. 1, 27), während sie ihn zugleich mit einem großen Verlangen erfüllt, die Gebote Gottes zu beobachten: Glückselig der Mann, der den Herrn fürchtet, er wird große Lust haben an seinen Geboten. (Ps. 111, 1).

Gott hat keine Freude daran, uns zu züchtigen

Wir müssen also fest glauben, daß Gott keine Freude daran habe, uns zu züchtigen. Gott, da Er Seiner Natur nach unendlich gütig ist, wie der heilige Leo sagt, hat kein anderes Verlangen, als uns glücklich und zufrieden zu machen. Wenn Er uns züchtigt, geschieht dieses, damit Seiner Gerechtigkeit genug getan werde, nicht aber, weil Er Sein Wohlgefallen daran hat, zu strafen. Isaias lehrt uns, daß es dem Herzen Gottes fremd sei, zu strafen. Gott zürnt, daß er sein Werk tue, ein Werk, das fremd ist seinem Herzen. (Is. 28, 21). Deshalb sagt der Herr, daß Er sich manchmal stelle, als wolle Er uns züchtigen. Ich stelle mich an, euch Übels zuzufügen. Aber warum tut Er das nur? Bloß deshalb: damit sich jeder abkehre von seinem bösen Weg. (Jer. 18, 11).

Darum also straft Gott, damit wir uns bekehren und so der verdienten Strafe entgehen. Der Apostel schreibt: Gott erbarmt sich, wessen er will, und verstößt, welchen er will. (Röm. 9, 18). Zu diesen Worten bemerkt der heilige Bernhard (Serm. 5, No. 3), daß, was Gott Selbst anbetrifft, Er uns erretten wolle, daß aber wir Ihn zwingen, uns zu verdammen. Gott wird ein Vater der Barmherzigkeit und nicht ein Vater der Rache genannt, woraus erhellt, daß Er den Grund, uns gnädig zu behandeln, aus Sich Selbst nehme, den Grund aber, uns zu strafen, aus uns. Wer wird auch nur jemals begreifen können wie groß die Barmherzigkeit Gottes ist! David sagt, daß Gott auch dann, wenn Er über uns zürnt, mit uns Mitleid trage. Du zürnest, Herr, und erbarmest dich unser. (Ps. 59, 3).

O barmherziger Zorn, ruft der Abt Beroncosius aus, der da zürnt, um zu helfen, droht, um zu verschonen. Du hast, fährt David fort, Hartes erzeigt deinem Volk, uns getränkt mit dem Wein der Trübsal. Schon zeigt Sich uns Gott mit der Zuchtrute in der Hand, aber nur deshalb, damit wir die Beleidigungen, welche wir Ihm zugefügt haben, mit zerknirschtem Herzen verabscheuen. Du hast denen, die dich fürchten, ein Zeichen gegeben, damit sie fliehen vor dem Bogen und gerettet würden, deine Geliebten. (Ps. 59, 6).

Gott zeigt sich uns mit dem gespannten Bogen, schon bereit, den Pfeil abzuschließen; aber Er schießt ihn nicht ab, sondern will nur, daß wir, darüber erschreckt, uns bessern, und auf solche Weise der verdienten Strafe entgehen. Ich will sie erschrecken, sagt der Herr, damit sie, von Angst und Schrecken ergriffen, aus dem Bett ihrer Sünden aufstehen und zu mir zurückkehren: In ihrer Trübsal werden sie früh zu mir sich aufmachen. (Ps. 6, 1).

Die Geißel, die uns schlägt, soll uns die Augen öffnen

Ja, o Herr, obgleich du uns so undankbar und strafwürdig erblickest, so verlangst du dennoch uns zu befreien; denn so undankbar wir auch sind, so liebst du uns doch und willst nur unser Bestes: Hilf uns, Herr, in der Not. (Ps. 59, 13). So betete der König David, und so sollen auch wir beten. Gib, o Herr, daß diese Geißel, die uns jetzt schlägt, unsere Augen eröffne, damit wir die Sünde lassen; denn wenn wir nicht aufhören, zu sündigen, so wird uns die Sünde endlich in die ewige Verdammnis stürzen, welches eine Züchtigung ist, die keine Ende nimmt.

