Unsere Liebe Frau auf dem Montserrat

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der hohen Himmelskönigin Maria

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Unsere Liebe Frau auf dem Montserrat in Spanien

Eines der größten Heiligtümer der spanischen Nation ist das wundertätige Bild der Lieben Frau auf dem Montserrat. Dieser Berg mit seinen wie von einer Säge durchschnittenen Spitzen und Gipfeln, daher Mont serrat, durchsägter Berg genannt, erhebt sich über 3800 Fuß hoch zu den Wolken. In einer gewissen Höhe des Berges liegt das Kloster der Benediktiner und die Gnadenkirche mit dem heiligen Bild. Nur mühsam steigt der Wanderer durch die schmalen Steige in den zahlreichen Schluchten hinauf zum Kloster, wo jetzt nunmehr eine kleine Schar von Priestern den heiligen Gottesdienst versieht. Ehemals zählte das Kloster gegen 70 Religiosen, welche das Heil der zahlreichen Pilger besorgten. Das Kloster mit seinen Nebengebäuden glich einer kleinen Stadt. Ein großer Teil liegt jetzt in Trümmern. Vom Kloster windet sich eine Treppe, die Einsiedler-Leiter genannt, durch die Schluchten zu dreizehn Einsiedeleien, welche auf den Felsenflächen einzelner Spitzen des Berges erbaut waren, und an den Felsen wie Schwalbennester angehängt schienen. Die meisten sind im letzten Krieg zerstört worden. Ein abgerichtetes Maultier, mit dreizehn Körben Lebensmittel beladen für die Einsiedler, ging täglich ohne Führer über alle diese Felsenspitzen und versorgte die Einsiedler mit Speise. Man zählte ehedem über 200 Einsiedler, die zuvor in der Welt lebend, hierher kamen, um vor dem Gnadenbild U. L. Frau ihre Sünden zu beweinen und in stiller Zurückgezogenheit für das Heil ihrer Seele zu leben. –

Die Gnadenkirche neben dem Kloster ist ein großes Gebäude. – Vor dem letzten Krieg mit den Franzosen hatte die Kirche die reichsten Schätze an Gold und Silber und edlem Gesteine, lauter Geschenke der Fürsten und Großen des Reiches; vor dem in Gold strahlenden Bild brannten immer 50 Lampen von Silber, lauterGeschenke von Päpsten, Kaisern und Königen, und beleuchteten den von Gold, Silber und Edelsteinen blitzenden Altar…

Dasselbe, etwa drei Schuh hoch, ist aus Holz geschnitzt und vom höchsten Altertum. Daher auch ganz schwarzbraun. Die Mutter Gottes hält das Jesuskind auf ihrem Schoß und sitzt auf einer Art Thron über dem Hochaltar. Das wundertätige Bild ist mit einem seidenen Mantel und einer Krone bedeckt, aus der aber die Edelsteine gebrochen sind…

Die Entstehung der Wallfahrt berichtet die Überlieferung also: Es war im Jahre des Herrn 880 an einem herrlichen Sommerabend, als die Schatten der Dämmerung schon anfingen die Felsen des Montserrat in ihren dunklen Schleier zu hüllen, da waren einige Hirten aus Olesa, die durch irgend einen Zufall sich verspätet hatten, an den Ufern des Flusses Llobregat beschäftigt, die Herden zu sammeln und zum Stall zurück zu treiben. Ein wunderbares Licht erglänzte plötzlich am Himmel, und als sie an einem Punkt desselben, wo eine düstere Felsenspalte sich öffnete, Tausende von Lichtern, während vom Himmel liebliche Sternlein, eines nach dem andern sich ablösten und dem Ort zuschwebten, wo die wunderbare Beleuchtung sich zeigte, um auch durch ihr Leuchten den Glanz derselben zu vermehren. Zugleich vernahmen sie eine wunderbar süße Musik, die wie Engelsgesang an ihr Ohr tönte, und die Luft erfüllte sich mit den kostbarsten Wohlgerüchen, wie sie nur immer die reichste Phantasie sich vorzustellen vermag. Vergeblich erzählten die Hirten von Olesa, was sie gesehen und gehört. Niemand glaubte ihnen. Eine Woche war vergangen, und die Hirten singen schon an, an der Erscheinung zu zweifeln, als sich am Abend des achten Tages dasselbe Wunder wiederholte, und jeden Samstag Abend sichtbar ward.

