Fastnachtszeit Ich will mich freuen im Herrn

Fastnachtszeit – Ich will mich freuen im Herrn

Es ist aber Fastnacht, wiederholen die Weltkinder und Anhänger des Teufels. Was nun weiter? So muss man sich in dieser Zeit belustigen. Das kann und soll man zu allen Zeiten tun, aber auf die Art, wie es Christen, wie es Kindern Gottes anständig ist, das ist, sich lustig machen in dem Herrn, zu welcher Lustbarkeit uns der heilige Apostel Paulus mit jenen Worten ermuntert: Freuet euch allezeit im Herrn, abermals sage ich, freuet euch! Eure Sittsamkeit werde allen Menschen kund (Philipp. IV, 4 u. 5).

Eine gute Meinung setzen

Heißt das aber sich in dem Herrn freuen, wie den Kindern Gottes geziemt, wenn man an solche Orte geht, solche Gesellschaften besucht, wo die christliche Zucht und Demut, wo die Reinigkeit des Herzens, wo nicht gar des Leibes, natürlicher Weise Gefahr laufen muss? Ich verstehe hierunter nicht bloß jene nächtlichen Zusammenkünften auf den Tanzplätzen, sondern auch die Versammlungen von beiderlei Geschlecht, in welchen die ganze Nacht hindurch gescherzt und getändelt wird. Heißt das sich in dem Herrn freuen, wie die Kinder Gottes, wenn man sich also vermummt und verkleidet, daß es Gott nicht ohne Ekel und Abscheu ansehen kann? Hört, was er selbst hiervon in seinem Wort redet und vorschreibt: Ein Weib soll nicht Manneskleider antun, und ein Mann soll nicht Weibskleider anziehen; denn ein Gräuel ist vor Gott, wer solches tut (5. Mose. 22,5). Heißt das sich in dem Herrn freuen, wie die Kinder Gottes, wenn man durch übermäßiges Trinken absichtlich die Vernunft begräbt, und, was dann in dergleichen Gesellschaften besonders in diesen Tagen zu folgen pflegt, unzüchtige Possen und Narretei treibt? Heißt das sich in dem Herrn freuen, wie die Kinder Gottes, wenn man solche Dinge tut, wegen deren danach das Gewissen, geängstigt und beunruhigt, teils begründeten Zweifel hegt, ob Gott nicht gröblich beleidigt worden sei, teils wegen augenscheinlich erkannter Sünde das Begangene mit Reue und Leid verfluchen und im Beichtstuhl offenbaren muss?

Gebt Acht, meine Andächtigen! Wollt ihr wissen, ob das, womit ihr euch vergnügt, ein christliches, unschuldiges Vergnügen sei oder nicht, so setzt vorher, ehe ihr dasselbe zu genießen beginnt, eine gute Meinung ins Werk, wie ich anderwärts dargetan habe, und seht alsdann zu, wie solche Meinung dazu paßt. Denn ein jedes Werk, das an sich selbst weder gut noch böse ist, kann und muss verdienstlich und des ewigen Himmels würdig werden, wenn im Stande der heiligmachenden Gnade eine übernatürliche Absicht dazu kommt: und alles, was mit einer solchen Absicht vernünftig nicht verbunden werden kann, ist unfehlbar gewiß nicht unschuldig, sondern unerlaubt. Denkt nun: ich will dorthin, in jene Gesellschaft gehen, dies und jenes tun, auf diese und jene Weise mich betragen, zu deiner größeren Ehre und Verherrlichung, o Gott, weil es also deinem heiligsten Willen wohl gefällt, damit ich, hierdurch gestärkt, dir um so besser dienen könne; ich vereinige dieses vorhabende Werk mit den unendlichen Verdiensten und dem bitteren Leiden Jesu Christi, meines Herrn, damit du um so größeres Wohlgefallen daran habest, und es meiner Seele um so ersprießlicher zum Himmelreich sei. Alsdann gebt Acht, wie die vorgenommene Lustbarkeit mit dieser guten Meinung übereinstimme. Paßt sie vernünftiger Weise nicht dazu, so sage ich es noch einmal, und halte es für eine unerträgliche, ganz gewisse Hauptregel: dieses Vergnügen taugt nichts, ist mir nicht erlaubt.

Wem habe ich einen Eid geschworen?