Was sollen wir also tun, meine Christen? Seht ihr nicht, daß Gott zürnt; nicht länger kann Er uns ertragen, nicht länger zusehen. Gott zürnt. Seht ihr nicht, wie von Tag zu Tag die Züchtigungen Gottes wachsen? Es wächst die Bosheit, es wächst aber auch der Mangel an allen Dingen. Es wachsen die Sünden, sagt der heilige Johannes Chrysostomus, und es wachsen natürlicher Weise die Züchtigungen. Gott zürnt, aber desungeachtet ruft Er mir jetzt zu, was Er eines Tages zu dem Propheten Zacharias gesprochen hat: Sprich zu ihnen: So spricht der Herr; bekehrt euch zu mir und ich werde mich zu euch kehren. (Zach. 1, 3).

Sünder, sagt Gott, ihr habt euch von mir weg gewendet und mich dadurch gezwungen, euch meiner Gnade zu berauben. Zwingt mich nicht abermals, euch völlig aus meinem Angesicht zu verbannen, und euch mit der Hölle zu bestrafen, woraus es keine Befreiung mehr gibt. Hört auf, lasset ab zu sündigen und bekehret euch zu mir und ich verspreche euch, alle Beleidigungen, die ihr mir zugefügt habt, zu verzeihen und euch von Neuem als Kinder aufzunehmen. Bekehret euch zu mir, spricht der Herr, und ich werde mich zu euch kehren. Sagt mir, warum wollt ihr zu Grunde gehen? Seht, wie liebevoll der Herr spricht: Warum solltet ihr sterben, Haus Israel? (Ezech. 18, 31). Warum wollt ihr euch selbst in diesen Feuerofen werfen? Bekehret euch also und lebt. Kehrt um und seht, mit offenen Armen will ich euch aufnehmen und euch verzeihen.

Gott ruft: Ändert euer Leben und kommt zu mir

Verzagt nicht, meine Christen, fährt der Herr fort, lernt Gutes tun, alsdann kommt und klagt über mich! Wenn eure Sünden wir Scharlach wären, sollen sie weiß werden wie Schnee. (Is. 1, 18). Gott ruft uns also zu: Wohlan, ändert euer Leben und kommt zu mir, und wenn ich euch nicht vergebe, dann klagt über mich; aber nein, ich werde nicht ungetreu sein, ich werde durch meine Gnade eure befleckten Gewissen so weiß machen, wie den Schnee. Nein, ich will euch nicht züchtigen, wenn ihr euch bessert, sagt der Herr, denn ich bin Gott und nicht ein Mensch: Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn, denn ich bin Gott, nicht ein Mensch. (Oseas 11, 9).

Damit will Gott sagen, daß die Menschen die Beleidigung niemals vergessen, Gott aber, wenn Er einen reumütigen Sünder sieht, aller Ihm zugefügten Beleidigungen vergesse: Ich will all seiner Missetaten, die er begangen, nicht mehr gedenken. (Ezech. 18, 23). Kehren wir also schnell zu Gott zurück, ja recht schnell. Wenn wir Ihn auch früherhin beleidigt haben, so erzürnen wir Ihn doch jetzt nicht mehr. Siehe, Er ruft uns und ist bereit, uns zu verzeihen, wenn wir unsere Missetaten bereuen und Ihm versprechen, unser Leben zu ändern.

Hier erweckt der Prediger mit dem Volk die Akte der Reue und des Vorsatzes, worauf er zuletzt die allerseligste Jungfrau Maria um Erlangung der Verzeihung und um die Gnade der Beharrlichkeit anruft. –
aus: Alphons Maria von Liguori, Gesammelte Predigten, 1842, Zweiter Teil, S. 15 – S. 23

siehe dazu auch den Beitrag: Klagelied Weihnachten 2021

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