Der Pfarrer von Olesa und der Bischof von Ausona, der damals seinen Sitz in Manresa hatte, waren vier Samstage nacheinander Zeugen des seltsamen Schauspiels. Da blieb Guodemar, dem Bischof, kein Zweifel mehr übrig, daß ein himmlisches Zeichen ihnen gegeben sei, und am folgenden Sonntag zog der Bischof in feierlicher Prozession von Gläubigen begleitet, an den Ufern des Flusses Llobregat dahin, um den Ort des Wunders in Augenschein zu nehmen. Von dem himmlischen Wohlgeruch und der englischen Musik, die aus der Ferne wie leiser Orgelklang von den Felsen herüber tönten, geleitet, gelang es ihnen, den Eingang einer Höhle in dem wildesten Teil des Gebirges zu entdecken. In dieser Höhle fand man das Bild U. L. Frau, welches, wie einige Geschichtsschreiber erzählen, vom Apostel Jakobus nach Spanien gebracht und von dem Gotenfürsten Erogonius und Petrus, dem Bischof von Barcelona, in den Felsenspalten des Montserrat verborgen worden war, als die ungläubigen wilden Sarazenen in Spanien einbrachen. –

Guodemar nahm das heilige Bild in seine Arme und beschloss, in feierlicher Prozession es nach Manresa zu tragen. Doch an dem Ort angekommen, wo das heutige Kloster sich erhebt, fand er seine Füße durch unsichtbare Gewalt an die Erde geheftet, und war nicht im Stande, nur einen Schritt weiter zu gehen. Der Wille U. L. Frau war nun offenbar. Sie wollte den Berg nicht verlassen, und hier war der Ort, den sie sich ausersehen. Die Menge der Gläubigen, welche den Bischof begleitete, fiel auf die Knie und die Felsen des Montserrat widerhallten zum ersten Mal von dem Salve Regina, das von dieser Zeit an täglich vor dem Bild der heiligen Jungfrau gesungen wurde und vor dem das Volk nach seiner Weise ein heiliges Lied sich gebildet hat, welches in ganz Katalonien heute noch gesungen wird, und das der Fischer auf seinem Schifflein anstimmt, so wie der einsame Wanderer, der die Schluchten oder Gebirge durchzieht, und das die katalonischen Krieger sangen, ehe sie in die Schlachten zogen. (*)

(*) Dieses schöne Lied lautet in deutscher Sprache also:

Liebliche Rose, glänzende Sonne,
leuchtender Stern, Edelstein heiliger
Liebe, keuscher Topas, harter Diamant,
kostbarster Rubin, glühender Karfunkel!

Lilie, die alle andern Blumen übertrifft,
wunderbare Morgenröte, Klarheit
ohne Schatten, du stehst den Sündern
bei in allen Nöten, bist im großen
Sturm Hafen der Sicherheit!

Du edler Adler, der am höchsten fliegt,
königliche Kammer des großen Allmächtigen,
höre wohl auf meinen dir geweihten Gesang
und für Alle bittend sei uns Beschützerin!

Eine kleine einfache Kapelle war auf der Stelle erbaut, wo das Wunder stattgefunden. Die heilige Jungfrau des Berges verdankte ihren ersten Tempel nur der Sorgfalt des Bischofs von Manresa und der Andacht der Gläubigen. Doch bald sollte das einfache Kirchlein in eine größere, der Gottesmutter würdigere Andachtsstätte umgewandelt werden. Winfried, Graf von Barcelona, dessen Tochter das Gelübde ewiger Keuschheit abgelegt hatte, erbaute in den Felsen des Montserrat ein Nonnenkloster. Seine Tochter, die erste Äbtissin des Klosters, und mehrere Gott geweihte Jungfrauen wurden nun Hüterinnen des heiligen Bildes U. L. Frau. –

Achtzig Jahre hindurch blieb das Kloster mit seinem heiligen Bild der Hut der frommen Jungfrauen anvertraut, bis Graf Borell von Barcelona, der in der Verteidigung dieser Stadt gegen die Sarazenen sein Leben einbüßte, an die Stelle der Jungfrauen die Mönche des hl. Benedikt setzte, die bis auf den heutigen Tag die Wächter des Heiligtums geblieben sind.

Marienlied ‚Virolai‘ – Kloster Montserrat

Der Text mit Übersetzung findet sich auf der Seite „Virolai de Montserrat“

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Category: Gnadenorte, Ott
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