Beschneidung des göttlichen Kindes Jesu

Das Fest der Beschneidung des göttlichen Kindes Jesu

Auf dem Bild sieht man einen bärtigen Mann, der das Jesuskind hält; vor ihm sitzt ein Mann, der wohl die Beschneidung vornimmt; links stehen Maria und Joseph

Am heutigen Tag feiert die heilige katholische Kirche das Andenken an jenen Tag, an welchem, wie der heilige Bonaventura sagt, der göttliche Knabe Jesus, nachdem er kaum acht Tage auf dieser Erde verlebt hatte, schon das Amt eines Erlösers beginnen und sein Blut zu unserem Heil vergießen wollte. An diesen Erstlingen des Leidens Christi hat seine heiligste Mutter den innigsten Anteil genommen. Sie hat den großen Schmerz ihres göttlichen Kindes in ihrem Herzen auf das Lebhafteste mitgefühlt; das Messer, welches ihr süßestes Kind verwundete, hat auch ihr Mutterherz verwundet, und aus der Wunde Jesu floß auch ihr Blut mit. – Heute also, wo Jesus das Werk unseres Heiles begonnen, hat auch Maria das Amt einer Wiederherstellerin des Menschengeschlechtes (Hl. Augustinus) angefangen. Das mag auch Ursache sein, warum vor Alters an diesem Tage zwei verschiedene heilige Messen gelesen wurden, die eine von der Beschneidung, die andere von der allerseligsten Jungfrau; und noch heutzutage beziehen sich die Gebete und Lesungen in den Tagzeiten der Priester am heutigen Fest großen Teils auf die gebenedeite Mutter unsers Herrn, welche bei der Beschneidung ihres allerliebsten Kindes so bittere Schmerzen für uns erduldet hat.

Es fand aber die Beschneidung des Jesuskindes am achten Tag nach seiner Geburt und zwar, wie der heilige Kirchenlehrer Epiphanius sagt, in jener Höhle bei Bethlehem statt, welche armen Hirten zum Stall diente, und in welcher der Heiland geboren wurde. –

Die Beschneidung, welche Gott der Herr dem frommen Patriarchen Abraham unter sehr strengen Strafen anbefohlen hat, war überaus schmerzlich. So groß, sagt der heilige Bonaventura, war zuweilen der Schmerz für die kleinen Kinder, daß der Tod darauf folgte. Daß aber der Schmerz des Jesuskindes gewaltiger, denn jeder andere war, können wir daraus entnehmen, weil sein heiliges und ganz jungfräuliches Fleisch ohne Vergleich zarter als jedes andere war. Daraus magst du aber auch auf die Angst und denSchmerz des liebevollsten Mutterherzens Mariä schließen, den sie bei der Beschneidung erdulden musste.

Und für wen hat das süßeste Jesuskind sein reinstes Blut vergossen; für wen hat es geweint, für wen sind die Tränen seiner heiligen Mutter geflossen? O christliche Seele! Für dich und mich, für deine und meine Sünden, für die Sünden der ganzen Welt! Ach tun wir weg alle Hartherzigkeit; vermischen wir unsere Tränen mit den Tränen Jesu und seiner gebenedeiten Mutter und weihen und opfern wir ihnen unser ganzes Herz!

Nach der Beschneidung sollte dem göttlichen Kinde, wie es bei den Juden gebräuchlich war, ein Name gegeben werden. (siehe den Beitrag: Fest des allerheiligsten Namens Jesu)

Vereinige auch du, christliche Seele, mit den heiligen Engeln deine Stimme, und lobe und preise das süßeste Jesuskind; bete es in tiefster Ehrfurcht an und danke ihm für seine unendliche Liebe, mit welcher es sein heiligstes Blut für das Heil deiner Seele zum ersten Mal vergossen hat. Vor Allem aber beteuere ihm, es immer und allzeit vom ganzem Herzen zu lieben. Es ist der innigste Wunsch der gebenedeiten Gottesmutter, daß ihr göttlicher Sohn von allen Menschen über Alles geliebt werde. Willst du aber Jesum recht inbrünstig lieben, so wende dich mit kindlichem Vertrauen zu Maria, der Mutter der schönen Liebe. Die Liebe zu Jesus ist eine Gnade, welche Maria, die Schatzmeisterin der Gnaden Gottes, allen so gerne mitteilt, welche sie darum herzlich und beharrlich bitten. Maria, sagt die heilige Katharina von Siena, ist die Trägerin des Feuers der göttlichen Liebe. Wollen auch wir von dieser seligen Flamme entzündet werden, so müssen wir suchen, uns durch Gebet und Anmutungen zu Gott immer mehr unserer geliebten Mutter Maria zu nähern.

Ein vorzügliches Mittel aber, um zur Liebe Jesu zu gelangen, wäre, wenn du dich durch eine feierliche und unwiderrufliche Schenkung der allerseligsten Jungfrau opfern würdest. „Maria, ruft der heilige Bonaventura ganz entzückt aus, ist der Weg, der uns zu Jesus Christus führt.“ Der heutige Tag, der erste im Jahre, wäre der geeignetste Tag zu dieser gänzlichen Hingabe an Maria, der hohen Himmelskönigin. –
Möge dich, christliche Seele, hierzu das merkwürdige Wort des heiligen Bonaventura ermuntern, welcher also schreibt: „Qui habuerit characterem Mariae adnotabitur in libro vitae.“ „Wer das Merkmal eines Dieners Mariens an sich trägt, wird in das Buch des Lebens eingetragen.“ –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1860, Sp. 65 – Sp. 71

Bildquellen

  • meschler-beschneidung-jesu: Bildrechte beim Autor

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