Folglich bleibt es dabei: wenn ich ein rechtschaffener Christ und ein Kind Gottes sein will, fort mit der Lust! Ich will mich freuen, aber in dem Herrn. Laß andere beginnen und tun, was sie immer wollen: ich will meinem Gott und Herrn treu bleiben. Laß die ganze übrige Welt der leidigen Partei des Teufels nachrennen: ich will mich stets, auch in der Fastnachtszeit, zu dem Fähnlein Jesu Christi, meines Herrn, halten. Das Kriegsgesetz verbindet einen Soldaten zu allen Zeiten, und keine Fastnachtszeit erlaubt ihm, von seinem Posten sich zu entfernen, zu desertieren, den Degen gegen seinen Offizier zu ziehen. Begeht er etwas dergleichen, auch in der Fastnacht, und er wird ertappt, so wird er am Aschermittwoch gehangen. Das weltliche Gesetz und das Kriminalrecht bindet die Untertanen zu allen Zeiten, und keine Fastnachtszeit kann Diebereien, Mordtaten, Falschmünzerei, Aufruhr und Empörung gegen die rechtmäßige Obrigkeit erlaubt und unsträflich machen. Es darf deswegen kein Dieb oder Straßenräuber sich erkühnen, sein Handwerk öffentlich zu treiben: sonst wird man ihn auch in den Fastnachtstagen ergreifen und ihm den Prozeß machen. Das Gesetz der heiligen Ehe verbindet allezeit, die eheliche Treue auf`s genaueste zu halten, und es ist keinem Mann noch Weib in der Fastnachtszeit gestattet, sich mit anderen zu ergötzen. Nun aber ist das christliche Gesetz ein Kriegsgesetz: ich bin ein Soldat, und habe in der heiligen Taufe öffentlich unter der Fahne Jesu Christi einen Eid abgelegt, kraft dessen ich den Teufel, die üppige Welt, die Begehrlichkeit des Fleisches auf ewig abgeschworen habe. Im heiligen Sakrament der Firmung habe ich diesen Eid erneuert, und abermals versprochen, unter diesem Fähnlein für Gott und den wahren Glauben ritterlich und bis aufs Blut zu kämpfen und zu streiten. Das christliche Gesetz ist ein rechtskräftiges Gesetz: ich bin ein Untertan, und habe Gott, als meinem alleinigen Oberherrn, gehuldigt und ewigen Gehorsam versprochen. Das christliche Gesetz ist ein Gesetz eines geistlichen Ehebündnisses: meine Seele ist eine Braut, mein Bräutigam ist Gott, der heilige Geist, dem ich ewige eheliche Liebe und Treue versprochen habe. Habe ich mir vielleicht damals, als ich ein Soldat Christi wurde, die Fastnachtszeit ausbedingt, um in derselben ungehindert weglaufen zu können? Habe ich mir vielleicht damals, da ich als Untertan meinem Gott huldigte, die Fastnachtszeit vorbehalten, um in derselben mich gegen meinen rechtmäßigen Herrn empören zu können? Habe ich vielleicht damals, als ich durch die heiligmachende Gnade mit dem heiligen Geist vermählt wurde, die Fastnachtszeit ausgeschlossen, um in derselben mit dem Teufel einen geistlichen Ehebruch begehen zu können? Nein, dies alles ist auf ewig beschlossen; alle diese Gesetze verbinden mich zu allen Zeiten.

In den Fastnachtstagen dem Herrn treu bleiben

Somit wiederhole ich meinen Entschluss; bleibt auch ihr beständig bei dem eurigen, gute Christen! Ferne sei es von uns, daß wir, auch in diesen Fastnachtstagen, den Herrn verlassen, und fremden Götzen dienen sollten. Werde ich einen Haufen Volkes umkehren und der Partei des Teufels zulaufen sehen, so will ich an jene Ermahnung denken, welche Jeremias den Juden gegeben, und ihnen durch ein Handschreiben vorausgesagt hat, daß sie unter den Babyloniern wohnen und dort sehen würden, wie die goldenen, silbernen und steinernen Götzen angebetet werden: Seht also zu, daß nicht auch ihr den Fremden in solchen Werken gleich werdet. Wenn ihr seht, wie der Pöbel von hinten und vorne sie anbetet, so sagt in euren Herzen: Dich muss ich anbeten, Herr! (Baruch 6, 4 u. 5) Du allein bist der wahre Gott, den ich fürchten, ehren und lieben muss. Wollen andere mich durch Beschimpfung und Schmeichelei in ihre Gesellschaft und Gefahr zur Sünde ziehen, so will ich gleich des Fähnleins Jesu Christi gedenken, unter welchem ich stehe, und tun, wie einst der römische Feldherr Catulus getan hat… Sollte es mir in dieser Zeit schwer fallen, zu beten, da andere springen und herumlaufen; schwer, bei dem heiligen Tisch zu erscheinen, da andere der unmäßigen Trunkenheit und Völlerei frönen; schwer, allein und einsam zu Hause zu bleiben, da andere sich auf heidnische Weise belustigen; sollte ich vielleicht in eine Gelegenheit geraten, wo die christliche Zucht, Ehrbarkeit und Schamhaftigkeit Gefahr leidet, so will ich mich wieder fassen und denken: Siehe, unter wem fechte ich? Und mir mit dem heiligen Johannes Chrysostomus antworten: Ich habe Christo einen Eid geschworen, wie sollte ich darum zu dem Kriegsheer des Teufels überlaufen? Nein, das sei ferne von mir: fort mit dir, leidiger Satan; fort mit deinen Reizungen, mutwilliges Fleisch; hinweg, verkehrte Welt, mit deinen törichten Missbräuchen! Dein bin ich, mein höchster Gott und Herr; dein bin ich ganz und gar; dein bin ich zu allen Zeiten, auch in der Fastnachtszeit! Ja, ich will jetzt um so mehr, und mit Verdoppelung meiner Andachtswerke, beweisen, daß ich dir allein und deinem Dienst geweiht bin, je mehr andere sich deines heiligen, demütigen, züchtigen Gesetzes öffentlich zu schämen scheinen. Dein will ich bleiben, trotz alles Anhanges der Gegenpartei, in Ewigkeit. Amen. –
aus: Franz Hunolt SJ, Christliche Sittenlehre der evangelischen Wahrheiten, dem christlichen Volk in sonn- und festtäglichen Predigten vorgetragen, Bd. 4, Siebenter Teil, 1844, S. 229 – S. 243

Gesamte Predigt: Von der Schändung der Fastnachtszeit: Predigt Von denen, welche in den Fastnachtstagen dem Teufel lieber anhangen wollen als Christo

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