Selige Elisabeth Picenardi von Mantua

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

19. Februar

Die selige Elisabeth Picenardi von Mantua

Ihr Vater Leonard von Picenardi lebte in Cremona und ward wegen seiner Rechtschaffenheit und seines Edelmutes allgemein beliebt. Sein Name ward auch außer Cremona bekannt und der Herzog von Mantua berief den edlen Mann an seinen Hof und schenkte ihm volles Vertrauen. Hierum hatte er die Gnade, seine lange unfruchtbare Ehe mit einem Kind gesegnet zu sehen, welches in der heiligen Taufe den Namen Elisabeth erhielt.
Obschon am fürstlichen Hof erzogen, wo die Jugend oft Gefahr läuft, blieb Elisabeth doch immer rein und unschuldig, denn sie hatte eine gar fromme, gottesfürchtige Mutter. Elisabeth wuchs zu einer schönen Jungfrau heran, aber was noch weit mehr ist, sie hatte auch ein schönes, reines Herz, ein sanftes Gemüt, eine mit den schönsten Tugenden geschmückte Seele. Daher fehlte es auch nicht, daß angesehene, gut gesinnte Jünglinge um ihre Hand warben. –

Ihre Eltern selbst wünschten sie verehelicht zu sehen. Doch Elisabeth hatte ihre Wahl schon getroffen, ihre Liebe gehörte dem unsterblichen Bräutigam der Seelen, Jesus Christus. – Nach dem Tode ihrer Mutter legte sie das Gelübde beständiger Keuschheit ab und gehörte nun ganz ihrem lieben Jesus an. – Sie hatte aber auch Maria, das Vorbild aller reinen Jungfrauen, ungemein lieb; und um ihr desto besser nachfolgen und unablässig dienen zu können, begab sie sich in die Gesellschaft der Schwestern aus dem dritten Orden der Dienerinnen der Serviten U. L. Frau. Viele adelige Jungfrauen folgten ihrem Beispiele, und durch ihre reichliche Mittel ward es möglich, später ein stattliches Kloster zu bauen, wo nun die Ordensschwestern beisammen wohnen und gemeinschaftlich der christlichen Vollkommenheit nachstreben konnten.

Elisabeth hielt sich zu Hause bei ihrer jüngeren Schwester auf. Sie lebte dort wie in einem Kloster. Ihr Zimmer war ihre Zelle, welche sie nur verließ, um in die Kirche zu gehen. Nie hörte man sie ein eitles Geschwätz führen, nie erschien sie in Gesellschaften, nie bekümmerte sie sich um die Welt und ihr Treiben, immer fand man sie in ihrer stillen Zelle arbeitend oder betend. –

Absonderlich verehrte sie mit der kindlichsten Andacht U. L. Frau. Sie betrachtete sich als ein Kind der lieben Mutter Gottes und lebte mit ihr in der innigsten Vertraulichkeit. Es schien, als sei Maria immer bei ihr; denn wenn sie betete, so war es immer, als sehe sie Maria gegenwärtig und redete mit ihr, wie ein Kind mit der Mutter. Täglich verrichtete sie die grossen Tagzeiten zu Ehren U. L. Frau, und um ja die jungfräuliche Reinigkeit engelrein zu bewahren und hierin ihrer lieben Mutter Maria zu gleichen, züchtigte sie ihren Leib mit Geißelstreichen und scharfen, eisernen Ketten. Täglich beichtete sie unter vielen Tränen, und empfing dann mit heißer Liebesglut die hochheilige Kommunion. –

So lebte sie kein irdisches, sondern ein himmlisches Leben, und ward auch himmlischer Erscheinungen gewürdigt. Ihre Schwester Ursina sah oft durch die Ritzen und Klüften der Türen, wie die Himmelskönigin ihre Schwester Elisabeth heimsuchte, und hörte, wie sie wechselseitig vertrauliche Gespräche mit einander führten.

Es war aber der Mutter des Herrn nicht genug, ihre treue Dienerin mit ihrer Gegenwart zu beglücken, sondern sie gewährte ihr auch alle ihre Bitten. Das ward bald in der Stadt Mantua und in der Umgegend bekannt. Bedrängte aller Art kamen und baten sie um ihr Gebet. Und siehe, alle fanden Trost und Hilfe; denn Maria schlug ihrer treuen Dienerin keine Bitte ab.

Man nannte Elisabeth nur mehr die Referandaria der Mutter Gottes, denn alle Anliegen, die ihr von betrübten Herzen entdeckt wurden, trug sie der Mutter Gottes vor, und Maria erlangte immer Hilfe bei ihrem göttlichen Sohn. – Daher denn auch Elisabeth vor ihrem Tode besonders für zwei Dinge Gott herzlich gedankt hat: erstens für die Gnade, daß der Herr ihre jungfräuliche Reinigkeit unverletzt die Zeit ihres Lebens bewahrt hat; zweitens, daß sie weder für sich, noch für Andere etwas gebeten habe, ohne erhört worden zu sein.

Obschon der Ruf ihrer Heiligkeit in den Augen der Menschen sie groß machte, hielt sie sich doch in ihren Augen für klein und armselig, und diese tiefe Demut war wohl auch die Ursache, warum der Herr sie mit solch außerordentlichen Gaben beschenkte. –

Als sie vierzig Jahre alt geworden, ward sie von großen Kolikschmerzen befallen. Im Gefühl ihres nahen Todes, dessen Stunde sie kannte, verlangte sie, man sollte ihr alsbald das Grab zurichten. Und gerade als man am 19. Februar des Jahres 1648 mit dem Grab fertig war, starb sie, von einem wundervollen Glanz umgeben, heimgesucht von Jesus und Maria, und unter dem Gesang der Engel in den Himmel eingeführt. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 508 – Sp.509

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